Leipzig-Grünau wird im Juni 50

Am Montag war ich in der „Kleinen Kneipe“ in Leipzig-Grünau zu einer Veranstaltung anlässlich des 50. Geburtstages meines Wohngebietes. Eingeladen hatte das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig. Die Gaststätte war knackend voll. Viele kamen mit ihren Bildern vom Beginn und der Entwicklung unseres Stadtbezirkes und erzählten ihre Geschichte. Manche leben von Anfang an in Grünau, andere sind wiedergekommen, nach Hause quasi.

Wie sich doch die Geschichten ähneln! Da war zu Beginn das Leben auf einer Baustelle, in Schlammhausen, wie es bei den Leipzigern hieß. Für meine Kinder war es ein schöner und interessanter Spielplatz. Und genau davon erzählte eine junge Frau.
Für uns Erwachsene war es eine neue, trockene Wohnung, mit ständig warmen Wasser und bezahlbarer Heizung ohne Kohlenschlepperei. Und das Klo war nicht mehr auf der Treppe.

Für uns alle an diesem Abend war klar: Uns gefällt es hier und wir wollen hier bleiben. Warum? Weil wir inmitten von Grünem wohnen, eine gute Verkehrsanbindung haben und Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten, Schule oder Kindergarten fußläufig erreichen können.

Der Zusammenhalt war damals in den Anfangsjahren größer, sagten viele. Es gab Hausfeste, Kinderfeste, Nachbarschaftshilfe… Es liegt doch aber auch an uns selbst, wie sich das Leben hier gestaltet. Netzwerke müssen wir schon selber bilden und da sind wir auch dabei.

Vor einigen Tagen haben die Eberts einen kleinen Bummel durch Grünau, durch die unmittelbare Wohngegend gemacht. Ach ja, es gibt es schon einige Lieblingsplätze und Lieblingsmenschen. Ich wohne gerne hier.

23 Kommentare zu „Leipzig-Grünau wird im Juni 50“

    1. Ja, ich fühle mich hier sehr wohl, weil es so viel Grün und blühende Bäume und Büsche gibt. Kinder spielen im Innenhof draußen und ihr Lachen tut gut. Ich wohne in einer Genossenschaftswohnung und die Genossenschaft kümmert sich. Kontakte im Wohngebiet gibt es reichlich, wenn man das so will.
      Ich möchte nicht wo anders wohnen.

  1. Hallo, Gudrun! Deine Hommage an euer schönes, grünes Auenquartier kann ich bestens verstehen, vor allem auch anhand der Fotos.
    Wenn man sich daheim wohl fühlt, ist das schon „die halbe Miete“. :–)
    Einen fröhlichen Maiengruss zu dir,
    Brigitte

    1. Das mit der halben Miete stimmt. Ich wohne gerne hier und fühle mich wohl. Und ich weiß, dass ich Hilfe bekommen kann, wenn ich sie brauche. Herzliche Grüße an dich, liebe Brigitte.

  2. Hihi. Grünau. Das erinnert mich an eine Kollegin, die einst zu spät kam. Beim Sprint zur Bimmel blieb sie an einem aus dem Schlamm luckenden Kabel hängen, stürzte und landete weich im nächsten Schlammloch

    1. Ach ja, das kennen wir aus ehemals Schlammhausen alle. Als ich hier einzog vor vielen Jahren, werkelte am Nachbarhaus noch der Baukran. Mein Sohn an der Hand war Experte darin, mir zwischen die Beine zu stolpern. Tja und da sah ich aus wie Moderlieschen.

  3. Dass Du in Deiner Gegend schon früh gut angekommen bist, kann ich bestens nachvollziehen, liebe Gudrun!
    Zusammenhalt ist nichts, was man in Konzepten konstruieren kann, er muss sich aus den Bewohner*innen selbst entwickeln. Dafür hast Du ein goldenes Händchen, das ist mir ganz deutlich. Du hast gute Verbindungen zu Deinen Nachbar*innen, auch zu den tierischen, wie ich immer wieder mitbekommen habe.
    Herzensgrüße von mir, Chris

    1. Stimmt, der Zusammenhalt muss sich aus den Bewohnern heraus entwickeln.
      Im Sommer sitzen wir auch gerne mal draußen, aber im Winter ist es ein bissel schwierig, wenn man in keinem Verein oder in einer Gruppe ist.
      Wir sind einige behinderte Frauen, die sich treffen. Das ist auch gut so, weil man da auch mal ganz spezielle Dinge bereden kann, die man nicht gerne jedem erzählen würde. Wir haben uns einfach gefunden. Das hat uns keiner organisiert.
      Liebe Chris, ich schicke dir Grüße.

  4. Hallo Gudrun, meine letzten drei Wohnungen waren – bis auf eine – auch immer mit längerer Geschichte – und jeweils wohnten in den Häusern Leute von Anfang an – so wie bei dir in Grünau.
    Das Haus an der ehemaligen Stalinallee in Berlin-Friedrichshain war als letztes der Allee 1953 gebaut worden – damals mit absolutem Vollkomfort, so wie du es auch beschreibst – nur Grünflächen gab es kaum drumherum. Ich bin 1985 eingezogen und fand es – bis auf den Straßenlärm – eine sehr schöne Wohnung. Von den Bauarbeitern dieser Häuser ging der Anstoß zum 17. Juni los, den ja viele mit Gefängnis oder sogar mit Schlimmerem bezahlen mussten.
    Das nächste Haus ab 2000 war ein geschichtlich unbedeutendes Wohnobjekt, denn es stammte aus den Mittachtzigern des letzten Jahrhunderts.
    Die jetzige Wohnung ist da schon spannender, denn das ganze Wohngebiet wurde 1972 mit nur Eigentumswohnungen gebaut. Es gibt tatsächlich noch Eigentümer, die es ganz, ganz jung gekauft und finanziell abgestottert hatten – im Grunde genommen hätte das auf mich/uns auch zutreffen können.
    Gerade gestern war ich mal wieder in einem Wohngebiet hier in der Nähe – viele Hochhäuser, die ja von Westlern oft nur mit Naserümpfen betrachtet werden, weil sie wohl ausschließlich in Plattenbauweise errichtet wurden, aber dort fand ich alles mit vielen Spielplätzen, Grünanlagen und Einkaufsmöglichkeiten mieterfreundlich – nur bezahlen könnte ich so eine Wohnung nicht mehr.
    Liebe Grüße

    1. Ach ja, „die Platte“. Die B*ldzeitung wird nicht müde, darüber herzuziehen. Einige andere Blätter stehen dem kaum nach. Und fragt keiner und von den Schreiberlingen waren auch bei Weitem nicht alle mal hier. Nach der Wende gab es eine Begehung mit Prominenz. Die Quintessenz: Hier müssen wir uns nicht groß kümmern. Es wird alles abgerissen. Man fing auch gleich damit an, aber es gab auch Widerstände. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Nähe zum Kulkwitzer See und den Parks ein feiner Baugrund für Edelquartiere gewesen wäre und dass es d Begehrlichkeiten gab. Es ist ja auch alles gut erschlossen im Untergrund.
      Was glauben die denn, was das für Menschen sind, die hier wohnen? Wir haben hier allerlei Berufsgruppen und auch wieder Familien mit Kindern. Gut so.
      Eigentum brauche ich nicht. Ich wollte keines. Es hält einen zu sehr an der Scholle. In meiner Genossenschaft bin ich gut aufgehoben.
      Liebe Grüße an dich.
      Neuerdings kommen auch Bauplatten aus Beton aus einem ordentlich großen Drucker. Damit lassen sich sowohl Einfamilienhäuser bauen, als auch Mehrfamiliendomizile.

  5. Die Grünauer Allee macht derzeit ihrem Namen alle Ehre. Ich kann mir vorstellen, wie wohl du dich dort fühlst, liebe Gudrun. Bei meinen Eltern mitten in der Stadt war ja auch ein schöner Park, in dem ich gern mit meinen Freundinnen gespielt habe. Und wenn ich an meine letzte Arbeitsstelle denke, war es auch so. Mitten in der Stadt und doch gleich neben einem Park und einer schönen großen alten Kirche.
    In meiner Kindheit herrschte ein großer Zusammenhalt zwischen den einzelnen Mietern, daran kann ich mich gut erinnern. Sogar Silvester wurde manchmal zusammen gefeiert. Und von jeder Familie war das Schicksal bekannt. Ja, da kommen schöne Erinnerungen auf. Auch meine Großeltern lebten in großen Mietshäusern und hatten immer freundliche Beziehungen zu ihren Nachbarn. Sogar die Namen fallen mir noch ein.

    Ein lieber Gruß zu dir,
    Andrea

    1. Ich habe mir vorgenommen, dass ich in der Adventszeit mal zu einem Glühwein draußen einlade. Es werden nicht alle aus dem Haus kommen, aber einige schon. Es muss wieder besser werden, nicht jeder gegen jeden oder Türe zu und Schluss. Dass es geht, weiß ich auch noch von früher. Es muss nur wieder anfangen, mit einem kleinen Schups.
      Silvester haben wir auch gefeiert, und Kinderweihnacht und Fasching. Besonders für die Kinder war das schön. Sie spielten zusammen draußen und alle Eltern achteten auf alle Kinder. Du schreibst, dass man viel von einander wusste. Ja, und wenn man das weiß, kann man mehr Empathie entwickeln und Rücksicht nehmen, als in absoluter Anonymität.
      Liebe Andrea, schön, dass du da warst und deine Erinnerungen teilst.
      Ganz liebe Grüße an dich.
      Hat dir das Kätzchen schon Mäuse gebracht?

      1. Ich finde es auch traurig, dass heute soviel Missgunst und Neid herrscht und einer den anderen gar nicht mehr kennt. Es ist sicher nicht überall so, aber schon verbreitet, leider.
        Ich bin so dankbar für meine Erinnerungen, das Gute in meinem Leben. Auch wenn ich eher introvertiert bin und Trubel meide, so finde ich immer freundliche Worte, wenn ich Nachbarn treffe. Als ich damals dem Tod von der Schippe gesprungen bin, machte das auch die Runde. Und alle meinten zu mir, ich könne immer um Hilfe bitten. Du siehst, es gibt auch heute noch ein freundliches Miteinander.
        Nein, die Lilly hat mir noch kein Mäuschen gebracht, da bin ich froh. Aber sie ärgert gern die Vögelchen, da muss ich immer schimpfen.
        Ein lieber Abendgruß zu dir!

        1. Ach, liebe Andrea, von dem Guten lebe ich auch und bin sehr dankbar dafür, dass ich es hatte. Es gibt mir auch immer wieder Kraft, daran zu glauben, dass es gut und besser werden kann.
          Meine Kleo hat mir oft Mäuse geschenkt, auch lebende. Und ich konnte dann zusehen, wie ich sie einfangen konnte. Kleo ging das nichts mehr an, denn geschenkt ist geschenkt. Sie hat das nur mit schräg gestelltem Kopf beobachtet und sich gewundert, wie dämlich und ungeschickt ich mich anstelle.

  6. Liebe Gudrun, Du sprichst sehr liebevoll von Deinem Grünau. Man merkt daran, dass Du Dich dort recht wohlfühlst, gern dort wohnst. Es ist schön, im Grünen zu wohnen und dennoch alles Wichtige und Lebensnotwendige in der Nähe zu haben. Und Deine Bilder zeigen recht eindrucksvoll Deine schöne grüne Wohngegend.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

    1. Liebe Silberdistel,
      nicht nur die Umgebung gefällt mir. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wohnung. Sie ist behindertengerecht und ich komme gut darin zurecht. Der Hausmeister ist sehr nett und kümmert sich sehr. Das hilft. Ich mag aber auch viele Menschen. Manche kenne ich schon aus der Zeit, wo wir noch jung waren. Jetzt haben wir graue oder weiße Haare. Mit den Jahren sind andere gute Bekannte dazu gekommen. Es wird nicht langweilig und auch nicht einsam.
      Herzliche Grüße an dich.

  7. Als Dorfkind war mir manches Mal alles etwas zu nah…
    Später, in den Siedlungen größerer Ortschaften, gab es dann ein vertrautes Bei- und Miteinander mit gemeinsamen Interessen und Unternehmungen.
    Dein *Mitwachsen* in Grünau kann ich gut nachempfinden!
    Ein lieber Bruder meiner Oma arbeitete als Goldschmied in Leipzig, leider ist die Adresse in Vergessenheit geraten. Unverheiratet und kinderlos brach der Kontakt irgendwann ab, doch Onkel Uhde bleibt mit seinen Späßen unvergessen.
    Lieben Gruß!

    1. Es gibt etwas, was mir fehlt, bei allem Angenehmen und Schönen. Das ist die Weite, dass man seinen Blick in die Ferne und über die Felder richten kann, Sonnenaufgänge und
      -untergänge. Ich komme nicht mehr so oft aus der Stadt heraus und vermisse das seht.
      Ich bin auch auf einem Dorf groß geworden. Wir Kinder haben die Jahreszeiten stark wahrgenommen und waren immer draußen, zu jeder Jahreszeit.
      Hier ist aber die gesellschaftliche Teilhabe sehr stark und das möchte ich nicht missen.
      Ich schicke Grüße zu dir und zum Deich, von wo man bestimmt einen tollen Blick in die Ferne hat.

    1. Dich würde ich so gerne mal mitnehmen zu unserem Literaturtreff. Du könntest uns verraten, wie du zum Schreiben gekommen bist, warum und wie du deine Recherchen machst und wie du es schaffst, auch große Projekte zu Ende und zum Erfolg bringst.
      Jetzt im Frühling ist es hier besonders schön. Alle sind mehr draußen und lauschige Plätzchen gibt es auch.
      Liebe Grüße zu dir.

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