Ein Strohhalm, oder besser Grashalm, und warum er für mich wichtig ist.

Meiner Freundin hatte ich am Sonntag auch erzählt, dass ich mich nach der Schule gerne im Schlosspark, auf den Wiesen der Pleißenaue oder an der Pleiße aufgehalten habe. Das machte den Kopf frei und sorgte für Leichtigkeit und Kraft für das, was noch kommen kann.

Schafgarbe

Über so vieles kann man schreiben, oder auch nicht.
Bei mir sind es oft Schafgarbe und andere Wildkräuter, Wolle und ähnliches. Warum? Weil ich mich daran festhalten kann. Nein, ich bin nicht die ewig starke Frau. Keiner ist immer stark. Man braucht manchmal einen Strohhalm, der in meinem Falle auch mal ein Grashalm sein kann.

Es ist gut, wenn man einen Strohhalm hat, an den man sich klammern kann. Strohhalm, das sagt schon viel. Er ist nicht aus Stahl, ist nicht in der Lage, einen hochzuheben, aber er kann genau das kleine Stück Kraft sein, welches man braucht, um das selber zu tun, in den verschiedensten Lebensumständen.

der berühmte Strohhalm kann auch ein Grashalm sein
Wiesenstrauß, mitgebracht aus Windischleuba. Er ist immer noch frisch und sehenswert.

Es kommt schon vor, dass man unangenehme oder schlimme Situationen erlebt, die man so weder erwartet und schon gar nicht so geplant hat. Aber sie sind da und man hat nur zwei Möglichkeiten, entweder sich zu ergeben oder eben nach einem Strohhalm zu greifen. In solcher Situation erst danach zu suchen ist mühselig und manchmal auch nicht ohne Hilfe und Unterstützung möglich. Deshalb war ich immer dafür, damit zu beginnen, wenn es einem gut geht. Und das schon so zeitig wie möglich, im Kindergarten.

Färberkamille
Wie eine Sonne und in der Mitte sind wieder welche, viele.

Ich habe mir nach einem solchen „Bombeneinschlag“ im Leben mein Kräuterkörbchen gegriffen und bin losgezogen. Seitdem begleiten mich Kräuter ständig. Schafe habe ich getroffen auf der Kräutertour. Die Liebe zu diesen Tieren ließ mich nie wieder los, denn sie haben mich gerettet. Ich suche immer gern ihre Nähe. Und dann ist da noch die Wolle.

Das Spinnrad war das Letzte, was ich vor dem Umzug verpackt habe. Manchmal saß ich mitten in meinem „Spittel“ und Kisten und habe erstmal eine Runde gesponnen. Das tat gut, machte den Kopf frei und verscheuchte trübe Gedanken. Ratet mal, was ich als erstes ausgepackt habe?

Es ist nicht alles grau wenn man genau hin sieht.

Meine Kräuter und meine Wolle haben mich auch ganz gut durch die Kontaktbeschränkungen in der Corona-Krise gebracht. An Ideen, trotzdem Kontakte zu haben, über Telefon, Netz u.a fehlte es mir nicht. Ich habe auch ganz neue Dinge ausprobiert. Wahrscheinlich müssen wir uns darauf einstellen, dass das nicht das letzte Mal war, dass so etwas passiert. Es würde mir nicht besser gehen, wenn ich mich auflehne, ignoriere. Davon lässt sich das Virus nicht beeindrucken. Und meine Befindlichkeiten auch nicht.

Ordnung ist das halbe Leben, die andere Hälfte ist anders.

Die nun etwas andere Lebensweise haut mich nicht aus der Bahn. Schlimmer finde ich all die Schreihälse, die gegen alles und jeden wettern. Mal für etwas sein, ein Statt-Dessen, natürlich auf der Basis des Grundgesetzes und bestehender Gesetze formulieren das fände ich ja noch in Ordnung. Dann könnte man reden.

Gar nichts mehr hören will ich von der angeblichen Einschränkung der Freiheit, will auch nicht mehr zeitvertrödelnd über Halbwahrheiten nachdenken und schon gar nicht über krude Theorien. Ach was, Theorien sind es ja gar nicht. Streiten werde ich auch nicht. Ich habe das Gefühl, dass dann einige erst die Aufmerksamkeit bekommen, die ihnen vielleicht sonst etwas fehlt. Aber sagen, dass das nicht meine Hochzeit ist und ich nicht tanzen werde, das muss ich schon.

Über meine Kräuter werde ich natürlich hier im Blog weiter schreiben, auch über Wolle und Selbstmachprojekte, über Dinge, die ich gerne verändern würde, halt über meinen Strohhalm. Meine Geschichten mit allem Drum und Dran möchte ich erzählen. Nein, ich bin keine Häkel-Oma, wie mal jemand meinte. Wem es hier nicht gefällt, der bleibt weg. Wer nichts zu sagen hat zu so etwas Profanem, der schweigt eben. Wer es immer ganz eilig hat und wenig lesen will, der muss zu anderen Medien wechseln.

Wenn aber jemand gerne kommt auf einen Plausch, dann ist er herzlich willkommen.

11 Gedanken zu „Ein Strohhalm, oder besser Grashalm, und warum er für mich wichtig ist.“

  1. Gudrun, jetzt bringst du mich ja „ernsthaft“ in Gewissenskonflikte, indem du mir eine wunderschöne zweifarbige lila Blüte zeigst, aber eine nicht minder schöne kräftige gelbe. Namen und genauere Einzelheiten will ich gar nicht wissen – ich „liebe“ ja mit den Augen.
    Du wirst es kaum glauben, aber der heutige Favorit heißt: Gelbe Strahlesonne, nein -blüte.
    Wunderschön!!!!!
    Mit Gruß von Clara

    1. Danke, liebe Clara. Jetzt habe ich endlich wieder Nerven, mich mit der Kamera zu beschäftigen. Fertig bin ich da noch lange nicht. Die „Umzugswochen“ bei Gudrun E. ließen das nicht zu.
      Grüße zu dir.

  2. Chapeau Gudrun!

    Das hast Du wirklich wunderbar geschrieben und ich habe es mit Freude und Genuss gelesen, wie viele Deiner Geschichten. Nicht alle zwar, aber sehr, sehr, sehr viele – bis hin dazu, dass einer Deiner letzten Beiträge Inspiration zu einer kleinen Beitragsserie werden wird, auf der ich gerade herumdenke, und in der es um das Wort „Heimatgefühle“ gehen wird.
    Zu anderen Deiner Themen kann leider ich eher wenig beitragen – z.B. zu allem was mit Wolle zu tun hat – aber das geht Dir vermutlich bei den Technikthemen auf meinem Blog sehr ähnlich.
    Was ja auch nicht schlimm ist.
    Jeder hat seine Vorlieben und genau das macht die Vielfalt aus, die Blogschreiben und Bloglesen erst interessant macht…..

    Und bevor ich es vergesse:
    Deine Bilder sind auch immer ziemlich klasse und so ist es auch nicht schlimm, wenn mich eines Deiner Themen mal nicht so fesselt. Dann bin ich trotzdem nicht umsonst gekommen, weil es meist auch was Tolles zu gucken gibt. 🙂

    1. Naja, der Techniker bin ich wirklich nicht. Ich gebe aber auch zu, dass ich manchmal keine Ausdauer und manchmal auch keine Lust habe, mich damit zu beschäftigen. Ich wüsste aber, wen ich fragen kann. Ja. Diner wohnt im Norden.

  3. Näää…Häkel Oma bin ich nicht, war ich aber früher (ohne Oma) und mit Wolle kenne ich mich auch nicht aus, obwohl ich schon zig Jahre nach einem schicken Wollpulli schaue, so ganz in Naturfarbe. Noch keinen gefunden.
    Die Schafgarbe wächst in meinem Garten, aber die wilde Möhre mag ich noch viel lieber. Dieses Jahr sehe ich wenige Insekten in meinem Wildblumenbeet…warum auch immer und die Schmetterlinge fehlen ebenfalls.
    Ich schreibe hier nicht oft, da es noch andere Naturblogs gibt und da lese ich ebenfalls nur und staune.
    LG Mathilda <3

    1. Stimmt, Insekten gibt es weniger. Das ist mir auch aufgefallen.
      Mein Insektenhotel habe ich mitgenommen in die neue Wohnung. Mal sehen, ob da etwas schlüpft.
      Liebe Mathilda, dir schicke ich liebe Grüße. Es war schön, von dir zu hören.

        1. Schützt du das auf irgendeine Art und Weise? Wir haben unsere eigenhändig in die neue Wohnung getragen, damit nichts passiert. Mal sehen, was da vielleicht schlüpft im nächsten Jahr.

          1. Nein, die hängen alle draußen an der Südwand und alles gut verschlossen. Ein kleines steht auf der Fensterbank, das sind gehörnte Mauerbienen. Im Frühjahr habe ich meine Freude daran, wie sie aus ihren Röhren kommen.

  4. Statt immer nur zu wettern, könnte man ja auch mal versuchen, was Positives aus dieser Situation zu ziehen oder auch mal darüber nachdenken, ob es ein weiter wie bisher geben muss, soll…. Ich glaube, das die Leute, die jetzt am lautesten krakeelen, mit ihrer eigenen Hilflosigkeit nicht umgehen können und statt sich damit auseinanderzusetzen, bölkt man halt rum. Ist ja einfacher, als sich auch mal selber Fragen zu stellen.
    Die Wilde Möhre hatte ich neulich auch vor der Linse… schöne Pflanze.

    1. Deine wilde Möhre hab ich gesehen. Ein schönes Foto. Es hat mir sehr gefallen.
      Ich sehe auch Chancen, die sich durch die Situation jetzt auftun. Es gibt gute Ansätze, den Umgang miteinander neu zu organisieren. Bei mir im Haus hängen Hilfsangebote. Es wird sich bestimmt einiges ändern, in der Bildung z.B.(die Digitalisierung ist nicht mehr wegzureden, der Mangel an qualifizierten Lehrern auch nicht), im Arbeitsumfeld, in Lebensgewohnheiten. Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass das zum Vorteil aller sich gestaltet. Es hängt aber eben auch von allen ab, in welche Richtung sich das entwickelt.

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