Mauern bauen oder lieber mal darüber weg klettern.

Es ist gerade etwas viel Belastung und manchmal wünsche ich mir ein besonders dickes Fell oder eine Mauer, hinter die ich mich setzen kann. Beides habe ich nicht. Und nun?

Mauern bauen

Den Besitz (Häbchenbäbchen sagen die Sachsen dazu) in Kisten packen, Aussortieren, mit dem Rheuma kämpfen, die Therapie ändern, Nachrichten ausblenden – es ist gerade viel, was so herunter prasselt. Manchmal weiß ich nicht, wie ich mit allem auf eimal umgehen soll. Einerseits möchte ich Mauern bauen und andererseits möchte ich, dass jemand oder etwas die Mauer wieder einreißt und mich hervor zerrt. Ein komisches Ding ist das.

die Weihnachtsteller meiner Kinder
Ob meine Kinder ihre Weihnachtsteller noch kennen?

Was man alles so findet, wenn man durch alle Schränke und Schubladen kriecht. Naja, Weihnachten oder Winter ist ja gerade nicht, aber ich fand heute die Weihnachtsteller meiner drei Kinder. Sie waren schon einmal mit mir umgezogen, aber gebraucht werden sie nicht mehr.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich anno dunnemals schon beizeiten angefangen habe, Süßes für die drei Teller zu sammeln. Am Weihnachtsabend habe ich das dann auf die Teller verteilt. Und für jeden stand dann ein Teller unter dem Weihnachtsbaum.
Oh, ich musste aufpasssen, dass es gerecht aufgeteilt war. Nur einmal, als wir ein weiteres Kind zu Besuch hatten, kamen meine drei Kinder zu mir und sagten, dass ich von jedem Teller etwas wegnehmen soll für das andere Kind. Das hat mich damals sehr beeindruckt.

Nun habe ich die Teller aussortiert. Noch einmal werden sie nicht mit umziehen.

die Filzbilder werden eingepackt
Meine Filzbilder wanderten heute in die Umzugskiste.

Nur Bücher kann ich nicht packen in die Kisten. Das würde zu schwer. Und so wird es immer ein recht eigenartiges Sammelsurium in jeder Kiste: Bücher, Klamotten, Kissen, andere leichte Dinge.
Meine Filzbilder sind leicht und sie wanderten heute mit in eine Kiste.

Ländliche Gegend, ein Leuchtturm – ach ja, da ist sie wieder, meine Sehnsucht. Die wird wahrscheinlich auch immer bleiben. Wenn ich aber ehrlich bin, ich liebe meine Stadt schon. Und deshalb bleibe ich hier.

Mauern bauen und Mauern einreißen
Die Mauer hätte ich am liebsten bepflanzt mit Thymian und gelbem Mauerpfeffer.

Vor mehr als neun Jahren zog ich vom Dörfchen wieder in die Stadt. Ach ja, damals war ich auch ein wenig traurig. Die Mauer auf meinem täglichen Spazierweg hatte es mir besonders angetan. Da gab es auch noch eine Bank, auf der man wunderbar die Zeit vergessen konnte.

Ach ja, Zeit vergessen, Mauern bauen. Manchmal möchte man sich damit schützen, aber geht das so? Man sperrt ja nicht nur Unangenehmes aus, auch Freunde und Schönes.
Ich weiß nicht, wer es gesagt hat: Man kann Mauern bauen ohne Ende, aber eigentlich wünscht man sich, dass jemand darüber klettert. So ganz werde ich den Verdacht nicht los, dass man auch ruhig selber mal klettern kann.

18 Gedanken zu „Mauern bauen oder lieber mal darüber weg klettern.“

  1. Liebe Gudrun
    ich kann es so gut nachfühlen und setze mich (wenn ich darf) jetzt still neben Dich auf die Mauer.
    Lotte

  2. So schöne Weihnachtsteller sind das, mit liebevollen Erinnerungen. Bei uns gab es zu Hause auch für Jedes Familienmitglied einen ähnlichen Weihnachtsteller, die am Weihnachtsmorgen aufgereiht auf dem Wohnzimmerschrank standen.
    Ach liebe Gudrun, du hast zur Zeit aber auch doppelte und dreifache Herausforderungen zu bestehen.
    Ich wünsche dir, dass du die Kraft hast die du brauchst bekommst und dass immer Platz für Hoffnung und positive Gedanken bleibt.
    Ich sende dir liebevolle Grüße:
    Beate

    1. Irgendwann ist es geschafft und darauf freue ich mich schon sehr. Da sind jetzt so viele Termine zu stemmen, dass ich mich gar nicht gut um meine Gesundheit kümmern kann. Das muss wieder besser werden, wenn der Umzug geschafft ist. Im Moment ist es gar nicht schön.
      Was man alles noch so findet, wenn man eine Wohnung ausräumt. Wer weiß, was noch so zu Tage tritt.
      Herzliche Grüße an dich.

  3. Es ist gerade wirklich viel, was Du zu stemmen hast. Dazu die gesundheitlichen Einschränkungen, die es ja nun wahrlich nicht einfacher machen. Aber es gibt ein Ziel und wenn das erreicht ist, wird sich hoffentlich alle Mühe gelohnt haben.
    Mauern bauen ist keine Lösung, jedenfalls für mich nicht. Es ist nicht immer einfach, sich dem Leben zu stellen, aber ich persönlich habe für mich gelernt, das ich es besser leben kann, wenn ich mich stelle. Ich wünsche Dir wirklich von Herzen alle Unterstützung, die Du brauchst.

    1. Du bist da auch ein großes Vorbild für mich. Das muss ich mal sagen.
      Ich freue mich sehr auf die neue Wohnung, weil es mir wieder etwas mehr Bewegungsfreiheit verschafft. Und dann sehe ich mal weiter. In Coronazeiten musste ich schon arg kämpfen, dass sich etwas bewegt. Alles lief auf Sparflamme.
      Auf der Suche bin ich, wie ich mich in Zukunft einbringen kann. Homeoffice für Ehrenamtliche gibt es vielleicht auch. Mal sehen.

      1. Danke, aber ich musste mich halt irgendwann entscheiden. Meine Mauern aus Esstörung, Angststörung und was weiß ich noch allem haben irgendwann nicht mehr funktioniert. Da bin ich dann losmarschiert. Die Alternative wäre wohl draufgehen gewesen. Also habe ich mich gestellt und ziemlich heftig ackern müssen, aber der Weg hat sich gelohnt.

  4. Das mit den Mauern kennen wir wohl alle. Und nicht immer sind sie verkehrt. Es gibt Zeiten, da benötigen wir ihren Schutz, mauern uns ein und lugen b und an durch die Ritzen, ohne es an der Zeit ist, sie wieder einzureißen. Denn die Gefahr ist groß, es sich dahinter bequem einzurichten. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.
    Liebe Grüße schickt Elvira
    P.S. : Übrigens schicken. Ich habe dir eine Mail geschickt mit Betreff App Mail bei iOS. Die Bugs sind wohl mit dem letzten Update behoben worden, ohne das Apple explizit darauf hingewiesen hat.

    1. Ich kann die App nicht neu laden, liebe Elvira. Mein Pad ist zu alt, ich habe keinen Zugriff mehr auf den App-Store. Da hört es eben auf.
      Einmauern werde ich mich nicht, aber viel mehr filtern als früher. Ich kann nicht die Welt retten und werde mich nicht mehr mit allem und jeden auseinandersetzen. Ich werde wichten müssen.
      Liebe Grüße an dich.

  5. Liebe Gudrun,
    manchmal braucht es ein bissele Schutzmauer. Gut, wenn noch Lücken sind durch die man blicken kann. Man sich dahinter etwas ducken kann, aber auch drüber gucken kann. Ja, und auch drauf sitzen und ein Pläuschlein halten. Schön, wenn die Steine noch warm von der Sonne sind und ein zuhörendes Herz daneben Platz nimmt.
    Es wird auch wieder anders. Dann schwingst Du deinen Poppes über die Mauer…..
    Vielleicht ist jetzt gerade einfach mal ein bisschen Rückzug dran. Das ist doch O.K.
    Ich drück Dich mal.

    Die Filzbilder sind allerliebst. Mir gefällt auch diese Mauer aus losen Steinen, locker geschichtet. Eine freundliche Mauer. Ich stelle mir vor wie ich mit Dir dort sitze, die Beine baumeln lassen und die Sonne und Freundschaft geniessen……… Hach – ein schöner Ort <3

    1. Stimmt, es ist ein schöner Ort, der mir schon einmal viel Ruhe gebracht hat.
      Schwatzen und Beine baumeln lassen – das müssen wir unbedingt mal wieder machen, liebe Mia. Vorerst rufe ich dich zu Pfingsten mal an. Dann gibt es erstmal einnkleines Schwätzchen.
      Manchmal braucht man eine kleine Mauer. Immer stark sein kann keiner.

      Ich habe heute meine Gläser eingepackt. So ein leerer Schrank sieht richtig traurig aus. Bloß gut, dass er wieder gefüllt werden wird. Bis dahin muss ich ein bisschen die Zähne zusammen beißen.

      Ich schicke dir liebe Grüße und finde es Klasse, dass du wieder schreibst.

  6. Also ich verstehe dich vollkommen. Im Moment könnte ich mich auch einmauern. Eine sehr hohe Mauer.
    Das Gute an einem Umzug ist, er ist irgendwann vorbei.
    Dann geht es uns wieder besser.

    LG und schöne Pfingsttage wünsche ich dir

    1. Stimmt, irgendwann ist er vorbei. Im Moment habe ich das Gefühl, es wächst mir über den Kopf. Kisten überall, Müllsäcke mit dem Zeuchs, was nicht mit kommt … Gestern am Nachmittag habe ich mich erstmal an mein Spinnrad gehockt. Dann ging es wieder.
      Halte durch, liebe Marion. Liebe Grüße.

      1. So sieht es bei mir auch aus. Ich kann es nicht mehr sehen.
        Dienstag kommt nochmal der Sperrmüll. Der Rest wird zum Schluss entsorgt.
        Bin gestern angefangen den Kleiderschrank abzubauen, soweit wie ich es alleine schaffe.
        Und morgen ist Pause, es wird gefilzt.
        Halt die Ohren steif. LG

  7. Wenn es zuviel wird, ist da immer der Wunsch mauern zu errichten. Ich wünsche mir manchmal eher so einen Filter, der für eine Zeit alles fernhält, was meine Ruhe stört und der sich leicht, leichter als eine Mauer wieder entfernen lässt. Aber selbst das ist nicht immer einfach. Ich wünsche dir Kraft und hoffe, dass die Freude an der neuen Wohnung und deren Vorteile für dein Leben, die Anstrengungen schnell vergessen lässt.

    1. Nein, leicht ist es wahrlich nicht und ich habe auch noch kein Konzept gefunden. Wegschauen und Weghören will ich eigentlich nicht, aber manchmal wird es mir zuviel, was auf der Welt so alles passiert. Schon im eigenem Land reicht es mir. Die Welt kann ich nicht retten. Vielleicht sollte ich kleinere Brötchen backen. Und sonst nichts. Ich bin wiedermal auf der Suche.
      Aber jetzt muss ich erstmal umziehen.

  8. Mauern sind meistens sehr hinderlich. Aber so ab und an kann es schon gut tun, sich in einem kleinen, von festen und schützenden Mauern umgebenen Gelass einzukuscheln, alles ausblenden, zu sich selbst finden, neue Kraft, Ruhe und Frieden tanken…
    Herzliche Grüße!

  9. Liebe Gudrun. Mauern müssen errichtet werden und irgendwann auch wieder abgerissen. Neue Materialien, neue Bauweise, neue Standorte. So ist es auch im Leben. Alte Brücken sprüchwörtlich abreißen und neue schaffen.
    Genau das gleiche Motiv vom oberen Weihnachtsteller hatten unsere Kinder auf einem Teller, den gibt es noch.
    Liebe Grüße von Kerstin – und alles Gute weiterhin für dich.

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