Damals nur Brotesser und heute auch mal Brotbäcker.

Wenn der Duft von frischem Brot durch die Wohnung zieht, ist auch ein grauer Himmel nicht mehr schlimm. Es war gut, dass ich mich entschlossen habe, mal wieder Brot zu backen.

Regen? Naja, ein bisschen, aber mit der Zeit wird man bescheiden. Der Himmel aber war auch heute erstmal so richtig grau. Den Platanen vor dem Haus wird der Regen gut getan haben. Hehe, wie lustig das aussieht, die alten Samenstände vom letzten Jahr im frischen Grün von diesem!
Irgendwie musste ich etwas für mich tun. Und so band ich mir meine weiße Schürze um und wurde zum Brotbäcker. Ich hatte noch eine Backmischung von „Laibes Wohl“ im Hause, die mir meine Tochter aus dem Norden geschickt hatte. Die muss nun nicht mit mir umziehen und ich habe ein gutschmeckendes Wikingerbrot, ein deftiges Körnerbrot.

 gestern wurde ich zum Brotbäcker
Zumindest gebacken habe ich das Brot selber.

Ich liebe den Duft von frischem Brot sehr, esse das dann auch gleich mal ohne was dazu. Ach, da fällt doch eine Begebenheit aus meiner Kindheit ein.

Der unwiderstehliche Duft von frischem Brot

Meine Mutter hat das Brot immer bei unserem Lieblingsbäcker bestellt. Ich musste es dann am Nachmittag abholen.
Als ich so mit dem Brot im Arm nach Hause zuckelte, stieg mir der feine Geruch in die Nase. Ich dachte mir so, dass es nicht auffallen würde, wenn ich ein kleines Loch in die Rinde des Brotes bohren würde und das Innere heraus pule.
Der Weg nach Hause war aber nicht gerade kurz und ich hatte viel Zeit zum Pulen.

Zu Hause angekommen, war ich schon erschrocken über das beachtlich große Loch, welches sich im Brot auftat. Ich schob das Brot vorsichtig in die Speisekammer, in der Hoffnung, dass meine Verfressenheit nicht auffallen würde. Meiner Mutter entging aber nie etwas. Sie hielt mir das Brot mit Loch vorwurfsvoll vor die Nase und fragte:
„Was ist denn das?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Das habe ich so bekommen.“
„Dann schaff es wieder zurück. Ein angebissenes Brot wollen wir nicht.“

Wie komme ich aus dieser Situation wieder heraus?

Nun saß ich auf der Treppe vor der Wohnung, wieder mit dem Brot im Arm. Was mache ich denn nun? Ich kann ja kaum dem Bäcker das angefressene Brot zurück geben. Ob ich verhandeln kann, dass er mir ein Neues schenkt?
Das Brot war immer noch warm und duftete.
Also, einmal kann ich bestimmt noch Mal probieren. Nur ein Mal noch. Eigentlich ist es doch jetzt egal. Der Ärger sitzt mir so oder so im Nacken. Und wieder und wieder zupfte ich Teig aus dem Brot und steckte es mir in den Mund.

Da ging die Türe auf und meine Mutter kam auf den Treppenabsatz heraus.
„Na, hast du mir etwas zu sagen?“, fragte sie.
„Mmmmm!“, murmelte ich und versuchte schnell das hinunter zu schlucken, was ich mir gerade noch in den Mund gesteckt hatte.

Darüber, dass das Brot nun noch ein bisschen leichter geworden war, verlor niemand mehr ein Wort. Es war aber auch gefährlich, mich mit frisch gebackenem Brot alleine zu lassen. Im Grunde genommen, konnte ich nichts dafür. Für gar nichts. Oder?

Nachtrag zum und vom Brotbäcker

Meine Mutter musste das in der Bäckerei erzählt haben, denn von da an bekam ich immer ein Brötchen in die Hand gedrückt. „Für den Weg“, sagte der Bäcker jedes Mal lächelnd. (Wenn der wüsste, dass aus mir ein Brotbäcker geworden ist, wenn auch nur ein kleiner!)

So, und nun ratet Mal, wie lange das selbst gebackene Wikingerbrot gestern heile geblieben ist?

23 Gedanken zu „Damals nur Brotesser und heute auch mal Brotbäcker.“

  1. Ach ja, frisch gebackenes Brot – hab ich heute auch gehabt, Variante mit getrockneten Tomaten drin. Es durfte gerade so abkühlen… dann hatte es verloren (zumindest die Ursprungsform). Wobei ich inzwischen mühsam gelernt habe, dabei zurückhaltend zu sein – ganz frisches Brot sättigt nicht richtig und macht dann Bauchweh, weil man nicht aufhören kann 🙁
    Halt die Ohren steif, liebe Gudrun!

    1. Oh, das ist eine feine Idee. Das merke ich mir. Im Moment befasse ich mich mit Brotgewürz. Das mit der Zurückhaltung schaffe ich nicht immer.
      Ich werde die Ohren steif halten, liebe Annette. Versprochen.
      Liebe Grüße

  2. Jetzt habe ich laut gelacht 😀 Als Kind musste ich auch immer das Brot vom Bäcker holen und natürlich habe ich herzhaft in den Knust gebissen, mich dann aber zurückgenommen, da meine drei Geschwister auch noch was zu essen haben mussten.
    Meine Mutter hat nur geschimpft…das habe ich aber auf mich genommen.
    Frisches oder selbstgebackenes Brot ist schon was feines.

    LG Mathilda

    1. Haha, noch jemand, der genascht hat. Es ist richtig gut, dass ich nicht alleine so war, liebe Mathilda. Geschimpft hat meine Mutter auch immer. Genutzt hat es nix, das Brot musste gekostet werden.
      Herzliche Grüße an dich.

    1. Stimmt. Und dabei fiel mir die Geschichte von damals ein und meine Mutter, die sich immer sehr aber vergeblich bemüht hat, dass ich ein ganzes, nicht angebissenes Brot nach Hause bringe.
      Liebe Grüße.

  3. Es gibt Geschichten die sind überall gleich. Wie lange dein Brot unversehrt neben dir verweilen durfte 😀 das kann ich mir denken. Die Nase scheint mit dem Suchtzentrum im Hirn vernetzt zu sein . Da hattet ihr früher ja einen netten Bäcker, wenn er dich mit einem frischen Brötchen auf den Heimweg schickte.

    1. Ja, der Bäcker war toll. Es ist schon so lange her, aber ich weiß heute noch, dass es die Bäckerei Herling in meinem Heimatort war.
      Das Brot war gestern nicht lange heile.

  4. Ich musste immer in den Kanten beißen. Es ging einfach nicht anders. Bei uns hat es gestern und in der Nacht ausgiebig geregnet.
    Liebe Grüße schickt Elvira

  5. So eine schöne Erinnerung, schmunzel…
    das Brot war sicherlich noch ein wenig warm, als Du es „angekostet“ hast. Du musstest doch wissen, ob es gelungen war, oder?
    Ich habe als Kind immer aus der Alu-Milchkanne getrunken auf dem Weg nach Hause, aber das fiel wohl nicht so auf *zwinker*
    Ich habe gestern Zimtschnecken noch ganz warm „angekostet“

    1. Oh ja, Zimtschnecken könnte ich auch mal wieder verkosten. Das ist eine feine Idee.
      Das Ding mit der Milchkanne kenne ich auch. Man musste nur zusehen, dass man sich den „Bart“ fein säuberlich abgewischt hat. (Wie sich manche Dinge wiederholen können, gell? Und oben auf der Kanne war das Beste.)

  6. Den Duft von frisch gebackenem Brot liebe ich auch sehr. Manchmal backe ich mir auch einen Laib selber, ich benutze dazu eine Backmischung, die ich durch die Zugabe von Gewürzen wie Kümmel und Koriander und Nüssen noch etwas verfeinere. 😉
    Deine Brotgeschichte ist so herzig. Danke fürs Erzählen, liebe Gudrun.

    1. Ab jetzt mische ich mir das Mehl wieder selber und auch das Brotgewürz. Welches mein Lieblingsbrot werden wird, weiß ich noch nicht. Mal sehen.
      Ein Bäcker in der Nähe buk immer ein feines Olivenbrot. Da brauche ich nichts anderes mehr. Und weil er dieses Brot nicht mehr im Angebot hat, mache ich es eben selber.
      Liebe Grüße an dich.

  7. Frisches Brot ist aber auch unwiderstehlich. Immer wenn Viktor bäckt, was er meisten am späten Abend macht, kommt er mit dem Geruch von frisch gebackenem Brot ins Schlafzimmer und immer packt mich der Wunsch mir sofort etwas zu holen. Nur gut, dass wir zwei Wohnungen haben und ich die Treppe hoch müsste.
    Leibeswohl kenne ich gar nicht. Muss ich gleich mal googeln. Alles Liebe Karin

    1. Da hast du es gut, wenn dir das frische Brot erstmal aus den Zähnen gerückt wird. Meist bin ich ja tapfer, diesmal nicht. Und es tat gut. Meine Wohnung wird immer leerer und unpersönlicher. Dafür stapelt sich das Umzugsgut. Ich werde froh sein, wenn alles vorbei ist.

  8. Oh, eine nette Geschichte. Ich hingegen habe immer den Kanten abgeprökelt und häppchenweise verspeist. Und auch ich würde eine Brotbäckerin. Übrigens gab es bei uns beim Bäcker immer eine große Tüte Küchenränder für 10 Pfennige. LG vom sonnigen Bodden, ohne Regen

    1. Kuchenränder kenne ich auch noch. Ich finde das so interessant, liebe Frau Boddenliebe, dass jeder so seine Geschichten hat. Und doch sind sie alle irgendwie ähnlich. Viel Spaß noch beim Brotbacken.
      Liebe Grüße aus Leipzig.

  9. Deine Kindheitserinnerungen habe ich gerne gelesen. Ich kann mir das alles richtig bildlich vorstellen.
    Ich backe auch sehr gerne Brot selber und liebe den Duft.
    Ich habe nachgedacht, ob ich auch irgendwelche Kindheitserinnerungen bezüglich des Brotes habe. Da fiel mir aber nur ein, dass ich sehr gerne den ersten Anschnitt gegessen habe: Das „Knüstchen“, so hieß das bei uns.
    Außerdem fiel mir ein, dass wir eine Brotschneidemaschine hatten, die direkt im Schrank eingebautvwar und sich mit dem Öffnen „entfaltete“. Sie wurde mit einer Handkurbel betrieben.
    Und ich erinnere mich an diverse Sonntagsausflüge die uns an einen kleinen See mit Enten führte. Da wurde im Vorraus trocken gewordenes Brot gesammelt und für die Entenfütterung mitgenommen. Ich konnte nicht widerstehen und habe immer von den Brotresten genascht, so dass meine Mutter jedes Mal schmunzeln sagt, ich solle für die armen hungrigen Enten auch noch etwas übrig lassen.
    Nun sende ich dir liebe Grüße.

    1. Diese Art Brotmaschinen, versenkt in der Tischplatte, kenne ich auch. Das muss damsls der letzte Schrei gewesen sein, hie wie da. Ich finde es schön, solche Erinnerungen zu teilen.
      Liebe Grüße an dich.
      Wir müssen halt mal wieder schwatzen, gell?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.