Die ersten Socken gehen auf die Reise. Ein Loblied auf die Schafwolle.

Ich alter Geizhals muss mich mal wieder von einem Projekt trennen. Die ersten Socken aus selbstbesponnener und verstrickter Schafwolle gehen auf die Reise.

Neblig ist es heute, kühl, feucht und eben neblig-grau. Ich freue mich gerade sehr über meine Socken aus Schafwolle und hoffe, dass es die Beschenkte dann auch tut. Die ersten Socken gehen nämlich heute auf die Reise.
Zu Beginn hatte ich nur einen Berg schmutziger Schafwolle mit viel Einstreu drin. Säubern und Verlesen, Waschen, Zupfen, Kardieren und Kämmen, Spinnen, Stricken – das alles kostet Zeit und macht Mühe. Jetzt ist es fertig.

die ersten Socken für den Winter aus Schafwolle sind fertig
Socken aus der Wolle der Leineschafe, den Landschaftspflegern im NSG Kulkwitzer Lachen

Eine Riesen-Verpackung gibt es bei mir schon lange nicht mehr. Bändchen um die Geschenke häkele ich auch aus Wolle. In dem angebundenen Säckchen befindet sich ein Wollrest und eine Wollnadel zum Reparieren der Socken. Das lohnt sich auf alle Fälle, wir sind es nur nicht mehr gewohnt mit unserer Wegwerferitis und ständigen Neukauferei.

Wolle verfügt über sehr gute Eigenschaften, auch zur Selbstreinigung. Ja, richtig gelesen: man muss nicht dauernd alles in die Waschmaschine stecken. Auch das dürfte uns schwerfallen. Wir sind es anders gewohnt.

Mechanische Selbst-Reinigung der Wolle

Im Faserstamm liegen lianenartig miteinander verschlungene Stränge aus zwei verschiedenen Faserarten. Bei Feuchtigkeitsaufnahme und -abgabe quellen sie unterschiedlich stark. Sie sind fest miteinander verbunden und versetzen die Wollfaser in Bewegung. Durch diese Eigenbewegung der Faser werden auf der Faseroberfläche liegende Schmutzpartikel abgestoßen. Überhaupt verbleiben diese Schmutzpartikel auf der Oberfläche und können nicht in die Faser eindringen.

Chemische Reinigung

Die Struktur der Wollfasern sorgt dafür, dass eine Vielzahl von Chemikalien absorbiert und neutralisiert werden können. Harnsäure wird zersetzt. Auch giftige Kohlenstoffverbindungen auf Benzolbasis oder die Inhaltsstoffe von Zigarettenrauch werden aufgenommen und wieder abgegeben, wenn man die Wollprodukte an der frischen Luft auslüften lässt.
Teppiche aus Wolle sorgen für ein besseres Raumklima und dem Pullover riecht man nach dem Auslüften den Kneipenbesuch nicht mehr an. Und Socken? So manche Schweißmauke wird erträglich.

anderes

Es gibt noch jede Menge anderer Vorteile von Kleidung aus Schafwolle, z.B. dass sie viel Feuchtigkeit aufnehmen kann ohne dass sie sich nass anfühlt. Leichter Regen (oder wie heute die feuchte Luft durch den Nebel) perlt ab. Das merkt man gar nicht.

Eine Freundin erklärte mich mal fast für verrückt, weil ich im Sommer mit Schafwoll-Pullover da saß. Wenn man Schafen im Sommer mal in die Wolle gefasst hat, konnte man spüren, dass es sich da drinnen kühl anfasst. Das liegt nicht nur am Lanolin, was man zu spüren glaubt. Wolle ist temperaturausgleichend. Kommt man in die Wärme, schwitzt man viel weniger als in herkömmlicher Kleidung. Bewegt man sich in die Kälte, hält die Wolle die Körperwärme. Das liegt am Aufbau der Wollfasern. Schäfchen ist gut geschützt und wir sind es auch mit Wollsachen.
Wolle ist biologisch abbaubar.

Irgendwann zeichne ich die Fasern mal auf.

Ein Hängerchen für die Socken

Anhänger für meine Socken aus Schafwolle
für den Anhänger an meinen Wollprodukten

An meine Wollprodukte hänge ich immer ein Schildchen mit Pflegehinweisen und einer Beschreibung, wie ich die Wolle verarbeitet habe. Ich möchte zu gerne ein bisschen werben für diesen genialen Rohstoff, der bei uns im Lande oft weggeworfen wird. Warum karrt man die Wolle von sonstwo an? Warum tragen wir Sachen aus Massentierhaltung und Qualzuchten? Ich erinnere nur an das Mulesing oder die Qual der Kaschmirziegen.
Oder warum tragen wir lieber Kleidung aus allerlei Plastikverbindungen?
Ich mag das alles gar nicht. Und: Bei mir gibt es „Wolle mit Po“ (ohne Mulesing).

Schluss erstmal damit. Ich freue mich jetzt, dass wieder etwas fertig ist und verschenkt werden kann.
Auf das Schildchen meiner Wollprodukte schreibe ich auch immer mit drauf, woher die Wolle kommt, wo die Schafe wohnen. Meistens kenne ich sie persönlich. Sie haben es verdient, dass man über sie redet. Und ehe ich jetzt aus der Schwärmerei nicht mehr rauskomme für die einheimische Wolle, koche ich mir erstmal ein Käffchen.

17 Gedanken zu „Die ersten Socken gehen auf die Reise. Ein Loblied auf die Schafwolle.“

  1. Die interessanten Informationen über Schafwolle, die ich bislang noch gar nicht wusste, habe ich jetzt sehr gerne und aufmerksam gelesen. Vielen Dank für das erneute Füllen einer Wissenslücke, liebe Gudrun!
    Sei herzlich gegrüßt!

    1. Da freut mich.
      Ach , du Liebe, so etwas habe ich immer auf meinen Veranstaltungen erzählt. Ich muss mir etwas anderes einfallen lassen und „hirne“ da gerade mächtig.
      Liebe Grüße zu dir.

  2. vielen Dank Gudrun für das Teilhaben an Deinem (Woll)Wissen.
    Diese Informationen sind mir als Stadtkind so nicht vermittelt worden und nun, als Erwachsene, genieße ich es zu lernen ohne es zu müssen 😉
    Und die Socken mit Beiwerk sind ein wirklich wunderschönes Geschenk.
    Sei gegrüßt aus usseligem SH
    Lotte

    1. Usselig, wieder was gelernt. Ich mag solche Worte.
      Eigentlich bin ich auch ein Stadtmensch. Zu den Schafen bin ich durch Zufall gekommen. Als es mir mal gar nicht gut ging, vor vielen Jahren, haben sie mir das Leben gerettet. Und sann wollte ich alles über sie wissen und habe mit der Wollverarbeitung begonnen. Bemerkenswerte Tiere sind das.
      Herzliche Grüße zu dir, liebe Lotte.

  3. Und wieder etwas dazu gelernt. Das waren sehr interessante Informationen, liebe Gudrun. Da merkt man mal wieder, dass es sich lohnt, auch öfter mal hinter die Dinge zu schauen. Schafwollene Socken gehören schon ewig zu dem, was ich besonders gern trage, na und Pullover, Westen und Strickjacken sowieso. Meine Oma war ja auch eine fleißige Spinnerin. Die Wolle ihrer beiden Schafe hat sie immer selbst versponnen und uns alle natürlich auch bestrickt. Als ich dann selber das Stricken gelernt hatte, habe ich mir meine Pullover selbst gestrickt. Die Socken kamen nach wie vor von Oma. Jetzt habe ich mir immer mal wieder Schafwolle aus der Rhön mitgebracht oder mitunter auch schon fertige Socken aus unserem dortigen Lieblingsbauernladen.
    Ich hoffe, Deine Socken bringen nicht nur warme Füße, sondern auch viel Freude.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

    1. Wenn ich mit dem Spinnrad unterwegs war, liebe Silberdistel, muss ich viele Erinnerungen an die Großmutter geweckt haben. Viele erwachsene Besucher erzählten mir dann davon. Das war schon interessant.
      Das Stricken musste ich mir auch selber lernen. Ich hatte zwar mal Handarbeit in der Schule, aber es hat mich damals nicht sehr interessiert. Schade, es hätte einfacher gehen können. Das Sockenstricken lernte ich über das Netz. Eine Eis- oder Schneefee oder so ähnlich hatte eine Anleitung geschrieben, die ich endlich verstand. Es stellte sich heraus, dass es ein Mann und Mathematiker war. So ist das manchmal.
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße.

  4. Die Socken sind in der Tat die beste Klimaanlage für die Füße. Ich habe auch bald welche fertig und freu mich schon drauf.
    Die Socken stopfe ich auch… da steht so viel Arbeit drin, das lohnt allemal.

    1. Ja, stimmt. Es steckt viel Arbeit drin von der Rohwolle über den Faden zur Socke.
      Die Schafwolle tut mir auf der Haut gut. Bei Chemiefasern bekomme ich sehr oft Probleme.
      Da warst du aber fix beim Socken stricken, trotz abgesäbelter Fingerkuppe.

  5. Wollsocken wasche ich nur, wenn sie wirklich dreckig sind. Die Junioren ziehen solche Socken – leider haben sie auch in den feinsten Wollstrümpfen kalte Füße – ihre eine Woche oder länger an. Die Socken stinken nie und halten ewig, weil sie ja auch nicht groß strapaziert werden.

    Leider, leider kann ich keine Socken stricken…

    1. Deine Kinder haben bestimmt kleine Füße, gell? Ich weiß, wenn man sich nicht sehr bewegt, ist einem immer kalt. Im Moment ist auch wieder Frieren bei mir angesagt. Ich mag den Herbst und den Winter gar nicht, was das anbelangt.
      Liebe Grüße ins südliche Dörfchen.

      1. Ja natürlich sind die Füße klein. Carstens Zehen obendrein alle gebrochen und steif – kein bisschen Venenpumpe oder irgendwas bewegen. Wiebkes Mittelfußknochens rechts gebrochen und links das Gelenk versteift …. Ach, alles okay – sie kennen es so und kommen damit klar!

  6. Es ist immer wieder ein Genuss, bei dir zu lesen und zu lernen! Sehr schöne Socken!
    Liebe Grüße aus der grauen und kalten Stadt schickt Elvira

    1. Danke, liebe Elvira.
      Hier ist es auch kalt grau und feucht. Meine Katze sitzt jetzt hinter der Balkontür nach ihren Mäusen an. Ich habe ihr ihre Schafwolldecke hingepackt und sie ist glücklich, weil der Poppes schön warm ist. Ach, was macht man nicht alles für die Katz.
      Liebe Grüße

  7. Viele denken , die kratzt die Schafwolle. Man schwitz, weiß was ich nicht alles.
    Da ist Aufklärung gut und nötig.
    Schön sind deine Socken geworden und die Idee mit Stopfwolle dabei ist gut.
    Das macht meine Schwägerin auch wenn sie Socken aus meiner gesponnenen Wolle verkauft auch.
    Der Nebel ist weg, heut scheint schön die Sonne.
    Ich schick dir ein paar Strahlen.
    LG Marion

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