Spitzwegerich

Es gibt Pflanzen, die liebe ich einfach.

Dass ich mich als Kind gerne auf Wiesen aufhielt, davon hatte ich ja schon öfter geschrieben. Unsere Lieblingswiese anno Dunnemals wurde zweimal im Jahr gemäht und diente als Futter für Nutztiere. Im Frühling wuchs sie schnell und erreichte eine Höhe von mindestens einem Meter. Was gab es da nicht alles: verschiedene Gräser (in denen wir uns versteckten), Gänseblümchen (aus denen wir uns Kränze flochten), Sauerampfer (den wir aßen), Kräuter (die wunderbar dufteten) und eben auch Spitzwegerich.

Spitzwegerich darf auf meinem Balkon wachsen

Der Spitzwegerich gefiel mir schon immer mit seinen schlanken Blättern und seinen schönen filigranen Blüten. Erst viel später lernte ich, dass er ein nützliches Heilkraut ist und zum Beispiel für Wundbehandlung sehr gut geeignet ist. Man muss nicht Geld zur Apotheke tragen, der Spitzwegerich wächst auf unseren Wiesen, einfach so.

Auch in diesem Jahr habe ich wieder Salbe mit Spitzwegerich gerührt. Besonders gegen juckende Insektenstiche hat sie sich bewährt. Jedes Jahr verschenke ich davon und alle Beschenkten, die sich viel draußen und auf Wiesen aufhalten, haben mir von der Heilwirkung erzählt.

Ich kann nicht mehr so auf Kräutertour gehen wie früher. Mit dem Rollstuhl über die Wiese rollern ist schon ein Abenteuer, aber dann nach unten zu kommen um die Kräuter zu pflücken, geht meistens gar nicht. Also hilft mir Herr E. Der hat es manchmal eilig. Blatt für Blatt pflücken empfand ich immer als ein beruhigendes Ritual. Herr E. hat aber an einer Pflanze so gezerrt, dass er sie mit einem Wurzelrest ausgerissen hat. Ich habe sie zu Hause in ein Töpfchen gepflanzt. Zuerst starben alle Blätter ab, aber dann, als sie neue Wurzeln gebildet hatte, wuchsen neue. Und jetzt blüht sie.

Die restlichen Blätter vom Spitzwegerich zerkleinerte ich und setzte sie mit einem guten Öl an für einen Ölauszug. Der musste im Glas nun drei Wochen an einem kühlen, dunklen Platz stehen und reifen. Mit Bienenwachs wurde der Auszug dann zur Salbe gerühlt. Vitamin E, Lanolin, Sheabutter und anderes kann man mit dazu geben, so wie es einem zusagt.

Spitz- und Breitwegerich
Zeichnung: G. Ebert

Ich habe meine alte Zeichnung von den Wegerichen wieder gefunden und muss noch bemerken, dass sich Breitwegerich genauso eignet als Wundkraut und gegen lästiges Jucken nach Insektenstichen.
Wenn alle liegengebliebenen Aufgaben abgearbeitet sind, möchte ich mal wieder zeichnen. Ich habe wieder Lust dazu bekommen und bestimmt werden noch einige Wildkräuter auf meinem Balkon einziehen. Ich muss nicht mehr so oft über Wiesen rattern und die Insekten freuen sich.

Eingeschoben: Zu Hause ist auch dort, wo mein Garten ist.

Zu Hause, das ist bei mir auch im Garten.
Mit der Bepflanzung waren wir durch unsere Reise spät dran. Jetzt aber ist alles gut. Und der Vogel auf dem Bild oben ist ein Neuling. Ich möchte ihn beschützen.

Zu Hause ist für mich auch mein Garten.
Die Wildnis muss aufgeräumt werden.

Vor dem Urlaub hatten wir die Beete in Ordnung gebracht, gegraben, gehackt, das weggezupft, was nicht da sein sollte. Ich glaube, damit haben wir die Grundlage geschaffen, dass einige Pflanzen sich so breit machen konnten, dass sie anderen den Lebensraum nahmen. Das ganze Beet war voller Akelei und Lupinen. So wollte ich das nicht.

Kahlschlag haben wir nicht gemacht, aber einiges wurde durch andere Pflanzen ersetzt. Die hier durften bleiben. Sie erfreuen uns jedes Jahr wieder und die Insekten lieben sie ja auch.

Wasserpflanze: aus Versehen gekauft und nun für richtig gut empfunden

Diese Wasserpflanze hatte ich aus Versehen gekauft. Sie bekam dann Herr E. für seinen geliebten Teich. Ich finde, sie macht sich da ganz gut durch ihre Färbung.

Ich gebe zu, dass ich zuerst so gar kein Freund des Teiches war. Jetzt finde ich ihn gut. Insekten, Vögel und andere Tiere kommen hierher, um zu trinken. Sie haben genau so Durst bei den Temperaturen wie wir und ich muss keine Schalen mit Wasser aufstellen.
Kleine Libellen schlüpfen jedes Jahr im Schilf und bleiben. Der Igel kommt zum Trinken, die Tauben und anderes Getier auch. Gut so.

eine Insektentränke zu Hause mit Moos aus dem Garten.
meine Insektentränke zu Hause auf dem Balkon mit Moos aus dem Garten

Zu Hause habe ich Wasserstellen eingerichtet. Vor dem Fenster ist ein Vogelbad auf dem Balkon eine Insekten- und eine Vogeltränke. Als heute zwei Hasen durch den Innenhof kamen, hat Herr E. eine Wasserschale für sie aufgestellt, draußen vor dem Haus. Am Montag muss ich mal schauen, ob ich eine Fotoschale bekomme, damit auch Amseln und andere Vögel mal baden können, all die, die nicht auf den Fensterstock kommen.

Es tut mir so leid, dass ich nicht mehr tun kann für die Umwelt. Ich nehme aber auch nicht mehr jede offizielle Ausrede hin, nach der wohl Mögliches im großen Stil eben nicht gemacht wird. Manchmal, wenn man ein wenig nachdenkt, erkennt man die unglaubliche Gier, die ein ganz kleiner Personenkreis hat.

Das sind zwei von den Neuen im Garten. Es sind auch noch einige andere dazu gekommen, aber die müssen noch wachsen und blühen. Und dann möchte ich nur noch an meinem Staudenbeet sitzen und mich an all den Farben der Blumen erfreuen und an den Tieren, die mich besuchen.

Zu Hause bei mir duftet es noch immer nach Waldmeister. Und noch immer wächst in meinem Garten recht viel davon. Ich habe die trockenen Blättchen abgezupft und werde mich nun ans Beutelchen nähen machen. Im Schrank riecht es dann gut und Motten mögen Waldmeistergeruch gar nicht. Ein bisschen vom Kraut kommt in meine Winterteemischung.

In meiner Marmeladenfabrik geht es auch weiter. Ich habe Holunderblütengelee gekocht. Das ist meine Art, Reserven anzulegen. Und wirtschaften hilft es auch noch. Im Winter wird es mich an diese Sommertage erinnern.

Morgen ist Sonntag und ich wünsche allen einen schönen Sommertag. Vergesst das Trinken nicht. Alle anderen ermahne ich ständig und halte mich dann leider selber nicht daran.