Mehr als ein Literaturtreff. Damit Leipzig-Grünau keine „Schlafstadt ist.

Ich hatte es mir schon lange vorgenommen, über den Literaturtreff Leipzig-Grünau zu schreiben. Heute habe ich mich aufgerafft. Ich möchte von den Menschen erzählen, weil ich sie nicht nur als Literaturbegeisterte erlebe, sondern als Freunde.

Es ist nun mal wie es ist, ich sitze zu Hause in Isolation. Zumindest erstmal. Schön ist das nicht, aber ich gehöre zur Risikogruppe in Coronazeiten und möchte mir den Rest meines Lebens nicht durch Unachtsamkeit versauen. Ich weiß nicht, ob das Virus mich verschont, aber so lange es geht, will ich es aussperren.
Komische Gedanken gehen einem da schon durch den Kopf und wurden jäh unterbrochen, denn es klingelte an der Tür.

Silke Heinig vom Literaturtreff Leipzig-Grünau

„Ich bin es, Silke, ich will dir nur etwas bringen.“
Meine Silke vom Literaturtreff Leipzig-Grünau kam die Treppe herausgehirschelt. Sie brachte mir Blumen und Bücher, die sie extra für mich gesammelt hatte: Bücher aus dem Altenburgschen. Und sie brachte mir ihre drei Veröffentlichungen mit, feine und interessante Bücher, über die ich gesondert noch mal schreibe.

Silke Heinig ist die gute Seele des Literaturtreffs, stellt mit ihrem Orgateam Lesungen und andere Veranstaltungen auf die Beine, betreut die Webseite und ist wie gesagt auch noch Autorin. Jedes Jahr gibt die Autorengruppe eine Broschüre heraus zu einem beratenen, beschlossenen und dann auch verbindlichen Thema. Klar, dass Silke natürlich da auch schreibt, so wie auch in verschiedenen Presseorganen und auch der Stadtbezirkszeitung. Mit Herz und Seele ist sie dabei und ganz viel Engagement, macht Fotos und das Layout. Das Engagement spürt man sofort, wenn man nur mal da war. Und wer in Leipzig oder in Grünau wohnt, der ist auch herzlich eingeladen. (für nach der Corona-Pause)

Die Bücher von Silke Heinig vom Literaturtreff Leipzig-Grünau
Silkes Bücher bekommen einen gesonderten Platz im Blog, weil sie es Wert sind.

Der Literaturtreff wurde jetzt fünf Jahre alt. Das konnten wir noch zusammen feiern. Und damit ich in den Stadtbezirksladen kam, wurde ich abgeholt. Und genau das ist der Punkt! Da sitzen nicht nur Literaturfreunde zusammen, nein, es ist eine herzliche und verschworene Gemeinschaft. Freunde sind das, denen der, der neben ihnen sitzt, nicht egal ist.

So oft konnte ich nicht zu den Lesungen oder Veranstaltungen kommen, weil das Rheuma mich ausbremste. Sie haben mich nie vergessen, abgeholt, wenn es nötig war, mir Rohwolle geschenkt, weil sie von meinen Spinnereien wussten. Und jetzt stand Silke vor der Tür und versorgte mich mit Blumen und Proviant zum Lesen.

Silke vom Literaturtreff Leipzig-Grünau hat Bücher für mich gesammelt
Lese-Proviant für die Zeit meines Corona-Rückzuges aus dem Altenburgschen und von anderswo.

Es war nur eine kurze Begegnung, logisch, sonst bringt ja mein Rückzug gar nichts. Aber wisst ihr was? Die Stille in der Wohnung finde ich gar nicht mehr so schlimm, denn ich weiß, dass da draußen Menschen sind, die an mich denken.

„Wenn du Hilfe brauchst, oder wenn etwas eingekauft werden muss, dann sag Bescheid.“ Und Zack, flitzte die Silke die Treppe wieder hinunter.
Es ist schön, wenn man Freunde hat. Ich bin sehr dankbar dafür. Und: Leipzig-Grünau ist mehr als nur eine Schlafstadt. Kommt doch mal vorbei im Literaturtreff. Da werdet ihr es sehen. (Programm ist auf den Webseite.)

11 Gedanken zu „Mehr als ein Literaturtreff. Damit Leipzig-Grünau keine „Schlafstadt ist.“

  1. Liebe Gudrun,
    das ist ein ganz besonders herzlicher Beitrag, der mich sehr berührt. Grünau ist mehr als eine Schlafstadt. Und unser Literatur Treff Grünau mehr als monatliche Routine.
    Bleib schön gesund und halte mal die Nase in die Sonne.
    Ganz liebe Grüße von Silke.

    1. Eben, das sehe ich genau so.
      Danke für deinen Besuch gestern. Das war eine feine Medizin. Ich bemühe mich aber, gesund zu bleiben. Wir haben doch noch so viel vor.
      Liebe Grüße durch Grünau.

  2. Bei allem Egoismus, der sich gerade breit macht und sich von seiner hässlichsten Seite zeigt, sind es eben auch solche Begegnungen und Erfahrungen, die nun stattfinden. Schön ist das nicht, ausgesperrt zu sein, vor allem, weil keiner weiß, wie lange dieser Zustand andauert. Mittlerweile gibt es Facebookgruppen, in denen Menschen Hilfe anbieten, in Supermärkten hängen Zettel. Das ist die eine Seite. Die andere ist die, das Menschen sich schon um’s Klopapier prügeln, selbst Krankenschwestern in Kliniken Desinfektionsmittel klauen um es bei ebay zu verticken.

    1. Es ist schön, wenn Menschen in solchen Situationen zusammenhalten. Dann wäre auch alles Ungemach zu schaffen.
      Nein, schön ist diese Situation nicht. Ich hoffe mal, dass es für uns alle gut ausgeht. Liebe Frau Momo, haltet die Ohren steif, da oben im Norden.

  3. Das ist eine schöne kraftstärkende Erfahrung. Ich erlebe auch gerade beides. Einerseits die rücksichtslosen, nur an sich denkenden und andererseits so viel Nähe und Freundlichkeit. Bleib gesund und freue dich. Ich geh mal Immunsymstem stärken. Alles Liebe Karin

    1. Die, die immer nur an sich denken, gab es zu jeden Zeiten und überall. Ich wünsche mir, dass irgendwann mal mehr Vernunft siegt.
      Fein wart ihr heute in der Sonne unterwegs. Das ist gut.
      Grüße an euch.

  4. Etwas Ähnliches erlebe ich auch gerade. Meine früheren Nachbarn fragten an, ob ich alles habe oder Unterstützung brauche. Es ist schön zu wissen, dass es diesen Hintergrund an Hilfsbereitschaft gibt, sollte man es einmal benötigen. Ich freue mich, dass du das auch erlebst.

    1. Der Frau in der Wohnung über mir habe ich heute ein Briefchen geschrieben. Wenn sie mal Hilfe braucht, soll sie sich melden oder an die Heizung klopfen. Es sollte sich keiner alleine fühlen.
      Bleib schön gesund, liebe Isa.

  5. Ich freue mich mit Dir über Deine liebe Besucherin, liebe Gudrun, und über die gute Versorgung mit Literatur. Das zeigt doch, dass immer gut an Dich gedacht wird auch und besonders in diesen schweren Zeiten. Auch wenn wir die Draußenkontakte meiden sollen und müssen, haben wir doch hier über das Netz die Möglichkeit, uns auszutauschen, unsere Sorgen, Nöte und Ängste zu teilen. Es tut gut, sich wenigstens auf diesem Wegen noch gegenseitig Mut machen zu können.
    Alles Liebe für Dich und pass schön auf Dich auf, liebe Gudrun, wünscht Dir von Herzen die Silberdistel

    1. Es stimmt, liebe Silberdistel, das Netz ist ein Segen. Als ich jung war, musste ich zur Telefonzelle laufen, wenn ich meine Mutter anrufen wollte. Ich rief bei ihren Nachbarn an und meine Mutter stand dann in dem fremden Flur. Da hat man natürlich nicht viel bereden können. Jetzt ist es gut und viel besser, gerade jetzt. Ich werde oft gefragt, wie es mir geht und ob ich Hilfe brauche. Schon alleine das tut gut.
      Liebe Silberdistel, ich schicke dir ganz liebe Grüße in den Norden. Bleibt schön gesund.

  6. Es sind die vielen kleinen Gesten, die diese Tage bei allem Ernst der Situation so hoffnungsvoll gestalten. Und Silke Heinigs Engagement wirkt nun Dank Deiner Zeilen noch weit über Dein kleines Reich hinaus. Ich persönlich glaube ja, dass dieses empathische Miteinander viel größer und stärker und mehr verbreitet ist, als es der offensichtlich sichtbare Egoismus uns glauben lässt.
    Liebe Gudrun, ich schicke Dir ein paar ganz liebe Gedanken in Deine aus guten Gründen selbstgewählte Isolation. Du bist nicht allein!

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