In der Regenpause. Die Gudrun musste an die frische Luft.

Spaziergang in der Regenpause

Die Wetter-App ist doch was Feines. Eine Stunde Regenpause zeigte sie mir an. Und die wollte ich nutzen. Die Kamera nehme ich mit, unbedingt.meine Lindenallee in der Regenpause
Ich muss mehr raus! Gudrun muss an die frische Luft.
Schon die Vorbereitungen sind nervig. Schuhe anziehen dauert länger; wehe ich muss die Jacke nochmal ausziehen und die Arme verdrehen; das Krückenband muss sitzen, damit ich keine Genickstarre bekomme; alles muss an mir festgehängt sein, denn ich habe auf der Treppe und auch so mit den Krücken zu tun. Ja und dann los. Von der vierten Etage hinunter zu krücken ist nicht schön. Manchmal plagt mich unten der Gedanke, gleich wieder umzukehren. Ich weiß aber, dass ich mich bewegen muss. Dieses Mist-Rheuma soll mich nicht so schnell kriegen. Außerdem wollte ich Fotos machen, in der Regenpause mal schauen, was vom Herbst übrig geblieben war.

Regenpause in Leipzig_Grünau

Leipzig-Grünau wäre nichts ohne seine Plattenbauten. Ich habe gerade das Gefühl, dass der Regen in der letzten Zeit allen Bäumen gut getan hat. Die Blätter lebten noch mal richtig auf und die Bäume scheinen sie nicht hergeben zu wollen. Auch ist das Gras so grün, wie seit dem Frühlingsanfang nicht mehr. Vögel tummeln sich in den Pfützen und in den Büschen. Das Geschnatter und Gepiepse ist wieder laut geworden.
Über mir krächst eine Elster, aber ich sehe sie nicht.

Herbstblätter im Gras

Das Krückenband ist sehr nützlich. Ich kann die Krücken einfach loslassen, wenn ich Fotografieren will. Sie können nicht mehr umpoltern und ich muss sie nicht mühsam von unten wieder aufheben. Ich bin richtig froh, dass ich das im Netz gefunden habe.
Die Herbstblätter verlieren langsam ihre letzte Färbung. Im grünen Gras geben sie trotzdem noch ein schönes Bild. Ich kam nicht einfach daran vorbei.

die letzten Früchte: orangr Sanddorn, rote Berberitze und blaue beeren, die ich nicht kenne
Ach, hier können sich die Vögel noch einmal so richtig ein Gütchen tun. Die letzten Herbstfrüchte locken mit ihren kräftigen Farben. Auf dem Dachrand sitzen zwei Tauben und beobachten mich argwöhnisch. Nein, nein, ich fresse euch nichts weg!


Die Regenpause scheint schon vorbei zu sein. Es fängt ganz sanft an zu tröpfeln. Das Blatt in der Pfütze muss ich noch mitnehmen. Soviel Zeit muss sein.
Ein älteres Pärchen eilt zum Auto am Straßenrand. Ich ernte etwas unverständliche Blicke, aber das ist mir egal. Ich bin froh, dass ich die kleinen Dinge am Wegesrand sehen kann. Das gibt mir so viel Kraft. In dem Moment empfand ich sehr stark, dass es richtig war, mir die Mühe gemacht und das Haus verlassen zu haben.

Rabe

Wenn ich ihn höre mit seinen lauten Gekrächze muss ich in suchen. Ich mag diese schlauen Vögel gern. Fast ist es, als ob er mich verabschiedet, ehe ich ins Haus husche. Zumindest rede ich mir das mal ein. Ein warmes Gefühl durchströmt mich.
Zufrieden mit mir und meinem Spaziergang in der Regenpause suche ich meinen Schlüssel in der Kameratasche. Auf einem Balkon schimpft ein Vater mit seinen Kindern: „Hör auf mit dem Scheiß“, polterte er eines der Kinder an. „Und du höre auf zu lachen!“, bekam das andere dran geballert. Ich weiß nicht, ob dem Zwerg, da oben auf dem Balkon das Lachen vergangen war. Meines konnte ich mir nicht verkneifen.

14 Comments on “In der Regenpause. Die Gudrun musste an die frische Luft.

  1. Das hast Du richtig gut gemacht, liebe Gudrun,
    so viel Schönes hast Du gesehen, frische Luft geatmet und Dich in der Natur genau umgeschaut.
    Mir hat es jedenfalls echt Freude gemacht, von Dir mitgenommen worden zu sein.
    Liebe Grüße
    moni

    • Danke, liebe Moni. Das freut mich jetzt. (Es ist doch immer wieder eine Überwindung.)
      Liebe Grüße an dich

  2. So schön hast du das beschrieben, liebe Gudrun und einige Fotos zeigen mir Bekanntes. Dann durchströmt mich ein warmes Gefühl, ich habe mich immer sehr wohl bei dir gefühlt! Was hast du denn für eine Wetter App? Das ist ja klasse, wenn sie so zuverlässige Angaben macht!
    Liebe Grüße aus dem trüben Rödersheim.

    • Ich werde eisern trainieren, liebe Beate, habe mir extra ein Programm zusammen gestellt. Vielleicht bekomme ich es wieder etwas besser hin mit dem Laufen. Und dann ziehen wir mal wieder zusammen los. Im Moment habe ich die Befürchtung, dass ich eind Zumutung bin. Hoffnung habe i h aber noch, auch, weil die neue Medimentikation mir gerade besser hilft.
      Liebe Grüße nach Rödersheim
      (Grau war es hier auch ganz ordentlich. Ich nutze das Wetterdingens von Wetter online aus dem App store)

      • Liebe Gudrun, ich freue mich sehr zu lesen, dass du Hoffnung hast und dass die neue Medikation dir besser hilft. Eine Zumutung bist du ganz sicher nicht!
        Danke für den App Tipp, ich werde die mal testen.;-)
        Liebe Grüße zu dir.

        • Mir hat sie schon öfter geholfen. Ich habe bei Regen im Garten gehockt und habe auf eine Lücke gewartet. Meistens hat es geklappt und ich kam trocken zur Straßenbahn.

  3. Du hast meine Bewunderung, liebe Gudrun. Ich habe mich heute nicht mal aus dem 2. Stock hinunter getraut. Wunderschöne Herbstbilder hast du mitgebracht.

    • Danke, liebe Ute. Wenn ich mich aufmache und suche, dann finde ich immer jede Menge Sehenswertes. Ich weiß noch, wie ich das auf dem Dörfchen gemacht habe und wie es geholfen hat. Das muss es jetzt auch wieder.
      Liebe Grüße an dich.

  4. Tapfer, tapfer und so schöne Fotos. Ich habe es bei Regen auch schwer mich aufzuraffen und das ohne Rheuma. Es ist gut, dass du es machst. Alles Liebe Karin

    • Ich versuche es. Immer geht es nicht. Manchmal donnert es heftig rein und ich komme einfach nicht dahinter, wieso.
      Bei mir riecht es gerade wie bei Kräuterhexens. Ich habe Löwenzahnwurzel geröstet für meine Veranstaltung am Mittwoch.

  5. Liebe Gudrun, seit Tagen sitze ich mal wieder am Computer und habe mir als ERSTES deinen Blog rausgesucht, da sich dort schon so viele Artikel angesammelt haben.
    Natürlich bewundere ich dich auch wegen deiner Zähigkeit, zumal du ja ohne Fahrstuhl hoch und runter musst. Aber bitte bitte sei nicht böse – doch als ehemalige Physiotherapeutin (mit Herz und Seele) tut es mir richtig weh, von „Krücken“ zu lesen – das klingt so abwertend, so schlecht machend.
    Die richtige Bezeichnung ist natürlich sehr lang: „Unterarmstützen“ – doch wie wäre die abgekürzte Form: „Stützen“ – das klingt hilfreich, das klingt positiv – und das sollen sie ja sein, denn ganz ohne sie könntest du nicht laufen.
    Natürlich kannst du zu den „Dingern“ sagen was du willst – aber Name ist eben nicht immer Schall und Rauch.
    Lieben Gruß zu dir von mir

    • Liebe Clara, ich suche jetzt nicht das Krümelchen in der Suppe. Und ich habe keine Lust, mich über die exakte, wissenschaftliche oder Sonstwie-Bezeichnung zu unterhalten. Das sind meine Krücken und bleiben das auch. Und das meine ich nicht abwertend. Ohne sie käme ich nicht weit. Wenn ich sage: „Ich krücke dann mal los“, dann klackere ich gleich die Treppe runter. Was soll es. Ein Begriff ändert gar nichts an meinem Zustand. Päpstlicher als der Papst sollte man nie sein. Das tut mir gar nicht gut. Und eigentlich möchte ich mich jetzt gar nicht über Krankheiten und das, was damit zusammenhängt unterhalten, eher über Schönes, Überraschendes. Wie den kleinen Herbstspaziergang und die vielen Kleinigkeiten, die mir so gefallen haben.
      Liebe Grüße an dich.

      PS: Im Bundeswehrkrankenhaus hat man dem Jan gesagt, dass die Krücke immer das ist, was mit den Gehhilfen hantieren muss. Das hat uns ein ordentliches Lachen entlockt.

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