Meine Meinung auf dem Prüfstand?

Vorgestern fragte mich mein Arzt, wann ich denn wiedermal nach Kalifornien fliege. Jetzt gänge das gar nicht, weil mir einfach die Kraft fehlt für die weite Reise. Aber auch so ist mir die Reiselust vergangen, nachdem was gerade alles Ungutes passiert auf der Welt und auch in dem Land, welches ich schon zweimal besucht habe.

FB habe ich vor längerer Zeit den Rücken gekehrt; bei anderen Netzwerken habe ich mich fein ferngehalten. Trotzdem schreibe ich Mails oder Nachrichten über einen mir genehmen Messenger-Dienst. Bei der Einreise müsste ich jetzt alle Passwörter frei geben und genau das fällt aus. Und weil ich so nicht einreisen dürfte, fahre ich gar nicht erst los. Punkt.

Ich hatte immer gar keine gute Meinung von dem Land, was sich ständig als Weltgendarm aufspielte und erdreistete, sich auch militärisch das zu nehmen, was es haben will. Bei Wikipedia kann man die Liste der Kriege der USA einsehen. Trotzdem dachte ich irgendwann, dass ich eben so erzogen worden bin, das ich das mal überprüfen und gegebenenfalls meine Meinung ändern muss. Und so habe ich mich auf den Weg gemacht.

Ja, die Sonne Kaliforniens im Winter tat mir gut und ich habe viele sehr nette und freundliche Menschen getroffen. Ich war begeistert, dass hier Menschen aus ursprünglich vielen Nationen zusammen lebten, feierten, arbeiteten, ihre Kinder aufzogen. Ich dachte schon manchmal über das Auswandern nach. Man sagte mir aber auch, dass Kalifornien nicht so wie der Rest des Landes sei.

Tja, und dann kamen die Wahlen und alles was darauf folgte. Jeder hat sicher irgendwelche Nachrichten mitbekommen und deshalb schreibe ich nichts weiter dazu. Mein guter Wille, meine Meinung über das Land auf den Prüfstand zu bringen, ist zerkrümelt wie ein alter Keks. Nichtsdestotrotz habe ich großen Respekt vor Staatsanwälten, Richtern, Polizisten, Sanatorinnen und Senatoren, Notenbankern, Nachbarn, Einwohnern …., die sich gegen den gegenwärtigen Irrsinn dort stemmen. 

Nachtrag: Zu Freunden, Bekannten, Familienangehörigen schreibe ich nichts, denn ich will niemand gefährden. Es geht nur um mich und um meine Meinung.

15 Gedanken zu „Meine Meinung auf dem Prüfstand?“

  1. Gudrun, weißt du, wie mir das so ein bisschen vorkommt? Die DDR war ja in westlichen Augen auch ein Land, das man so gar nicht gutheißen und tolerieren konnte – und genau dort gab es, so wie jetzt in Kalifornien oder in anderen Bundesstaaten der USA, so viele gute, liebenswerte, tapfere Menschen, die sich auch wehrten gegen das, was im Land und in der Politik schieflief.
    Aber ich würde jetzt auch nicht dorthin reisen wollen, so ich denn überhaupt noch reisen würde.
    Weiterhin gute, gute Besserung! Lieben Gruß von mir

    1. Liebe Clara, das kann und will ich nicht vergleichen. Das, was in den USA passiert, ist zu schlimm. Weißt du, was die Einheimischen zu ICE sagen? ICE-Gestapo.
      Das ist so ein schönes Land, mit auch vielen freundlichen, friedlichen Menschen, aber ich möchte nicht mehr dorthin reisen. Schade, dass alles so gekommen ist.
      Gruß an dich.

  2. Guten Morgen liebe Gudrun,
    deine Meinung über das Land kann und muss ich respektieren. Ich habe überhaupt keinen Bezug zu dem Land auf der anderen Seite des großen Teichs. Früher hatte ich extreme Gefühle für die indigenen Stämme aus romantischer Sicht, heute kenne ich alles nur aus der Berichterstattung, und es liegt mir fern, ein Urteil abzugeben.
    Die Macht- und Geldspiele älterer Männer verurteile ich vollkommen, sie verlieren völlig die Nähe zum Volk, und das Volk ist oft leicht zu manipulieren, wie unsere eigene Geschichte beweist.
    Traurig ist es, wenn dadurch Familien betroffen sind.
    Diese Gedanken helfen mir, unsere möglichen Freiheiten zu schätzen!

    1. Die Familie ist arg betroffen, liebe Kelly. Seit zwei Jahren bearbeitet der Schwiegersohn seine Mutter, dass sie zu ihm kommt. Sie lebt alleine in einem lateinamerikanischen Land und braucht langsam Hilfe. Jetzt darf sie nicht mehr kommen, denn ihr Land steht auf der Liste.
      Es gibt aber auch vieles andere, was Auswirkungen auf die ganze Welt hat. Das so was mal passiert, hätte ich mir mal nie träumen lassen.
      liebe Grüße an dich.

  3. Ich habe mir einiges in dem Land vor Jahrzehnten angeguckt, war auch einige Zeit mit einem Amerikaner verheiratet, aber leben wollte ich dort nie. Menschen habe ich dort, wo überall wo ich war, tolle getroffen. Die andere Sorte auch. Was jetzt dort abgeht, ist unter aller Sau. Ich habe große Angst um so einige meiner Leute die dort leben. Alles Liebe

    1. Ich habe auch wunderbare Menschen kennengelernt, in der Nachbarschaft und sogar im Supermarkt und beim Frisör. Um all die mache ich mir auch große Sorgen, neben der Familie.
      Ich habe nach meinem zweiten Besuch ernsthaft nachgedacht, den Bitten meiner Tochter nach zu kommen und umzuziehen. Nur mal nachgedacht, aber alles Ansinnen verflog ganz schnell und spielt nun keine Rolle mehr. Schade.
      Ich grüße dich herzlich.

  4. Es gibt, verglichen mit der Gesamtpopulation auf unserem Planeten, relativ wenige Männer (manchmal auch Frauen), die viel Übles in die Welt tragen. Das Problem sind nicht einmal so sehr diese Herrschaften, sondern die Tatsache, dass viele Wähler*innen anfällig für ihre dummen Sprüche und ihre menschenverachtenden Pläne und Taten sind.
    Das Land hätte mich nie gereizt, aber ich bedaure sehr, wieviel Kummer in vielen Familien herrscht. Ich lese es ja oft bei Dir und stelle mir vor, wie schwer Dein Herz sein muss.
    Liebe Gudrun,
    es ist schön, dass Du auch viele gutherzige Menschen getroffen hast, diese gibt es auch heute noch, das darf die Welt nicht vergessen.
    Ich habe leider keine Worte, um Dich trösten zu können, aber ich lasse mein Mitgefühl für all jene hier, die unter den gegebenen Umständen tief zu leiden haben.
    Herzensgruß von Chris

    1. Früher hat mich das Land auch nie interessiert. Ich habe es abgelehnt, wegen seiner aggressiven Außenpolitik. (Die gab es ja schon früher.) Dann hat ein Kind dort studiert und ist geblieben. Was habe ich zuerst gehadert! Dann habe ich mir gesagt, dass ich sie ihren Weg gehen lassen muss, denn ich habe sie weltoffen erzogen. Das ist nun die Konsequenz und die muss ich annehmen. Zweimal war ich für längere Zeit in dem Land, begann mich gerade ein bisschen anzufreunden. Das ist nun wieder weg. Ich sorge mich aber jeden Tag um meine Familie dort.
      Herzliche Grüße an dich, liebe Chris.

  5. Ach, Gudrun, ich kann mir gut vorstellen, wie frustrierend das für dich und deine Lieben sein muss.
    Wir haben immerhin keinen direkten Bezug zu diesem immer mehr diktatorisch geführten Land.
    Und man fragt sich täglich, was als nächstes für ein Irrsinn vom Stapel gelassen wird.
    Wir können nur hoffen, dass dieser Spuk irgendwann vorbei sein wird, wonach es im Moment so gar nicht aussieht …
    Lieben Gruss in die neue Woche,
    Brigitte

    1. Ich komme nicht umhin, alles zu beobachten, was hinter dem Teich passiert. Mein Kind ist US-Staatsbürger, aber wer weiß was denen noch einfällt. So was kann man auch wieder aberkennen.
      Aber auch um die Weltordnung mache ich mir Sorgen. Da leben wir ja mittendrin.
      Liebe Brigitte, ich schick dir liebe Grüße.

  6. Ja, liebe Gudrun, es ist so unbeschreiblich, was da passiert. Ich kann es oft nicht glauben, dass das die Realität ist … warte immer auf den Tag, wo sich alles klärt und alles wieder besser wird. Aber ich fürchte, das wird nicht passieren. Wenn meine Kinder dort leben würden, ich wäre am Verzweifeln. Wobei ich natürlich auch hier Angst um sie und ihre Zukunft habe. Sicherheit gibt es offenbar nicht mehr. Es ist alles so schlimm. Und was es für dich bedeutet, kann ich mir nur unschwer vorstellen. Es tut mir so leid. Manchmal denke ich, dass der Körper auch deshalb versagt, weil die Seele so leidet.

    Ein ganz lieber Gruß zu dir,
    Andrea

    1. Deinen letzten Satz unterschreibe ich, liebe Andrea. Man sagt ja immer: „Das ist mir auf den Magen geschlagen.“ Ja, so war es und zwar mit voller Wucht. Ich denke, hier hängt vieles zusammen. Ich würde gerne mehr schreiben über meine Familie dort, aber ich möchte sie auch nicht gefährden. Es ist schlimm.
      Schlimm finde ich auch, dass meine ganze Weltordnung auseinander gefallen ist. Ich muss mir wieder einen festen Stand suchen, selber, nicht indem ich die Meinung anderer aus den sozialen Medien teile.
      Neulich sagte jemand zu mir: „Wir leben nun mal nicht mehr in Bullerbü.“ Warum nicht? Es liegt doch an uns.
      Liebe Andrea, schön, dass du da warst.
      Ich grüße dich herzlich.

      1. Mein Weltbild ist auch längst zerbrochen, liebe Gudrun. Zweifel hatte ich schon immer, aber auch Hoffnung. Doch Letzteres schwand mehr und mehr und jetzt muss ich sie suchen.
        Ein Leben lang war ich dankbar, dass ich diesen fürchterlichen Krieg nicht miterleben musste, bedauerte meine Vorfahren immer zutiefst. Nie, aber wirklich nie hätte ich damit gerechnet, dass es mal anders kommen könnte. Vermutlich hab ich zu sehr an das Gute im Menschen geglaubt, an die Macht alles Friedliebenden. Aber die andere Seite ist offenbar zu stark.
        Hab einen guten Tag, liebe Gudrun!

        1. Liebe Andrea, ich hatte gerade ein Gespräch mit einer US-Bürgerin (ich will es mal so belassen mit der Benennung). Da ist ein kleiner Junge, fünf Jahre, von schwerbewaffneten und vermummten Männern unringt, Er hat seinen Schulranzen auf und weint. Seine Eltern sollen herauskommen, sonst nehmen sie den Jungen mit. Die US-Bürgerinfragte mich, wie man denn solche Bilder ansehen kann und meinen, dass das alles richtig so ist? Das frage ich mich auch immer bei den Bildern aus der Ukraine, aus Gaza, aus dem Sudan, aus Iran, von den ICE-Einsätzen…. Die Liste ist lang und ich weiß keine Antwort. Ich habe immer an das Gute im Menschen geglaubt, aber im Moment sehe ich es nicht. Es geht um Macht, Selbstinszenierung, und da scheint es keine Gesetze, moralische Werte und Achtung vor einander mehr zu geben, im Großen wie im Kleinen.
          In der Familie versuchen wir uns gegenseitig zu stützen. Ich musste das heute tun über eine große Entfernung hinweg und ich bekomme auch wieder Beistand, wenn ich ihn brauche. Wie eie ganz kleine Pflanze ist das, aber ich werde sie hüten.
          Ich drück dich, liebe Andrea.

  7. Liebe Gudrun,
    Es ist so vieles unfassbar zur Zeit. Ich verstehe dich sehr gut. Gut dass du darüber schreibst. Ich wünsche Dir und deiner Familie die notwendige Kraft, dass ihr euch stets emotional gut stützen könnt und dass jeder Einzelne trotz all den schlimmen Ereignissen allüberall den Mut und die Zuversicht nie nie niemals aufgeben.
    In Gedanken oft bei Dir,
    Mia mit dem Hundemädel

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