Ich versuche das mal mit Hygge. Manches ist aber verdammt „ernst“.

Die Dänen sind wieder das glücklichste Volk. Wer die Untersuchung gemacht hat kann man im Netz finden und nachlesen. Es ist ja nicht so, dass die Dänen auf einer anderen Erde wohnen oder keine Probleme haben. Was machen sie nun anders?

etwas für die Vögel tun

Hygge, tja, was ist das? Gemütlichkeit?
Seit langem arbeite ich daran, mich nicht von irgendwelchen Ereignissen herunterziehen zu lassen, egal wie schlimm sie sind. Sie sind da, die Ereignisse, ich muss mit ihnen leben, reagieren, tun, was ich tun kann. Sie zu ignorieren wäre keine gute Lösung, denn meist fällt einem das dann ungebremst auf den Fuß. Es lähmt.
Ich stelle mir das irgendwie zweigleisig vor. Da ist einerseits das Erkennen, Erfassen, Agieren bei allem was notwendig ist und auf der anderen Seite Ruhe, Erholung, Unaufgeregt sein, Gemütlichkeit, Wohlbefinden.
Wie geht das denn, beides unter den Hut zu bekommen, unter ganz persönlichen Gegebenheiten?

Dass es auch in Sachsen Klimaveränderungen gibt, ist nichts Neues. Seit Jahren erzählt man davon, eigentlich schon seit einer Zeit, da war die Welt noch scheinbar in Ordnung. Und während einige das als Quatsch abtaten, der Kohlebergbau sich weiter in die Landschaft frisst, immer noch Dörfer weggebaggert werden, die schwarze Elster austrocknet (sie liefert Wasser für die Spree), versuchen andere hier und global etwas zu bewegen, was das Klima vielleicht retten könnte. Die einen meinen fast zynisch, man solle mit der Sonne reden, dass sie nicht so viel scheint, kämpfen gegen Tempolimits, Radwege, Parkgebühren in Städten (egal gegen was, Hauptsache dagegen) und die anderen wollen die Zukunft retten. Dazwischen Kotzsmilies, harsche Worte, Hasstiraden.

Ich mag das nicht mehr lesen weil es nichts ändert, aber meine Meinung sagen will ich schon, an geeigneten Stellen, nicht unbedingt bei fb. mein eigenes Verhalten will ich überdenken, Wasser und Energie sparen, Müll vermeiden und den gewählten Abgeordneten auf den Geist gehen, nicht nur das interessant und beredenswert zu finden, wo Euros rollen.

Eine Taube ruft draußen kläglich. An sie komme ich nicht heran. Sie weiß nicht, dass ich Wasser für sie habe. Bei den kleineren Vögeln sieht es schon etwas besser aus. Denen haben wir eine Schüssel mit Sonnenblumenkernen aufgestellt und eine große Schale mit Wasser zum Trinken und vor allem zum Baden.

Es kommt mir zu wenig vor und so werde ich die Welt nicht retten können, aber es macht mich auch zufriedener. Ist das Hygge?

Zufriedenheit ob der Hilfe ist euch Hygge

Manchmal lese ich im Netz, wie Dinge miteinander aufgerechnet werden. „Du scheißt dir ein wegen einiger Vögel und woanders ertrinken Menschen.“ Mir gefällt so etwas nicht. Für mich ist vieles wichtig. Und doch muss ich in all dem leben und auch noch so, dass ich nicht zerbreche. Wir sollten schon darauf achten, die Fröhlichkeit nicht zu verlieren, die Ruhe und Gemütlichkeit, Liebe. Der eine findet Befriedigung, indem er sich Dinge kauft, die ihm Freude machen. Ein anderer kann das nicht, aber Wasser und Körner für die Vögel, das hat er. Jaja, ich spreche da jetzt von mir.

Während eine Aufgeregtheit herrscht, ob nun der Stoff vor dem Gesicht sein muss oder nicht, gehen Klimaveränderung und das Artensterben weiter, Kriege, Hungersnöte, Wirtschaftsboykotte, Kinderarmut, Ausbeutung.
Ich weiß noch nicht, wie ich mit dem allen umgehe. Ein Geheimrezept habe ich nicht. Es belastet mich alles sehr. Das ist das eine. Das andere ist, dass ich mein Gleichgewicht halten will. Ein bisschen Hygge ist das jetzt schon, oder? Und so werde ich morgen oder übermorgen darüber schreiben, wie es klappt mit dem Sauerteig und was Bier mit meinen Haaren zu tun hat, wie ich mich auf die Suche nach dem Namen einer Wildblume gemacht habe und wie sehr ich mich freue, dass hier viele Kinder wohnen.

18 Gedanken zu „Ich versuche das mal mit Hygge. Manches ist aber verdammt „ernst“.“

  1. Wie heißt es so schön? Jeder kann mit seinem Leben die Welt ein klein bisschen besser machen. Für andere und auch für sich selbst. Was in der Welt schief läuft kann man nicht so einfach abstellen. Allein schon gar nicht. Wir können unser Mitgefühl ausdrücken für das was wir nicht ändern können. Aber wir dürfen nicht mitleiden und damit unsere Kräfte vergeuden. Da halten wir lieber mal Ausschau nach Hygge und laden unseren Akku.

    1. In dem neuen Innenhof habe ich viele Kinder. Das freut mich sehr und wir winken uns manchmal zu. Mal sehen, was nach Corona wird. Vielleicht gibt es doch noch eine Bank unter dem Kirschbaum.
      Du hast Recht: Wenn sich jeder in seiner kleinen Welt bemüht, wird es auch etwas Großes.
      Ich rufe dich morgen mal an. Eigentlich sollte ich schon meine alte Telefonnummer wieder haben, aber ich habe immer noch die „Notverbindung“.

  2. Die ersten Versuche, den Vögeln eine Tränke und Badegelegenheit zu bieten, ging daneben, weil das Gefäß von dem glatten, schmalen Balkonrand runterfiel.
    Doch jetzt bei der Hitze taten mir die Vögel richtig leid – ich habe eine Plastikschüssel mit 4 Klebestreifen befestigt. – Bisher konnte ich noch keine Badegäste begrüßen, aber ich hoffe, das wird noch.
    Blogger scheinen im allgemeinen recht vernünftige Leute zu sein – andere dagegen lachen und pfeifen solche Kämpferinnen wie Greta Thunberg aus, weil ihnen der Zustand der Umwelt am Poppes vorbeigeht – Hauptsache ist ihnen, dass sie (noch) gut leben können.
    Nächtliche Grüße von Clara

    1. Hallo, Clara, du Nachtwandlerin. Du schläfst also auch noch nicht.
      Bei mir hat das auch ein Weilchen gedauert, bis die Vögel kamen. Zuerst wurde ich eiskalt ignoriert. Jetzt werden sie immer frecher.
      Morgen kommt die Kamera aufs Stativ, damit ich nicht damit herumfuchteln kann und muss. Der Fernauslöser ist noch unterwegs, aber dann wird es ganz entspannt. Ich freue mich sehr über die kleinen Gesellen.
      In diesem Jahr habe ich kaum Balkonpflanzen, außer Katzenminze und Lavendel. Dafür gieße ich die Büsche vor dem Balkon. Ich überlege schon, ob ich das im nächsten Jahr nicht wieder so mache.
      Herzliche Grüße an dich gute Seele.

  3. Ich engagiere mich seit ich denken kann. Mal mehr, mal weniger. Angefangen hat das mit der Friedensbewegung, mit der Anti-AKW Bewegung. Eine zeitlang habe ich mich auch mal in einer Partei engagiert, habe ein soziales Projekt hier in Hamburg mit aufgebaut, mich gegen rechts engagiert, habe in Flüchtlingsinitiativen geholfen. Das alles rettet die Welt nicht, aber ich kann halt nicht anders und ich halte es mit dem afrikanischen Sprichwort:
    „Wenn viele kleine Menschen, an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern!
    Ich denke, das muss jeder für sich selber entscheiden, was er tut, und wie und wo er es tut. Ich spende jeden Monat an Ärzte ohne Grenzen und an die SeaWatch 4. Früher hatte ich mehr Zeit, heute geht leider eher nur Geld, weil ich keine Zeit mehr habe. Geblieben ist unser jährlicher Einsatz in der Obdachlosentagesstätte- das ist nicht viel, mir aber wichtig.
    Und viele Bewegungen, die belächelt worden sind, haben eben doch was bewirkt. Ohne die Umweltbewegung wäre vieles anders gelaufen. Und die Menschen, die sich in der Seenotrettung engagieren, retten Leben. Die Friedensbewegung hat keinen Krieg verhindert, aber die Stimme zu erheben, ist trotzdem nie falsch.
    Wir sind immer noch auf Demos unterwegs für Dinge, die uns wichtig sind, das werden wir auch weiter sein. Und wenn ich gestern die kleine Wespe gesehen habe, die an meiner Tränke hastig trinkt, weil sie so einen Durst hat, dann ist auch das ein Beitrag für meine Umwelt. Genauso wie die vielen Pflanzen auf meinem Balkon, die vielen Insekten Nahrung bieten. Es muss nicht immer die große politische Bühne sein. Ob ich glücklich bin, weiß ich nicht. Ich suche nicht ständig danach, ich bin zufrieden mit dem, was ich habe, damit wie ich lebe. Ich kann Dinge an mich ran lassen, ich kann mich aber auch abgrenzen und ich habe ein hohes Maß an Resilienz gelernt. Dafür habe ich mich aber auch lange mit mir und dem, was mich ausmacht, auseinander gesetzt habe.

    1. Ich glaube, jeder von uns hat sich mit seinen Gegebenheiten auseinander gesetzt. Mit Brokdorf hatte ich nichts zu tun, mit anderen Dingen auch nicht. Ich habe in einem anderen Land gelebt, nie inaktiv. Es interessiert niemand mehr, was ich gedacht und getan habe, wie das mit Frauenrechten war, mit Bildung … Ich habe lange aufgehört, davon zu erzählen. Und ich rechne nichts auf.

      1. Es geht mir nicht ums Aufrechnen. Ich habe nur Deinen Gedanken aufgegriffen, was man tut, ob man was tut. Und ich finde es durchaus interessant, was Menschen auch früher getan haben. Als ich erfahren habe, das meine Großmutter im Widerstand gegen Hitler war, war das alles längst vorbei und trotzdem war es wichtig, es zu erfahren. Es gehört doch zur eigenen Biographie. Mich haben die 80er sehr geprägt.
        Ich musste irgendwann mehrere Gänge zurückschalten und mich erst mal mit mir und meinen Krankheiten beschäftigen. Und heute mache ich nicht mehr viel, meistens sind es Demos, auf die wir noch gehen, Geld, das wir spenden und im Alltag den Mund aufmachen, wenn jemand sich rassistisch äußert.

  4. Liebe Gudrun,
    nun lese ich bei dir und entdecke irgendwie Gemeinsamkeiten zu meinem Blog Artikel, den ich vorhin geschrieben habe.
    Ich wünsche dir und mir den Mut der kleinen Schritte.
    Herzliche Grüße von:
    Beate

    1. Wir werden vorwärts kommen, liebe Beate. Man muss nicht mit Riesensätzen durch das Leben hetzen.
      Ich habe deinen Beitrag gelesen. Er ist interessant. Und von Gemeinsamkeiten wissen wir schon lange. Das ist gut.
      Liebe Grüße.

  5. Hygge, sicher weiß ich was das Wort bedeutet, aber ehrlicherweise weiß ich nichts so richtig damit anzufangen. Hygge war früher „wir machen es uns schön und gemütlich“, dass ist wohl auch immer noch so, allerdings ist der Schock, wenn ich aus meiner Hyggewelt in die Außenwelt wechsele, extrem schmerzhaft und oft denke ich: Gemütlich ja, aber nicht zu. Hygge kann auch zur Flucht werden. Also so ein Zwischending. Oasen im Wahnsinn.

    1. Mich erdet das immer wieder. Alles auf Null und langsam wieder hochfahren. Das habe ich inzwischen (fast) gelernt. Meine Welt ist kleiner geworden. Damit konnte ich mich lange nicht abfinden. Ich rette die Welt nicht, kann nicht großzügig spenden und auch nicht mit der Sense auf die Streuobstwiese (das hatte ich ursprünglich mal geplant). In einer Zeit der permanenten Selbstdarstellungen weiß ich gerade nicht, was ich zu erzählen habe. Hyggelisches vielleicht.

  6. Als ich das erste Mal über „Hygge“ gelesen habe, wunderte ich mich – bis dahin hieß es immer, dass das deutsche Wort „Gemütlichkeit“ nicht in andere Sprachen übersetzbar ist… und wenn ich jetzt dran denke, wie viele Zeitschriften das Thema Hygge breitgetreten haben – letztendlich um den Konsum anzuregen (skandinavische Möbel, die dazugehörigen Textilien, Zutaten für die Back- und Kochrezepte… Kerzen und die passenden Ständer – und fast alles jeweils zur Jahreszeit passend, also mehrfach), seh ich das alles wieder etwas kritischer. Tatsache ist, dass die Lebensumstände in Dänemark etwas anders sind, in vieler Hinsicht vielleicht angenehmer, aber das sind Dinge, die politisch geregelt werden müssen, nicht durch Konsum einzelner.
    Was ich aber brauche, ist eine sichere Basis, mein „hyggeliges“ Nest, wo ich mich wohl fühle und Energie tanke, um dann „draußen“ aktiv sein zu können (und manchmal die Welt auch nur so eben ertragen kann). Und das Auftanken braucht jetzt auch mehr Zeit als früher…man wird ja älter. Ich muss auch nicht mehr auf jeder Demo mitlaufen – vielleicht helfe ich der Welt auch, wenn ich meine eigenen Tomaten pflege und dadurch keine spanischen kaufe, was wiederum dort Wasser einspart (theoretisch), wo es viel trockener ist als hier…
    Ein weitreichendes Thema, weil eben alles irgendwie mit allem zusammenhängt!

    1. Stimmt, liebe Annette, es hängt alles miteinander zusammen. Und wir müssen halt sehen, wie wir in dem Gefüge zurecht kommen. Ich brauche auch immer länger, um mit vielen Dingen klar zu kommen, auch wenn ich nicht mehr wie in meiner Jugend gegen alles anrenne.
      Tomaten habe ich in diesem Jahr keine. Der Umzug hat mich abgehalten, welche anzuziehen. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei. Ich sehe das nämlich genau so wie du. Brot backe ich nach wie vor selber und inzwischen klappt das auch gut mit Sauerteig. Wenn also mal wieder die Hefehamsterei los geht, berührt mich das nicht.
      Durch Zufall habe ich Labkraut kennengelernt. Die Wiesen sind verbrannt ob der langen Trockenheit. Und mitten in der Dürre blühte büschelweise, strahlendgelb und stark duftend eine Pflanze. Labkraut. Im nächsten Jahr werde ich welches in den Balkonkasten sähen.
      Ich schick dir ganz liebe Grüße.

    2. So ein Nest brauche ich auch. Und die Tomaten sind doch ein gutes Beispiel dafür, dass man eben doch was tun kann. Wenn viele Menschen keine Tomaten aus Spanien mehr kaufen, keine Avocados aus Gebieten, wo es kaum Wasser gibt….

      1. Genau so sehe ich das auch.
        Gestern habe ich einen Beitrag gesehen, in dem eine Köchin die Avocado ersetzt hat durch Erbsen und Leinöl, gewürzt nach eigenen Vorlieben. Das hat alles in sich, was man braucht.

  7. Wir müssen uns doch um die Tiere kümmern Gudrun, wer sollte es sonst tun? Und auch Kleinigkeiten helfen weiter. Der Mensch kommt selbst klar, doch was tut er oft den Tieren an? Ich kann kein Tier leiden sehen. Wespen rette ich, wenn sie doch aus dem Wasser nicht mehr heraus kommen. Und wenn es geht, dann werden sie auch in der Wohnung gerettet.
    Hier hat es heute endlich geregnet, Natur und Tiere können trinken und sich erholen.
    Komm gut durch die heiße Zeit, liebe Grüße von mir zu dir.

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