Wo anfangen?

Schreiben gegen Frust und Angst

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Seit meinem letzten Beitrag ist viel Zeit vergangen. Es gab ordentlich zu tun bei mir und dann kam mein alljährlicher Rhymaschub, begleitet dann schließlich mit einer hypertensiven Krise, in der ich medizinische Hilfe brauchte. Mit einem Blutdruck von 222/125 denkt es sich nicht gut und ich habe erstmal Ruhe gesucht. Mehr will ich nicht dazu schreiben. Es ist eben nicht mein Jahr, was die Gesundheit anbelangt, und es ist auch nicht das Jahr der leichten Gedanken.

Der Ausgang der Wahlen in Sachsen-Anhalt hat mich nicht überrascht. Ich rede oft mit vielen Menschen und weiß, wo sie der Schuh drückt. Man sollte da mal genau zuhören, nicht nur den ganz Radikalen. Und sicher sollte man auch nicht in seiner Blase glucken bleiben.
Während bei einigen im Lande die Kriegskasse klingelt, wird es bei landwirtschaftlichen Betrieben, Handwerksbetrieben, Arztpraxen, Familien und anderen eng. Das Vertrauen sinkt in eine Regierung, die das Versprechen, alles zu tun für das Wohlergehen des eigenen Volkes nicht ganz so ernst zu nehmen scheint. Ursachen dafür nennt man viele, aber gerade die sollte man mal ganz genau beleuchten. Da darf man schon mal zweifeln und Fragen stellen.

Ich habe zugehört und erfahren, dass manche im Winter ihre Heizung nicht mehr anstellen werden aus Angst vor hohen Nachzahlungen. In einer Arztpraxis in der Nähe steht ein Schild am Empfang auf dem man lesen kann, welche Blutuntersuchungen möglich sind und was es kostet, wenn man eine benötigt. Es ist nicht überall so, aber was kommt da noch? „Wir müssen schließlich alle Opfer bringen.“ Ach ? Mann! So was macht Angst, vor allem, weil eine Zukunftsvision nicht da ist, außer vielleicht, dass die KI uns umbringen wird oder dass wir alle lernen müssen, „kriegstüchtig“ zu werden. (Ich will nicht, dass in Leipzig Pershings gebaut werden.)
Das ist nur ein kleiner Auszug aus allen Beobachtungen.

Keinen habe ich gefragt, wie er gewählt hat oder wählen wird. Schließlich haben wir geheime Wahlen und das ist auch gut so. Fakt ist aber, dass ganz viele gesagt haben, dass es so nicht weiter geht, dass sich etwas ändern muss. Solche Situationen gab es schon öfter in der Geschichte und betrifft nicht nur unser Land und schon gar nicht nur Sachsen-Anhalt. (Und immer wieder kam das Ding mit dem mangelnden Vertrauen zu den Parteien oder Politikern, die seit Jahrzehnten herumdoktern und alles nur schlimmer machen. „Reformen“ – das kann keiner mehr hören. Kahlschlag am Sozialsystem wäre besser und ehrlicher.)

Ich lese gerade viel und stelle fest, dass ich nicht die einzige bin auf der Suche nach Dialog und Antworten. Nein, ich lese nicht bei Facebook, Insta und Co. und ich plappere das auch nicht nach. Auch andere Meinungen lese ich, von denen ich schon vorher weiß, dass sie von meiner abweichen. Einerseits bestärkt es mich in meiner Meinung und andererseits bringt es auf manch guten, neuen Gedanken.
Ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, aber was ich tun kann, das weiß ich: Ich bleibe einfach menschlich, so wie es mein Großvater anno dunnemals auch war.

Ach ja, Gutes gibt es auch:

  • Beim Lieblingsmensch vom verstorbenen Gastkater Findus sind zwei Katzen eingezogen, deren Frauchen ins Pflegeheim musste. Mensch und Katzen tun sich gegenseitig richtig gut.
  • Ich habe die Wolle meines Patenschafes gewaschen, kardiert und gut verstaut. Daraus wird bald wieder Wärmendes entstehen.
schöne weiche und weiße Wolle vom Patenschaf verlässt die Kardiermaschine
  • Tinktur aus Rosskastanien habe ich angesetzt und habe wieder große Lust, mein Kräuterwissen weiter zu entwickeln und auch zu nutzen.
  • Und schließlich habe ich nun endlich die Idee gefunden, wie mein Buch aussehen soll, an dem ich schon mal intensiv gearbeitet und es dann zweifelnd in die Ecke gelegt habe. Ich werde wieder anfangen, mache das aber ausschließlich für mich. Wenn es fertig ist, werde ich es mir auf die Brust legen und es ganz fest umarmen.
    Danke an meine Tochter, die mir zu Weihnachten ein Buch geschenkt hat, welches mich angeregt hat, mein eigenes zu fertigen.

Ach Mensch, es war heute ein bissel viel. Ich weiß das, aber es musste mal raus. Ab und zu muss der Druck von der Seele und auch vom Herzen. Nun kann ich mich auch wieder anderen Dingen zuwenden, auch im Blog.

Besuch bei der Freundin in der Elsteraue

Es kommt nicht darauf an, daß die Freunde zusammenkommen, sondern darauf, daß sie übereinstimmen.
(Quelle: Goethe, J. W., Gespräche. Mit Kanzler Friedrich von Müller, 14. April 1830)

Wir hatten uns lange nicht gesehen. Viel zu lange. Am Wochenende hat Herr E. einen City Flitzer geholt und wir sind endlich zu meiner Freundin in die Elsteraue gefahren.
Endlich konnte ich Herrn E. den Hof der Freundin zeigen, wie ihre Feuerbohnen alle Wäscheleinen beansprucht haben, unzählige Tomatenpflanzen in Töpfen in Reih und Glied herumstehen und reichlich Früchte tragen und es überall grünt und blüht.
Mein Liebling, der Milan, begrüßte uns, als wollte er sagen: Ihr wieder! Ich bin auch da.

Die Gelbe Katze kam gerade vom Räubern zurück. Als sie uns auf der Bank sitzen sah, erstarrte sie und wollte schon wieder umkehren. Fremde! Eindringlinge in ihrem Hof! Sie ist Fremden gegenüber sehr scheu. Ich denke es ist gut so, denn leider gibt es nicht nur Katzenfreunde. Die Freundin hat beruhigend auf sie eingesprochen und da kam sie näher, ganz langsam, so seitlich, im Schräggang. Dann schätzte sie die Entfernung zur Haustür und Zack! war sie drin.
Sie muss sich gewöhnen, meinte die Freundin. Dann klappt es auch mit Vertauen und Annäherung. Wir müssen halt öfter kommen.

Von der Terrasse des Hauses der Freundin konnten wir über die Elsteraue schauen. Eine Aue ist eigentlich ein Feuchtgebiet. Hier war es fast so trocken wie bei uns zu Hause. Regen fehlt hier genauso und ich mag gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn es mit der Wärme und Trockenheit noch einige Jahre so weiter geht.

Auch die Wiesen haben sich verändert. Viele einheimische Blumen sind verschwunden. Ich musste damals mit den Schafen auf eine Wiese, weil dort wilde Orchideen wuchsen. Schweres Gerät für die Wiesenmahd hätte ihnen den Garaus gemacht. Wahrscheinlich ist hier Ähnliches passiert.

Trotzdem habe ich mich gefreut, in die Ferne schauen zu können. Das fehlt mir in meinem Innenhof und damals, als ich im Dörfchen bei Leipzig wohnte, habe ich es geliebt. Ansonsten war das Leben dort schwierig.

Es war sehr schön bei meiner Freundin. Ich habe selten so eine Verbundenheit gespürt. Wir haben so viele gemeinsame Interessen, denken und fühlen oft sehr ähnlich, tauschen uns aus und lernen voneinander. Ich bedauere es sehr, dass wir so weit auseinander wohnen. Ich denke, dann würden wir oft zusammenhocken und tüfteln und ausprobieren. Es dauert manchmal, bis man seinen Seelenverwandten findet. Hat man ihn, muss man ihn schüztzen und bewahren.
Ach ja, wir sagen uns auch, was zu sagen ist. Das ist gut so, weil keine Missverständnisse aufkommen.

Der schönste Tag geht auch mal zu Ende. Leider. Nachbars Hühner verzogen sich schon in den Stall und wir machten uns auch auf den Weg in die laute, heiße Stadt, die mir manchmal so auf die Nerven geht. Die Freundin hatte eine Kiste gepackt und mitgegeben, mit Zuccini, Tomaten, Kürbis, Kräutern …
Danke, du Liebe. Und diesmal warten wir nicht wieder so lange mit einem Besuch.