Besuch bei der Freundin in der Elsteraue

Es kommt nicht darauf an, daß die Freunde zusammenkommen, sondern darauf, daß sie übereinstimmen.
(Quelle: Goethe, J. W., Gespräche. Mit Kanzler Friedrich von Müller, 14. April 1830)

Wir hatten uns lange nicht gesehen. Viel zu lange. Am Wochenende hat Herr E. einen City Flitzer geholt und wir sind endlich zu meiner Freundin in die Elsteraue gefahren.
Endlich konnte ich Herrn E. den Hof der Freundin zeigen, wie ihre Feuerbohnen alle Wäscheleinen beansprucht haben, unzählige Tomatenpflanzen in Töpfen in Reih und Glied herumstehen und reichlich Früchte tragen und es überall grünt und blüht.
Mein Liebling, der Milan, begrüßte uns, als wollte er sagen: Ihr wieder! Ich bin auch da.

Die Gelbe Katze kam gerade vom Räubern zurück. Als sie uns auf der Bank sitzen sah, erstarrte sie und wollte schon wieder umkehren. Fremde! Eindringlinge in ihrem Hof! Sie ist Fremden gegenüber sehr scheu. Ich denke es ist gut so, denn leider gibt es nicht nur Katzenfreunde. Die Freundin hat beruhigend auf sie eingesprochen und da kam sie näher, ganz langsam, so seitlich, im Schräggang. Dann schätzte sie die Entfernung zur Haustür und Zack! war sie drin.
Sie muss sich gewöhnen, meinte die Freundin. Dann klappt es auch mit Vertauen und Annäherung. Wir müssen halt öfter kommen.

Von der Terrasse des Hauses der Freundin konnten wir über die Elsteraue schauen. Eine Aue ist eigentlich ein Feuchtgebiet. Hier war es fast so trocken wie bei uns zu Hause. Regen fehlt hier genauso und ich mag gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn es mit der Wärme und Trockenheit noch einige Jahre so weiter geht.

Auch die Wiesen haben sich verändert. Viele einheimische Blumen sind verschwunden. Ich musste damals mit den Schafen auf eine Wiese, weil dort wilde Orchideen wuchsen. Schweres Gerät für die Wiesenmahd hätte ihnen den Garaus gemacht. Wahrscheinlich ist hier Ähnliches passiert.

Trotzdem habe ich mich gefreut, in die Ferne schauen zu können. Das fehlt mir in meinem Innenhof und damals, als ich im Dörfchen bei Leipzig wohnte, habe ich es geliebt. Ansonsten war das Leben dort schwierig.

Es war sehr schön bei meiner Freundin. Ich habe selten so eine Verbundenheit gespürt. Wir haben so viele gemeinsame Interessen, denken und fühlen oft sehr ähnlich, tauschen uns aus und lernen voneinander. Ich bedauere es sehr, dass wir so weit auseinander wohnen. Ich denke, dann würden wir oft zusammenhocken und tüfteln und ausprobieren. Es dauert manchmal, bis man seinen Seelenverwandten findet. Hat man ihn, muss man ihn schüztzen und bewahren.
Ach ja, wir sagen uns auch, was zu sagen ist. Das ist gut so, weil keine Missverständnisse aufkommen.

Der schönste Tag geht auch mal zu Ende. Leider. Nachbars Hühner verzogen sich schon in den Stall und wir machten uns auch auf den Weg in die laute, heiße Stadt, die mir manchmal so auf die Nerven geht. Die Freundin hatte eine Kiste gepackt und mitgegeben, mit Zuccini, Tomaten, Kürbis, Kräutern …
Danke, du Liebe. Und diesmal warten wir nicht wieder so lange mit einem Besuch.

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