Vom Gefühl, immer von allem zu wenig geben zu können.

Manche Menschen sind es mir Wert, dass ich ihnen etwas geben möchte. Ich möchte ihnen Freude geben und Achtung zeigen, Danke sagen oder einfach nur etwas für sie tun. Für mich tun sie ja oft auch jede Menge Gutes.

von Wolkenguggen und Geben wollen

Das Wetter ist nicht gerade toll. Schneeregen und ordentlicher Wind wechseln sich ab mit sonnigen Abschnitten. Ich bin froh, dass ich nicht raus muss. Mir wurde sehr geholfen, dass ich mit allem versorgt bin, was ich brauche. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, möchte aber manchmal ganz viel zurück geben. Und oft denke ich, dass ich dafür nicht genug habe.

Im Haus haben wir eine neue Mitbewohnerin. Sie ist vom Dorf hierher gezogen, weil das Leben in der Stadt für sie einfacher ist. Ihr Haus hat sie verkauft. „Die Erben wollen ja auch ihr Geld“, meinte sie.
Zack! Da war es wieder, dieses unangenehme Gefühl, nichts zu vererben und überhaupt viel zu wenig geben zu können.

Vor noch nicht all zu langer Zeit habe ich immer gesagt, dass irgend etwas jeder kann, dass er sich damit in eine Gemeinschaft einbringen kann und dort anerkannt und geachtet wird. Jetzt bin ich mir nicht mehr sicher.

Gut, schwer tragen kann ich nicht, aber Hühner füttern, Gemüsebeete hacken, Kochen, backen, Vorräte anlegen und pflegen, Vorlesen … Es kommt mir aber ständig vor, zu wenig geben zu können, zu wenig an Leistung, an Schönheit, an Geld und anderen materiellen Dingen. Auch bin ich durch das Rheuma langsam geworden, kann nicht mehr im Dauerlauf durch die Gegend und den Ereignissen hinterher laufen. Immer „hutsche“ ich anderen einige viele Meter hinterher. Ich setze mich selber unter Druck, alles wird noch schlimmer und dann bekomme ich schlechte Laune.
Ich weiß das alles und doch passiert es mir immer wieder, einfach weil ich mich nicht abfinden kann mit dem, was ist.

Natürlich, meinen Wollkram werde ich weiter machen, hier im Blog und auch so. Ein Helferlein hat seine Hüttenschuhe einfach durchgelaufen. Er bekommt nun Neue. Dafür habe ich extra ein besonderes Garn gesponnen. Dunkle Wolle wechselt sich mit ganz viel farbiger ab und wurde mit einem dünnen Faden brauner Wolle verzwirnt.
Ich freue mich auf die neuen Hüttenschuhe.

Wenn ich über meinen Monitor hinweg schaue, sehe ich draußen die Wolken vorbei jagen. Am besten wäre es, wenn ich ihnen alle trüben Gedanken mitgeben könnte.

19 Gedanken zu „Vom Gefühl, immer von allem zu wenig geben zu können.“

  1. Liebe Gudrun, ich weiß nicht ob es auch am Wetter liegt das man sich über sowas Gedanken macht. Ich kann auch später nicht viel den Kindern hinterlassen.Wenn meine Eltern mal ihr Haus verkaufen sollten, würde es mich freuen wenn sie ihr Leben noch genießen ,sich was gönnen.
    Und sich mit etwas Selbstgemachtes zu bedanken finde ich persönlich sehr toll. Gibt es bei mir auch oft. Ich weiß wer es zu schätzen weiß.

    LG aus dem stürmischen, kalten und nassen Norden

    1. So sehe ich das auch, liebe Marion, aber viele in unserer Gesellschaft definieren sich darüber, was sie besitzen, neu erwerben und was sie gerade arbeiten. Und so wird man dann selber auch „bewertet“. Ob man will oder nicht.
      Deine Seife liegt immer noch in meinem Schrank. Ich bin ein elender Geizkragen.
      Liebe Grüße in den Norden.

  2. Gudrun, was du gibst oder geben kannst, ist so viel wertvoller als (kaltes) Geld – sehr viele haben ausreichend, genug oder sogar zu viel davon. Aber wer fertigt einem schon einmalig schöne Hüttenschuhe? Oder verschenkt Flaschen in einem lustigen Filztier.
    Du packst das schon noch, das Akzeptieren davon, dass du jetzt eben nicht mehr bei den Schnellsten bist.
    Ganz lieben Gruß von mir
    PS: Warum muss ich immer alle Angaben neu eingeben, obwohl ich immer einen Haken im unteren Kästchen mache?

      1. Ich habe nichts dazu gefunden. Nur so viel: Während WP ohne das Häkchen immer drei Cookies stzte, ist es jetzt nur noch einer. Kucke mal, mit welcher Mailadresse du kommentierst. Wenn sie mit dem Gravatar-Server verknüpft ist, funktioniert das wohl nicht.
        Mehr weiß ich nicht, ich habe niemand ausgesperrt, auch nicht halb.

  3. Liebe Gudrun, ich glaube die Übellaunigkeit hat viel mit dem Wetter zu tun. Auch mir geht es heute so. Die Kinder mit denen ich arbeite waren heute alle, wirklich alle sehr übellaunig. Und mir ist dann irgendwann der Kragen geplatzt. An solchen Tagen bin ich dann gar nicht zufrieden mit mir und meinen Reaktionen. Hadere mit meinem Schicksal und versinke stundenweise im Selbstmitleid. Irgendwann berappel ich mich dann wieder.
    Es ist ja auch nicht einfach zu akzeptieren, dass manches eben nicht mehr so geht. Manchmal hat man eben keine Geduld und am wenigsten mit sich. Dann sind wir heute eben mal wie das Wetter – ha ha….. das ist nämlich auch schlecht gelaunt.
    Deine Wolle ist wunderschön geworden. Jedes Werkstück von Dir trägt soviel Herzblut in sich. Das kann man nirgends kaufen. Gudrun, das ist soooooo viel mehr wert als in den Laden zu semmeln und was zu kaufen. Es ist etwas ganz besonderes.

    1. „Manchmal hat man keine Geduld und am wenigsten mit sich selbst.“ Oh ja, wie ich das kenne. Ich weiß bloß nicht, ob ich das jemals hinbekome.
      An solchen Regentagen sind Kinder wirklich „rammeldösig“. Eine ganze Gruppe davon kann ganz schön anstrengend sein. Ich kenn das noch aus der Arbeit im Schulhort. Wir konnten diese Tage dann schon immer vorher sagen.
      Vielen Dank für deine Worte, liebe Mia.
      Grüße ins Ländle.

  4. Ich würde mich über solche Hüttenschuhe mehr freuen, als über was gekauftes. Kaufen kann ich mir im Zweifel selber, so was mit Liebe gemachtes ist was ganz Besonderes. Und ich selber habe keine Zeit zum Herstellen solcher Geschenke.
    Wir machen uns überhaupt keine Gedanken, ob wir den Kindern was vererben. Wir leben erst mal selber. Wo steht denn geschrieben, das man Kindern was vererben muss, soll? Ich werde zwar selber erben, weil meine Mutter eine Eigentumswohnung besitzt, aber ansonsten lebt sie auch vor allem ihr Leben und ich finde das auch richtig so.
    Das Gefühl, nicht zu genügen, kennen wohl viele, ich auch. Das ist ja nicht nur eine Frage von Geld und Gesundheit. Ich komme zwar noch ganz gut mit im Berufsleben und auch sonst, aber muss auch Abstriche machen und will auch nicht mehr alles mitmachen. Und damit, dass Martin so arg ausgebremst ist, müssen wir auch klarkommen, auch ihm fällt es nicht immer leicht, das zu akzeptieren, aber es wird…

  5. So habe ich es meinen Kindern auch zu vermitteln versucht. Meine eigenen Eltern konnte ich nicht beerben, musste ich aber auch nicht, denn ich konnte damals ganz gut für mich selbst sorgen. Das blieb leider nicht so. Nach diversen Weiterbildungen lief das ganz gut wieder an. Ich konnte wieder unterrichten. Dann aber meinte man, dass genug ausgebildet wurde und Schluss war. Andere Arbeiten brachten mich nicht weiter. Es gab nur noch Billiglöhner und Aufstocker. Ich glaube, das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Rheumaschübe keine Pausen mehr machten.Und wenn ich dann lese oder höre: „Das sind die Abgehängten, die es eben nicht geschafft haben“, dann werde ich wütend. Aber das hilft eigentlich nicht weiter.
    Ich versuche, mein Ding zu machen. Leider lebe ich nicht ohne äußere Einflüsse.

  6. Wie kommst du nur auf die Idee, dass du zu wenig gibst oder geben kannst. Du bist so eine Inspiration, du machst was du kannst und manches darüber hinaus. Mehr geht nicht und muss nicht! Ich bin jedenfalls sehr dankbar für den Input von dir.

    1. Ich weiß nicht. Man lässt sich eben doch immer wieder beeinflussen, gegen die eigene Überzeugung. Es ärgert mich dann, aber ich komme auch nicht drumrum.
      Liebe Grüße in den Norden, an das andere große Meer.

  7. Liebe Gudrun,
    das Geben und Nehmen darf doch gern nichtmateriell sein. Wer sagt denn, dass das „Geben“ immer materiell und/oder monetär zu sein hat?
    Wenn ich sehe, wie viele tolle Tipps und Anregungen Du hier auf Deinem Blog „gibst“ dann sehe ich schon unglaublich viel. Dass Du überhaupt hier schreibst und uns an Deinem Leben teilhaben lässt ist ein „Geben“ in meinen Augen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Du im Real Life auch sehr viel „gibst“.
    Ich jedenfalls habe hier schon Antworten „genommen“ und danke Dir sehr.
    Hab einen guten Tag
    Lotte

  8. Die Wolle für die neuen Hüttenschuhe ist ganz schick, liebe Gudrun. Damit wirst Du bestimmt viel Freude bereiten. Ich selbst finde es immer viel schöner, wenn man etwas Selbstgefertigtes geschenkt bekommt. Man sieht daran, dass der Schenkende sich viele Gedanken gemacht hat, was er schenken kann. Außerdem hat er Zeit in die Herstellung gesteckt, und Zeit zu schenken, in welcher Form auch immer, empfinde ich als ganz besonderes Geschenk. Ich weiß z.B., dass meine Marmelade, die ich gern mal als Gastgeschenk mitnehme, oder mein Chutney viel Freude bereiten oder auch einmal etwas Selbstgebackenes. Lass Dich also nicht entmutigen.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

    1. Stimmt, an das Zeit schenken habe ich gar nicht gedacht.
      Ich hatte solche Wolle mal gesehen und dann eben nachgesponnen. Die braune Wolle ist so nicht trist und die Farbflecken kommen darin gut zur Geltung. Die Spinnerei hat ein Weilchen gedauert, aber es hat sich gelohnt.
      Herzliche Grüße an dich, liebe Silberdistel.

  9. Liebe Gudrun, ich kann deine Gedanken und auch Empfindungen gut nachvollziehen, sie sind mirnicht fremd. Ich glaube die Lebenskunst besteht darin, dass wir uns auf das besinnen, was wir können anstatt auf das, was wir nicht können. Das fällt mir persönlich oft gar nicht so leicht, weil ich die meiste Zeit meines Lebens trainiert habe, mich mit den anderen Menschen zu vergleichen und danach gestrebt habe, es ihnen gleich zu tun. Da war natürlich der Misserfolg vorprogrammiert und damit wurde das Selbstwertgefühl immer ein Stückchen kleiner. Ich kann dir nur sagen, dass du mir sehr viel „gegeben hast“. Wenn ich an meine beiden Besuche bei dir in Leipzig denke, dann kann ich heute noch deine warme herzliche Gastfreundschaft spüren. Die Zeit mit dir, die Gespräche, das Lachen. Ach so Vieles trage ich in meinem Herzen. Deine Strümpfe erfreuen mich jedes Mal wenn ich sie anziehe und von der gefilzten Seife habe ich auch noch, die mit dem Motiv des Lieblingsmärchens meiner Kindheit: Das alles sind wertvolle Schätze!

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