Ich hatte heute lieben Besuch auf meinem Balkon.

Ich hatte heute lieben Besuch auf meinem Balkon. Nein, nein, es gab keinen Verstoß gegen die Kontaktauflagen in der Coronakrise. Diesen Besuch hatte ich allerdings schon erwartet, so wie jedes Jahr.

auf dem Balkon

Eigentlich wollte ich nicht mal pflanzen in diesem Jahr, weil ich ja umziehen möchte. Der Stubenarrest wird aber nicht besser mit einem kahlem Balkon. Also mussten wenigstens einige Pflanzen her. Und siehe da: Ich bekam Besuch, Besuch über den ich mich sehr gefreut habe. Seit Jahren gehört das im Frühling dazu zu meinem Balkonleben.

Entspannung
„Pütschere bloß nicht wieder herum mit deiner Gießkanne. Wehe!“

Nein, das ist er nicht, mein Besuch. So sieht es aus, wenn eine entspannt, während ich Wolle zupfe, die fertigen Wollstränge wasche, Strickproben anfertige, naja und manchmal auch mal unguten Gedanken nach hänge. Penny interessiert das alles nicht.

eine Insektentränke für regen Besuch auf dem Balkon
So, eingeschenkt ist schon mal.

Insekten besuchen mich immer mal auf meinem Balkon, Hummeln, Wildbienen und mein Liebling: die liebliche Feldwespe. So lieblich sieht die eigentlich gar nicht aus, wenn sie mit ihren langen, hängenden Hinterbeinen angeschwirrt kommt. Wenn man dann sieht, wie elegant sie sich bewegen kann, wird der Name einleuchtender.
Aus dem Korb mit den noch leeren Blumentöpfen und Kästen zottelte ich die Muscheln, die schon seit Jahren als Insektentränke dienen und platzierte sie im Blumenkasten.

erster Besuch auf dem Balkon
„Gibt es hier Wasser?“

Hehe, als ich mal aufschaute beim Wolle zupfen, sah ich sie.
Im vergangenem Jahr hatte ich sie noch begrüßt mit: „Da bist du ja wieder!“. Dann aber hatte ich gelesen, dass diese Wespen im Oktober sterben. Es sind also immer die Wespen, die im vergangenem Jahr gehegt und gepflegt wurden, die mich jetzt besuchen.
Wenn die Vorgänger hier in der Nähe siedelten, dann muss es hier gut sein. Und das dringend benötigte Wasser gibt es bestimmt auch.

auf der Suche nach Wasser
„Ooooch, kuck doch mal. Da steht ein Schälchen mit einem Stein drin.“

Da ist sie also wieder, die Wespe mit der legendären Taille. Ob sie nun auch noch das bereitgestellte Wasser findet?
Während ich oben mit der Kamera auf der Lauer lag, wetterte unten die unfreundliche Frau mit Hund aus dem Nachbarhaus: „Das kann doch jetzt nicht wahr sein!“ Denkt die vielleicht, ich möchte sie fotografieren? Warum sollte ich. Seit fast 10 Jahren wohne ich nun schon wieder hier. Manchmal vergesse ich, dass diese Frau noch nie zurück gegrüßt hatte. Mufflig schaut sie einen an, als hätte man ihr gerade etwas getan und geht. Wortlos.

„Hehe, kommt mal alle. Ich hab das Wasser gefunden.“

Na bitte! Die zierliche Feldwespe hat die Muschel mit dem Wasser gefunden.
Warum die Muscheln so der Renner sind, weiß ich nicht. Sie sind es aber und ich werde wieder zu tun haben wie der Leipzscher Rat, ständig das Wasser auf zu füllen. Das beste Foto ist das nicht, aber mir war das Fotografieren irgendwie vergangen. Wer weiß, wer sich hier sonst noch beobachtet fühlt.

Besuch im Innenhof
Passt gut auf euch auf.

Ein Tauben-Pärchen besucht meinen Innenhof immer mal. Ich freue mich, wenn sie kommen. Ihr Gurren höre ich gern, weil es so beruhigend wirkt.
Allerdings werden die Ringeltauben nicht von allen gemocht.
„Fatsch!“ – etwas knallte gegen den Stamm der Akazie. Aufgeschreckt flogen die Tauben davon. Hoffentlich ist ihnen nichts passiert. Schade, dass manche so wenig von ihnen wissen. Und schade, dass ich ein Katzennetz vor dem Balkon habe. Zu mir dürften sie kommen.

Es war schön auf meinem Balkon und noch schöner, dass ich Besuch hatte. So lässt sich der Stubenarrest aushalten und auch alle Hiobsbotschaften. Diese Situation, in der wir uns befinden, tut mir sehr weh. Vor allem, wenn ich in andere Länder schaue. Uns geht es da ja noch gut. Noch.
Mich treiben Ängste um und ich kann ihnen nur begegnen, wenn ich an meinen Projekten weiter arbeite und mich um die lieben Menschen sorge und kümmere, die mir auch immer wohl gesonnen waren. Zusammenhalt ist wahrscheinlich besonders wichtig jetzt. Es ist nichts mehr wie es war.

Bis zum nächsten Mal, und bleibt gesund.

13 Gedanken zu „Ich hatte heute lieben Besuch auf meinem Balkon.“

  1. Mein Ringeltaubenpärchen wird gerade entwöhnt, was mir jedes Jahr erneut leid tut. Sie sitzen dann auf dem Balkongelände und suchen nach der Schale mit dem Taubenfutter. Aber irgendwann ist es alle. Die Balkonkästen sind mit Erde gefüllt, müssen nur noch auf die Samen warten, bis die Täubchen nicht mehr kommen.
    Die Feldwespen sind auch bei mir wieder da. Sie haben letztes Jahr einen Unterschlupf im Insektenkasten bezogen und fliegen da wieder fleißig ein und aus. Das Wasser haben sie bisher ignoriert (oder ich habe nicht gesehen, wie sie daran nippen). Im oberen Stockwerk des Insektenhotels legen gerade, wie jedes Jahr, Bienen ihre Eier in den Röhren ab und verschließen sie dann. Nur wer im unteren Teil wohnt, da wo die Tannenzapfen liegen, weiß ich nicht.
    Es ist schön, dass wir dieses Treiben beobachten können.
    Liebe Grüße schickt Elvira

    1. Liebe Elvira, ich glaube, es ist richtig gut, dass wir das alles beobachten können und unsere Freude daran haben. Es ist ein Stücke Normalität in unnormalen oder unwirklichen Zeiten. Ich wünsche mir sehr, dass wir das alles gut überstehen.
      Die Feldwespen holen nur Wasser bei mir. Ihre Brut ist wo anders. Sie fliegen immer um meine Balkonwand herum. Ich konnte sie noch nicht ganz her locken.
      Ich schicke dir liebe Grüße. Pass auf dich auf und bleib gesund.

  2. Es ist zwar nicht leicht gerade, aber mir geht es da wir Dir, wenn ich in andere Länder gucke, dann relativiert sich manches. In Ungarn und Polen wird die Krise übelst genutzt, um die Demokratie zu schwächen, in Amerika sterben tausende, weil das Trumpeltier alles verharmlost hat und was los ist, wenn Corona in Afrika ankommt, daran mag ich gar nicht denken.
    Trotzdem müssen wir auch auf uns aufpassen, denn jeder geht anders mit dem um, was gerade ist. Auch wir haben Ängste und Sorgen. Auch wenn es uns vergleichsweise gut geht.
    Ach ja, die lieben Katzen… sie ficht das alles nicht an, unsere genießen auch die Sonne auf dem Balkon.
    Ich hoffe, wir können Dir jetzt schnell alles schicken, was Du brauchst, damit Du auch mal raus kannst. Leider arbeiten auch die Post und DHL langsamer als sonst. Aber es ist alles in Arbeit

    1. Ich habe gerade einen Artikel gelesen über die USA. Dort trifft es richtig schlimm die Schwarzen und die Latinos, die denen es im reichsten Land eh nicht gut geht, die jede Arbeit machen müssen, manchmal keinen Zugang zu medizinischer Hilfe haben. Und da gibt es einenPräsidenten, der jedem die Hand geschüttelt hat, weil dir Pandemie doch gar nicht schlimm ist. Das kann er auch, denn wyenn er krank wird, kümmern sich rund um die Uhr zig Ärzte nur um ihn. Er hat sein Beatmungsgerät sicher und wahrscheinlich noch zwei in Reserve.
      Ich da hte, dass vielleicht jetzt sich mal einiges zum Guten ändern kann, aber ich fürchte, es wird alles schlimmer. Die Wirtschaft zerrt an den Seilen, wie immer, wenn der Proft nicht gegeben ist. Wir werden uns wahrscheinlich alle noch warm anziehen müssen. Nach Polen u d Ungarn schaue ich auch mit Sorge. Und an Afrika darf ich auch nicht denken und an die Kriege überall.
      Manchmal fühle ich mich so hilflos und überlege, was ich generell tun kann und auch für mich, gegen die Angst. Vieles geht nur gemeinsam und das ist verdammt schwer. Schaun wir mal.
      Liebe B., verliere deinen Mut nie und genieße die freien Tage jetzt so gut es irgendwie geht. Und besuche die kleinen Struwwelpeter-Kinder mal wieder.

  3. Diese Feldwespen wohnten letztes Jahr im Hohlraum meines Balkongeländers. Sie können mit ihren langen Beinen problemlos auf der Oberflächenspannung des Wassers stehen und sich aus Gießkanne und Wassereimer bedienen. Das hatte mich überrascht. Es ist faszinierend ihnen zuzuschauen. Dieses Jahr habe ich erst zwei gesichtet. Es ist aber auch erst April. Das vergesse ich bei dem Wetter schnell. Gut, dass du dich entschlossen hast etwas Natur auf deinen Balkon zu bringen. Wäre doch schade auf diese fleißigen Besucher verzichten zu müssen.

  4. Es stimmt: Es ist faszinierend, ihnen zu zu sehen. Ich entdecke immer wieder Neues. Jetzt schwirren Wildbienen herum. Sie wissen aber noch nicht, ob sie in mein Totholz einziehen oder nicht.
    Liebe Isa, liebe Grüße an dich. Pass gut auf dich auf.

  5. Eine schöne Beschreibung von Deinem Balkonleben, liebe Gudrun.
    Die Wespe im Anflug gefällt mir besonders gut und natürlich die süße Penny 🙂
    Ein schönes Osterfest für Dich, viele Grüße
    Katja

  6. Na da ist ja lieber Besuch bei dir auf dem Balkon. Du bist aber auch eine richtig gute Gastgeberin, die bestens für ihre Gäste sorgt. 🙂
    Ein schönes Foto ist dir von der Taube gelungen.
    Sei behütet und beschützt liebe Gudrun!

    1. Danke für deine guten Wünsche, liebe Beate.
      Meine Welt ist gerade viel kleiner geworden. Aber ich kann sie mir trotzdem gestalten und ein bisschen schön machen. Wenn ich umgezogen bin, muss ich mein Täubchen wieder anfüttern. Sie kann mich dann viel besser besuchen.
      Ich schicke dir ganz liebe Grüße.

  7. Liebe Gudrun, ich freue mich mit Dir über Deinen Besuch auf dem Balkon. Wir haben in unserem letzten Urlaub in der Rhön diese Wespenart beobachten können. Sie schienen unter den Dachziegeln zu wohnen.
    Schön, dass Du ihnen Wasser anbietest. Bei uns im Garten kommen die Wespen auch gern an die Vogeltränken oder an eines unserer Teichlein. Mir macht das Beobachten auch immer viel Freude. Und gerade jetzt ist man froh über solche und ähnliche Abwechslungen, um zwischen all den schlimmen Meldungen auch mal auf andere Gedanken zu kommen.
    Deine Penny sieht richtig knuffig aus. Ja, gerade jetzt beneide ich unsere Katzen ganz besonders darum, dass sie sich selten einmal aus der Ruhe bringen lassen.
    Dir, liebe Gudrun, schöne Ostern und sei lieb gegrüßt von der Silberdistel

  8. Es geht mir genau so. Über all die kleinen Geschichten freue ich mich jetzt besonders. Ich suche sie gerade zu.
    Ein Freund erzählte mir heute, dass ihm immer mehr Geschichten aus seiner Kindheit einfallen. Das geht mir genau so. Wenn alles vorbei ist, werden wir uns treffen, zusammen essen und Kinderstreiche austauschen. Wir sind ein kleines Grüppchen und wir freuen und auf unser Treffen.
    Liebe Silberdistel, ich schicke dir liebe Grüße. Morgen mache ich mich wieder auf zu einem Besuch bei dir auf dem Blog.

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