Von Pflanzenfasern, Schussligkeiten, Lernen und Wissen.

Ohhhhch, ich kann so ein Schussel sein!

Hanffasern

„Das ist schwer“, sagt der Herr E. als er das Paket von Karin rein trug. Ich wusste, dass Karin mir Hanffasern schicken wollte für mein Projekt „Pflanzenfasern“. Die können nicht doch unmöglich so schwer sein. Für die Fasern war ein Plätzchen auf dem Balkon vorgesehen und dann hatte ich es erstmal vergessen.

Pflanzenfasern - Hanf
Fasern für mein Pflanzenfasern-Projekt

Zwei Wege habe ich mir überlegt, um aus diesem Pflanzenberg Fasern zu gewinnen, die man weiter verarbeiten könnte. Ach, nein, ich will keinen Textilbetrieb gründen. Dafür fehlt mir das Kapital. Ich will es einfach wissen, wie unsere Vorfahren ihre Textilien hergestellt haben. Es nötigt mir Ehrfurcht und Respekt ab.

Flachsbreche zur Gewinnung von Pflanzenfasern
Weil mein Foto aus dem Volkskundemuseum unscharf war, habe ich die Flachsbreche gezeichnet.

Ich werde mir auch keine Geräte anschaffen. Die waren ja auch am Anfang nicht da. Also werde ich probieren und mir etwa einfallen lassen. Ich möchte nur eine handvoll Fasern haben, die ich spinnen kann. Und wer weiß, vielleicht geht es dann besser als gedacht.Vielleicht schaffe ich es aber auch nicht.

Die Bearbeitung meiner Pflanzenfasern beginnt mit der Röste, d.h. nach dem Schnitt werden die Stiele der Pflanzen mehrere Wochen am Boden ausgelegt. Nässe, Regen, Schnee – das alles müssen die Fasern über sich ergehen lassen, damit die Röste beginnen kann. Beim Rösteprozess werden die Pektine im Pflanzenstängel aufgelöst. Ist dieser „Leim“entfernt, lösen sich die Holzbestandteile und geben die Fasern frei. Die Fasern verrotten langsamer als der Rest. Deshalb bleiben sie übrig, wenn man es nicht übertreibt.

Im Winter funktioniert das nicht, weil der Prozess Bakterien braucht. Deshalb werde ich mich gedulden, bis es wärmer wird. Auf zwei Wegen werde ich versuchen, zu meinen Fasern zu kommen..

Pflanzenfasern spinnen
Hier habe ich die Pflanzenfaser Flachs auf dem Rad, allerdings nicht selber gewonnen und vorbereitet.

Wie es dann weiter geht, mit Brechen, Schwingen, Hecheln, das erzähle ich bestimmt dann auch. Auf alle Fälle bin ich schon selber gespannt. Danke, Karin, für diesen Anstupser.

So, nun aber zu der Frage, warum das Päckchen schwer war. Die Pflanzen konnten es nicht sein.
Karin hatte noch Leckereien dazugetan. Ich Schussel habe es nicht gleich gemerkt. Auch dafür herzlichen Dank, liebe Karin. Beim „Hirnen“ und Pläne machen braucht man ja auch ein bisschen Kraft. Und gute Laune. 🙂

Selbstgemachtes
Ich werde es mir schmecken lassen.

9 Gedanken zu „Von Pflanzenfasern, Schussligkeiten, Lernen und Wissen.“

  1. Das hört sich ja interessant an. Du hast aber Ideen. Mit Brennnessel kann man das auch machen, aber das weißt du bestimmt.
    Du berichtest uns bestimmt, wenn es los geht.
    LG Marion

    1. Na klar.
      Das mit den Brennnesseln werde ich auch noch probieren, nach der Klopftechnik. Ich weiß schon, was ich brauche und wie ich es mache. Ich muss das einfach mal erkunden, auch wenn mein Hauptaugenmerk auf der Wolle bleibt.
      Liebe Grüße an dich.

  2. Liebe Gudrun, als ich von Deinen Hanffasern las, fiel mir gleich der kleine Film vom kleinen Maulwurf ein: „Wie der Maulwurf zu seinen Hosen kam“. Da wird sehr schön gezeigt, wie die Wege vom Flachs zum fertigen Maulwurfshöschen ist. Du kennst sicher auch noch die Filme vom kleinen Maulwurf – https://www.youtube.com/watch?v=x5Nbc24hVHE&t=318s
    Ich wünsche Dir gutes Gelingen bei Deinem Projekt mit dem Hanf. Das ist bestimmt eine spannende Sache und toll, wenn Du am Ende die entsprechenden Fasern fertiggestellt hast.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

  3. Oh da bin ich auch neugierig, wie das wird! Ich habe vor einigen Jahren im Freilichtmuseum Molfsee mal eine sehr schöne und amüsante Vorführung aller Arbeitsschritte von Flachsernte bis zum Leinenfaden sehen und ausprobieren dürfen – mit all den schönen alten Gerätschaften. Also habe ich mir eine Handvoll Leinsamen mitgenommen, im Garten ausgesät, etwas geerntet, auf der Wiese 2 Wochen geröstet und anschließend auch kräftig zugeschlagen mit einer sehr improvisierten Einrichtung, wo ich ziemlich viel „Holz“ weggekriegt hab. Und dann ging es nicht mehr weiter – zum hecheln fand ich einfach keine geeignete Möglichkeit, die Handvoll Fasern verschwand dann irgendwie beim Umzug… Aber da ich jetzt wieder einen Garten habe, finde ich bestimmt ein Plätzchen für Lein und nehme neuen Anlauf! Danke für die Erinnerung, mache gleich Notiz in den Kalender für die Aussaat Anfang April, „wenn das Jahr 100 Tage alt ist“.
    Liebe Grüße!

    1. Ohhh, so eine Veranstaltung hätte ich auch gerne mit gemacht. Das interessiert mich sehr. Bei euch im Norden ist in dieser Hinsicht eh jede Menge los. Im Steinzeitpark in Albersdorf habe ich schon Getreide gemahlen mit Steinen und daraus am Feuer so eine Art Fladenbrot gebacken. Im Bogenschießen habe ich mich auch probiert, aber da war ich eine totale Niete. Jagen gehen muss meine Tochter. Ich bin die fürs Feuer hüten, Brot backen und Fell gerben.
      Liebe Annette, ich weiß nicht, ob und wie es was wird. Wenn nicht, dann schreibe ich darüber, wie es nicht geht.

    1. Ich auch. Ideen, wie es gehen könnte, habe ich. Handwerkszeug habe ich keins. Es wird ein Versuch, der sicher keine Fasern luefert, wie industriell hergestellt. Aber wenigstens eine Hand voll Fasern muss ich haben.
      Mein Brennnesselversuch im vergangenem Jahr fiel aus. Ich war gar nicht gut zu Fuß und meine Brennnesselecke hatte man „aufgeräumt“. Dort sah es aus wie frisch gebohnert.

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