Gegen ungute Gedanken

Wenn die Hände beschäftigt sind wird der Kopf frei.

Hier war es jetzt immer ein bissel still im Blog.
Mir geht es gut und ich bin auch gut beschäftigt. Herr E. und ich stellen gerade die Materialien (Bilder und Texte von Mitgliedern des Literaturtreff Grünau) zusammen für unser nächstes Heft. Um Kunst im öffentlichen Raum geht es, in dem Falle um die in Leipzig Grünau. Darauf wurde damals schon in der Bauplanung Wert gelegt. Und es geht darum, wie wir sie wahrnehmen und damit umgehen.
Mich plagen immer Mal wieder ungute Gedanken, dass ich nicht schreiben mag. Kluge Gedanken von anderen zu teilen ohne Ende mag ich nicht und die KI bemühen mag ich genau so wenig.

Ich bin dabei, die letzte Wolle meines Patenschafes zu verspinnen und das Garn zu verpacken, dass ich es dann mit in den Garten nehmen kann. Hüttenschuhe sollen daraus werden. Ich habe mir schon überlegt, wie die diesmal aussehen sollen. Bald gibt es wieder neue Wolle und darauf freue ich mich.

Schmierzettel Entwurf Hüttenschuhe und Zopfmuster

Tja, und dann habe ich meinen Kräuterhefter wieder hervorgekramt. Ich will im Frühling nicht verpassen, beizeiten anzufangen die Kräuter zu sammeln, die ich auch verarbeite und verwende. Mein Gartentee zum Beispiel hat allen Gästen geschmeckt. Leider ist er schon seit einiger Zeit alle. Mein Tee-Eimerchen muss ich also wieder auffüllen für die Teestunden im nächsten Winter.

Das letzte Rheumamittel hat den Schleimhäuten arg zugesetzt. Ich will eine Kräutertinktur ansetzen und mir den Gang zur Apotheke ersparen. Den Samen von Beinwell, Frauenmantel, Gänsefingerkraut und kleiner Wiesenknopf habe ich mir bestellt. Ich kann auf den Wiesen nicht mehr so herumkrauchen und baue mir die Kräuter an. Mit Tinkturen kenne ich mich schon gut aus. Die Tinktur aus Brennnesselwurzel hat in der Familie schon gut geholfen. 

Ich lese viel zu Kräutern. An verschiedenen Unis, in der Pharmazie, gibt es Untersuchungen, ob die Heilwirkung nur angenommen wird oder ob es sie tatsächlich gibt. Letzteres macht die Kräuter für mich interessant.

Ich bin also beschäftigt, nicht um mich einfach nur abzulenken, sondern weil es mir Spaß macht und schon oft sehr hilfreich war. Ungute Gedanken sollen mich nicht ausbremsen.
Apropos Zopfmuster: Mein Zopf ist ab. Ich trage jetzt einen kinnlangen Bob und fühle mich so wohl, dass ich gleich die Nase etwas höher trage. 🙂

Wolle, Spinnrad, Ruhe finden.

Mein Rollstuhl musste repariert werden, also ist mein Aktionsradius gerade ein wenig begrenzt. Ich habe mich mal wieder an das Spinnrad gesetzt und ein Garn für die Hüttenschuhe in diesem Jahr geschaffen. Alles Garn möchte ich fertig haben, um es bald mit in den Garten nehmen zu können und es dort zu verarbeiten. Stricken geht da immer, das Spinnrad mitschleppen nicht.

Ich habe diesmal die Wolle meines Patenschafs versponnen. Da ich gerne experimentiere, habe ich es dreifach verzwirnt, zu einem Faden „verdreht“. Aus den gesponnenen Fäden auf drei Spulen habe ich das Garn hergestellt. Die Hüttenschuhe sollen ja ein Weilchen halten und ihre Besitzer gut über denn nächsten Winter bringen. Den Entwurf habe ich auch schon fertig. Damit es nicht so langwelig wird mit dem weißen Garn, wird es ein Zopfmuster geben.

Aus der Wolle meines Patenschafes

Mit dem Dreifachgarn bin ich sehr zufrieden. Es ist runder, stabiler und dennoch weich. Meine Sockengarne werde ich auch so herstellen, allerdings vierfach verzwirnt aus dünneren Fäden. Das macht zwar etwas Arbeit, aber die lohnt sich. Wie das dann geht, beschreibe ich ein andermal. Vielleicht.

Ich bin sehr froh, dass mich das Spinnen und die Wolle wieder „eingeholt“ haben. Das erdet mich immer etwas und am Ende kommt noch Nützliches heraus. Bald bekomme ich wieder neue Wolle von meinem Patenschaf. Also Materialknappheit wird es nicht geben. 

Probestricken mit dem Dreifach-Garn

Ich habe heute arg mit mir zu kämpfen, denn in mit tobt Wut, Ekel, Traurigkeit, … alles durcheinander. Wieder gibt es einen Krieg mehr, wieder brennt es lichterloh und wieder sterben Menschen. Was haben solche Aktionen in der Vergangenheit denn gebracht? Und wem tatsächlich?

Nein, ich rege mich jetzt nicht auf. Nicht hier. Ich freue mich lieber darüber, dass ich mein Garn fertig habe. Herr E. hat den Zwergahorn und einen Flieder vor dem Haus verschnitten und mit einer Mitbewohnerin aus dem Haus den Verschnitt gleich ordentlich entsorgt. Es tut halt gut, etwas zu tun nicht nur für sich selbst.
Mein Rollstuhl ist auch wieder ganz. Ich hoffe, das bleibt auch so und ich kann den Stubenarrest beenden.

Weihnachten im Schafstall

Lächeln bewirkt angeblich nicht nur eine Veränderung des Gesichtsausdrucks, sondern führt auch dazu, dass das Gehirn Endorphine produziert, die körperliche und seelische Schmerzen verringern und das Wohlbefinden steigern. (Wikipedia)

Weihnachten im Schafstall hab ich mir immer gewünscht. Heubündel als Sitz, Glühwein, Kinderpunsch, Tee, alte Stalllaternen (die gehen mittlerweile auch ohne offenes Feuer), Schafe und viele, viele Geschichten. Ich habe das nicht geschafft.

Meine Version jetzt von "Weihnachten im Schafstall"

In der Zeit, wo es hier sehr still war, habe ich mich trotzdem beschäftigt, nur nicht mit Schreiben und vor allem nicht mit Auftreten in der Offentlichkeit.
Ich habe Hüttenschuhe gefertigt und schon verschenkt, mir Socken gestrickt und Schafe gefilzt für mein ureigenes kleines Weihnachten im Schafstall.

Da sind sie nun und wenn ich sie mir die kleine Gruppe anschaue, dann muss ich lächeln. Insofern habe also alles richtig gemacht, denn jedes Lächeln gibt Kraft. Und jetzt fallen mir auch gleich zig Geschichten dazu ein.

Das Mutterschaf strickt. Ihr Sprößling wurde schon eingekleidet. Und so saust das Kleine ständig raus aus dem Stall und wieder rein. Es hüpft und freut sich seines Lebens. Seine Mütze gefällt ihm, nur wird er die Ohren noch darunter stopfen.

Der Papa musste Wolle abgeben. Deshalb ist er auf dem Rücken etwas zerrupft. Obwohl er meist die Ruhe selber ist, brummelt er manchmal.
Man hat es eben nicht leicht, wenn dauernd Wolle gebraucht wird. Aber was will man machen. Und so darf das Strickschaf ab und an neben sich greifen und Wolle zupfen.

Der Schafpapa muss Wolle spendieren

Morgen kommen meine Tochter und einen Tag später mein Sohn. Wir müssen in diesem Jahr unser Jahresendtreffen vorziehen. Das ist auch gar nicht schlimm, Hauptsache wir treffen uns und haben eine gemütliche Zeit mit einander. Ich freue mich, so wie in jedem Jahr, sehr auf die beiden. Die älteste Tochter wird uns fehlen.

An Weihnachten im Schafstall kommt ersteinmal ein Haken dran und ich überlege daher schon wieder, was ich jetzt mal mache. Irgendwas wird mir einfallen, denn sonst ist das Nachdenken über die Welt zu belastend.
Ich wünsche allen eine schöne Woche. Bleibt gesund oder werdet es schnell wieder und organisiert euch immer ein kleines Lächeln.

Mit spitzer Nadel mit Widerhaken

Gerade jetzt ist es mir mal wieder klar geworden, wie wichtig Ruhe ist. Keinerlei Lärm, keinerlei Aufgeregtheiten, keinerlei Gerede, Stille. Internet bleibt aus, eigene Aktivitäten ebenda sind heruntergefahren. Ich brauchte das, um mit dem neuen Medikament klar zu kommen und Vertrauen zu haben, dass es schafft, mein Rheuma in die Schranken zu weisen. Nebenwirkungen gibt es und ich hoffe, dass die Zeit für mich spielt. Also durchhalten.
Weil ich nicht die Hände und Füße stillhalten kann, habe ich die Filznadeln und Wolle ausgekramt und mich mal wieder dem Nadelfilzen gewidmet. Die spitze Nadel mit Widerhaken, das ist meine Filznadel.

Mit spitzer Nadel mit Widerhaken: Nadelfilzen- ein strickendes Schaf

Mit spitzer Nadel ist ein sitzendes und strickendes Schaf erstanden, welches sein Lämmchen einstrickt. Fertig ist es noch nicht, denn ich will noch zeigen, wo die Wolle oder das Garn herkommt. Ist das dann geschaft, gebe ich mir mal mehr Mühe mit einem Foto. Für heute soll das reichen.

Die Tätigkeit hat dafür gesorgt, dass ich meine Denke wieder gut gebrauchen kann. Nicht nur das Medikament machte mir zu schaffen, sondern auch die Sorge um meine Familie am anderen Ende der Welt. Alle sind US-Bürger, aber man weiß ja nie, was noch passiert. Es ist immer gut, einen Plan B zu haben und meine Familie hatte einen. Man könnte ja auch in das Land der Familie des Schwiegersohnenes gehen, aber der orange Mann schlägt gerade mal wieder um sich, bedroht das Land und erwägt auch militärische Invasion.

Dann eben Plan C. Das heißt, meine Tochter kommt nach Deutschland zurück. Und gerade in alle Überlegungen patzt so ein arroganter „Geist“ mit seinem Geningel über das Störende im Stadtbild. (Er kann mich ja mal besuchen und dann könnte ich ihm mal sagen, was mich am Bild meiner Stadt so stört.)
Es hilft nix, wir werden halt weiter denken müssen.

Ich arbeite jetzt gleich an der dritten Figur weiter. Wenn die Nadel in die Wolle trifft, dann entsteht ein Geräusch, als ob jemand neben mir Möhren schnurpst. richtig beruhigend ist das. Und genau das tut gut. Ein Möhren schnurpsender Mensch ist mir auf alle Fälle viel lieber als der Orange mit der Abrissbirne oder der mit dem Pürzel auf der Hohen Stirn.

Ist der Plan auch gut gelungen …

… verträgt er doch auch Änderungen

Zuerst brauche ich immer einen Plan. Das kann einfach dahin gekritzelt sein, aber ich brauche meine Arbeitsgrundlage.
Hüttenschuhe kann ich nicht zweimal stricken, also habe ich ein ganzes Weilchen überlegt, wie ich sie diesmal fertige. Ich entschied mich dafür, vorne ein Zopfmuster zu stricken. Damit ich es nicht wieder vergesse, hab ich mir eine Skizze gemacht.

der ursprüngliche Plan

Für die Hüttenschuhe hatte ich Wolle vom Jacobsschaf geordert. Sie ist recht stabil, aber trotzdem weich. Es muss alles schließlich wieder ein Jahr halten.
Die Wolle war im Kardenband, drei Farben in Strängen zusammengefasst. Humbug nennt man dann das kardierte Ergebnis. Nach dem Spinnen hatte ich aber plötzlich ein Problem und so erforderte der Plan Änderungen.

Ich hätte schon meinen geplanten Zopf stricken können, aber in dem scheckigen Garn wäre er nicht zur Geltung gekommen. Also setzte ich mich wieder ans Spinnrad und produzierte noch cremfarbiges und schwarzes Garn, nachdem ich mir einen neuen Plan zusammengehirnt hatte.
Die Zopfmuster-Idee gibt es halt das nächste Mal mit weißem Garn.

Zofpmuster fand ich im mellierten Garn nicht mehr gut- also Plan ändern

Jetzt konnte die Strickerei wirklich losgehen. Ich musste immer mal eine Pause machen, denn das dicke Garn war nicht so leicht zu verstricken. Noch dickere Nadeln wollte ich nicht nehmen, denn es sollte ja dicht werden. Schuhe sollten es werden und kein Kuschelschal.

Ganz fertig bin ich noch nicht. Es müssen noch außen Sohlen dran und weiche Lammwollsohlen hinein. Ich denke, dass der Beschenkte warme Füße haben wird, ohne im „eigenen Wasser“ zu stehen.
Mein neues Rheuma-Mittel sorgte dafür, dass meine Gelenke in den Händen ihre Steifheit verloren und gut durchhielten. Das ist eine richtig gute Nachricht. Ich freue mich und hoffe, dass es so bleibt.

„Ist der Plan auch gut gelungen, verträgt er doch auch Änderungen.“ Dieser Spruch war zu DDR-Zeiten allgegenwärtig. Es klappte vieles nicht so, wie ursprünglich gedacht. Und so wurden wir zu ganz guten Improvisations-Künstlern. Manchmal machte das aber auch recht zufrieden.

Die Schafe in dem Watte-Meer

Ein netter Kommentar von Roswitha hat mich daran erinnert, meine Schafgeschichten weiter zu schreiben. Schafe waren eine Zeit lang meine täglichen Begleiter. Ich habe sie beobachtet und ihr Verhalten kennengelernt. Nach einem Weilchen konnte ich ihr Vertrauen gewinnen und bekam ihre Zuneigung zu spüren. Das tat gut, beiden Seiten wahrscheinlich.

In meinem Rucksack steckte so allerlei, wenn ich zu den Schafen ging: eine Pinzette und Betaisadona, falls mal wieder ein Fremdkörper in der Hütehund-Pfote steckte, Wasser, ein Messer, … Nur eines hatte ich nicht: eine Kamera. Und weil es kaum Fotos gibt, beschreibe ich eben mal ein besonderes Ereignis, welches mich bis heute bewegt.

Eines Tages im Herbst war ich auf einem Feld eines Bauern unterwegs. Es war ein ganz ordentlicher Sturzacker, aber die Schafe durften den Auswuchs der letzten Feldbestellung fressen. Das machten sie gern und ganz nebenher düngten sie das Feld und mit ihrem goldenen Tritt sorgen verbessern sie den Boden. Schafe sind Paarhufer und schwer genug, mit ihrem Gewicht auf die Klauen, die Erde zu verfestigen. Gleichzeitig sind sie aber leicht genug, sie nicht zu verdichten.

Herbstzeit - unterwegs iim Nebel
Das Feld im Nebel

Es war neblig als wir loszogen. Meine Haare hingen mir bald in feuchten Strähnen ins Gesicht und die Füßen zierten dicke Erdklumpen an den Schuhen. Meine Hände waren immer schmutzig, wenn ich bei den Schafen war, denn irgendwas war immer. Elegant ist anders, aber ich fühlte mich da draußen mit den Tieren sauwohl. (Oder sollte ich eher „schafwohl“ sagen?)

Die Luft war kühl und roch nach Erde. Es tat gut, so richtig mit Bedacht ganz tief durchzuatmen. Über uns zogen Scharen von Vögeln hinweg und in den Bäumen am Feldrand zankten sich einpaar Krähen. Ansonsten war eine wunderbare Stille, welche nur ab und an von einem „Määäh“ durchdrungen wurde. 

In dicken zerfransten Schwaden waberte der Nebel über das Feld. Im Laufe des Vormittags bemerkte ich, wie sich oben am Himmel der Nebel lichtete. Die Sonne war zu sehen, zuerst verhalten und dann immer stärker. 

Wie ein Vorhang aus milchigem Dunst senkte sich der Nebel der Erde entgegen. Und plötzlich, im Gegenlicht, sah es so aus, als stünden die Schafe in einem Meer aus Watte. Nur der Rücken und der Kopf der Tiere war zu sehen. Die Lichtstrahlen der Sonne, die die Erde erreichten, verwandelten die Landschaft mit den Schafen in ein wunderbar geheimnisvolles Bild. 

Wie friedlich und ruhig das aussah! Dieses Bild vergesse ich nie wieder, auch wenn ich kein Foto davon besitze.
(Die Schafe unten auf dem Bild stehen zwar auch auf einer nebligen Wiese, aber an der Nordsee. Das Foto hat meine Tochter gemacht.)

Ich bin froh, dass Roswitha mich an das Schreiben erinnert hat. Und so kann ich wieder eine Schafgeschichte in den Sammel-Ordner legen

Schafe unterwegs im Nebel
Foto: S. Schröder

Wolle, Wolle, Wolle. Wärmendes auch für die Seele.

Die Begegnung mit den Schafen am letzten Wochenende hat mir gut getan, so gut, dass ich wieder Lust bekam auf mein Spinnrad und Wolle. Islandwolle habe ich versponnen. Sie duftete noch ein bissel nach Schaf. Mir gefällt das, weil ich mir dann vorstellen kann, unter ihnen zu sein. Schafe haben mir vor vielen Jahren meinen Lebensmut zurückgegeben und die Beschäftigung mit der Wolle sorgt auch jetzt dafür, dass mich Glück durchströmt.

Ich möchte mit dem Weben beginnen und die Kettfäden werden aus Islandwolle sein. Die Wolle ist nicht weiß, eher grau, aber wunderbar weich und dennoch strapazierfähig. Aber auch andere Projekte galt es zu planen und zu machen. Und jedesmal ist das wieder ein kleines Abenteuer und eine gr0ße Freude, wenn es fertig ist zum Verschenken.

Garn aus der Wolle der Islandschafe
„Wolle, Wolle, Wolle. Wärmendes auch für die Seele.“ weiterlesen

Sophie Scarf, eine Wärmflasche und eine neue Spindel

Ein Rheumaschub und eine Zahn-OP zwangen mich mal wieder dazu, die Füße etwas still zu halten. Ein Problem ist das nicht, denn beschäftigen kann ich mich immer und ganz gut. Diesmal habe ich gestrickt für meine Töchter. Bis Weihnachten will ich nicht warten und werde das Gestrickte jetzt verschenken.
Bei der einen heißt das Produkt „Sophie Scarf“, bei der anderen ist es eine neue Hülle für die Wärmflasche. Selbstgesponnenes Garn habe ich noch reichlich. Es wird mal wieder Zeit, davon etwas zu verarbeiten.
Also los!

Strickutensilien

Sophie Scarf gibt es nicht im Laden zu kaufen

Bei meiner Reise nach Kalifornien hab ich mir dort Garn gewünscht. Ich musste meine Hände beschäftigen. Wollgarn gab es keines, Acrylgarn aber schon und dazu war es auch noch teuer. Ein Knäuel habe ich mit nach Deutschland gebracht, aber da lag es nur rum. Bis jetzt.

Meine jüngste Tochter mag keine Schafwolle. Als ich aber ein Gestrick der dänischen Designerin Mette Wendelboe Okkels entdeckte, wusste ich, wie ich das Acrylgarn verarbeiten kann. Ich strickte für meine Tochter den Sophie Scarf, den man nicht kaufen kann und den es nur selbstgestrickt gibt. Was das ist und wie eine Dänin mit dem Stricken ein Millionenpublikum erreicht, kann man hier nachlesen.
Und meine fertigen Schals gehen jetzt auf die Reise.

Eine Wärmflasche bekommt einen neuen Bezug

Ich fragte meinen Sohn, ob er seine Wärmflasche mit Bezug noch hat. „Ja, irgendwo, aber ich habe ja eine Wärmedecke.“
Schön. Da bereiten sich die Leute auf Krisen vor, kaufen Feuerzeuge, Kerzen, Wasser… Und was, wenn es mal keinen „Strom aus Wand“ gibt? Also, meine Wärmflasche verborge ich nicht. 🙂

Vor über 20 Jahren hatte ich meiner ältesten Tochter eine Wärmflasche geschenkt und einen Bezug aus selbstgesponnenem Garn im Zopfmuster gestrickt. Sie ist genau so eine Frostbeule wie ich und hat sich gefreut über ihr Geschenk. Ich hatte das längst vergessen und konnte es gar nicht glauben, dass es Wärmflasche und Bezug noch gibt.

Als meine Tochter in die USA auswanderte, nahm sie Wärmflasche und Bezug mit. Nach den vielen Jahren im Gebrauch sah der Bezug nun arg „zerfleddert“ aus und hatte schon Löcher. Ich schickte ihr eine neue Wärmflasche mit einem Fertigbezug. Sie schrieb mir dann, dass der Enkel Schafwolle liebt und lieber die Wärmflasche mit dem ledierten Bezug nimmt. Nun, da musste ich ran!
Ein neuer Bezug ist jetzt fertig und kann auf Reisen gehen.

Und was ist nun mit der neuen Spindel?

Bald kann ich mein Patenschaf beim Nabu in der Nähe von Leipzig besuchen. Ich bekomme auch Wolle aus der letzten Schur und aus der soll dickeres Garn werden für einen Teppich. Solch dickes Garn schafft mein Spinnrad nicht. Ich hätte mir einen anderen Spinnkopf kaufen müssen, mit größeren Haken und mit einem großen Einzigsloch. Das kostet ordentlich und so wollte ich das nicht.

Ich beschloss, mein Garn so herzustellen, wie es die Navajo-Indianer immer noch machen und bestellte mir bei „Das Spindelhaus“ eine Navajo-Spindel. Sie ist da und wenn ich dann die Wolle von den Leineschafen habe, werde ich es genau so machen, wie mein großes Vorbild Clara Sherman. (Achtung: Link führt zu YouTube. Das Video ist aber schön auzusehen und entspannt.) Clara Sherman ist 2010 verstorben, aber ihr Bemühen, die alten Traditionen zu bewahren und zu zeigen, leben fort. Zu gerne hätte ich die Navajos mal besucht, aber ich werde wohl nicht wieder in das Land reisen. Schade.

„Wo eine Navajo-Spindel ist, ist ein Webstuhl nicht weit“, besagt ein Spruch. Stimmt und ich freue mich sehr auf das Neue und was daraus entstehen kann.

Es war einmal – ein altes Garn.

Vor langer, langer Zeit trug es sich zu, dass ich in meinen ersten Spinnversuchen ein Garn gesponnen hatte. Es war nicht schön, eher ungleichmäßig, mal dicker und mal dünner und schließlich mit unterschiedlichen Drall gezwirnt. Die Wolle stammte aber von einem Lieblingsschaf. Ich konnte es nicht wegwerfen. Auch war ich damals froh, dass es überhaupt ins Spinnrad „hinein lief“. Und so bunkerte ich es ein in meiner Wollkiste und hatte es fast vergessen.

Ich brauchte Hausschuhe. Sie sollten schön warm halten, den Füßen alle erdenkliche Freiheit bieten und keine Seenlandschaft um die Füße verursachen, wie so manche gekauften es getan hatten. Mir fiel mein uraltes Garn aus dem vergangenem Jahrhundert (Ha, wie das klingt 😀 ) in die Hände. Jetzt hatte ich eine Idee und es konnte etwas daraus werden.

Hausschuh aus selbstgesponnenem Garn, gestrickt und bestickt.

Zuerst wollte ich wieder Fair Isle Muster stricken, aber ich hatte keine geigneten farbigen Garne. So strickte ich eben alles in Weiß und stickte die Farbe oben auf. Es war ganz schön fuddelig, aber ich glaube, die Mühe hat sich durchaus gelohnt.
Die Sohlen stelle ich inzwischen selber her, aus Filz und rauhem Reder. Es rutscht nicht und läuft sich dennoch wie auf einer Wolke.

Die Sohlen für die Hausschuhe mache ich selber.

Ich bin zufrieden und glücklich und meine Füße sind es auch.
Das Garn vom Lieblingsschaf hat nun endlich seine Bestimmung gefunden.
Sag ich es nicht immer? Man kann aus allem etwas machen.

Ich habe fertig

Ich freue mich immer, wenn ich ein Projekt fertig habe, aber gleichzeitig treibt es mich gleich wieder um, was als nächstes kommt. Zwar verabschiedet sich der Winter gerade, aber der nächste kommt ganz bestimmt.

Getestet habe ich alle Teile. Sie halten behaglich warm und nichts kratzt oder stichelt. Alles ist jetzt mottensicher verpackt und kann sich ausruhen bis zum nächsten Winter. Die Socken brauche ich allerdings noch, zur Physio.

Die Muster sind wirklich schön, aber sie zu stricken nicht so gleich. Da konnte man die Strickerin schon mal ordentlich fluchen hören.
Die Mütze habe ich nochmal gemacht. Die erste gefiel mir nicht so. Die Zweite hat nun auch ihre Quaste.

Man hat immer mindestens zwei verschiedenfarbige Fäden auf dem Finger, darf nicht in der Strickschrift verrutschen und muss die Fadenspannung halten. Zu Beginn habe ich mir fast die Finger verknotet, aber Übung macht bekanntlich den Meister. Es wurde immer besser.

Auch das Einweben der Fäden auf der Rückseite des Strickstückes war dann kein Problem mehr.
Ich kann mich noch an meine ersten derartigen Socken erinnern. Die konnte keiner anziehen, weil ich die Fäden auf der Rückseite so straff gezerrt hatte, dass sich nichts dehnte und nachgab. Nun ja, die bittersten Erfahrungen sind die nachhaltigsten, sagte meine Mutter immer.

Zählmuster

Es war aber alles eine gute Übung für mich, denn im Sommer zeigt mir meine Freundin Jutta wie man Pullover mit Rundpasse strickt. Und dann geht die Zählerei wieder los (und das Fluchen garantiert auch, nebst gelegentlichem Trennen).

Und nun, nachdem es fertig ist?
Nun stricke ich mir Sommerhausschuhe und ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr viel Zeit habe. Der Gastkater strolcht schon wieder länger draußen herum und Meisi versucht seiner Holden, ein Eigenheim schmackhaft zu machen. Bitte, bitte, Frau Meise, hör auf ihn. Ich habe nämlich vom Balkon einen feinen Blick auf den Nistkasten.

es wird Frühling