Von Orangen und einigen anderen Dingen

Ich weiß jetzt nicht gleich, wer es war, aber jemand fragte, ob ich denn auch die Orangen fotografiert habe. Ja, das habe ich, wollte den Hain aber noch von oben fotografieren, von der Uni aus.

Orangen für die Bienen und Menschen

In Kalifornien ist es erwünscht, dass man Obst von den öffentlichen Plätzen mitnimmt.
An meinem Radweg standen früher Walnussbäume. Es ist mir nie gelungen, eine Handvoll davon mitzunehmen. Ich habe immer geprüft, ob sie reif sind, aber plötzlich waren sie von einem zum anderen Tag weg. Ich hab mich dann nicht mehr bemüht, sah aber im nächstem Jahr einen Kleintransporter vorfahren und jemand mit Leiter. Die einen sind maßlos, andere schämen sich, etwas zu nehmen.

Ruheplatz bei den Orangen

Der Orangen an der Uni wurden durch eine private Spende möglich. Die Orangenblüte war noch nicht. Meine Tochter meinte, dass es dann ganz lieblich duftet auf dem großem Gelände. Es werden keine Pestizide eingesetzt. Ich habe bereits Bienen gesehen, die schon mal kontrollierten, wie weit das ist mit dem Pollen der Blüten.

Orangen an der Universitát Northridge

Interessant war für mich, dass man drei Reifestufen der Orangen sehen konnte: die ganz Reifen und Zuckersüßen aus dem vergangenem Jahr, die Helleren , die in diesem Jahr reif sein werden und die kleinen Grünen, die im nächsten Jahr gegessen werden können.

Reigegrad der Orangen

Und was war noch?

Mein Enkel muss eine Hausaufgabe machen: 100 Tage Schule (in diesem Jahr). Das war was für mich. Wir haben im Garten Naturmateriel gesucht und hundert Teile aufgeklebt: 10 Stiele, 10 Blätter, 79 Blüten und eine Schleife.
Ich denke, es sieht ganz gut aus.

An der California State University, Universität Northridge

Wir waren an der Universität Northridge, dort wo meine Tochter studiert hat. Dort gibt es einen Orangenhain, auf dem keine Pestizide eingesetzt werden und der zur Orangenblüte ein Labsal für die Bienen ist. Die Bäume hingen voller Orangen, gereiften vom vergangenen Jahr, noch nicht reifen und grünen, die erst im nächstem Jahr gegessen werden können. Weil es eine öffentliche Anlage ist, kann sich jeder Orangen mitnehmen. Und so wurde es auch für uns ein wahres Labsal.

Wir wollten im letzten Jahr schon dahin, aber wir hatten es nicht geschafft. Es gibt auf dem Gelände der Universität einen Teich, den mir meine Tochter unbedingt zeigen wollte. Ich weiß nun auch warum.

am Teich der Universität Northridge

An dem Teich gab es steinige Inseln und darauf waren jede Menge Schildkröten. Sie saßen übereinander, die kleinsten ganz obenauf. Es waren viele Besucher am Teich, denn das Schauspiel wollte sich keiner entgehen lassen.

Teich an der Universität Northridge

Enten gab es natürlich auch. Die Abendsonne schien und ich war begeistert von der Farbenpracht, die sich im Federkleid der Enten zeigte. Mit ist schon klar, warum so viele Filme in Süd-Kalifornien gedreht werden. Die Lichtverhältnisse am Set sind hier einfach immer phänomenal.

Mein Favorit an diesem Tag war aber ein anderer.

Im Park der Uni Northridge

Der kleine Kerl im Park der Universität Northridge war ein richtiger Poser und er hatte es mir besonders angetan. Als ich ihn sah, lehnte er lässig an seinem Baum als wollte er sagen: „Na du!“
Ich hatte die Kamera schon wieder weg gepackt, bekam die Tasche nicht gleich auf und hatte im entscheidenden Moment den Objektivdeckel noch drauf. Das machte alles gar nichts, denn er wartete geduldig, bis ich mich ausgemoscht hatte.
Wir wollen da nochmal hin, wenn die Uni auf hat, weil man von drinnen auf die Santa Monika Berge fotografieren kann. Dem Eichhörnchen werde ich einpaar Nüsse mitnehmen.

Momente zum Wohlfühlen unter vielen Tieren.

Wenn man sich darauf einlässt, erdrücken einen die Momente zum Wohlfühlen fast. So geht es mir, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin oder wenn ich an interessanten Orten bin. Ich habe mich gefreut, dass es in Leonis Adobe Museum so viele Tiere gab, die zutraulich waren, weil sie gut versorgt und geborgen waren. Sie hatten großes Vertrauen zu den Menschen.

Zwei wertvolle Ranchmitarbeiter

Die beiden waren die Ersten, zu denen ich Kontakt hatte. Seit ich selber keine Katze mehr habe, zieht es mich zu jeder hin. Sie dösten in der Sonne.
Die Farmerin erzählte uns, dass sie die Farm mäusefrei halten müssen, viel zu tun haben und ihre Aufgabe gewissenhaft erfüllen.
Streicheleinheiten nahmen sie gerne an, ihr Wohlfühlen war sichtbar.

Wasser zum Wohlfühlen und Akrobaten an der Tränke

Wenn genug Wasser da ist, ist das in Kalifornien an sich schon ein Grund zum Wohlfühlen. Die Langhornrinder müssen sich allerdings etwas mühen, um an den Trog heran zu kommen. Allerdings entwickeln sie ein unglaubliches Geschick und fädeln sich ein. Einen Teil seines Reichtums machte Leonis mit seinen riesigen Rinderherden. Aber zu ihm, wie schon gesagt, später.

Meine Lieblinge, die Marinos

Über die Schafe auf der Ranch habe ich mich besonders gefreut. Klar, Leonis war Baske und stammte aus den französischen Pyrenäen. Er war Schäfer und kannte den Wert der Merinowolle. Und so lebenauch heute noch Marinos auf der Farm.
Niemand auf der Ranch wusste, wie man die Wolle behandeln soll. Sie wird jedes Jahr irgendwohin verkauft. Ich habe ein bisschen erzählt davon, wie die Wolle gewaschen wird, gekämmt, gesponnen. Ganz ehrlich, ich kann mir vorstellen, das mit Kindern hier auch mal zu machen.
Beim Anblick der Schafe und des sauberen Stalles ging mir das Herz auf. Der vertraute Geruch sorgte nun bei mir für Wohlfühlen.

Wohlfühlen unter allerlei Getier

Es gab noch eine Menge andere Tiere: Ziegen, Hühner, Puten, Tauben u.a. und es war schön, ihnen so nahe sein zu können.

Solche Museen wünsche ich mir zu Hause auch

Das Museum hat die Aufgabe, lebendige Geschichte zu vermitteln. Der kalifornischen Staat fördert das. Keiner kommt hier auf die Idee, jemand vorzuwerfen, zu den ewig Gestrigen zu gehören. (Ich habe das leider schon zu hören bekommen.) Wie soll man denn mit allen gesellschaftlichen Anforderungen klar kommen, wenn man die Geschichte nicht kennt. Bringt man sie so lebendig nahe, hilft es vielleicht, dass nicht nur bis zum eigenem Gartenzaun gedacht wird.

Nachtrag:
Der Beitrag sollte gestern schon erscheinen, aber zuerst gab es unangekündigte Server-Arbeiten beim Provider und nix ging, dann gab es in der Nacht ein Erdbeben und heute erstmal einen etwas länger andauernden Stromausfall.
Ach, naja, es hetzt mich ja nichts!

Lebendige Geschichte in Leonis Adobe

Wenn ich in einem anderen Land bin oder in einer anderen Region, dann möchte ich nicht von einer Touristenattraktion zur nächsten hetzen, Selfies machen und sagen: „Ich war hier!“ Ich möchte Historisches erfahren, die Geografie kennenlernen und die Menschen erleben, die hier wohnen.
Und so nahm ich den Vorschlag der Tochter gerne an, Leonis Adobe zu besuchen. Je mehr ich von der Geschichte eines Landes weiß, um so mehr verstehe ich Dinge, die jetzt sind.

Leonis Adobe
Leonis Adobe

Ich war schon in der ersten Mission in Los Angeles, im ersten Siedlungshaus, im ältesten Haus und nun kann ich einiges erfahren über das Leben in einer Ranch, Leonis Adobe. Es war Tag des offenen Museums, also auf nach Calabasas (span. Winterkürbis), einer Stadt im Südwesten des Vernando Volleys zwischen den Ausläufern der Santa Monica und der Santa Susana Berge.

Leonis Adobe erhielt seinen Namen von Miguel Leonis, der die Ranch 1850 erwarb. Er war ein baskischer Schafhirte aus den französichen Parenäen, der mithilfe einer kleinen Privatarmee zum Raubritter aufblühte. Wildwest eben.

Leonis Adobe hat eine bewegende Geschichte hinter sich. Nach dem Tode Leonis gab es Erbschaftsstreitereien, Aufkäufe, Vandalismus, Abrisspläne (die in letzter Minute verhindert wurden). 1962 wurde das Gehöft historisch-kulturelles Denkmal. Mrs. Kay Breachy gab 1963 die vom letzten Eigentümer geforderte Summe und rettete damit das Anwesen als Museum erhalten bleibt.

Veranstaltungen finden hier statt, Führungen, Demonstrationen und Wanderungen, Museumsmitarbeiter erzählen von der Geschichte, von den Tieren und den vielen alten landwirtschaftlichen Geräten, Gebäuden und Anlagen.

Ich finde es schön, wenn Geschichte erlebbar wird. Es ist natürlich auch anstrengend, weil man sich auch mit Unangenehmen und wenig Heldenhaftem auseinandersetzen muss. Man macht das hier. Bei vielem gibt es verschiedene Meinungen, aber sie zuzulassen und darüber zu reden ist zwar ein nicht einfacher Meinungsbildungsprozess, aber ein lohnender.

Mir hat es auf der Ranch sehr gefallen. Es gab zum Beispiel Rancher, die auch mal zeigten, wie man ein Pferd sattelt oder ein Lasso wirft und Museumsmitarbeiterinnen, die aus der Geschichte der Ranch erzählten. Eine Frau, Andrea Beilinson, hat sich freundlich um uns gekümmert und uns viel erklärt. Vielen Dank Frau Beilinson.

Winter in Los Angeles

Heute haben wir uns mal durch Winnetka bewegt, den Stadtteil von LA, in dem meine Tochter zu Hause ist. Es war faszinierend.
Es ist gerade Winter, aber die Sonne schien, es war warm und es gab eine Menge zu entdecken, was in unseren Wintern keine Chance hat.

Hinter dem Haus meiner Tochter fließen der Los Angeles River. Im Garten gibt es eine Mauer. Raufklettern kann ich nicht mehr und von unten sehe ich den Fluß nicht. Weil ich aber ein neugieriger Mensch bin, sind wir eben um das Viertel gekreiselt, hin zum Fluss. Ich wollte ihn unbedingt sehen.

der LA River

Der Fluss fließt in einem künstlichen Bett. Das ist nicht gut für den Fluss und die Stadt. Ich weiß, dass man daran arbeitet, ihn zu renaturalisieren.
Als wir ankamen, führte er noch mehr Wasser, denn es hatte ordentlich geschüttet. Auffangbecken will man bauen, in denen das viele Wasser gesammelt wird und so frei gegeben wird, wie es gebraucht wird. Ich werde das weiter verfolgen, denn es interessiert mich sehr.

Hier sieht es schon nach Winter aus, denn manche Laubbäume verlieren im Winter ihre Blätter; so wie bei uns auch. Ich habe aber auch gesehen, dass die Rosen blühen. Und das ist eben bei uns anders. Ich habe heute so viel Blühendes gesehen, hätte das auch gerne fotografiert, wollte aber den hier Wohnenden nicht zu sehr auf den Pelz rücken.

in Los ángeles blühen im Winter die Rosen

Am Tage ist es für mich schön warm. In der Nacht wird es kalt draußen und im Haus. Ohne Kamin geht es da nicht. Wenn die Sonne untergegangen ist, kommt auch Wind auf. Der hatte in der letzten Nacht die Gartenmöbel verschoben, der Poltergeist.

Grapefrucht- und Zitronenbäume trugen reichlich Früchte im kalifornischen Winter, aber auch Pamelos gab es. Viele Bewohner hatten hier solche Bäume an ihren Häusern stehen.
In der Garage eines Hauses übte und spielte jemand „Metall“. Nebenan werkelte jemand seelenruhig im Garten. So würde das bei uns nicht ablaufen. Da gäbe es einen gepfefferten Nachbarschaftsstreit. Auch weinende Kinder werden hier viel mehr toleriert. Auf Rollstuhl-Fahrer wird viel Rücksicht genommen. Das tat mir heute gut.

meine Lieblingspalme im Winter

Auch wegen ihr bin ich durch das Viertel gezuckelt. Ich wollte zu meiner Lieblingspalme. Sie sehe ich jeden Morgen beim Aufwachen und wenn Wind ist, sieht sie aus wie ein tanzender Schamane. Eigentlich schneidet man die vertrockneten Wedel ab. Die am Fluss sind geblieben und ich vermute, dass da Vögel wohnen.

Morgen werden wir unterwegs sein. Ich schaffe es nicht, jeden Tag zu bloggen oder die ganz großen Blogrunden zu drehen. Noch immer habe ich mit der Zeitverschiebung zu kämpfen und bin müde, wenn andere zur Höchstform auflaufen. Seht es mir bitte nach; ich bemühe mich. 🙂

Angekommen in Los Angeles

Wir sind angekommen. Ich wollte schon früher bloggen, aber ich habe es einfach nicht eher geschafft.
Zwei Tage war ich noch bei der Freundin in Frankfurt. Am Sonntag brachte uns der Freund mit Sack und Pack zum Flughafen. Dort erzählte man mir erstmal, dass mein Rolli nicht befördert werden kann. Er sei nicht angemeldet. Wir hatten aber eine Bestätigungsmail erhalten. Nach einiger Rumtelefoniererei durften wir schließlich einchecken. Wir kennen das schon, denn es ist uns schon beim ersten Mal so ergangen. Mir ist in solchen Situatuationen gar nicht wohl und die Nerven liegen blank. Aber schließlich saß ich drin im Flugzeug.

Steigflug über Frankfurt
gestartet in Frankfurt

Da unten schlängelt sich der Main durch das Land. Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn das große Flugzeug sich in die Höhe schiebt. Ich saß am Fenster, ganz hinten in der Kiste. Ein bisschen mehr Beinfreiheit hatte ich da und einen tollen blick durch das Fenster. Ich habe mit Herrn E. seinem Handy einige Fotos gemacht. Eine Glanzleistung wird das eh nie, denn das Fenster war immer mal angeeist und aufmachen konnte ich es ja nicht. Mit Gurt am Bauch habe ich einige Verrenkungen gemacht, mehr zur Erinnerung für mich.

Angekommen an der Küste Grönlands. Davor das Europäische Nordmeer.
die grönländische Küste

Die weiße Huckelpuckellinie in der Mitte des Bildes ist die Küste von Grönland. 11000 m hoch waren wir; manchmal noch ein Stücke drüber.
Die große, weiße Fläche von Grönland flößte mir schon immer Respekt ein. Vor der Küste sieht man das Europäische Nordmeer mit Eisschollen. Ich weiß nicht, warum das so ist, aber Grönland faszinierte mich schon immer. Jetzt war ich aber ganz froh, nicht da hinunter zu müssen.

Sonnenaufgang und Morgenröte über Grönland
Mörgenröte am Horizont von Grönland

Was da oben ins Bild gakelt, ist die Tragfläche. Ich habe immer mal beobachtet, was sich da tut. Beim Check und bei der Landung war es am interessantesten. Ich hätte dem Piloten gerne mal Löcher in den Bauch gefragt, aber es ist schon besser, wenn er nicht gestört wird von alten neugierigen Weibern.

Es ist schon komisch, wenn man am späten Vormittag losfliegt und am frühen Nachmittag am Zielflughafen ankommt. Wir flogen erstmal in die Nacht. Am Horizont von Grönland ging allerdings die Sonne auf. Die Farben waren wunderschön. Überhaupt ist unsere Erde großartig. Von da oben sieht man es noch viel besser, dieses Wunder der Natur, welches wir schützen sollten mit ganzer Kraft.

Gletscher auf dem amerikanischen Festland

Beim Betrachten von Cyan und Magenta am Himmel über Grönland war ich eingeschlafen, verdreht sitzend und auf einer Pobacke. Mein schmerzendes Kreuz weckte mich unsanft und da waren wir schon auf dem amerikanischen Kontinent. Über Canada flogen wir fast bis zur Westküste und dann immer schön nach Süden. Das zieht sich!

Ich staune wieder einmal, dass die 12 Stunden im Flugzeug doch irgendwann ausgesessen sind. Die Landung diesmal war schön sanft, weil man sich Zeit nehmen konnte. Kein Drönen im Ohr, keine unangenehmen Geräusche oder Krach. Und dann setzte der Riesenvogel auch schon auf und rollte zum Ziel.

Los Angeles, ich komme!

So richtig angekommen war ich noch nicht, denn es gab dann doch wieder etwas Trappel. Ich war in einen Beträuungsraum gebracht worden und durfte den flughafeneigenen Rollstuhl nicht verlassen, bevor meiner nicht da war. Ja, aber wo war er? Schulterzucken. Man hatte ihn einfach zu dem restlichen Gepäck gestellt. Da konnte aber keiner von uns hin, weil wir erst durch die Passkontrolle und den Zoll mussten. Ich durfte aber nicht, weil ja mein Rollstuhl …. Ach lassen wir das.

Jetzt bin ich ja da und endlich bei meiner Familie. Ich freue mich sehr, in dieser Stadt zu sein und bei meinen Leuten.
Ein Busfahrer hat mir so geholfen in den Shuttle-Bus am Flughaven zu kommen. Mit dem Auto kann der LAX wegen Umbauarbeiten nicht angefahren werden. Meine Tochter hatte uns abgeholt und alles toll organisiert, damit wir zum Auto in Van Nuys kamen. Und den freundlichen Busfahrer musste ich erstmal drücken.

Ich bin angekommen!

Herr E. hat erbitterte Verhandlungen geführt.

Verhandlungen, oh ja die gab es bei uns.
Es ist bei uns Tradition, dass anwesende Kinder am 24. Dezember mit ihrem Vater den Tannebaum schmücken. Meist ist es meine Nordseetochter, die sich da ins Zeug legt. Am ersten Januar bekomme ich meistens einen Rappel und der Baum muss wieder weg.

In diesem Jahr haben wir uns da etwas schwer getan. Herr E. hat eisern verhandelt, weil es doch ein ganz besonderes Licht ist im trüben Januar und weil es doch überhaupt schön aussieht. Naja und da durfte der Baum eben bleiben. Bis heute. Und heute war ich nicht mehr bereit zu irgendwelchen Verhandlungen.

Es gab harte Verhandlungen darüber, wie lange er stehen bleiben durfte.
Dann mache es mal gut!

Nicht mehr lange hin und ich bin unterwegs.
Am Freitag haben wir mit den Nachbarn alles abgesprochen. Ich bekomme gut Hilfe und meine Wohnung wird gut behütet sein. Der Gastkater behält sein Körbchen auf dem Balkon. Nach ihm wird geschaut werden, dass es ihm gut geht.

Ich habe schon einiges zusammengepackt, habe genügend meiner notwendigen Medikamente beisammen. Das Schlimmste wäre, dort zum Arzt zu müssen, weil ich ein Medikament vergessen habe. Ärztliche Verordnung liegt bei, Haken dran und ab in den Koffer. Ich muss nicht mehr daran denken.

Auch für alles andere nehme ich mir Zeit. Ich bin zwar am anderen Ende der Welt nicht auf mich alleine gestellt, aber meine Gedanken zusammennehmen will ich schon und auch einiges Gewohnte beibehalten.
Ich werde einiges für meinen Enkel mitnehmen. Auf ihn freue ich mich ganz besonders und darauf, dass ich viel Zeit mit ihm verbringen kann, so wie auch mit meiner Tochter und meinem Schwiegersohn.

Vor dem Flug graut mir schon. Ich habe Angst, diese Strapaze nicht zu schaffen. Eigentlich aber ist es ja die Langeweile, das ewige Sitzen, was nervt.
Ich bekomme Hilfe. Fluggesellschaft und DB haben es bestätigt. Alles ist gut soweit. Nur zu mir habe ich manchmal nicht das rechte Zutrauen. Egal, da muss ich jetzt durch und wenn ich dort bin, ist vieles wieder vergessen.

So, nun heißt es noch Wohnung aufräumen, alles entsorgen, was verderben könnte in unserer Abwesenheit, Kühlschrank abtauen und alles nach Möglichkeit noch verwerten. Ein komisches Gefühl ist das.

Ich versuche es, noch bis zur Abreise, Blogrunden zu machen. Ich werde sehen, wie weit ich da komme, auch mit dem eigenen Bloggen. Es kann sein, dass ich mich erst wieder melde, wenn ich am Reiseziel angekommen bin.
Einen kurzen Moment hatten wir hier mal Sonne. Danach war alles wieder grau. Drei Tauben habe ich aber auf der Hauskante gegenüber entdeckt und kann nun doch noch die jährliche Wintervögelzählung mitmachen. Die Vögel hatten sich arg rar gemacht nach der Knallerei zu Silvester.
Ich mache mich vom Acker, denn hier gehen gerade (erbitterte) Verhandlungen um das Abendbrot los. 😀

Etwas Fracksausen habe ich schon.

So langsam werde ich hippelig. Und ich habe auch Fracksausen.
Meine Reise rückt näher und ich fange schon mal an, alles zusammen zu suchen, was ich mitnehmen muss oder möchte. Ich nehme nur mit, was unbedingt erforderlich ist, aber ich darf auch nichts Erforderliches vergessen. Mal schnell noch was holen geht eben nicht!

Schade, dass ich mein Spinnrad nicht mitnehmen kann. Das wird mir fehlen. Stricknadeln gibt es aber wohl zu kaufen in der großen Stadt. Mit meinem Arzt bereite ich die Reise am Ende der Woche schon mal vor. Ich werde das schon schaffen!

Bloggen möchte ich zeitnah. Meine Tochter gibt mir hierfür ihr MacBook. Diesmal will ich nicht warten, bis ich wieder zu Hause bin, sondern gleich meine Eindrücke erfassen. Ein Headerbild habe ich mir schon mal erstellt. Das wird dann da sein, wenn ich über Land und Leute schreibe. Auf beides freue ich mich sehr, trotz Grummeln im Bauch und Fracksausen.

Trotz Fracksausen: Mein headerbild habe ich schon mal gebastelt.
Mein headerbild habe ich schon mal gebastelt.

Ich freue mich schon auf die Stadt mit so viel Freigeist. Nach Hollywood oder so wird es mich allerdings nicht wieder ziehen. Das reicht, dass ich es einmal gesehen habe. Aber ins Topanga Canyon möchte ich, mitten in die Santa Monica Mountais. Das letzte Mal sind wir auf dem Weg zur Küste nur vorbei gefahren an den Siedlungen der Menschen, die ganz alternativ wohnen und auch alle Wohnformen akzeptieren.

Ein alter Song (Achtung: Link führt zu Youtube) fiel mir gerade wieder ein, der in meiner Jugend auch schon immer Fernweh ausgelöst hatte. Es ist schon erstaunlich, dass manches eben doch noch passiert im Leben, wenn auch spät.

Gegen das Fracksausen: ab ins Canyon

Das alte Jahr verabschiedet sich.

… und ich lasse es gehen

Da geht nun das alte Jahr zu Ende und wenn ich es Recht betrachte, muss ich nicht mit ihm hadern.

Es gab Dinge, an denen hatte ich zu knaupeln, an Fragen der Umwelt zum Beispiel. Auch die Inflation und die damit zusammenhängenden Unsicherheiten machten Angst. Und dann sind da noch alle Kriege und erbitterten Auseinandersetzungen. Das nehme ich sicher alles mit ins neue Jahr.

Es gab aber auch Gutes. Meine Reise über den großen Teich brachte mir neue Freunde am anderen Ende der Welt und eine neue Sicht auf einige Dinge. Gut war auch, dass es mir immer besser gelingt, mit meiner Krankheit umzugehen. Ich bin wie ich bin und nehme das langsam an.

Die Art ud Weise, wie wir das alte Jahr verabschieden, nervt mich. Ich kann aber nichts daran ändern und versuche, den Tieren in meiner Umgebung Unterschlupf und Schutz zu geben. Ich weiß, dass es wenig ist, aber es ist etwas. Und vielleicht schaffen wir es, doch mal eine andere und deshalb nicht schlechtere Feierkultur zu haben. Andere Länder sind uns um einiges voraus.

Das ist mein Gastkater. Er wohnt im Haus, kann aber nicht immer rein, vor allem wenn sein Mensch nicht zu Hause ist. Ihm haben wir aus dem Körbchen unserer Penny einen Unterschlupf auf dem Balkon gebaut. Er hat ihn angenommen, besonders wenn es kalt ist, regnet oder knallt, zischt oder kreischt, so wie heute.
Der Katz verkriecht sich dann in nun seinem Korb und wartet, bis er seinen Menschen kommen hört. Zu mir rein möchte er nicht. Er hat ja ein Zuhause.

manche verabschieden das alte Jahr laut und poltrig; der Gastkater versteckt sich

Um das alte Jahr zu verabschieden bleibt mir eigentlich nur noch, euch allen einen guten Rutsch zu wünschen und ein gutes Jahr 2013. Ich wünsche euch Gesundheit oder Heilung, Frieden, Glück und viel Freude an dem, was ihr tut.
Ich würde jeden gerne einen Kirschzweig aus meinem Garten schenken und weil es nicht geht, mache ich es hier und so.

mein Barbarazweig blüht für das alte Jahr
mein Barbarazweig blüht


Ein ganz kleines bisschen Wehmut zum Jahreswechsel

Mein Sohn sitzt gerade wieder im Zug nach Hause. Wehmut scheint sich breit zu machen bei mir. Ich möchte allen jungen Eltern sagen, dass sie die Zeit mit ihren Kindern genießen sollen. Sie ist irgendwann vorbei, weil die Kinder ihr eigenes Leben leben.
Was hab ich anno dunnemals manchmal gewünscht, etwas Ruhe zu haben. Jetzt habe ich sie und manchmal tut sie weh.

Wie immer, wenn ich mich „sammeln“ muss, beschäftige ich mich. Gespräche mit dem Sohn haben mich dazu gebracht, mich wieder intensiver der Bildbearbeitung zuzuwenden. Und so habe ich mich in „Affinity“ mit HDR befasst. Manchmal hat man ein Foto, da ist ein Teil, der Himmel zum Beispiel, überbelichtet, Dinge im Vordergrund unterbelichtet. Nichts passt zusammen, kann aber beeinflusst werden.

Bildbearbeitung gegen Wehmut
Originalbild, einfach mal draufgehalten

Ich habe hier also einfach mal draufgehalten, wusste nicht, dass meine Kamera HRD aufnimmt, also eine Bildfolge, nach der man dann das Gesamtbild bearbeiten kann. Mein Sohn ist nicht mehr da, aber er hat mir wieder Anregungen gegeben und die dämpfen Wehmut ungemein.

Bildbearbeitung gegen Wehmut
die Bildfolge

Wahrscheinlich brauche ich solche Schubbser immer mal.
Wir sind in der Familie nicht immer einer Meinung, aber wir haben einen guten Draht zu einander. Das ist eine feine Sache, weil uns so etwas nicht ausbremst, sondern vorwärts bringt. Es waren sehr schöne Weihnachtstage in Familie und überhaupt eine schöne Zeit.

Ich verschwinde jetzt wieder hinter meinen Büchern und im Bildbearbeitungsprogramm. Mein Beispielbild ist scheußlich, aber ich kann die vielen Einstellungen ausprobieren (auch an der Kamera im Vorfeld). Und nun sieht man schon mal meinen unter das Fenster gewürgten Gästestuhl. 😀
Und was ist mit meinem Wehmut? Weg ist er nicht, aber aushaltbar. Ich freue mich schon wieder sehr auf zukünftige Treffen.

Bildbearbeitung gegen Wehmut
Bedienoberfläche in Affinity Photo