Herbststimmung

Viele junge Bäume wurden bei uns gepflanzt, an den Wegen, im Park, an der Straße. Ganz Interessante sind dabei, wie die an der Lützner Straße, die eine ganz besonders bunte Herbstfärbung aufweisen. Alle Farben auf einmal sind am Baum zu sehen. Bei mir heißen die jetzt „Gute-Laune-Bäume“. Ich habe die Forstleute vergessen zu fragen, wie sie tatsächlich heißen. Hach eine solche Herbststimmung genieße ich sehr.

gesehen und mit dem Handy festgehalten auf dem Weg zum Literaturtreff

Ich lese jetzt immer mal, dass Leute nachdenken auszuwandern. Verstehen kann ich das schon. Für mich kommt das nicht in Frage, egal was noch passiert. Ich bin noch nie davon gelaufen und tue es auch jetzt nicht. Ja, wenn ich jünger wäre, gesund und mobiler, dann würde ich mich garantiert auch mal wo anders ausprobieren. Nordeuropa war schon immer mein Ziel, Nord-Norwegen zum Beispiel. Allerdings müssen sich die E.s, die zum Herbstanfang in diesem Jahr 41 Jahre verheiratet sind, dann trennen. Herr E. will nicht in den Norden, in die Kälte und zu den langen Nächten.

Ach, ich bleibe hier, engagiere mich so gut es geht und bin auch nicht leise. Unser letztes Heft im Literaturtreff behandelte „Kunst vor unserer Haustür“, baubezogene Kunst in unserem Wohngebiet. Wir haben Geschichten geschrieben, Fotos gemacht und unsere Gedanken zu einzelnen Kunstwerken öffentlich gemacht. Die Wüstenrot Stiftung hat ein Projekt gestartet, zusammen mit Bewohnern hier baubezogene Kunst der DDR in Grünau zu erfassen und zu erforschen. Ziel ist es, dieses vielfach bedrohte Kulturerbe sichtbar zu machen und gemeinsam mit der Bevölkerung neu zu entdecken.
Einige von uns durften etwas davon vorstellen und so gibt es auch ein kleines Filmchen mit mir. Die Plastik schuf übrigens der Bildhauer Theo Balden. In dem Kind unter dem schützenden Mantel habe ich immer „die Zukunft“ gesehen.

In der Nachkriegszeit wurde so vieles geschaffen und geschafft. Es ist nützlich und erhaltenswert und darf nicht in Schutt und Asche fallen. Nicht schon wieder. Ich erinnere mich, dass es vor vielen Jahren mal große Hoffnung auf eine bessere Zeit gab, ohne Kriege und mit Entwicklungs-Chancen für alle Menschen. Überall lässt sich ein gutes Leben gestalten. Es gab da so etwas wie Aufbruchstimmung, aber die Schlussfolgerungen waren (m)ein großer Irrtum.
An der Penne habe ich mal einen Aufsatz geschrieben. „Geld regiert die Welt“ war das Thema. Ich weiß nicht mehr, was ich da aufgeschrieben habe, aber dass es genau das Problem und Elend der Welt ist, das war mir damals schon klar.

So, diese Herbststimmung mag ich aber jetzt nicht. Und deshalb wünsche ich uns allen ein ruhiges und schönes Herbst-Wochenende und verziehe mich wieder zu meiner Wolle. (Die Weihnachtskiste füllt sich schon langsam.)

Kritzelei mit dem Zeichengriffel auf dem Pad

Störche kucken und mit Fridolin zu meinem alten Dörfchen.

Heute gehörte mir die halbe Welt! Ich war endlich wieder unterwegs und ich habe es genossen.

Zu dem Storchennest neben dem Radweg zu meinem ehemaligen Dörfchen wollte ich. Störche kucken wollte ich, so wie ich das damals immer gemacht habe, als ich noch in dem kleinen Dörfchen Räpitz wohnte und den Radweg langgedüst bin.
Die Störche zwangen mich damals schon immer zu einer Pause.

Störche kucken mit Fridolin
Ohne meinen Fridolin wäre ich nicht zur Landpartie gekommen.

Ohne meinen Fridolin wäre ich da nicht hingekommen, denn Fahrrad fahre ich schon lange nicht mehr.
Schön war es, an den Feldern vorbei zu fahren, den Wind im Gesicht zu spüren und einfach mit den anderen Radlern mithalten zu können. Drinnen zu sitzen, das hat viel zu lange gedauert. Ich habe die Freiheit heute unglaublich genossen. Den anderen, die unterwegs waren, ging es vielleicht auch so, denn mit den meisten konnte man ein freundliches „Hallo“ tauschen. Das tat gut.

Die meisten Felder sind schon abgeerntet – Herbststimmung.

Die meisten Felder waren schon abgeerntet. Windig war es sehr, aber das ist es dort fast immer. Nicht umsonst gab es im Dörfchen mal vier Mühlen.
Trotzdem: Es machte sich bei mir Herbststimmung breit und die macht mich immer ein bisschen traurig. Aber nur ein ganz kleines Bisschen.

Der Elster-Saale-Radweg

Es waren viele Radler unterwegs und schon kleine Kinder strampelten auf ihren kleinen Rädern mit. Ich mag es, wenn ich so in die Ferne schauen kann, weit über die Felder. Und genau das konnte ich heute nach Herzenslust genießen.
Die Dürre der letzten Jahre war auch hier zu spüren. Da gab es ein Gartengrundstück mit ganz vielen Fichten. Wie hab ich die damals drum beneidet. Heute waren alle braun und vertrocknet.

Die Störche in ihrem Nest in Seebenisch wollte ich besuchen.
Die Störche in ihrem Nest in Seebenisch wollte ich besuchen.

Die Störche im Nest auf dem Schornstein einer alten Gärtnerei wollte ich besuchen. Neben dem Radweg und nahe am Nest war ein Rastplatz.
Ich hatte Glück. Der „Storchenvater von Markranstädt“, Herr Heyder, „der Herr der Ringe“ oder wie man ihn sonst noch liebevoll nennt, war da und hatte viel zu erzählen.

Es waren nur noch die alten Störche im Horst. Die beiden Kleinen hatten sich gestern mit anderen Jungstörchen auf dem benachbarten Feld getroffen. Heute morgen hatten sie sich auf ihren weiten Weg gemacht. Nie wieder werden sie hierher zurück kommen.
Die Eltern erholen sich noch zwei bis drei Tage und dann machen auch sie sich auf den Weg, getrennt. Treue kennen sie nicht. Sie kommen zurück zum Horst, nicht zu einem Partner.

Na dann: Gute Reise und kommt wieder im nächsten Jahr. Hach, ein bisschen wehmütig ist mir da schon jedesmal. Gut, dass ich mit meiner Landpartie nicht noch länger gewartet hatte. So konnte ich Herrn Storch und seine polnische Partnerin noch sehen.

ein unbebrütetes Storchen-Ei hat Herr Heyder immer mit zum Zeigen

Danke an Dietmar Heyder, den Storchenvater, dass er sich Zeit für uns alle genommen hat. Viel hatte er zu erzählen von den Störchen und von der manchmal recht beschwerlichen Beringung der Jungvögel. Die Dürre der letzten Jahre hatte auch ihnen und dem Nachwuchs zu schaffen gemacht. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass alles in der Natur seinen angestammten Platz behalten kann. Immer!

Ich habe dann noch mein ehemaliges Wohnhaus besucht. Da oben, in der Mitte links, habe ich mal gewohnt. Vom Küchenfenster auf der anderen Seite aus, hatte ich einen herrlichen Ausblick über die Felder. Es war eine gute Zeit hier.

mein altes, neu gemachtes Wohnhaus

Jeder Ausflug geht einmal zu Ende. Wenn ich mit Fridolin zur Freundin in die Elsteraue will, muss ich hier lang. Das heißt, die Hälfte der Strecke hab ich heute schon mal geübt.
Ein schöner Tag war das. Ich habe viel gesehen, konnte mit anderen Menschen reden, war nicht alleine. Und bestimmt mache ich mich mal wieder auf den Weg. Die neue Freiheit muss ich nutzen.