Ich probier’s mal mit Gemütlichkeit.

Auch bei uns liegt jetzt ein bisschen Schnee. Der Wacholder vor dem Balkon hat ein Schneemützchen bekommen. Als es noch warm war, hat mir Herr E. einige Spitzen von dem Wacholder vor dem Haus mitgebracht. Die habe ich getrocknet und in ein Gläschen gefüllt. Und genau die Wacholderspitzen brauchte ich jetzt dringend für ein bisschen Gemütlichkeit. Mir ging es nicht gut.

der Wacholder vor dem Haus wird efür ein bisschen Gemütlichkeit sorgen.

Räuchern von Kräutern für Ruhe und Gemütlichkeit

Schon viele Jahre habe ich mich damit beschäftigt, welchen Einfluss Ruhe, Gemütlichkeit und Wohlfühlmomente für einen Einfluss auf unsere Gesundheit haben. Es gibt viele Puplikationen dazu, aber auch zu den Auswirkungen von negativen Stress. Ich glaube, dazu haben wir in den letzten Jahren und Monaten genug abbekommen. Wenn die Auswirkungen richtig reingewurzlt haben, ist es schwer, wieder in die Spur zu kommen. Also fand ich es immer wichtig, dann zu suchen, wenn es einen gut geht. Nicht alles gefällt, also muss man sich und die „Dinge“ausprobieren.

getrocknete Wacholderspitzen

Die getrockneten Spitzen vom Wacholder habe ich in einem Gläschen gesammelt. Mit so allerlei Kräutern hatte ich noch einiges vor. Gut, dass ich im Sommer und Herbst einige Lieblingskräuter gesammelt habe. Jetzt brauchte ich sie.

Meine Tochter hatte mir beim letzten Besuch ein Stövchen mit gebracht zum Räuchern. Die getrockneten Kräuter werden hinein gelegt und das Teelicht im Stövchen erwärmt sie, ohne sie zu verbrennen. Und dann zieht ein wunderbarer Duft durch das Zimmer.

Räuchern für Ruhe und gemütlichkeit

Ich hatte mir ein Stövchen von „Sonnentor“ gewünscht und irgendwo habe ich auch noch ein Teelicht gefunden. Einige Kräuter habe ich schon ausprobiert. Melisse und Wacholder fand ich besonders gut. Dem Wacholder ist es auch tatsächlich gelungen, mich zur Ruhe und Gelassenheit zu bringen. Nach dem gestrigen Tag brauchte ich das auch dringend.

Darum ging es mir nicht gut

Zwei Jahre schwebte der Vorwurf des Antisemitismus über einem Hotel, einem Mitarbeiter, über Leipzig, Ostdeutschland und Sachsen. Das Video mit den Beschuldigungen ging viral und der beschuldigte Mitarbeiter erhielt Morddrohungen, sein voller Name kursierte im Netz, und er musste sich vorübergehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Sein Arbeitgeber brachte ihn und seine Lebensgefährtin in einer anonymen Wohnung unter, um ihn zu schützen. Es folgte eine Demo vor dem Hotel und überall im Netz wallte Empörung hoch. Gestern, im Prozess, stellte sich alles als Lüge heraus und der, der sie in die Welt gesetzt hat, entschuldigte sich. Der Hotelmitarbeiter nahm die Entschuldigung an, aber ganz ehrlich, es müssten sich noch viel mehr Leute entschuldigen.

Den Namen des Sängers mit den Lügen nenne ich hier nicht. Ich will ihn lieber vergessen. Man kann es auch nachlesen. Es ist genug Schaden entstanden.  Sogar am anderen Ende der Welt wurde darüber geschrieben, wie unmöglich es in Leipzig ist. In Leipzig! Wo die Stadt so anders ist als manche anderswo. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt darüber schreibe, aber ich tue es. 

Ich werde jetzt mein Stövchen noch einmal anmachen, mich in meine Decke kuscheln und die Gemütlichkeit genießen. Uns allen wünsche ich Besonnenheit und den Mut, da was zu sagen, wo es nötig ist. Ich bin sehr froh, dass es in diesem Lande möglich ist, nach der Wahrheit zu suchen und dann zu urteilen. Genau das ist es nämlich, was ich schätze und worüber ich froh bin, hier zu leben.

14 Gedanken zu „Ich probier’s mal mit Gemütlichkeit.“

  1. Die traurige Geschichte mit dem unfassbaren Ausgang hat auch bei uns die mediale Runde gemacht.
    Der prominente Lügner hat immensen Schaden angerichtet, der nicht wieder gut zu machen ist.
    Ich kann nur ahnen, wie es dir und euch im Umfeld dieser Lügen- und Vorverurteilungsgeschichte geht.
    Ich hoffe, Wachholder und andere Kräuter mögen etwas wohltuenden Rauch über das Gewesene legen…
    Einen lieben Gruss,
    Brigitte

    1. Der Schaden ist groß, ja. Auch für die Gruppen, denen unser besonderer Schutz gilt, meiner ganz besonders. Es ist richtig, Flagge zu zeigen gegen Antisemitismus, aber nicht gegen einzelne Menschen, von denen nicht mal erwiesen ist, ob sie so aufgetreten sind, wie von dem Sänger behauptet. Es ist gut, dass sich das Gericht so viel Mühe gemacht hat, die Sache aufzuklären.

      Ich mag solche Rituale wie das Räuchern sehr und ich liebe meine Kräuter. So ist es oft gut zu schaffen, die Ruhe zu bewahren.

      Liebe Brigitte, ich grüße dich herzlich.

  2. Ich habe es gar nicht so verfolgt und auch nicht gewusst, dass es solche Ausmaße angenommen hat. Aber dieses sofort auf jeden Hasszug springen, ob man Fakten hat oder nicht, zerrt auch an meinen Nerven.
    Räuchern ist eine feine Sache und ich freue mich das du dazu gefunden hast. Das Stövchen gefällt mir gut. Alles Liebe

    1. Das mit dem Hasszug hast du gut beschrieben, liebe Karin. Mir fehlen da manchmal die richtigen Worte. Jetzt rechtfertigen sich viele, weil man doch etwas tun muss gegen Antisemitismus. Ja, unbedingt, aber nicht so! Wenn es mal eine besonnene und gut organisierte Veranstaltung gäbe in der Stadt, dann würde ich das unterstützen.
      Ich habe das verfolgt, auch weil einige sich erdreisteten zu behaupten, wie schrecklich es in Leipzig ist. Genau das ist es nämlich nicht. Ich mag meine Stadt.

      Tee zu kochen und mein Stövchen anzumachen ist eine feine Sache. Ich genieße das sehr. Es wird wohl zu einer festen Wintergewohnheit werden.
      Liebe Grüße on den Norden

      PS: Bei uns ist jetzt auch der Schwabe zu einem guten Brotbäcker geworden.

  3. Ja, leider gibt es auch unter den Promis immer wieder profiliersüchtige (schreibt man das so?) Menschen. Sie wollen sich in den Vordergrund drängen und reißen dann mit den falschen Aussagen, alles ‚mit dem Arsch wein‘ und nehmen unschuldige Beteiligte ungefragt mit.

    Ganz arg liebe, wenn auch extrem gestresste, Grüße aus dem Dorf im wilden Süden.

    1. Ich weiß nicht, ob man das so schreibt, aber ich finde das Wort gut und aussagekräftig. Ich hoffe, dass sich jetzt alles wieder beruhigt und dass es in die richtige Richtung läuft. Ins große Schweigen darf es nicht münden.
      Liebe Grüße zu dir und den beiden Junioren.

  4. Wir sollten mal auf dem Teppich bleiben. Gil Ofarim hat einen schlimmen Fehler gemacht und der hat weitere Fehler nach sich gezogen. Wie das bei Lügen oftmals der Fall ist. Wer noch nie gelogen hat, der werfe den ersten Stein. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist doch, wie sehr das wieder alles von den Medien aufgebauscht wurde und wird. Das ist es, was ich hasse. Und niemand weiß, warum er ursprünglich gesagt hat, was er gesagt hat. Vielleicht noch nicht mal er selbst. Profilierungssüchtig? Das ist eine Möglichkeit, aber vielleicht hatte er einfach nur einen blöden Tag, oder war tatsächlich kurz zuvor noch angegriffen worden. Jetzt kommen aus allen Ecken wieder die Möchte-gern-Psychologen und Moralapostel gekrochen, die Stammtischdiskutierer und Besserwisser. Ich versuche, das gar nicht erst an mich herankommen zu lassen. Die Welt hat doch wirklich andere Probleme.
    Liebe Grüße – Elke

    1. Liebe Elke, nein, einfach abtun kann ich es nicht. Das Motiv von Herrn O. ist mir eigentlich egal. Ich bin Leipzigerin und die ganze Geschichte hat hier große Wellen geschlagen. Es ist viel Schaden entstanden und der ist nicht gut, besonders für die jüdische Gemeinde nicht. Das passiert alles vor meiner Haustüre, die Gespräche mit anderen auch. Menschen, die sich sehr gegen Antisemitismus engagieren, sind in die Irre gelaufen. Das ist nicht gut und es so einfach wegwischen kann ich es nicht. Es war mir schon klar, dass jetzt wieder irgendwoher ein Stürmchen kommt, aber leise sein möchte ich nicht. Andere sind es ja auch nicht.
      Übrigens bin ich keine Hobby-Psychologin. Ich habe einen Abschluss in einem ordentlichen Zeugnis. Aber das nur nebenbei. Alles Geschriebsel in den Portalen lese ich nicht, aber eine Meinung habe ich schon.
      Grüße an dich

  5. Ich habe in einem ähnlichen Gefäß noch nie Kräuter geräuchert, aber darin werden oft Aromaöle (auf Wasser) verdunstet/verdampft. Die Öle wähle ich nach Bauchgefühl, sehr oft sind es Zedernholzöl, Zirbenöl oder Zitrusöle.

    Ich könnte es ja einmal mit Fichtennadeln direkt versuchen …

    1. Oh ja. Und sag dann mal, wie sich die Fichtennadeln machen. Die Wacholderspitzen gehen ja auch. Wo bekommst du deine Aromaöle her? Mir waren die immer zu teuer und deshalb war ich mit Fridolin Kräuter sammeln. Wenn ich mit Schafgarbe räuchere, dann sehe ich die Wiese vor mir.
      Grüße nach nebenan.

      1. Öle gibt es in Apotheken, Drogerien, „Hexenläden“, auf Märkten und und und. (Früher war es oft Schlecker — Du erinnerst Dich? — und jetzt eher Rossmann und DM.)

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