Kein Adventskalender, aber dennoch so etwas wie das erste Türchen.

„Welches auch die Gaben sein mögen, mit denen du erfreuen kannst, erfreue.“
Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.), römischer Epiker

Seit ich blogge, und das sind nun schon viele Jahre, habe ich noch nie einen Adventskalender für den Blog gefertigt. Ich bekomme das einfach nicht zu Stande. Es sollte etwas Schönes sein, etwas über das sich jeder freuen kann, was vielleicht an die eigene Kindheit oder anderes erinnert. Ich würde basteln und pfriemeln und doch nie fertig werden. Aber heute habe ich etwas, was ich in das erste Türchen legen könnte.

für das erste Türchen in einem gedachten Adventskalender

Meine erste Filzseife ist fertig. Ich werde sie verschenken.
Nicht nur um die Weihnachtszeit herum, aber auch da, verschenke ich gerne. Ich möchte damit immer einigen Menschen meine Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Und deshalb lege ich heute Mal die gefilzte Seife in ein erstes Türchen.

Es ist nichts teuer oder kostbar. Viel Arbeit steckt drin, ja, aber die mache ich gerne. Nichts ist für mich schöner, als zu sehen, wie das Bild Form annimmt, sich immer weiter vervollkommnet und gestaltet. Bis ich sagen kann: fertig.
Dann packe ich die fertige Seife wieder in ihre Verpackung, weil da die Inhaltsstoffe schon drauf stehen. Ich schreibe dann lieber noch eine kleine Geschichte über die Schafe, die ihre Wolle für das Geschenk gegeben haben.

Massenproduktion könnte ich so nicht machen. Das will ich aber auch nicht. Jede Seife soll etwas ganz Besonderes werden. Ich nehme mir dafür viel Zeit.

Die Seife aus dem ersten Türchen, verschenke ich an eine Nachbarin, an eine behinderte Frau, die so viel Lebenmut hat, dass sie anderen immer etwas davon abgeben kann. Ich möchte, dass sie immer ihre Kraft spendende und fröhliche Art behalten kann.

Und nun warten noch sieben Seifen darauf, ihr Gesicht zu erhalten.

Die Herbstchrysantheme hält sich tapfer, ich versuche es.

Ungemütlich ist es draußen geworden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass es gar nicht richtig hell wird. Meine Herbstchrysantheme auf dem Balkon allerdings hält sich tapfer. Ich konnte sie einfach noch nichtabschneiden. Winterfest gemacht habe ich sie schon, aber sie blüht und blüht. Als ob sie sich bedankt, dass ich sie in ihrer damals kleinen Pflanzschale nicht weggeworfen habe. Im Pflanzkasten fühlt sie sich offensichtlich wohl.

Herbstchrysantheme
Alles ist schon verpackt und sie blüht und blüht.

Bald muss ich allerdings die Zweige abschneiden. Ich werde sie als Winterschutz auf meiner Pflantkiste liegen lassen, so wie ich es im Garten auch mache. Ob sich Indekten angesiedelt haben, weiß ich nicht. Im Frühling dann werde ich ihnen Zeit lassen auszuziehen, indem ich die Zweige noch ein Weilchen in der Balkonecke liegen lasse.

Herbstchrysantheme
Ich kann sie einfach noch nicht abschneiden, obwohl sie ihre Winterruhe braucht.

Im Garten und auf dem Balkon ist Ruhe eingekehrt. So oft bin ich da nicht mehr draußen, nur ab und zu, um nach der Herbstchrysantheme zu schauen. Herr E. ist da eiserner und konsequenter. Er setzt sich immer mal raus, so wie wir es bei Rauchpausen vor vielen Jahren immer getan haben. Nur haben wir damals unsere Lungen mit allerlei Dreck, Teer und stinkiger Luft vollgeballert.

Wir haben für uns beschlossen, dass wir weitestgehend auf Kontakte verzichten. Dass bei allen nun mal irgendwelche Vernunft einzieht, ist nicht anzunehmen.
Heute habe ich mal wieder mit einer Frau aus unserer Weiberrunde (Behinderte aus der Nachbarschaft) telefonieren können. Es war schön, zu hören, dass alle gesund sind. Dafür hat sich unsere Kontaktbeschränkung schon gelohnt. Für sie alle filze ich gerade ein kleines Geschenk, damit wir uns nicht vergessen oder vergessen fühlen.

Langeweile kommt bei den E.s nicht auf. Ich habe mein Spinnrad, meine Wolle, das Stricken, Knüpfen, Filzen und natürlich mein Grafiktablett. Herr E. hat sich ein Kyboard zugelegt. Zeit zu haben, etwas zu tun, was man schon immer wollte, ist schon ein Segen. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, wo ich um Viere aufgestanden und in den Landkreis zum Unterricht gefahren bin. Da war an Hobby nicht zu denken.

Mein Strickzeug musste ich erstmal weg legen, weil mein Rheuma gerade an den Händen zerrt. Eine gelbe Socke mit Muster ist fertig, die zweite muss warten. Den Zeichengriffel aber kann ich halten, und die Filznadel auch. Heute Abend werde ich die erste eingefilzte Seife gestalten. Ich freue mich sehr drauf und genau das gibt mir die Gewissheit, auch mal ungute Zeiten zu überstehen.



Zeichnen mit dem Wacom Grafiktablett – allererster und erster Versuch.

Zeichnen ist die Kunst, Striche spazieren zu führen. (Paul Klee)

Ich möchte wieder mehr zeichnen. Gestern nun kam mein neues Grafiktablett von Wacom an. Darauf habe ich mich schon ein ganzes Weilchen gefreut.
Es gibt ja da welche mit eigenem Display und so vielen Möglichkeiten Fotos und auch Videos zu bearbeiten. Das brauche ich nicht. Ich bin es gewohnt zu zeichnen und auf dem Monitor zu sehen, was ich tue. Also habe ich eines nicht der allerneusten Genaration, aber eines, was mich gut arbeiten lasst. Den allerletzten Schrei brauche ich nicht und das tut auch meinem Geldbeutel gut.

zeichnen mit dem Grafiktablett
der allererste Versuch

Neue Funktionen, ein hochsensibler Stift und Ähnliches heißt aber auch mal wieder üben, üben, üben. Das Tablett lässt sich mit speziellen Stiften steiuern, aber auch durch gesten. Zack! Da war die Datei gedreht und ich fand nicht, wie ich es wieder „gerade“bekomme. Im neuen Grafikprogramm bin ich auch noch ein bisschen am Suchen. Mit cmd +z jedenfalls ging es nicht. Da sitze ich auch gleichmal am Schreibtisch und fluche wie ein Droschkenkutscher.

zeichnen mit dem neuen Wacom
Und das ist jetzt der erste Versuch.

Das „Pinselblümchen“ vom allerersten Versuch habe ich einfach behalten und jemand dazu gezeichnet, der sich genauso darüber freut, wie ich. Ich gleube, in den nächsten Tagen wird es etwas stille werden. Ich habe zu zeichnen, zu probieren bis ich meine Routine gefunden habe. Gut so, da muss ich nicht zu viel darüber nachdenken, was mich belastet. Und es gibt schon so einiges.

Da ist also heute der erste Advent. Vorweihnachtlich ist mir gar nicht zu Mute. Mal abgesehen davon, dass ich mein Weihnachtsgeschenk schon habe und quäle, scheint alles in weite Ferne gerückt. Nun geht mir das ja schon lange so, seit meine Kinder nicht mehr zu Hause wohnen, ich nicht mehr mit Kindern arbeite und nun auch nicht mehr mit dem Spinnrad unterwegs bin. In diesem Jahr fällt es mir besonders schwer, mich darauf einzustellen. Vielleicht sollte ich eine Weihnachtsgeschichte schreiben, oder eine zeichnen. Vielleicht gelingt es dann.

Ein seltsamer Besuch und eine ereignisreiche Woche.

Diese Woche war eieignisreich. Jede Menge ist passiert, jede Menge wurde erledigt. Das einschneidenste Erlebnis aber war der seltsame Besuch, der mich heinsuchte.

Die Nacht zum Montag war ein bisschen schlaflos. Ich musste am Montag zum Zahnarzt. Die ganze Nacht geisterte in meinem Kopf herum: „Klasse, ab morgen hast die ein Ersatzteillager im Mund.“ So schlimm war es dann gar nicht. Zahntechniker und Zahnärztin hatten gute Arbeit geleistet. Ich habe mich dann mal ordentlich am Kragen gepackt. Wieso bloß will man immer unfehlbar sein? Es ist wie es ist und mit einer großen Zahnlücke herum zu laufen wäre ganz großer Mist. So aber ist alles gut.

Seifen einfilzen

Die meisten meiner Seifen haben nun schon ihr weißes Mäntelchen an. Da braucht man ein bisschen Geduld und hinterher eine gute Handcreme. Ich freue mich, dass es vorwärts geht. So habe ich etwas zum Verschenken und genau darauf freue ich mich. Alle Mühen nehme ich gerne auf mich.

Am Schreibtisch war ich auch. Der eigentliche Schreibtisch-Akt allerdings beginnt morgen. Morgen kommt mein neues Grafiktablett und ich werde mich höchtswahrscheinlich erstmal hinter den Monitor verziehen. Nein, es ist nicht der allerletzte Schrei, aber für mich optimaler als das alte Tablett. Ich möchte wieder mehr zeichnen.

der seltsame Besuch

Still war es in der Wohnung. Ich mag die Stille in dieser Jahreszeit sehr. Doch dann hörte ich etwas flattern und surren. Ich hatte Besuch bekommen, einen seltsamen.

Am Gartenteich haben wir jedes Jahr Libellen, im Wohnzimmer hatte ich bisher noch keine. Mit den Arten kenne ich mich nicht aus. Ich habe versucht, herauszufinden, was das für eine ist, aber es ist mir nicht gelungen. Ich hatte erstmal aber viel zu lesen und weiß jetzt, dass sie mir am Gartenteich sehr willkommen sind. Sie finden dort Lebensraum und ich werde einige Plagegeister los. Aber, wie kommt mein seltsamer Gast in mein Wohnzimmer?

mein seltsamer Gast im Oktober in meinem Wohnzimmer

Gute Fotos konnte ich nicht machen. Anleuchten wollte ich das Tierchen nicht und mit einer Hand konnte ich die Kamera kaum halten.
Ich weiß, dass es Winterlibellen gibt. Sie sind die einzigen, die im ausgewachsenem Stadium überwintern. Aber in meinem Wohnzimmer? Ich glaube nicht, dass es hier das Richtige ist: zu trocken, kein Wasser, keine kleinen Insekten …

habe ich meinen Besuch, die Libelle, mit dem Schilf mitgebracht?

Bestimmt habe ich das Tierchen mit dem Trockenstrauß aus dem Garten mitgeschleppt. Und nun?

Als die Libelle so auf meiner Hand saß, trug ish sie vorsichtig auf dem Balkon.
In meinem Pflanzkasten aus Holz hatte ich alle Pflanzen gepackt, die überwintern sollen. Drum herum ist eine Kokosmatte als Winterschutz gebunden und obenauf liegen locker Zweige vom Koniferenverschnitt.
Dahinein setzte ich vorsichtig die so zarte Libelle. Ich hatte noch nie eine auf der Hand.
Wenn es tatsächlich eine Winterlibelle ist, dann kann sich sich ein Plätzchen suchen und mit den Pflanzen überwintern. Und wenn sie sich zur letzten Ruhe betten will, dann findet sie die.

War noch was?
Ach ja, Anfang Dezember habe ich meinen Termin zur Impfauffrischung. Mein Rheumatologe war gerade aus dem Urlaub zurück gekommen. Anfang der Woche glühte natürlich dort das Telefon. Er bietet aber auch an, per Mail einen Termin zu buchen. Das hat prima geklappt und ich bin beruhigt und sehr dankbar, einen so guten und fürsorglichen Arzt haben zu dürfen.

Seife filzen für Freunde, weil das Adventstreffen ausfällt.

Seife filzen ist wie Malen, nur mit Wolle.

Ich bin beim Seife filzen. Zu den ursprünglich geplanten Adventstreffen will ich ein kleines Geschenk mitbringen. Immer nur Süßigkeiten zu verschenken ist wedert gut, noch gesund.

Wir sind hier einige behinderte Frauen im Wohnblock, die sich immer mal treffen. Im Sommer sind wir draußen. Den Winter wollten wir auch nicht einsam verbringen, aber im Hochrisiko-Gebiet Sachsen lassen wir es lieber, uns eng an eng zusammen zu hocken. Unsere Adventstreffen fallen also aus.

Seife filzen
Seife einfilzen: mit Wolle umlegen, anheften und filzen
  1. Ich nehme immer Seifen im Karton, weil ich dann nicht nochmal alle Inhaltstoffe aufschreiben muss.
  2. Die Seife wird mit Wolle umlegt, an den Kanten und Ecken besonders achtsam.
  3. Mit der Filznadel „hefte“ ich die Wolle etwas an und beginne zu filzen.
  4. Meine Hände seife ich ordentlich mit Olivenseife ein und beginne mit heißem Wasser und Olivenseife die um die Seife gewickelte Wolle zu bearbeiten, zuerst sehr vorsichtlich wie sanftes Streicheln.
  5. Das wird so lange bearbeitet, bis die aufgelegte Wolle sich wie ein Bezug um die Seife verdichtet hat.
  6. Als letztes gestalte ich mein Seifenbündel, in dem ich Motive mit der Nadel sorgfältig aufnadele und auch noch einmal nass nachfilze.
Seife filzen: Sterntaler
Sterntaler

Der Sterntaler war immer eines meiner Lieblingsmotive. Mal sehen, ob ich auch diesmal wieder ein solches mache. Ich ahne schon, dass es so sein wird.

Die eingefilzte Seife kann ganz normal benutzt werden. Der Wollüberzug verhält sich wie ein Waschlappen. Ist die Seife aufgebraucht, dann bleibt nur noch ein kleines bisschen Wolle übrig, die man auf dem Kompost entsorgen kann.

Wenn man die Seife länger nicht benutzt hat, wird der Wollüberzug etwas hart. Das ändert sich ganz schnell, wenn die Seife wieder mit Wasser in Berührung kommt.

Ich freue mich auf das Seife filzen morgen. Heute habe ich erstmal die Seifen besorgt. Zum ersten Mal habe ich mich mit Fridolin ins Einkaufszentrum gewagt und es ging prima, ich bin gut durchgekommen und habe auch niemand umgenietet. Immer mutiger werde ich und das bringt mehr Freiheit zurück.

Mir gefallen solche Tätigkeiten wie das Seife filzen, weil ich mich dann richtig austoben kann. Ein bisschen ist das wie Malen, nur eben mit Wolle. Ich bin schon wieder auf der Jagd nach Motiven.

Kräuter, ein Wälzer und eine Dalienknolle im Winterschlaf.

Es geht mir immer nur dann gut, wenn Hände und Kopf genug zu tun haben.

Heute habe ich die letzten Kräuter abgerebelt und in die Behältnisse gepackt. Die Gartenkräuter sind in die Gewürzgläser gewandert und Melisse und Pfefferminze in meine Teemischung. Die ist mir gut gelungen. Weder dröhnt etwas vor, noch ist etwas aufdringlich im Geschmack. Bei mir gibt es jetzt jeden Tag eine große Kanne Tee. Und der tut gut.

Die letzten Kräuter

Die Freundin in der Elsteraue hatte mich auf die Idee gebracht, die Teemischung selber zu sammeln, zu trocknen, zu rebeln und zu mischen. Sie hat ihrer Mischung allerdings Wermutkraut zugefügt. Und folglich ist sie jetzt bitter, aber wie. Ich habe auch ein Gläschen mit Wermutkraut für den Notfall, aber in die Teemischung kommt das nicht. Wie sagte meine Oma aus dem Altenburgschen? „De Warmte is en Mochentee.“

die letzten Kräuter
die letzten Kräuter für’s Gewürzregal und die Teemischung

Ein Wälzer auf den Knien und dazu Kräuter-Tee im Glas

Die Enkelin von Herrn E. wollte uns Anfang Dezember besuchen. Ich habe sie ewig schon nicht mehr gesehen. Sie war noch klein, als sie mich bei den Schafen besuchte. Jetzt studiert sie in Karlsruhe. So ein Treffen wäre schön gewesen, jedoch wir lassen es. Bei den aktuellen Corona-Zahlen und vielleicht noch aufgeregten Fußballfans muss keiner mit Bussen und Bahnen fahren. Es ist besser so.

Ich nutze die Zeit und die Ruhe jetzt, mich unter anderem mit meinem Bildbearbeitungsprogramm zu beschäftigen. Ich kenne bei Weitem noch nicht alle Möglichkeiten. Den fetten Wälzer kann ich mit meinen Rheuma-Händen kaum halten. Ich werde mir etwas einfallen lassen müssen.

Wälzer auf den Knien und Tee meiner Kräuter in der Hand
Wälzer auf den Knien und den Tee der Kräuter in der Hand

Die Räpitz-Dahlie geht in den Winterschlaf

Nicht nur die letzten Kräuter sind heute in ihren Behältnissen verschwunden. Meine Räpitz-Dahlie (benannt nach einem früheren Wohnort) ist heute auch in ihr Winterquartier gebracht worden. Ich mag es zum Beispiel gar nicht, Pflanzen nach der Blühsaison weg zu werfen. Statt dessen hab ich sie in Hobelspäne und in eine Papiertüte verpackt und Herr E. hat sie in den Keller getragen. Mal sehen, ob die gesunden Knollen es über den Winter schaffen und mich wieder mit Blüten erfreuen. Wenn ja, dann wird die Dahlie auf meinem Balkon bleiben und wachsen dürfen.

Es sind zwar gerade gerade keine guten Zeiten und auch die täglichen Nachrichten verheißen nichts Gutes, aber ich würde euch alle am Liebsten zu einem Kräuter-Tee einladen, sowohl zur Verkostung als auch für ein bisschen Wärme und Gemütlichkeit. Wer weiß, vielleicht machen wir das mal, wenn wir alle diese Pandemie überstanden haben, im Sommer auf der Kräuterwiese.
Lasst es euch gut gehen bis dahin. Ich wünsche es euch von Herzen.

Wie bin ich denn früher mit einer Krise umgegangen? Es ist ja nicht die erste.

Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen. Das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit. (John F. Kennedy)

Ja, ich empfinde das, was jetzt gerade um mich herum passiert und weltweit zu spüren ist, als Krise. Es ist nicht die erste in meinem Leben, aber diesmal ist es anders, bedrohlicher. Ich habe das Gefühl, dass mir da etwas entgleitet, ich keinen Einfluss nehmen kann. Die Berichterstattung in den Medien tut das Ihre dazu. Die Nachrichten überschlagen sich, ich habe kaum noch Zeit, sie zu verarbeiten.

Die erste große Krise kam, als ich meine Kündigung erhielt, damals, als ich im Schulhort arbeitete. Am letzten Schultag hatte ich sie am Nachmittag im Kasten. (600 anderen ging es genau so.) Zack, Ende! Keine Abfindung, kein Sozialplan. Das Schlimmste war, dass ich mich von meinen Kindern nicht verabschieden konnte.

Ich habe dann wie ein Löwe um eine Weiterbildung gekämpft, habe sie nach zwei Jahren dann auch bekommen. Und danach habe ich wieder als Lehrer gearbeitet und Softwareanwendungen unterrichtet. Ich habe das gerne gemacht. Bis man der Meinung war, dass man genug ausgebildet hat. Diesmal bekam ich keine Kündigung. Ich war freischaffender Dozent und wurde einfach nicht mehr gebraucht.

Rechnerarbeiten - Lichtblick in der Krise
Der Bergrat Borlach hat in diesem Pumpwerk Wasser von der Saale zum Gradierwerk befördert.

Oh diesmal hatte ich mehr zu knaupeln an der Situation. Sie veränderte viel, brachte finanzielle Verluste mit sich und krempelte mein Leben so richtig um.
Einmal habe ich gedacht, ich schaffe das alles nicht mehr. Dann traf ich Schafe und zwei total verlotterte Hütehunde. Sie weckten die Lebensgeister wieder und bescherten mir zwei wunderbare Jahre. Ich wusste wieder, was ich brauche und was nicht und wie ich sein und leben wollte. Nebenher wurde ich zur „Kräuter- und Wolltante“.

Jetzt aber ist alles anders. Ich habe das Gefühl, dass es nicht alleine von mir anhängt, wie diese Pandemie und Krise ausgeht. Das macht mir Angst. Aufgeben, wie damals vor der Zeit mit den Schafen, will ich nicht. Kräuter- und Wolltante bin ich immer noch und ich habe meinen Rechner „neu entdeckt“.

In einem Gespräch mit meiner Tochter sagte ich einfach mal so daher: „Eigentlich hab ich ja jetzt Zeit in der Krise. Da könnte ich doch einen Roman schreiben.“
Sie: „Na, mach es doch. Schreiben kannst du doch.“
Ich: „Nee, ich hab dieses Ratgeber-Buch gelesen und jenes und bekomme das nicht zusammen, wo es los geht und wo es hin soll.“
Sie: „Das ist dein Problem: Du liest Anleitungen ohne Ende und denkst ständig darüber nach anstatt einfach los zu schreiben. Mach es. Danach fängst du erstmal an mit Selbstlektorat an und nimmst dir dafür viel Zeit. Und dann sehen wir weiter.“
Töchterchen, du hast Recht. Ein Roman wird es bestimmt nicht, aber schreiben werde ich.

Bildbearbeitung - aktivitäten in der Krise
Der Dom in Naumburg

In der Krise jetzt, in Pandemiezeiten, sind Freundschaften zerbrochen. Oder waren es gar keine? Jeder hockt in seiner Blase und wehe, man stimmt den Meinungen nicht immer zu oder stört den alpha-Menschen in der Blase beim Denken. Ich finde so etwas schade, weil der, der „abrauscht“ auch gleich noch einige mitnimmt. Aber was soll’s. Meine Freundinnen, aus Leipzig und aus der Elsteraue, und ich sagen uns auch mal Dinge, die nicht unbedingt zustimmend sind. Aber, wir wollen für einander da sein und da ist das nötig. Vielleicht halten diese Freundschaften genau deshalb schon über viele Jahre.

Ab Montag haben wir in Sachsen wahrscheinlich einen harten Lockdown. Ich finde es zu spät, aber diese Notbremse dennoch gut. Zu tun habe ich genug und verziehe mich gleich wieder hinter meinen Monitor.


Schlaflosigkeit: Der Papa hat uns den Teppich geklaut.

Warum Elli plötzlich nicht mehr schlafen konnte?

Die Geschichte der kleinen Elli (Name geändert) ging mir gerade jetzt wieder im Kopf herum. Warum weiß ich nicht genau. Vielleicht, weil ich mir wünsche, dass immer jemand da ist, wenn man das Gefühl hat, unlösbare und unüberwindbare Probleme vor sich her zu schieben. Jemand soll einfach da sein, zuhören und trösten. Das würde viel Schlaflosigkeit verhindern.

Meine Arbeit im Schulhort änderte sich nach der Wende stark. Hausaufgaben konnten gemacht werden, mussten aber nicht. Die Hortner kontrollierten nicht mehr auf Richtigkeit, mussten nicht mehr helfen. Ich fand das nicht gut, denn manche Eltern waren nach einem anstrengenden Tag dazu nicht mehr in der Lage. Die Kinder am Abend auch nicht. Manchen war das aber auch Wurst oder sie waren mit ihren eigenen Problemen beschäftigt.

Zumindest für die erste Klasse hatten wir beschlossen, weiter Hausaufgaben mit den Kindern zu machen. Auch den Mittagsschlaf behielten wir bei.
Meine anvertrautenKinder schliefen jeden Tag tief und fest, natürlich nicht ohne eine Geschichte gehört oder vorgelesen bekommen zu haben. Schule und stille Sitzen waren halt anstrengend. Geweckt habe ich mit leiser Musik und ein bisschen Zeit. Dann war das Wachwerden nicht so heftig.

Elli schlief sonst immer, aber mir fiel auf, dass sie neuerdings auf ihrer Liege lag wie angewurzelt und an die Zimmerdecke schaute. Die ganze Woche ging das so.
Ich setzte mich dann an ihre Liege und fragte sie, was denn los sei. Mit traurigen Augen schaute sie mich an und flüsterte dann: „Der Papa ist ausgezogen. Und er hat unseren Teppich geklaut, sagt die Mama.“

Oh, daher also die Schlaflosigkeit. Elli musste mit der Trennung der Eltern fertig werden und mit dem Zorn der Mama obendrein.
Wir haben dann geredet, dass Kinder sich ja auch mal zanken. Oh ja, das kannte Elli. Naja und bei den Großen ist es eben auch manchmal so. Und dann ziehen sie auseinander, damit der Streit aufhört. Das, was sie haben, das teilen sie. Und er Papa hat den Teppich bekommen.
„Aber, warum sagt die Mama sowas?“
„Sie hat sich sicherlich sehr geärgert. Sieh es ihr nach, Elli, leicht hat sie es jetzt auch nicht“

Ich nahm Elli dann in den Arm und strich ihr über den Kopf.
„Weißt du was, Elli? Wenn du wieder ganz traurig bist, dann reden wir.“
Ich weiß nicht, ob Elli das noch hörte. Sie war eingeschlafen. Die Schlaflosigkeit war für sie vorbei.

schlafender Verwandter
Schlafender Verwandter – meine Zeichnung vor einiger Zeit

Am Nachmittag fragte Elli, ob sie dem Papa ein Bild malen darf. Na klar durfte sie. Der Weg zum Spielplatz führte an seiner neuen Wohnung vorbei und Elli steckte ihm das Bild in den Briefkasten.
Einmal im Monat durfte der Papa Elli aus dem Hort abholen. Er kam auf mich zu, gab mir die Hand und sagte leise: „Danke.“ Nur dieses eine Wort. Ich nickte. Wir hatten uns verstanden.

Wenig später erreichte uns eine neue Verordnung. Wir sollten keinerlei Körperkontakt zu den Kindern haben. Das alles könnte als sexuelle Handlung ausgelegt werden. Was lief bloß schief? Für mich war es selbstverständlich, die Kinder zu trösten, wenn sie hin gefallen waren. Das größte Lob für mich war, wenn die Kinder mich an der Hand nahmen und aufgeregt sagten: „Mutti, Mutti, komm mal mit. Wir müssen dir was zeigen.“
Elli hatte keine Probleme mehr mit Schlaflosigkeit. Und ganz ehrlich, ich würde das immer wieder so machen. Kinder brauchen unsere Obhut, aber keine falsch verstandene.

meine Kinder
eine alte Zeichnung: zwei meiner eigenen Kinder

Nebel – Schwaden und Nebeldunst. Herbst eben.

Was sich nach Licht sehnt ist nicht lichtlos, denn die Sehnsucht ist schon Licht. (Bettina von Arnim)

Manchmal mag ich den Nebel, dieses Geheimnisvolle, vieles Verdeckende. Und schon lange warte ich auf ihn, weil ich fotografieren möchte. Ich habe den Wetterbericht studiert, Klamotten und Kamera bereitgelegt, aber bei uns gab es immer keinen Nebel. Das heißt, einmal schon, aber nur ganz kurz. Die Sonne tupfte ihn ganz schnell weg. Es lohnte sich nicht, in die Sachen und auf den Fridolin zu springen. Aber mit dem Kaffeepott am Fenster zu sitzen, das hab ich mir gegönnt.

Es war zuerst noch dunkel. In der Dämmerung saß ich dann am Fenster.
An den Zweigen vor dem Fenster sammelten sich Wassertropfen, die irgendwann zur Erde fielen. Still war es draußen. Auch die Vögel ließen sich nicht am Futterhaus blicken.

Die Andrea vom Morgentau-Blog macht tolle Nebel-fotos. Naja, nicht nur vom Nebel, aber gerade diese Fotos ziehen mich jedesmal wieder in den Bann. Ich weiß nicht, wo ich mit dem Fridolin hinbrettern kann, um ein schöneres Motiv zu haben. An den Stadtrand, dahin wo die Felder beginnen? Oder an den Kulkwitzer See? Den Lindenauer Hafen habe ich auch noch auf der Liste? Ich weiß es aber nicht. Und ich bin auch nicht sicher, ob ich mich das getraue, alleine.

nach dem Nebel
nach dem Nebel

Es dauerte tatsächlich nicht lange, da war der Nebelspuk vorbei. Die Sonne machte dem ganz schnell ein Ende. Nur die Wassertropfen verrieten noch etwas davon.

Eigentlich wollte ich mich mit der Freundin treffen. Sie hatte ihrem Enkel zum Geburtstag ein Fotoalbum erstellt über seine gesamte Lebenszeit, Fotos eingeklebt und Texte geschrieben. Das wollte sie mir zeigen. Wir wollten Tee trinken von meiner Spezialmischung und schwatzen. Wir haben es sein lassen, reduzieren alle Kontakte mal wieder. Es ist besser so, denn die Zahlen der Corona-Erkrankungen steigen auch in Leipzig wieder rasant.

Ich habe dann doch noch geschwatzt, jeder in seinem Sessel zu Hause, aber mit Teepott in der Hand. Zuerst mit der einen Freundin in Leipzig und dann mit der anderen in der Elsteraue. Was auch passiert, wir verlieren den Kontakt nicht und auch nicht das, was eine Freundschaft ausmacht. Da sind wir uns sicher und das ist es, was gut tut, Hoffnung gibt. Tja, und er Akku des Phones kann da schon mal leer geschwatzt werden.

Wenn draußen Nebel herrscht, geht Socken stricken immer.
Socken stricken zum Beispiel geht an trüben Tagen immer.

Meine Mustersocken habe ich fast fertig. Ich tüftele schon am nächsten Muster, denn irgendwie werden die Wollreste nicht weniger.
Meine älteste Tochter in LA hat ihre Schwiegermutter aus Kolumbien zu Besuch. An kühlen Abenden ziehen sie alle meine Wollsocken an, die ich für sie gestrickt habe. Ich freue mich, dass wir so eine bunte Familie sind, wie meine Socken. 😀

Sehnsucht nach Farbe. Die letzten Blätter des Herbstes.

Beschäftigung habe ich mir gesucht und die Ruhe genossen, genau nur das zu machen und mich nicht ablenken zu lassen. Es tut mir gut.

Ihre Farbe war nun verblasst. Meine Dahlienknolle, die im Frühling bei der Gartenbepflanzung übrig geblieben war und die ich auf dem Balkon in einen Kübel gepflanzt hatte, habe ich jetzt wieder aus der Erde geholt. Sie hatte schön geblüht, aber nun war ihre Zeit gekommen, ins Winterquartier zu ziehen. Hehe, sie hat sich ordentlich entwickelt in ihrem Kübel. Ich werde alles tun, dass sie im nächsten Jahr wieder blühen kann.

Sie hat sich gut entwickelt auf meinem Balkon.

Solche Herbstarbeiten machen mich eigentlich immer etwas traurig. Über die Dahlie aber habe ich mich riesig gefreut. Eine Knolle hatte ich vor vielen Jahren vom Dörfchen mitgebracht. Und so heißt sie bei mir Räpitz-Dahlie, nach dem Ort, in dem ich einige Zeit gewohnt habe.

Die Bäume, die im Schutz der Häuser in meinem Innenhof stehen, haben noch einige Blätter. Mein Kirschbaum ist fast kahl, aber die Zeichnung der Herbstblätter begeistert mich immer wieder. Ihre Farbe inspiriert mich, bei der Wahl der Kleidung, beim Zeichnen und sogar beim Stricken.

Sehnsucht nach Farbe
Inspiration durch Farbe

Wenn die Sonne scheint, dann scheint das ganze Zimmer in goldenes Licht getaucht. Diese Farbe und diese Lichtmomente würde ich gerne für immer festhalten. Sie werden vergehen, aber drinnen kann ich mich mit Farbe umgeben nach Herzenslust.

Farbe im Innenhof
die letzten Herbstfarben

Manchmal ziehe ich die Frühstückszeit in die Länge, sehe aus dem Fenster und bewundere das, was der Herbst draußen im Hof zeichnet.
In jungen Jahren habe ich auch schwarze Kleidung getragen. Jetzt sehne ich mich nach Farbe. Ich hätte bestimmt auch rote Haare, aber ich vertrage keine Chemie mehr auf dem Kopf. Ob ich mir einen Hut kaufen soll?

Meise im Ahorn
mein ständiger Besucher

Meine Meise zu fotografieren war ein Zufall. Eigentlich wollte ich das satte Rot des Ahorns festhalten und Zack, da hockte sich der Vogel auf den Meisen-Airport vor dem Vogelhaus und mir vor die Linse.

Sehnsucht nach Farbe
Farbe für das Resterstricken

Ich bin dann mal durch meine Woll- und Garnkisten gekrochen und habe alle Reste zusammengesucht, wild entschlossen, sie alle zu verarbeiten. Eigentlich wollte ich Ringelsocken stricken, habe mich aber dann doch für Muster entschieden. Es gibt ja Garn zu kaufen, bei dem sich ein Muster beim Stricken ergibt. Ich stricke das Muster lieber selber.

Das Klappern der Nadeln und das Konzentrieren auf die Muster sind so herrlich beruhigend und entspannend. Ich mag das sehr. Das Sockenstricken habe ich übrigens von einem Mann gelernt, einem Mathematiker. Seine Anleitung hatte ich verstanden. Interessant fand ich auch, dass Schüler an einem naturwissenschaftlichen Gymnasium in den Pausen zur Entspannung strickten.

Inspiration durch die Herbstfarben
Farbe, einfach nur Farbe

Ich stricke jetzt meine erste Mustersocke fertig. Und morgen schaue ich mal, was ich der Natur vor meinem Fenster noch so abkucken kann.