So spannend kann Leben sein.

Gartenzeit stand an. Ich war fertig mit der nächsten Ladung Wollwäsche und setzte mich an den Teich. Es war gut, einfach die Hände in den Schoß zu legen und nur zu schauen, was an unserem kleinen Gewässer so los ist. Jetzt, im Sommer, spürt man, dass überall neues Leben entsteht.

Unserem Frosch geht es gut und so wie es aussieht bleibt er bei uns. Manchmal sonnt er sich und wenn es ihm zu warm wird, zieht es sich in seine Gemächer zwischen Schilfgras, Mädesüß und Blutweiderich zurück. Da ist es schön feucht und kühl. Ab und an gibt er Laut und manchmal landet er mit einem ordentlichen Bauchklatscher im Wasser. Ich bilde mir ein, noch einen zweiten gesehen zu haben. Vielleicht gibt es bald noch neues Leben in und an unserem Teich.
Herr E. meinte: „Dreizehn Jahre habe ich den Teich und immer habe ich mir einen Frosch gewünscht. Erst jetzt hat einer zu mir gedunden. So lange hat es gedauert.“
Na, das ist ja nun alles gut geworden.

Ihr habe ich lange zugesehen, der blauen Prachtlibelle. Bei Wikipedia habe ich erstmal nachgelesen, wie diese Libellen an unserem Teich zu Nachwuchs kommen. Hoffentlich legen sie die Eier gut ab, denn da sind ja noch Alfred, der Frosch, und die Goldfische im Wasser.

Das wollte ich eigentlich gar nicht fotografieren. Es war ein Zufallsbild. Ich hatte mich nur gewundert, dass Ameisen über die Seerosenblätter rannten. Zu Hause sah ich erst, dass die Ameisen auf dem Blatt Blattläuse züchten, sie behüten, Fressfeinde verjagen und wild sind auf den Honigtau, den die Blattläuse ausscheiden. Manche Ameisen suchen geeignete Pflanzen aus, die viel Saft in sich bergen, und schleppen die Blattläuse dahin. Die Blattläuse saugen Saft aus der Pflanze und die Ameisen animieren die Läuse, auf Kommando den Honigtau abzugeben. Dafür trommeln sie mit ihren Antennen auf das Hinterteil der Blattläuse. Die Ameise muss nun den Saft nur noch aufnehmen. Melken nennt man das.

Das alte Seerosenblatt sieht aus wie das Körbchen von Däumelinchen

Was es nicht alles gibt! Und alles ist so spannend. Es erinnert mich wieder daran, wie ich auf Wiesen oder an Bachläufen die Zeit vergessen habe als Kind und jedesmal ordentlich Ärger bekam. Das war mir aber egal. Später hatte ich solch schöne Momente vergessen. Ich rannte nur noch im Dauerlauf von A nach B und sah kaum noch etwas neben mir. Erst auf der Schafweide später änderte sich das wieder und jetzt bin ich glücklich, so viele Naturwunder zu sehen.

Er hat sich einen guten Platz ausgesucht, am Wasserhahn. Die Wasserstelle hat er für sich ganz alleine. Er oder sie (das muss ich noch raus bekommen) ist ein grünes Heupferd. Ich weiß inzwische, wie man Männlein und Weiblein unterscheidet. Wenn ich das kleine „Grüne Ungeheuer“ wieder treffe, werde ich genauer hinsehen.

Wisst ihr, ich war immer traurig, weil ich nicht mehr da rumklettern kann, wo und wie ich das wollte. Auch die Schafweide ist fast immer außen vor. Jetzt weiß ich, dass an manches irgendwann im Leben ein Haken dran gehört und nun einfach für anderes mehr Zeit ist.

Die Garten-Chef-Maus und ich verabschieden sich für heute. Wir bleiben dran an all dem Abenteuerlichen, welches am Teich im Garten zu beobachten ist. Wer weiß, vielleicht sonnt sich bald ein Salamander auf unserer Trockenmauer.
Ich wurde immer gefragt, ob ich die Insektenzählung beim Nabu mitmache. Wenn ich mich weiter so mit den Insekten beschäftige, kann ich das irgendwann tun.


17 Kommentare zu „So spannend kann Leben sein.“

  1. Liebe Gudrun,
    zunächst mal muss ich dir sagen, dass ich deine Fotos sehr bewundere. Die sind so gestochen scharf, das sieht richtig professionell aus. Toll!
    Was du über die „Zusammenarbeit“ von Ameisen und Blattläusen herausgefunden hast ist total spannend.
    Auch wenn es nicht immer so leicht fällt , dennoch bin ich auch davon überzeugt, dass es hi und da wichtig und gut ist, beizeiten einen Haken zu setzen! Abschied und Neubeginn geben sich die Hand!
    Es gibt so viel Schönes und Interessantes zu entdecken, wenn man den Entschleunigungsgang einlegt!
    Ich grüße dich ganz herzlich mit einem Gedicht, dass mir irgendwann mal in den Sinn kam und was jetzt gerade zum Thema passt:

    Du hast deinen Tag verloren

    Du hast deinen Tag verloren:
    Zwischen klaffenden Schlagzeilen und lähmenden Schreckensmeldungen,
    neben sorgenschweren bleiernen Worten die deine Gehörgänge fluten,
    unter der erdrückenden Last des täglichen Arbeitspensums das dich
    unerbittlich vorantreibt,
    vor den Bildschirmen die dich grell flimmernd in ihre Welt entführen,
    inmitten von kreisenden Gedanken die dich lückenlos in ihren Bann ziehen,
    auf dem Boot der routinierten Alltagsgewohnheiten die Aufmerksamkeit
    fordernd das Ruder übernehmen.
    Du hast deine Lebenszeit verloren.

    Beate Neufeld

    1. Hallo, liebe Beate, ich war schon als Kind immer neugierig. Das war auch gut so, denn wenn ich dann in Büchern las, entrückte ich in eine andere Welt. Mein Bibliothekar damals war große Klasse.
      Du hast Recht, man sollte viel öfter den Entschleunigungsgang einschalten, viel, viel öfter. Morgen wasche ich im Garten die letzte Ladung Wolle. Die ersten Wintersocken sind schon fertig.
      Herzliche Grüße an dich und vielen Dank für deine Zeilen.

  2. Was für feine Fotos und was für einen schönen Ort ihr euch dort geschaffen habt. Manchmal glaube ich, dass wir durch das Hin und Herrennen und dauernd sein müssen, eine Menge verpassen. Es ist fein, dass du diesen wundervollen Ort hast. In diesen verrückten Zeiten sind solceh Oasen wichtiger denn je. Erhol dich weiter gut. Alles Liebe

    1. Noch sind wir nicht ganz fertig, aber es wird langsam. Die Sandbienen bekommen jetzt noch ihren Sand und dürfen auch bei uns im Garten bleiben. Ich bin gespannt, ob wir im nächsten Jahr kleine Frösche bekommen.
      Das mit dem Hin- und Herrennen stimmt, weil man die Umgebung kaum noch wahrnimmt. Nun muss ich ja nicht mehr arbeiten, aber trotzdem muss ich mich ab und an zur Ruhe nötigen.
      Liebe Grüße zu dir.

  3. So ein feiner Mini-Makrokosmos vor der Tür ist einfach wunderbar.

    Verdächtig sind allerdings die Ameisen. Sie paradieren nicht nur zu unserer Unterhaltung, sondern melken auch ihre „Futterkühe“. Die Blattläuse bereiten den Pflanzen schließlich oft einigen Kummer.
    Froschkonzerte empfinde ich dagegen als herrliche Unterhaltung. Im Radurlaub in Bad Zwischenahn beklagte sich meine Schwägerin allerdings über die fehlende Nachtruhe.
    Wie so oft im Leben gibt es eben immer Vor- und Nachteile – es kommt nur auf die Sichtweise an.

    Und Libellen sowie Grashüpfer sind für mich das kleine Topping der Natur.
    Lieben Gruß und gute Wünsche für die Gesundheit! Kelly

    1. Ich freue mich riesig, liebe Kelly, dass langsam der Garten sich so gestaltet, wie wir es haben wollen. Es ist schön zu sehen, wie alles ineinander greift. Vor einiger Zeit hatten wir ganz wenig Insekten hier, aber das hat sich geändert.
      schön ist, dass die Frösche mit ihrem Quaken keinen stören würden. In der Gartenanlage ist nachts ja niemand, nur Herr E. hockt nachts manchmal noch an seinem Teich. Und der freut sich über ein Froschkonzert.
      Liebe Grüße an dich.

  4. Es ist einfach wunderbar, wie aufmerksam und wissbegierig du die Vorgänge im und am Teich beobachtest, fotografierst und für uns zu einem runden Ganzen verwebst.
    Die Bilder und Ausführungen sind ebenso schön wie lehrreich. Danke dafür.
    Liebe Grüsse, Brigitte

    1. Und ich danke dir für das Lob, liebe Brigitte.
      morgen fahre ich wieder in den Garten und wasche die letzte Schafwolle. ML sehen, wer mich da so besucht. Die ersten Wintersocken sind auch schon gestrickt. Diesmal habe ich nicht gewartet bis es kalt wird um die Zehen.
      Herzliche Grüße an dich.

  5. Ach, wie schön, liebe Gudrun, wie ich solche Berichterstattungen mit allerliebsten Gedanken und Bildern liebe!!!!!! *umarm*
    Und dass sich dein Herr E. so über den Frosch freut, finde ich auch so herzerwärmend und schön, da könnte ich schon wieder losheulen. Ja, weil ich es so gut nachvollziehen kann. Zumal ich die kleinen Quaker auch so sehr liebe, wie auch ihre nächtlichen Konzerte. Die Stimmen der Natur sind immer Seelenbalsam für mich. Und die Begegnungen natürlich auch. Gerade jetzt schauen wegen meiner begehrten Tränk- und auch Futterstellen so viele Besucher vorbei, das freut mich immer so sehr.
    Ich kann dich so gut verstehen, liebe Gudrun. Habe auch Angst, irgendwann nicht mehr die Dinge tun zu können, die ich liebe. Man kann nur hoffen, dass es dann Alternativen gibt und auch Möglichkeiten, sie zu nutzen. Du machst mir jedenfalls Mut.

    Ganz liebe Grüße zu dir und deinen Gartenbewohnern,
    Andrea und Lilly

    1. „Andrea und Lilly“ – ach das hat mich jetzt gefreut als Katzenmensch. Meine beiden Töchter haben auch jeder eine Katze. Sie sind halt mit welchen aufgewachsen. Bei ihnen gehört eine Katze zur Familie dazu. Wie sehr doch die eigene Kindheit prägt!
      Unser Teich wird gerade auch gut besucht. Früh sehen wir es nicht, aber abends ist da ganz ordentliches Begängnis. Nur die Insekten tummeln sich dort am Tage. Ich freue mich so sehr über ein Stück heile Welt.
      Ich träume immer noch ab und zu davon, dass ich mit den Hütehunden über die Wiese renne. Noch nie habe ich davon geträumt, dass ich im Rollstuhl sitze. Wahrscheinlich kann ich meine neue Situation noch nicht annehmen. Ob ich das noch schaffe?
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße und bitte gib einen Streichler an die Lilly weiter.

      1. Ach, liebe Gudrun, mir bricht es immer schier das Herz, wenn ich das lese. So würde es mir auch gehen. Ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie traurig das ist. Und doch kann es jedem passieren.

        Danke für den Streichler. Dafür bekommst du von mir eine ganz liebe Umarmung!!!!

  6. Was für ein schöner Bericht über das Leben in Deinem/Euren Garten, liebe Gudrun. Da ist ja allerhand los. Aber es ist immer wieder erstaunlich, was man alles beobachten kann, wenn man nur ein wenig Ruhe, Geduld und Zeit aufwendet. Und wie entspannend so etwas sein kann. Ich kann mir gut vorstellen, wie glücklich Dich diese Beobachtungen gemacht haben und auch, wie groß die Freude bei Deinem Herrn E. über den langersehnten Frosch ist.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

    1. Den Frosch hatte er an einem Tag nicht gesehen und war schon in Sorge. Dann war er aber wieder da und Herr E. strahlte.
      Als meine Kinder klein waren haben wir öfter irgendwo auf dem Bauch gelegen und Kaulquappen beobachtet oder was auf einer Ameisenstraße alles transportiert wurde. Auf dem Bauch liegen geht nicht mehr, aber es gibt trotzdem noch feine Beobachtungsplätze. Es ist wirklich immer wieder beachtlich, was man da alles zu sehen bekommt.
      liebe Silberdistel Marianne, liebe Grüße schicke ich dir.

  7. Liebe Gudrun,
    ich bin erschrocken, was Dich in die Zwangspause gebracht hat. Manchmal geht es leider richtig hart zur Sache, damit wir lernen, unseren Blick auf die Welt anders zu lenken. Ich seh es ja an mir selbst, ich brauchte auch eine Pause, war über Wochen zutiefst müde.
    Jedenfalls ist Euer Gartenparadies bestens dafür geschaffen, sehr freudvolle Momente zu genießen. Dazu nickt auch Fridolin Frosch, der stolze Froschkönig, der neben mir an einer Zimmerpflanze hochklettert.
    So wie Dir geht’s auch mir – ich liebe Libellen. Sie sind erstaunliche Flugkünstlerinnen, auch ihre prächtigen Farben erfreuen mich. In unserem Lieblingsgarten können wir die Sausewesen auch immer wieder bewundern.
    Ich wünsche Dir viele gute Momente, grüße Dich herzlich. Chris

    1. Vielen Dank für deine Grüße, liebe Chris. Es ist nicht mein Jahr diesmal, weil es einige Zwangspausen gab. Ich hoffe, dass ich nun mal fertig bin damit.
      Der Garten ist für mich immer wieder ein Lieblingsort. Dort fühle ich mich sicher und genieße die Ruhe und den Frieden. Die Nachbarn sind alle freundlich und nett. Keiner schimpft ständig und zetert. Es ist wie eine friedliche Insel. Hoffentlich bleibt uns das erhalten, vor allem, weil ich gut dahin komme und nicht auf den Nahverkehr angewiesen bin.
      Ich grüße dich herzlich.

  8. So schöne Dinge gibt es zu lesen bei dir Gudrun, das freut mich.
    Endlich ein Frosch im Teich, das Warten hat sich gelohnt. Vielleicht gibt es mal Nachwuchs und ihr bekommt als Dankeschön ein ganzes Froschkonzert 🙂
    Bei dem Heupferd würde ich sagen es ist ein Weibchen. Die haben hinten eine Legeröhre, auf dem Foto ist eine im Ansatz zu sehen.
    Und das kleine Mäuslein zum Schluss – wie niedlich.
    Komm gut durch die heißen Tage, liebe Abendgrüße von Kerstin.

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