Versuche mit Hanffasern. Sonntags im Versuchslabor.

Nein, nein, hier hat keiner etwas geraucht! Das Stroh hatte ich schon ein Weilchen auf meinem Balkon liegen. Heute dachte ich mir, dass es ein guter Tag für Experimente sei.

Hanffasern

Versuche mit Hanffasern. „Hat die sonntags nichts anderes zu tun?“, fragt sich vielleicht manch einer. Nein, hat sie nicht.
Oder anders gesagt, wenn es mich packt, dann muss ich das jetzt tun, gleich, sofort.

Stroh

So sieht es aus, das Hanfstroh. Karin hatte es mir geschickt.
Und daraus will ich jetzt Hanffasern gewinnen, schauen, wie die beschaffen sind und ob ich sie verarbeiten kann. Ich habe keinerlei Hilfsmittel. Wenn man liest, wie aus Lein, Brennnessel oder Hanf Fasern gewonnen werden, dann merkt man, dass es eine verdammt mühselige Sache ist.

Nach der Röste (Rotte, von verrotten) wird das Stroh wieder getrocknet. Im Garten war ich schon lange nicht mehr. Ich hätte sonst das Stroh auf dem Rasen ausgelegt und Regen, Sonne, Schnee über es ergehen lassen. Wenigstens habe ich das Hanfstroh auf dem Balkon in der Kälte und bei Feuchtighkeit liegen lassen.

Hanfstroh brechen

Das Stroh habe ich gebrochen und den Holzkern in kleine Stücke zerkleinert. Ich habe Stängel um Stängel „angeknackst“. Eine Breche besitze ich nicht. Für meinen kleinen Versuch ging es auch ohne. Und hier sieht man schon, wie sich das auffasert nach dem Brechen und wie sich holzige Stückchen lösen.

Beim anschließenden Schwingen trennt man normalerweise die Holzstückchen von den Fasern und beim Hecheln parallelisiert man sie und reinigt sie weiter. Ich habe halt mit den Händen gewuselt, gezupft, gezogen, sortiert.

Hanffasern gewinnen


Oh ja, anstatt es reiner und sauberer wird, krümelt es ohne Unterlass. Es ist kein Dreck, es sind Holzstücke und kleinste Faserreste.
Um Hanffasern zu gewinnen, habe ich mir zuerst die Handkarden zu Hilfe genommen. Naja, was für Wolle gut ist, muss für Pflanzenfasern nicht ausreichen.

Versuch: Hanffasern auf dem Wollkamm

Der zweite Versuch mit dem Wollkamm, die Fasern weiter verfeinern zu können, brachte es auch nicht. Das nächste Mal werde ich das Stroh mit einem Messerrücken bearbeiten, um so vielleicht die begehrten Hanffasern besser gewinnen zu können.

Hanffasern

Das sollte erstmal reichen. Man sieht hier einerseits feine Fasern und andererseits auch noch welche, denen noch Holziges anhaftet. Zufrieden bin ich noch nicht, aber ich weiß nun, wie man zum Beispiel an die Fasern herankommt und wie sie aussehen können.

Hanffasern verspinnen und zwirnen

Ich wäre nicht ich, wenn ich nun nicht auch noch versucht hätte, meine Hanffasern zu verspinnen. Ich habe vorher das Spinngut nass gemacht. Es verspinnt sich einfach besser. Einen festen Drall muss der Faden haben.

Ein feines Fädchen ist es wahrlich nicht geworden. Ich habe zwar die feinen Hanffasern gesehen, aber in der Gesamtheit hätte ich mein Ausgangsmaterial wesentlich intensiver bearbeiten müssen.

So, ich habe es probiert, gemerkt, dass die Fasern sehr stabil oder besser reißfest sind. Mit den festen Hanffasern habe ich mir den Finger zerschnitten. Stauden anbinden kann ich immerhin schon mal mit meinem Garn, ohne irgendwelche Plastik-Gartendrähte.

Bestimmt gibt es einen zweiten Versuch. Mir ist währenddessen noch eine Idee zur Verarbeitung gekommen.
Wenn es mal „ganz dicke“ kommt, dann konnte man mich auf dem Leipziger Markt finden. Schnürsenkel kann ich schon mal herstellen. Und die reißen ganz bestimmt nicht. 😀

Einen schönen Sonntagabend wünsche ich euch allen.

9 Gedanken zu „Versuche mit Hanffasern. Sonntags im Versuchslabor.“

  1. Das hört sich nach einer ziemlichen Quälerei an. Aber es fasziniert mich, auf welche Ideen du immer wieder kommst.

    1. Naja, ohne rechtes Werkzeug! Aber spannend ist das. Ich finde solche Experimente Klasse. Ich hätte das so gerne Kindern gezeigt.
      Eine Textilproduktion werde ich nicht eröffnen, aber ein interessanter Versuch war es. So etwas ist genau mein Ding.

  2. Sieht sehr mühsam aus. Aber Schnürsenkel kann man immer brauchen 🙂 Ich hätte für sowas wohl keine Geduld. Ich finde es spannend, was Du alles ausprobierst

    1. Das ist auch mühsam, denn der Holzanteil ist der Größte. Ich wollte es mal probieren, kann das vielleicht auch mal mit Kindern machen. Es gibt ja verschiedene geeignete Pflanzenfasern. Mal sehen. Bleichen will ich es nicht.
      Wenn es mal nichts mehr gibt, Schnürsenkel haben wir schon mal. 😀
      (Für alles andere muss es feiner sein.)

  3. Schon toll, liebe Gudrun, was Du alles ausprobierst. Auch wenn das Ergebnis noch nicht das ist, was Du Dir vorgestellt hast, es liest sich auf jeden Fall so, als hätte Dir das Experiment trotz Mühe viel Spaß gemacht. Naja, und Schnürsenkel sind immerhin auch schon ein Ergebnis. Darauf lässt sich doch schon mal aufbauen.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

    1. Ich brauche solche Aktionen, liebe Silberdistel. Dann hat mein Kopf was zu denken und meine Hände etwas zum Wuseln. Besonders edel ist mein Garn nicht, aber ich weiß jetzt wie es geht. Und das freut mich sehr. Und wenn die Vögel mir etwas wegschleppen zum Nestbau, dann dürfen die das.
      Ich bin Karin dankbar für die Fasern. So konnte ich sie halt mal erkunden.
      Liebe Grüße zu dir.
      (Die Kraniche kommen. 🙂 )

  4. Wow, sehr interessant. Und was für Arbeit darin steckt.
    Auch wenn die Menschen früher ihre Werkzeuge dafür hatten, Hut ab.
    Schnürsenkel, oder ne Fußmatte?
    Viel Spaß
    LG Marion

    1. Ich zeige das gerne in meinen Veranstaltungen, wie viel Arbeit in allen Textilien steckt. Und da können wir so gar nicht zufrieden sein, was geworden ist. Vielleicht achtet man dann mehr, was man hat.
      An eine Fußmatte habe ich auch schon gedacht. Ich brauch noch was für den Balkon. Und das ist ja gut zu entsorgen, wenn es mal nicht mehr so toll ist.
      Herzliche Grüße an dich, liebe Marion.

  5. Was du nicht alles probierst liebe Gudrun. Hanf sieht so kratzig aus, das wäre wohl nichts für mich. Aber als Schnur oder Schnürsenkel – sicher perfekt.
    Ich habe hier eine Pflanze stehen: Bogenhanf. Ist aber nur grün und nichts zu gewinnen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

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