Rohwolle, die ich zum ersten Mal verarbeite, und Rauch in der Hütte

Rohwolle habe ich heute geschenkt bekommen und ein letztes Mal habe ich mein Räucherhäuschen angemacht. Die Räucherkerzen sind alle, aber für Gemütlichkeit sorge ich dennoch. Es arbeitet sich so besser.

ein letztes Mal Räuchern

Eine liebe Freundin hat mir heute Rohwolle geschenkt, sogar schon gewaschen und kardiert. Der blanke Luxus ist das, denn ich kann sie gleich verspinnen. Vielen Dank, liebe Marion aus Niedersachsen.

Wolle vom Pommerschen Landschaf und eine Milcschaf-Texel-Mischung
Rohwolle von zwei verschiedenen Schafarten

Neulich fragte mich jemand, ob man es beeinflussen kann, wie dolle die Wolle auf der Haut kratzt. Ja, ein bisschen kann man das schon. Nicht nur die Schafrasse entscheidet über die Eigenschaften, auch die Art und Weise, wie man die Wolle verarbeitet.

Je nachdem, wo die Heimat der Schafe ist, gibt es Rohwolle, die besteht aus verschiedenen Fasern, aus weicher Unterwolle (Wollhaare), aus Deckhaaren (Grannehaare), was besonders wasserabweisend ist und das Wasser ableitet, und aus kurzen, spröden, geraden Stichelhaaren (sorgen dafür, dass das Fell sich aufrichtet, ein Luftpolster bildet). Das Schaf ist so auch für besondere Witterungsgebiete optimal geschützt, kann seine Temperatur gut halten, Sturm, Regen und Kälte, aber auch Hitze trotzen. Und genau diese Eigenschaften lieben auch wir so an Wolle.

Würde man diese Wolle aber einfach so verspinnen, spinnt man Stacheldraht. Trennt man aber die Faserarten oder kämmt die Unterwolle aus, dann bekommt man superweiche Wolle, die man auch direkt auf der Haut tragen kann. Aus den meist langfasrigen Deckhaaren wird oft Oberbekleidung gemacht. Die pieksigen Stichelhaare werde ausgekämmt.

Meine geschenkte Wolle ist einerseits vom Pommerschen Landschaf und andererseits eine Milchschaf-Texel-Mischung. Mit beiden Wollarten hatte ich noch nichts zu tun und freue mich sehr, sie verarbeiten zu dürfen. Ich brauche nicht superweiche Wolle, ich möchte lernen, mit den verschiedenen Wollarten richtig umzugehen.
Liebe Freundin aus Niedersachsen, vielen Dank für deine Gabe. Es lässt mich wieder um einige Erfahrungen reicher werden.

das Racherheisel
’s naabelt ein letztes Mal

Mein Sockenprojekt geht weiter. Seit 14 Tagen trage ich nur noch Schafwollsocken. Über meine Erfahrungen damit werde ich noch schreiben.

Heute Abend spinne ich. Und zum letzten Mal wird mein „Racherheisel naabeln“. Die Räucherkerzen sind aufgebraucht und das Häuschen wandert bald in den Schrank. Gemütlich werde ich es mir am Spinnrad und mit Tee aus dem Norden trotzdem machen, weil es sich so viel besser arbeiten lässt.

12 Gedanken zu „Rohwolle, die ich zum ersten Mal verarbeite, und Rauch in der Hütte“

  1. Was für niedliches Häuschen. Bei mir brennen auch immer Kerzen. So mit Gemütlichkeit ist es wirklich angenehmer zu arbeiten.
    Hier geht es mit Häkeln munter weiter. Hab ein schönes Wochenende.

  2. Vielen Dank für dieses interessante Blog und die Informationen zur „Kratzigkeit“ der Wolle.
    Als Kinder mochten wir keine Wollsocken – heute schwärme ich dafür.
    Fragen habe ich auch: aus welcher Wolle wird denn die sogenannte Heilwolle gemacht? Und – heilt sie wirklich entzündete Stellen am menschlichen Körper?
    Ich lese schon eine ganze Weile hier mit und möchte nun mal „piep“ sagen.
    Herzliche Grüße aus dem südlichen SH
    Lotte

    1. Hallo, liebe Lotte, fein, dass du da bist. Willkommen.
      Aus der Wolle wäscht man normalerweise eine Menge Lanolin heraus, zu dem was sonst noch in der Woller herumschwirrt und was man nicht drin haben möchte. Das passiert mit schon ganz ordentlich warmen Wasser unter Zugabe von Soda. Bei der Heilwolle ist viel Lanolin in der Wolle gewünscht, d.h. die Wolle wird nur mit warmen Wasser gewaschen. Sie riecht dann auch noch ganz ordentlich nach Schaf.
      Die Wolle habe ich dann immer kardiert und das entstandene Vlies weitergegeben. Einmal bekam es ein kleines Mädchen, die immer stark unter Bronschitis litt. Die Wolle auf der Brust über Nacht hat ihr gut getan. Zum anderen habe ich die Wolle weitergegeben an Menschen, die nachts an Muskelkrämpfen in den Beinen litten. Auch ihnen tut die Wolle gut.
      Ein alter Schäfer hatte mir erzählt, dass früher Frauen zu ihm kamen, deren Kinder Ohrenentzündung hatten. Er hat dann einem Schaf etwas Wolle aus dem Fell gesammelt und das gab es dann in die Ohren.
      Die Wolle ersetzt nie den Arzt, aber sie tut gut, tröstet auch. Es gibt eine wohlige Wärme und ist dennoch luftdurchlässig. Die Wollfasern sind innen hohl, können Wärme gut speichern und anderes im Schweiß aufnehmen. (windelhosen aus Schafwolle funktionieren durch die Selbstreinigungskraft der Wolle.) Lässt man sie draußen ausdünsten, gibt sie das alles wieder ab. Ich glaube, das ist das ganze Geheimnis.
      Ich hatte schon mal darüber geschrieben, aber das ist leider mit dem alten Blog im Nirvana verschwunden. Schade.
      Meine Güte, jetzt ist es ein langer Vers geworden.
      Liebe Grüße an dich und einen schönen Sonntag.

  3. Was ich dich schon immer mal fragen wollte. Hörst du Musik beim Spinnen und Stricken oder Filzen? Ich stelle mir das gerade nur so vor. Oder ist das so ein bisschen wie Meditation? Die Gedanken einfach fließen lassen?
    Liebe Grüße schickt Elvira

    1. Das ist sehr verschieden, ich mache beides.
      Manchmal tritt es sich lockerer und beschwingt, wenn ich Musik höre. Manchmal liebe ich die Stille, da surrt nur der Antriebsfaden um das Antriebsrad und die Spule. Ich kann dann meinen Gedanken nachgehen, finde Ruhe und so manche Idee.
      Ich hatte mal ein Buch geschenkt bekommen, welches ein Schäfer in Nordengland geschrieben hatte. Das Leben war hart in der unwegsamen , kargen Gegend, besonders im Winter. Ich hatte dann das dringende Bedürfnis, mir Musik anzuhören aus diesem Gebiet, konnte mir das Leben mit den Schafen gut vorstellen. Und dann habe ich darüber geschrieben, über den Schäfer und sein Buch. Leider ist das alles mit dem alten Blog untergegangen.
      Liebe Elvira, ich danke dir für die Frage und wünsche dir morgen einen schönen Sonntag.

      1. So ging es mir beim Quilten. Manchmal saß ich mit Kopfhörern beim Sticheln, manchmal schaltete ich völlig ab. Ein bisschen fehlt es mir.
        Liebe Grüße schickt Elvira

  4. Ich danke euch sehr für eure Fragen. Sie sind in meinen Zettelkasten gewandert und bestimmt schreibe ich mal einen Blogbeitrag dazu. Vieles gab es schon mal, aber das ist mit dem alten Blog im Nirvana verschwunden. Schade, aber man kann es ja nochmal und vielleicht besser machen.
    Danke und liebe Grüße

  5. Interessant, liebe Gudrun, wie die verschiedenen Wollarten der Schafe verarbeitet und verwendet werden. Daran sieht man, dass es doch gar nicht so einfach ist, mit dem Spinnrad den richtigen Faden herzustellen.
    Dein Räucherhäuschen gefällt mit übrigens ganz besonders gut. Wir hatten während der Adventstage und noch lange nach Weihnachten ein ganzes kleines Räucherdorf in unserem Wohnzimmer stehen. Seit heute steht nur noch eins dort, denn ein paar Räucherkerzen haben wir noch, die noch ihre Arbeit tun dürfen. Ich mag’s gern, wenn es sanft nach Weihrauch duftet.
    Liebe Grüße schickt Dir die Silberdistel in Dein Spinnstübchen

    1. Liebe Silberdistel, ich wollte auch mal wieder sticken, aber das Garn, in so winzigen Docken, war mir immer zun teuer. Jetzt kann ich auch ganz dünn spinnen. Wenn ich solch Garn färbe, dann könnte ich mal wieder. (Aber, ich glaube, mir wird die Zeit fehlen.)
      Noch steht mein Häuschen. Vielleicht, weil es ein bisschen nach Winter aussieht.
      Liebe Grüße an dich.

  6. Liebe Gudrun,
    das ist schon sehr interessant, was du über die verschiedenen Haarstrukturen des Schaffells und über die Verarbeitung schreibst.
    Dein Räucherhäuschen finde ich schön. Wir haben inzwischen eine richtige Räuchermännchensammlung, d.h., die meisten bekam mein Mann von mir und den Töchtern im Laufe der Jahre gexchenkt. Die sind inzwischen wieder gut verpackt und warten auf die kommende Adventszeit bis sie wieder zum Einsatz kommen.

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