Aus der Umzugskiste: In der Pause wird gezwirnt.

Dinge aussortieren, andere in Kisten packen, fluchen, dass der Rheumaschub jetzt gerade gar nicht passt – da braucht man ab und an eine Pause. Und die tut mir gut, wenn ich mich mit Wolle beschäftigen kann.

In der Pause wird gesponnen und gezwirnt.

Immer mehr Zeuchs wandert in die Umzugskiste.
Meine Freundin hat heute allerdings zwei große Kisten Bücher bei mir abgeholt. Manches brauche ich einfach nicht mehr, denn es ist noch aus meinem Leben als Lehrer. Ich werde das nie wieder unterrichten und die betreffenden Computerprogramme nutze ich nur noch privat. Also, weg mit Büchern und allerlei Papier.

Kisten stapeln sich schon. Da sammelt sich aber auch was an im Laufe der Zeit in einer Wohnung. Gut, es gibt auch Dinge, da wollte man Neues anfangen, etwas ganz anderes ausprobieren und hat dann festgestellt, dass es das nicht ist. Ein Weilchen bleibt es noch liegen und manchmal wird es auch vergessen. Manches wird aussortiert und bei manchem zögert man und packt es in die Umzugskiste. Man kann es ja nochmal versuchen. (Hoffentlich ist das nicht schon wieder der Anfang einer größeren Sammelei.)

Aus der Umzugskiste: In der Pause wird gezwirnt.

Ich brauche immer mal eine Pause. Es ist ja auch noch Zeit bis zum Umzug. Und dann hocke ich mich an mein Spinnrad und wenn das surrt, vergesse ich die Zeit, das Zwacken an den Sehnen, Ämterkram, die Etikette. Manchmal muss ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht pusten. Ach ja, ich habe vergessen, die Haare zusammen und überhaupt zurecht zu machen.

Mein Spinnrad ist das Letzte, was in eine Umzugskiste wandert.

Mein Spinnrad kommt zuletzt in die Umzugskiste.

Zwei Spulen voll hatte ich gesponnen aus der Wolle der Leineschafe. Nun werden die beiden Fäden entgegengesetzt zur Spinnrichtung zusammen gedreht, also verzwirnt. Gebrauchsfertiges Garn entsteht.

Draußen im Innenhof blühen die ersten Akazienblüten auf. Meine Täubchen haben sich zum Vesper eingefunden. Ihnen scheinen jedes Jahr die Blüten zu schmecken und ich rieche sie so gern. Ich hatte gehofft, dass ich zur Akazienblüte noch hier wohne. Und ich hoffe, dass ich in der neuen Wohnung auch wieder Schönes draußen entdecken kann.

die Spule füllt sich mit Garn.

Leise surrt das Rad und langsam füllt sich die Spule. Das fertige Garn nimmt in der Umzugskiste viel weniger Platz weg als meine Rohwolle. Also ist es gut, wenn ich noch einiges wegrödeln kann. Über den neuen Pullover denke ich nach dem Umzug nach. Auch möchte ich wieder einen Teppich knüpfen.

So, genug geschwatzt. Ich mache mal das Garn fertig und dann ist es gut für heute. Ich freue mich über den Tag, an dem ich ruhig vor mich hin werkeln konnte, an dem die Vögel im Innenhof wie wild zwitscherten und die Tauben zufrieden gurrten und an dem nichts auf mich herein prasselte, was mir schwer im Magen liegt.
Morgen geht es weiter.

Lasst es euch gut gehen.

18 Gedanken zu „Aus der Umzugskiste: In der Pause wird gezwirnt.“

  1. Ach, Umzüge sind immer grässlich, finde ich. Ausser wenn man sie wirklich nutzt, um Auszumisten. Wir hatten beim letzten trotzdem 185 Kisten….. Ich wünsche Dir viel Kraft für die kommende Zeit. Irgendwann wirst Du hoffentlich glücklich auf Deinem neuen Balkon sitzen und die neuen Freiheiten genießen.

    1. Das ist wirklich gräßlich. Je mehr weg und eingepackt wird, um so mehr wird die alte Wohnung ungemütlich. Wenn alles in der Neuen ist, werde ich heilfroh sein. Wenn es nur schon so weit wäre.
      Auf den großen Balkon freue ich mich wirklich sehr.

    1. Beides. Alles wird ruhig, alles wird weniger bedrohlich und alles wird einfacher lösbar. Das betrifft auch Dinge, die nicht mit dem Umzug zu tun haben.
      Ich möchte das so gern jedem zeigen, der es lernen möchte.

  2. So ein Umzug ist kein Kinderspiel, besonders, wenn mensch nicht gerade fit ist. Aber wenn es getan, ist es in Regel ja schön und wenn die Anstrengung noch dazu beiträgt, dass es insgesamt besser geht, hat es sich gelohnt. Die Wolle sieht fein aus.

    1. Es wird alles gut. Ich freue mich sehr auf die neue Wohnung, weil sie auch mehr Mobilität für mich entsteht..Ich werde es schon schaffen, mache jeden Tag etwas, begonnen mit wegwerfen, wegschenken, und so. Ich trenne mich gerade von Dingen, die mal sehr wichtig waren in meinem Leben.
      Die Wolle ist inzwischen fix und fertig.

  3. Ja, liebe Gudrun, das Spinnrad zuletzt einpacken! Hab ich auch gemacht bei meinem Umzug, der jetzt schon eine gefühlte Ewigkeit (knappe 10 Monate!) her ist. Und ziemlich schnell wieder auspacken – dann sieht es sofort heimisch aus! Ausgemistet hatte ich schon vieles vorher, wusste ja etwa 2 Jahre lang, dass ich umziehe. Allein die Dinge, die bis zum Schluss in der alten Wohnung gebraucht wurden, aber nicht in der neuen, sind am Ende auf den großen Sperrmüllhaufen gewandert. Aufgehäuft 3 Tage vor Abholtermin mangels Helfer am Tag davor – nach gut 3 Stunden war noch kaum was übrig, das erfreute mich!
    Inzwischen erinnere ich mich fast nie mehr an die alte Wohnung… es gibt hier so viel Neues, Schönes und Interessantes incl. der wunderbaren Nachbarschaft!
    Es wird, mach in Deinem Tempo mit Pausen und ohne Stress, es wird gut!
    Liebe Grüße!

    1. Ich bin noch beim Ausmisten. Mein Lehrerzeuchs ist mir nicht schwer gefallen, wegzuwerfen. Bei anderen Dingen fällt es mir schwerer. Ich wollte einen mittelalterlichen Backofen mauern, aber ich weiß, dass ich dafür keinen Platz finden werde. Alles Mögliche über das Spinnen hatte ich gesammelt, Geschichten, Lieder, Wollbasteleien, Spiele… auch das wird nicht mehr zum Einsatz kommen. Irgendwie kam es mir vor, als würde ich ein Stücke von meinem Leben wegwerfen. Es wird aber wieder Neues geben. Ganz bestimmt.
      Liebe Annette, ich schicke dir liebe Grüße in den Norden.
      (Meine Sammlung von Karten aus dem Norden von den Deichkiekern, der Schaf-Küstenwache und so habe ich behalten. Das kommt wieder an die Wand. im Spinnstübchen.)

  4. Liebe Gudrun,
    Beim Ausmisten eröffnet sich eine Gefühlspalette mit den unterschiedlichsten Farben. Ein wenig Trauer mit Abschiedsschmerz gehört auch dazu, aber nach meiner Erfahrung tut es im Rückblick gesehen gut, weil sich sowohl im Außen auch im Innen etwas neu ordnen kann.

    1. Das stimmt. Bei einigem bin ich jetzt schon froh, dass Es weg ist. Mein Unterrichtszeuchs zum Beispiel. Ich kann abschließen mit dem Abschnitt. Gut so.
      Liebe Grüße an dich.
      (Hach, wenn es nur schon vorbei wäre.)

  5. Ach ja das Ausmisten, sich trennen von Dingen. Das was ich schon Jahre nicht benutzt habe kommt weg. Dann habe ich so einiges mit ins Wohnheim genommen. Filme, CD´s . Dann bringe ich noch etwas ins Soziale Kaufhaus, die freuen sich.
    Und ich denke beim wieder auspacken landet doch noch was im Müll.

    Lieben Gruß nach Leipzig, bleib gesund

    1. Viele Bücher von mir bringt meine Freundin ins Sozialkaufhaus. Sie werden verschenkt.
      Ich denke auch, dass nach dem Auspacken noch einiges weg kommt. Das war bisher immer so, dass man immer noch viel zu viel hat. Hier stehen z.B. drei Kaffeekannen, die ich 15 Jahre nicht genutzt habe. Warum habe ich sie bloß?
      Wir packen das.
      Liebe Grüße zu dir.

  6. Wenn du Hilfe beim Umzug brauchst, dann mail mich kurz an, liebe Gudrun. Ich bin zwar auch nicht mehr die Fitteste, aber mit meinem „Rentnerporsche“ kann ich dennoch ordentlich was von einem Ort zum anderen transportieren. 😉

    1. Ich danke dir sehr, liebe Margot. Alles, was jetzt schon weg kommt, nimmt ein Helfer schon immer mit in den Müll. Bücher hat meine Freundin mitgenommen und den Sperrmüll lasse ich entrümpeln. So viel ist das auch gar nicht. Wenn du mal nach Leipzig kommst, entrümpeln wir nix. Da findet sich besseres.
      Herzliche Grüße

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