Fahrt zum Schloss Machern. Sommer, Sonne, Sonnenbrand.

Nein, Sonnenbrand gab es keinen, obwohl ich viel in der Sonne war. Aber, wie es in dem alten Kult-Lied auch noch heißt: Was soll’n wir denn am Schwarzen Meer? Meine Freundin und ich waren in der Nähe unterwegs.

Schloss Machern

Meine Freundin hatte sich beschwert, dass niemand mit will und sie immer alleine unterwegs sein muss. Also habe ich zugesagt, mit zum Schloss Machern zu fahren.
Leicht gefallen ist es mir nicht, weil ich schlecht laufen und mich auch nicht gut auf die Gehhilfen stützen kann. Den Rollstuhl zu schieben, möchte ich meiner Freundin nicht zumuten. Also los, so wie ich es eben schaffe.

Es war nicht zu heiß, die Sonne schien, also ließ ich mich überraschen, wohin mich meine Freundin „schleppen“ wird.
Mir wäre auch die Wiese gleich nebenan Recht gewesen.
Ich weiß, dass meine Freundin Burgen und Schlösser liebt und so war es nicht verwunderlich, dass wir am Schloss Machern landeten, 20 km von Leipzig entfernt, im Landkreis Leipzig. Das Schloss Machern kannte ich bisher nur vom Hörensagen.

Eigentlich war das Schloss als Wasserschloss errichtet worden, aber 1838 erfolgte die Anlage eines etwa drei Kilometer langen Geländeeinschnittes durch die Macherner Höhe. Dieser Schnitt sorgte dafür, dass der Wallgraben dauerhaft austrocknete. Dort, wo der Graben floss, ist jetzt Wiese. Die alten Mauern sieht man noch, die Brückenanlagen zum Schloss, der Eingang zu einer kleinen Kapelle.
Ich habe es immerhin geschafft, um das Schloss herum zu laufen.

Ich sah einen Balkon am Schloss. Ach ja, da hätte ich gerne mein Zimmer. Warum? Weil man von dort oben ein tolles Schattenplätzchen hat und bestimmt wunderbar über die schöne Wiese blicken konnte.
Wir liefen ein Stück durch den angrenzenden Landschaftspark, der zum Schloss Machern gehört. Auch hier zeigten sich die Folgen der jahrelangen Trockenheit in der Leipziger Tieflandsbucht. Es machte mich traurig, die Markierungen an manchen Bäumen zu sehen. Sie werden wohl gefällt werden müssen.

Ich hätte so gerne Brennnessel-Samen gepflückt, aber das habe ich nicht geschafft. Um so mehr habe ich mich gefreut über wilden Storchenschnabel, Blutweiderich, die Wegeriche. Ich hoffe, dass es diese Wiese auch nach Jahren noch gibt.

Meine Freundin wäre gerne um den ganzen Teich gelaufen. Ich konnte nicht mithalten. Manchmal ist es schwer, deutlich zu machen, dass nicht alles einfach nur vom Willen abhängt. Es tut mir immer leid, dass ich andere ausbremse oder mich erklären muss.

Auf einer Bank an der Wiese hinter dem Teich haben wir noch lange gesessen und sind dann wieder aufgebrochen Richtung Leipzig. Es war schön, mal wieder unterwegs zu sein, obwohl es mich so angestrengt hat. Ich muss an meiner Mobilität arbeiten, dringend über Hilfsmittel dazu nachdenken. Ob es mir nun passt oder nicht. Wunder wird es nicht geben.

17 Gedanken zu „Fahrt zum Schloss Machern. Sommer, Sonne, Sonnenbrand.“

  1. Einen schönen Ausflug habt ihr gemacht, gut, dass du mitgegangen bist. Den Rollstuhl anzunehmen ist nicht einfach. Mein Mann meinte auch immer, das Schieben wäre doch viel zu schwer. Er hatte stets schlechte Laune und uns jeden Ausflug verdorben. Schließlich meinte er, dass er den Rollstuhl nicht will. Jetzt geht er an Gehhilfen und wir fahren nur da hin, wo es viele Bänke gibt.
    Liebe Grüße,
    Elvira

    1. Meine Freundin ist da etwa komisch drauf. Man kann laufen, wenn man es nur will. So einfach ist es leider nicht und wir geraten da auch aneinander. Das trübt dann auch meine Laune. (Du hast das gespürt, dass ich diesmal nicht so ganz unbeschwert schreiben konnte, gell?)
      Liebe Grüße zu dir.

  2. Liebe Gudrun, da habt ihr einen schönen Ausflug gemacht. Was Neues entdeckt. Es muss eine schöne Gegend um Leipzig sein.
    Und ja, einen Rollstuhl schieben ist anstrengend. Da kann ein Ausflug auch schonmal zur Qual werden, nicht alle Wege sind geeignet
    Aber ihr Beiden habt das ja gut hinbekommen.
    LG nach Leipzig

    1. Meine Freundin würde das nicht schaffen, auch wenn sie es immer behauptet. Ich kann ihr das nicht zumuten, weiß auch nicht, ob der in ihr Auto gehen würde. Also muss ich laufen. Große Strecken auf unwegsamen Gebiet schaffe ich nicht. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht immer mehr zurückziehe. Manchmal erwische ich mich dabei.
      Irgendwann kommst du mich mal besuchen mit dem Töchterchen. Und dann zeige ich dir die Gegend.

  3. Bekommst Du keinen Elektrorollstuhl, wo Du doch auch so schlecht greifen kannst? Damit wärest Du ja unabhängiger. Ich erinnere mich noch, wie ich mal eine gemeinsame Freundin durch Heidelberg geschoben habe…. hat mir nichts ausgemacht, allerdings ist Heidelberg ein einziges Kopfsteinpflaster, da ist das schon anstrengend.

      1. Ein Selbstgänger ist das wohl leider nicht. Martins Erfahrung ist aber, das er erst abgelehnt wird und dann im Widerspruchsverfahren durchgeht. Stichwort Teilhabe. Es ist zum Kotzen, dass man für sowas immer etwas Geduld und Spucke braucht

      2. Mit Deiner Behinderung hättest Du sowohl Anspruch auf einen normalen Rollstuhl mit elektrischen Antrieb – als auch auf einen vierrädrigen Scooter (Rentnerporsche),
        Was besser für Dich wäre, könnest Du sogar selbst entscheiden.

        Die entscheidenen Stichworte auf der Verordnung ( vom Arzt – also nichts Antrag) lauten „Teilhaben am sozialen Leben“ , „Mobilitätsdefizit“ und „nicht in der Lage, einen handbedienten Rollstuhl über längere Strecken zu bewegen“

        Wenn in Deinem Behinderten-Ausweis das Kennzeichen „G“ vermerkt ist, kann die Krankenkasse gar nicht anders, als Dir so ein Teil zu finanzieren (ich habe dieses Kennzeichen und würde so einen Scooter auch anstandlos bekommen) und müsste sogar die Stromkosten fürs Aufladen der Aukkus noch übernehmen

        Hast Du dieses Kennzeichen nicht, muss die Krankenkasse die Verordnung vom MDK prüfen lassen – wobei einzig die Papierform entscheidet -und könnte ablehnen, würde aber auf Widerspruch mit Androhung einen Klage vorm Sozialgereicht mit Sicherheit einknicken angesichts Deiner Befundlage.

        Dennoch würde ich an Deiner Stelle das Kennzeichen „G“ auf jeden Fall schnellstens beantragen, falls Du es noch nicht hast – denn das bietet jau auch noch einige andere Vorteile.

        1. Danke Martin. Ich weiß das. Es war nur ein bissel viel alles mit Rentenstelle, Amt der Ämter, medizinischem Dienst, Versorgungsamt, Umzug. Ich bin schrecklich müde und meine Freundin hat mich an dem Tag aufgeregt. Man muss nur wollen, damit geht eben nicht alles zu regeln. Ich möchte auch noch laufen, so viel es irgendwie geht. Tue ich es nicht, wird es schneller schlimmer. Mit Cesunden kann ich allerdings nicht mithalten, auch wenn ich das wöllte. Ach, wenn das jemand versteht, bist du das.

          1. Menschen mit Handicap haben oft einen kleineren Akku. Vielleicht ist das bei dir auch so. Schon allein bis man sich morgens fertig gemacht hat, für den Tag, kostet das schon wesentlich mehr Energie. Und das doofe ist, dass sich der Akku über den Tag nicht unbedingt nachladen lässt. Man kann auch keine Energie sparen, um am nächsten Tag für Ausflüge mehr zur Verfügung zu haben. Auch Leistung die der Akku unter Schmerzen zulässt bleibt begrenzt. So erlebe ich das. Das ist für Außenstehende schwer zu verstehen. Es lässt sich eben nicht immer alles mit dem nötigen Willen tun.

            Es gibt heute richtig viele Hilfsmittel zur Mobilität. Es gibt Axelstützen, wenn man die Unterarmstützen nicht halten kann. Und im Rolli geschoben werden nimmt einen nicht gleich die Gehfähigkeit. Der Rolli ist nicht das Handicap sondern das Hilfsmittel. Es gibt leichte Rollis und Aktivrollis, die es Helferlein leichter machen mit dem Schieben. Inzwischen gibt es viele Antriebsformen dafür. Zum Beispiel Restkraftverstärker wie „E-motion“ oder kleine Zugräder wie My Slave. Da brauchst du nur bei Hindernissen, wie fehlende Rampen jemanden zum Helfen. Ich wünsche dir, dass du dich gut erholst und später das Richtige für deine Teilhabe findest.

          2. Klar verstehe ich das, denn es geht mir ja genau so wie Dir.

            An manchen Tagen, so wie heute beispielsweise – klappt das auch mal ganz gut – und unser Spaziergang in der Heide war gleichzeitig richtig schön und auch richtig anstrengend.
            An anderen Tagen klappt es dafür wieder gar nicht – und wir hätten trotz Tabletten nicht mal einen Bruchteil der Distanz geschafft, die wir heute zurück gelegt haben. Da hätte auch kein Hilfsmittel geholfen, denn für einen Rentnerporsche (und auch für einen Rollstuhl) wären die sandigen Wege da nicht geeignet gewesen.

            Dabei kann von „Wollen“ auch keine Rede sein…
            Denn „Wollen“ will ich selbst auch viel (manchmal zuviel), aber am „Können“ hapert es nun mal -besonders wenn jemand von mir verlangt, dass ich „Können muss“.
            Je mehr ich nämlich unter Druck gerate, um so schwerer fällt mir das Laufen und um so weniger komme ich von der Stelle. Das gilt auch und besonders, wenn ich unter Zeitdruck gerate.

            Deshalb habe ich mich mittlerweile auch darauf verlegt, manche Aktionen von meiner Tagesform abhängig zu machen – und vor allem – mich nicht mehr (an)-treiben zu lassen.
            Wenn solche Aktivitäten gehen, dann nur in meinem Tempo – oder sie gehen eben gar nicht.

            Wobei ich zugegebenermassen auch das Glück habe, in meiner Liebsten eine Partnerin zu haben, die damit inzwischen gut klar kommt und es so akzeptiert, wie es ist.- und der es auch nichts ausmacht, wenn ich mal zurückbleibe oder schmerzbedingt ein Stück des Weges nicht mehr mitgehen kann (oder mag).

            Wie Isa schon ganz richtig schreibt.
            Wenn der Akku leer ist, dann ist er leer…..

            ——————-

            Was mir persönlich aber trotzdem sehr wichtig ist, ist meine Unabhängigkeit und Selbständigkeit, wenn es darum geht, von A nach B zu kommen. Hilfe dabei zu benötigen ist auch für mich nicht sehr erstrebenswert – und alle Hilfsmittel deshalb sehr willkommen, die mir das erleichtern.
            Deshalb hätte ich persönlich auch keine Scheu, einen E-Rolli oder einen Scooter zu benutzen, wenn wir kein Auto hätten und ich damit mir meine Unabhängigkeit in der Fortbewegung bewahren könnte.
            Frei nach dem Motto:
            Von der Haustür bis zur Ladentür bequem und schmerzfrei gefahren – in der Wohnung und im Laden kann ich ja immer noch laufen. 🙂

          3. Liebe Isa, anrufen kann ich dich nicht gerade. Mein Telefon geht nicht, seit Tagen. Ich weiß nicht was ist. Anfang der Woche soll das behoben sein, sagen sie. Ich habe meine Zweifel. Die Ersatznummer, bis Freischaltung der Alten, geht auch nicht mehr. Nun, ich lass mich mal überraschen.

    1. Nachtrag: Ich kann im Rollstuhl nur die Öffis nutzen. Im Moment habe ich keine Lust, da unten vor Maskenmuffeln zu sitzen. Es ist gerade etwas kompliziert.
      Ich bin noch nicht fertig, alle Veränderungen zu verarbeiten.

  4. Würde ich feststellen müssen, dass mich die noch vorhandenen Körperkräfte verlassen, und ich gehenderweise keine Ausflüge mehr unternehmen könnte, würde ich keine Minute zögern, und meinen Anspruch auf einen E-Rollstuhl bzw. Scooter geltend machen. 😉 Im Kampf mit den diversen Ämtern habe ich mir während der vergangenen Jahre Haare auf den Zähnen zugelegt, ich würde mich da von einer Ablehnung nicht einschüchtern oder vom Ziel abbringen lassen.
    Mir geht es wie @Martin, es gibt gute und schlechte Tage, und an den schlechten bin ich froh, wenn ich mich bis zum Hinterhof schleppen kann. 😉 An den guten bringe ich schon noch eine ordentliche Wegstrecke zusammen, und auch wenn ich das stets am nächsten Tag mit großer Erschöpfung und Schmerzen büßen muss, freue ich mich ungemein und genieße jeden Augenblick meiner kleinen Touren.
    Sei herzlich gegrüßt!

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