Der erste richtige Herbsttag. Franciszek ist bei mir eingezogen.

an einem Herbsttag ist Franciszek bei mir eingezogen

Oh ja, heute Morgen spürte ich, dass es nun wirklich Herbst geworden war. Ein bisschen Wehmut machte sich breit. Und genau zur richtigen Zeit war Franciszek bei mir eingezogen.

nun ist es wirklich Herbst
Nun ist er also wirklich da, der Herbst.

Inzwischen hat sich die Sonne durchgekämpft. Es wird ein schöner ruhiger und warmer Herbsttag heute. Am Morgen sah es noch trüb und neblig aus. Ach, nein, ich kann nicht sagen, dass ich das liebe. Es gehört eben dazu, aber Sonnenschein ist mir schon lieber.
Es ist gut, dass gerade jetzt Franciszek bei mir eingezogen ist.

Ich bin ein komischer Vogel, denn alles muss bei mir einen Namen haben. Die Schafe und Ziegen damals hatten auch welche. Man soll den Tieren keinen Namen geben, habe ich oft gehört. Dran gehalten habe ich mich nicht, denn ich war nur mit ihenen unterwegs und verantwortlich für ihr Wohl und Wehe. Manche hörten auf ihren Namen und machten mir die Arbeit mit ihnen dadurch leicht.
Meine Autos anno dunnemals hatten auch Namen und ich habe sogar mit ihnen geredet. „Gut so“, meinte mein Fahrlehrer, „wenn Sie mit ihrem Auto reden, dann ist es ja wenigstens durch ihren Kopf durch.“ Mmmm. Ich kenne genug Leute, da ist das nicht so.

Aber jetzt ist also Franciszek bei mir eingezogen.

mit Franciszek habe ich die erste Spule Wolle gesponnen
Die erste Spule haben wir gut gefüllt, der Franciszek und ich.

Ja, Franciszek ist mein neues Spinnrad. Da es von der polnischen Firma Kromski kommt, musste ich dem Rad einen polnischen Vornamen geben. Es war zwar zu Beginn recht zickig und ich wollte schon nach einem weiblichen Namen suchen, aber die Bauweise des Rades nennt man Bock (im Gegensatz zur Ziege). Also dachte ich, dass bockig auch passt und nun heißt es eben Franciszek. Warum es gerade dieser Name war, kann ich nicht sagen.

Der Aufbau des Rades ging ganz gut. Aber dann! Beim Anspinnen knarzten die Tritte. Mein erster Gedanke war, es gleich wieder in die Kiste zu packen. Dann fiel mir das Kännchen Öl ein. Klar, es war gerade gebaut, musste sich einlaufen und vor allem geölt werden. Da Letzteres tröpfchenweise passieren musste, dauerte es eben ein Weilchen. Inzwischen haben wir uns durch gekämpft. Es knarzt nichts mehr. Auch war es gut, zu probieren, wie die beste Fußstellung ist auf den Tritten.

die ersten beiden Spulen sind voll
Dann wollen wir mal zwirnen und unser erstes Garn erschaffen.

Dann hatten wir die ersten beiden Spulen voll. Franciszek hat gute Arbeit geleistet und das Spinnen hat richtig Spaß gemacht. Leicht ging es mir von der Hand, das Spinnen der selbst gewaschenen und kardierten Leineschafwolle.
Ich werde mir ein richtiges gemütliches Eckchen schaffen und dann denke ich, dass ich ganz gut gelaunt über den Winter komme. Wir haben uns zusammengerauft, das Kromski Minstrel und ich.

das erste Garn
Fertig. Ich freue mich, dass ich mir einen Traum erfüllen konnte.

Das erste Garn haben wir fertig, gezwirnt aus den Fäden auf den beiden Spulen. Schön weich ist es geworden. Die Zwirneinrichtung ist am Rad installiert. Das finde ich sehr praktisch. Auch der Einziehhaken und ein zweiter Wirtel für besonders straffe und dünne Garne ist am Rad untergebracht und kann nicht verloren gehen. Zum Rad habe ich noch eine Tasche erworben. So können wir auch mal auf Reisen gehen.

Ich freue mich so sehr, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte. Das Verzichten auf anderes hat sich für mich gelohnt. Ein richtiges Märchenspinnrad ist das Minstrel durch seine feine Drechselarbeit, so wie ich es zum Spinnen und Märchen erzählen eben haben möchte.

14 Comments on “Der erste richtige Herbsttag. Franciszek ist bei mir eingezogen.

  1. Da würde ich so gerne mal neben dir sitzen und zuschauen, wie du arbeitest. Gerne lese ich dir vor und ein Tässchen Tee wird sich auch finden.

    • Vorlesen wäre gut, denn zum Lesen komme ich in letzter Zeit viel zu wenig. Daneben sitzen gänge jetzt, denn es knarzt und quietscht nichts mehr.
      Liebe Grüße an dich an dem besonderen Tag heute.

  2. Liebe Gudrun,
    hoffentlich ist das der Beginn einer langen Freundschaft.♥♥♥
    Das neue Spinnrad sieht wunderschön aus und Deine Wolle scheint sich wohl zu fühlen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man an so einem Spinnrad Zeit, Hetze, Alltagssorgen etc. ablegen kann.
    Viel Freude damit,
    herzliche Grüße
    moni

    • Ich denke,wir werden Freunde werden. Ich habe noch eine Tasche dazu und so zuckeln wir im November und Dezember in Bibliotheken zur Märchenstunde.
      Es stimmt, liebe Moni, für mich ist das Spinnen mehr als einfach nur das Schaffen eines Fadens.
      Herzliche Grüße an dich.

  3. Liebe Gudrun, schön das ihr Beide euch „eingesponnen“ habt. Bis alles so läuft dauert auch ein bisschen. und gut schaut er aus, dein Francsizek. Viel Spaß 👍

    • Aber es war nicht ganz so einfach. Jetztvgeht es immer besser und ich kann mal wieder über konkrete Wollprojekte nachdenken. Ich habe allerdings jetzt immer noch das Ölfläschchen in Greifweite.
      Liebe Grüße.

      PS: Geht es den Bengtheimern gut?

      • Ja, aller Anfang ist schwer. Im Moment vernachlässige ich mein Spinnrad. Filze mehr. Wolle waschen und kardieren. Habe mir ein paar Online-Filzkurse gegönnt. Das gefällt mir gut. Aber demnächst wird mein Spinnrad auch wieder bewegt.

  4. Nun, ein neues Auto muß eingefahren werden, ein Musikinstrument eingespielt, ein junger Hund erzogen und ein Spinnrad eben eingesponnen.

    Gut, daß das erledigt ist (aber ehrlich: Ich hätte das Knarzen zu gern gehört).

    • Ich weiß nicht, was lauter war, das Knarzen oder mein Gefluche. Ein Drama war das. Ich bin aber auch ein ungeduldiges Weib!

  5. Da habe ich länger gebraucht, bis das Ashford und ich Freunde wurden. Ich wollte es immer wieder verkaufen und habe auch oft mächtig geflucht.
    Ich bin da auch sehr ungeduldig. Aber letztlich ist es ja geblieben und ich möchte es auch nicht mehr missen.
    Wenn man sich etwas so hart zusammenspart wie Du, ist es sicherlich noch mal besonders. Ich bin gespannt auf Deine Wollprojekte

    • Ich habe es mir wirklich abgetrotzt und das ging nur, indem ich auf ganz viel verzichtet habe. Jetzt ist es da und ich freue mich, denn wir haben noch einiges vor.

  6. „Franciszek“, das ist ein schöner Name! Er erinnert mich an Märchen, aufgrund der schönen tschechischen Verfilmungen. Das Knarzen war wahrscheinlich seine Art, sich mit dir bekannt zu machen. Ist doch so, wenn man sich frisch kennenlernt, da gibt es erst mal ganz viel zu erzählen. :-0
    Die gesponnenen Wolle sieht richtig gut aus und ich finde es total klasse, dass du für deinen neuen Freund eine so praktische Tasche erworben hast, so dass er dich begleiten darf. Du erzählst also Märchen in Büchereien, das freut mich wirklich sehr. Ich erinnere mich noch gut daran, als wir bei einem meiner Besuche darüber gesprochen hatten. Ich möchte den Franciszek gerne mal in „voller Statur“ sehen, vielleicht magst du ihn ja hier mal zeigen, oder ist er zu schüchtern? :-)
    Liebe Grüße von:Beate

  7. Hallo Gudrun, bei fb hatte ich mitbekommen, dass hier wieder kommentiert werden kann – und gleich und sofort (allerdings mit einer riesigen Pause durch Nase und anderes bedingt) bin ich auf deinen Originalblog geeilt, um zu antworten. – Dich kann ich zwar auch im Feedreader komplett lesen, aber nur hier schreiben.
    Schön, dass es jetzt also eine deutsch-polnische Freundschaft bei dir gibt. Hätte ich ein Spinnrad, hieße es Antek, da so die beiden Männer meiner beiden Cousinen heißen, die lange Zeit in Oberschlesien wohnten.
    Viel Freude für euch wünscht dir Clara

    • Das ist aber fein, dass du wieder da bist, liebe Clara.
      Das Spinnrad und ich haben sich inzwischen gut angefreundet. Jetzt surrt es ganz ordentlich und die erste Wolle ist schön.
      Ich hatte mich wirklich entschlossen, bei den Nachbarn zu kaufen und vielleicht schaffe ich es mal wieder über die Friedensbrücke zu kommen. Gleich hinter der Oder, auf den Wiesen, hatte ich auch mal Schafe gesehen.
      Liebe Grüße an dich und gute Besseung für dich, deine Nase und so.

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