Das Altern oder was hat eine Tulpe mit mir zu tun?

Manchmal lese ich in Nachrichtenportalen, die nur durch einen Geldbetrag werbefrei sind. Geld ist es mir eh nicht wert, also ertrage ich den Unfug, der mir da entgegenspringt. Meistens kann ich das ausblenden, manchmal sehe ich die Überschriften doch: „Mundfalten müssen nicht sein“ oder „Dieser Trick lässt dich 20 Jahre jünger aussehen“ oder … Ach nee, genug mit der Illusion von der ewigen Jugend! Was man mir dann andrehen will, lese ich nie. Ich bleibe wie ich bin und das Altern gehört dazu.

Neulich war mein Sohn mit im Garten. Er betrachtete die Tulpen im Beet und sagte plötzlich: „Die sehen aber schön aus, sogar, wenn sie nicht mehr frisch sind.“
Das stimmte. Ich sah es jetzt auch. Die Farbe veränderte sich, war aber da. Manches wird mit der Zeit blasser, anderes tritt kräftiger hervor. Die Konturen der Blütenblätter sind jetzt wellig, die Blätter stehen nicht mehr kerzengerade aufrecht, bilden Formen, die nur die Natur so gestalten kann.

Eine Tulpe hab ich mir mitgenommen und sie bleiben so lange in der Vase, bis sie sich auflöst. Jeden Tag zeigt sich ein anderes Bild.

Das Altern machte diese Tulpe erst interessant.

So, was hat die Tulpe jetzt mit mir zu tun?

Ich selbst habe Falten und grau mellierte Haare. Daran ändere ich auch nichts. Es ist noch ein Weilchen hin, aber der nächste Geburtstag mit einer Null hinter der Zahl hat vorne eine Acht. Da darf man schon sehen, dass ich älter bin. Ich mag den Jugendwahn nicht; ungezwungenes Lächeln und eine große Portion Freundlichkeit bringt viel mehr.
Brigitte Bardot hat mal gesagt: „Ich bin stolz auf meine Falten. Sie sind das Leben in meinem Gesicht.“ Genauso sehe ich das auch. Das Altern gehört zum Leben dazu.
Auf meine Kleidung lege ich Wert, ja. Ich mag nicht unbedingt das, was gerade Mode sein soll, aber die Kleidung besteht aus Naturmaterialien, hat viel Farbe und passt halt einfach zu mir. Sie macht aus mir nicht irgendeinen anderen Menschen. Ich erkenne mich durchaus wieder. Und so wird es bleiben.