Es war kein guter Tag gestern. Da half auch Stricken nicht.

An solchen Tagen, an denen mir fast der Hut brennt, versuche ich mich immer mit Wollkram, Spinnen oder Stricken abzulenken. So Recht klappte es diesmal nicht. So viel konnte ich einfach nicht stricken. Nein, es war kein guter Tag.

rote Spitzen

Gestern war ich fassungslos, was es doch für machtgeile, kleine A****löcher gibt, den kein Mittel und keine Unterstützung von noch so rechten Socken zu Schade ist. Mir als geborener Thüringerin ging es sehr nahe, was da bei der Wahl des Ministerpräsidenten passierte. Oh nein, für mich war das kein guter Tag.
Eigentlich dürfte das niemanden kalt lassen, denn so etwas hatten wir schon mal in diesem Land. Erzählungen meiner Eltern drängte sich auf, die Weimarer Repuplik, von Papen … und alle Folgen.

mein Altenburg in Thüringen

Es hat bestimmt jeder mitbekommen, was da passierte. Viel muss ich nicht mehr schreiben.
Man brüstete sich nach der Aktion gestern im Thüringer Lamndtag damit, dass man Extreme von Links verhindert hat. Eh, Bodo Ramelow ist kein Linksextremist. Aber er ist einer, der sich sehr engagiert für sein Land und dafür auch die Anerkennung vieler Wähler bekam. Und dann ließ sich ein bis dato unbekanntes Mitglied des Landtages im dritten Wahlgang, geplant und nach Absprache und mit Unterstützung aus der ganz rechten Ecke, zum Ministerpräsidenten wählen, ein Mitglied einer Partei, die es gerade so in den Landtag geschafft hatte.

Auch in der FDP gibt es Mitglieder, die ich sehr schätze, Herrn Baum z.B., ehrlich und mit einem tiefen Demokratieverständnis. Vielleicht waren es gerade diese demokratischen Kräfte, die heute die Reißleine zogen. Ein Herr Lindner war es jedenfalls nicht. Dem war im Vorfeld bekannt, was da gleich bei der Wahl des Ministerpräsidenten passieren sollte. Er hatte es abgenickt und damit seiner Partei keinen gefallen getan.

Mir ist es nie egal, was in Thüringen aber auch an anderen Orten in diesem Land geschieht. Es war kein guter Tag gestern, nein, aber die vielen Proteste gegen jegliches Gekunkel mit Rechten, das hat etwas bewirkt. Und ein bisschen tröstet mich das und gibt mir Mut, meine Meinung laut zu sagen.

stricken wenn es mal kein guter Tag ist

Das Beschäftigen mit Wolle hilft mir eigentlich immer, ruhig zu bleiben. Diesmal hätte ich aber gar nicht so viel stricken können, wie ich es gebraucht hätte. Aber immerhin entstehen gerade zu meinem Überwurf, dem Schalkragen und der Mütze nun noch Armstulpen mit „Mäusezähnchen“ an den Abschlüssen.

Ich werde mal all meine gelben Wollreste zusammenkratzen und schauen, ob es auch noch für Socken reicht. Dass es wiedermal kein guter Tag ist, muss ich ja dazu nicht haben. Stricken geht auch so immer und mit meinem „Angeziehe“ komme ich wieder ein Stücke weiter.

15 Gedanken zu „Es war kein guter Tag gestern. Da half auch Stricken nicht.“

  1. Wie ich gelesen habe, tritt Kemmerich wohl zurück, löst den Landtag auf und es wird Neuwahlen geben. – Du wirst es nicht glauben, da habe ich fürchterliche Gedanken, die sich durchaus bewahrheiten könnten. – Alle sogenannten Volksparteien wie CDU/CSU, SPD und FDP haben sich ja in der Vergangenheit nicht mit Ruhm bekleckert. Und wenn es zu keiner Koalition mit den Linken oder den Grünen kommt, dann wäre meine allerschlimmste Befürchtung, dass der Stimmenanteil für die Blauen noch viel, viel größer wird, weil sich alle bisherigen Wähler einer doch demokratischen Wahl nicht ernst genommen fühlen. Sie werden unter Freunden, Bekannten und Verwandten trommeln, doch auch ihre Partei zu wählen.
    Angenommen, sie bekommen die absolute Mehrheit und dann haben wir ein Bundesland, wo es den ersten rechten Ministerpräsident gibt. – Ich hoffe, dass dieser Alptraum nicht wahr wird.

    1. Das hoffe ich auch, liebe Clara und solange ich noch reden kann, werde ich es tun. Das darf einfach nicht passieren und alle Parteien sind in der Pflicht. Das dauernde Gefasel vom Linksextremismus geht mir sowas von auf den Geist.
      Liebe Grüße zu dir und danke, dass du hier warst und geschrieben hast.

  2. Ich muss lächeln liebe Gudrun. Nun noch Armstulpen – und ich wollte schon in Gedanken schreiben, dass nur noch Socken fehlen. Aber die kommen dann vielleicht auch noch 🙂
    Die Farbe gefällt mir, so schön frisch, wie Sonnenschein. Der hilft gegen die trüben Gedanken – oder auch gegen Wut und Frust.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    1. Die Sache lag mir sehr am Herzen und wird es auch bleiben. Ich möchte das nicht erleben müssen, was meine Großeltern und Eltern erlebt haben. Ich bin ihnen sehr dankbar, dass wir zu Hause über die deutsche Geschichte aus ihrem Erleben gesprochen haben. Leicht war es für keinen.

  3. Ich bin auch schier fassungslos. Aber es ist ein Lichtblick, dass er das nicht lange politisch überlebt. Allerdings versüsst mit an die 93.000 Euro, die er noch einsackt. Auf unsere Kosten wohlgemerkt. Herr Baum ist einer der letzten der alten Garde in der FDP, die mal für Freiheitsrechte stand. Frau Hamm-Brücher, Genscher und wie sie alle hießen, dürften im Grab rotieren. Und dieses ewige Gefasel vom Linksextremismus, den man nun verhindert hat, geht mir sowas von auf den Keks. Herr Ramelow hat weder den Sozialismus ausgerufen, noch lebt man in Thüringen wieder auf den Bäumen. Es mag ja SED Altlasten geben, aber die Linke ist ein Zusammenschluß aus der PDS UND der WAGS aus Nordrheinwestfalen und keine Ansammlung alter SED Kader. Komisch, nach dem zweiten Weltkrieg war man da nicht so zimperlich und Altnazis fanden schnell wieder in Amt und Würden.

  4. Laut Umfragen haben sich CDU und FDP sowie die, die endgültig in der Versenkung verschwinden sollten, ein schönes Ei gelegt. Ich hoffe die Empörung hält an.
    Ansonsten gefallen mir deine Armstulpen. Sehr schick.

    1. Ja, und deshalb wollen die keine Neuwahlen. Es ist erstaunlich, wie man es auch jetzt noch dreht und wendet und argumentiert. So ein Schmierentheater!
      Die Stulpen trocknen gerade. Ich habe Socken am Wickel, hoffe, dass die gelbe Wolle noch reicht. Ansonsten wird die Zweite wie bei Pippi Langstrumpf.

  5. Heute gelesen:
    In einem Interview mit der taz sagte Roger Willemsen im März 2006: „Hitler hat einmal in einem merkwürdig klarsichtigen Satz, über den ich mich immer gewundert habe, gesagt: Ich habe die Demokratie mit ihren eigenen Regeln zur Strecke gebracht. Von dieser Einsicht aus lohnt es sich, in allen Staaten, ganz egal, wie human sie verfasst sind, auf die Stellen zu schauen, an denen sie sozusagen umkippen können.“

  6. Das war wie ein Guss mit eisigkaltem Wasser am vorletzten Mittwoch. Ich kam müde, aber sehr gut gelaunt von einem Ausflug nach Nürnberg zurück, schaltete den Fernseher ein – und dann kam der Schock… Mir hat danach der Linseneintopf nicht mehr geschmeckt…
    Wie die neuesten Umfragewerte zeigen, hat sich dieser Skandal im Thüringer Landtag gottlob doch nicht so erfolgreich für die Blaunen ausgewirkt wie von diesen höchstwahrscheinlich erwartet.
    Ganz, ganz wichtig ist es, jetzt nicht Mut und Hoffnung und Zuversicht fallen zu lassen!
    *Lieb-drück*

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