Der Kampf mit der Plastiktüte und andere Hofgeschichten.

Manches gibt mir zu denken.

Über Hofgeschichten habe ich ja nun schön öfter geschrieben. Meist ist es ja recht schön, was ich zu berichten habe, z.B. dass nun auch noch neben dem Kirschbaum ein anderer Baum blüht. Richtig schöne rosa Blüten hat der Baum.
Als ich mich daran machte, diese Blüten zu fotografieren, sah ich etwas, was mir sehr zu denken gab.

Nicht alle nehmen ihren Müll mit nach Hause oder entsorgen ihn dort, wo es seine Ordnung hätte. Vor meinem Balkon liegt öfter mal eine Verpackung von Imbiss-Essen oder Milch- und andere Becher. Es ärgert mich, vor allem weil ich schlecht laufen und das schlecht wegräumen kann. Heute lag Plastikmüll neben dem Weg am Kirschbaum.
Das ist eben keine schöne Hofgeschichte.

Hofgeschichten: eine Amsel sucht Nistmaterial.

Seit zwei Tagen versuchte eine einsame Amsel im Kirschbaum ein Nest zu bauen. Es wundert mich, dass sie alleine war. Normalerweise bauen beide Amsel-Eltern am Nest. Sie hatte es eilig. Fast ein bisschen panisch versuchte sie, in einer Astgabel zu bauen. Vielleicht war es ihr erstes Nest.

Hofgeschichten

Viel Nistmaterial findet sich hier nicht. Da ist es nun wieder viel zu aufgeräumt im Innenhof. Alles an kleinen Ästchen hatten die anderen schon weggeschleppt und Bast von den Zweigen abziehen, dazu war offensichtlich keine Zeit. Und so interessierte sich die Amsel schließlich für die Plastiktüte und schleppte sie schließlich auf den Baum.
Mich berührte das unangenehm.

Amsel verbaut Plastik

Das Weiße hinter dem Amselbeinchen sind keine Kirschblüten. Das ist eine Plastikfolie. Ich finde das traurig, wenn auch die Tiere mit unserem Plastikmüll leben müssen oder nichts anderes finden für ihren Nestbau.

Das Nest wurde nicht fertig. Ich weiß nicht, ob ein Windstoß dafür sorgte, dass alles wieder zu Boden fiel. Plastikfolie lässt sich nun mal nicht zu einem Vogelnest verflechten.
Ich finde es gut, dass es solche Tüten bald nicht mehr gibt. Und vielleicht passen wir in Zukunft einfach etwas besser auf, was in den Wäldern, Flüssen und Seen landet. Und eben auch auf den Wiesen zwischen den Häusern.

Hofgeschichten: rosa Blüten

Etwas Schönes will ich aber auch noch zeigen: die rosa Blüten am Baum im Innenhof als doch noch schöner Abschluss meiner heutigen Hofgeschichten. Solche Fotos wollte ich eigentlich zeigen und in den Mittelpunkt stellen. Nun bekommt eines doch noch seinen Platz.

Ich mache mich jetzt wieder auf die Suche nach etwas, wo ich mich mehr engagieren kann. Mich einfach still auf’s Altenteil zurückziehen kann ich nicht, trotz Behinderung.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag, so am Mai-Anfang.

10 Gedanken zu „Der Kampf mit der Plastiktüte und andere Hofgeschichten.“

  1. Das ärgert mich auch immer wenn ich Müll in der Natur sehe. Hier am Kanal leider auch keine Seltenheit. Neulich habe ich ein Photo gesehen, auf dem sich ein Vogel an einer weggeworfenen OP Maske stranguliert hatte. Ganz krass war es auf Helgoland, wo man etliche strangulierte Vögel in den Felsen hängen sieht, die sich im Plastik aus dem Meer verheddert haben. Furchtbar sind auch immer die ganzen Kippen, die überall rumliegen. Ich rauche ja nun selber, habe aber immer einen Taschenaschenbecher dabei.

    1. Vor vielen Jahren war ich auch Raucher und habe das genauso gemacht. Das ist eine kleine Mühe. Bloß gut, dass ich die strangulierten Vögel nicht gesehen habe. Ich bin gerade so was von dünnhäutig, verkrafte gerade so was schlecht.
      Ich würde so gerne den Naturschutzbund mehr unterstützen, kann es aber weder mit körperlichen Einsatz und da ich keine Veranstaltungen habe, auch nicht finanziell. Mir muss da noch was einfallen.

  2. Liebe Gudrun, du triffst mit deinem Beitrag das gesamte Nervenkostüm bei mir, denn ich habe das Empfinden, Berlin ist die dreckigste Stadt weit und breit. Ich gebe ja zu, dass ich seit längerer Zeit keine anderen Städte zum Vergleich besuche, aber mich EKELT es wirklich, aus dem Haus zu gehen und überall die entsorgten Abfälle, den Hundedreck und und und zu sehen. Auf einer einzelnen großen Wiese hätte eine Person bestimmt längere Zeit zu tun, alle Abfälle aufzusammeln. Und – wäre sie damit fertig, würde der nächste Windstoß Nachschub von der Straße auf die Wiese wehen.
    Bei uns in der Wohnanlage hält sich – dank unserer guten Hausmeister – der Dreck in Grenzen, und da nehme ich schon mal Sachen mit zum nächsten Papier- oder Abfallkorb. Was aber leider auch überall rumliegt, das sind die Kippen der Raucher in männlicher und weiblicher Form. Ganz wenige dieser Leute drücken ihre Kippe oben am dafür vorgesehenen Teil eines Papierkorbes aus. Besonders schlimm ist es an Haltestellen, da wächst ein Kippenteppich.
    Wir hier im Blog sind offensichtlich alles sehr sensibilisierte Leute – aber diese findet man nur noch selten um uns herum – das lässt mich jedenfalls der Dreck auf Berliner Straßen vermuten.
    Dennoch einen schönen Sonntag wünscht dir Clara

    1. Das ist ein Problem mit dem Müll. Das Schlimmste, was ich mal erlebt habe, war die Bemerkung eines Jugendlichen an der Haltestelle. Er sagte zu seinen Kumpels: „Schmeißt das einfach hin. Da kommen gleich die Hartzies vom Amt. Die müssen das aufsammeln.“ Manchmal habe ich keine Kraft mehr, mich einzumischen. Selber mit dem Greifer losziehen kann ich aber auch nicht.
      Es sind hier nur wenige, die sich so entmüllen, aber die versauen so richtig die Atmosphäre.
      (Auf dem Land ist es aber auch nicht besser. Da findet sich leider auch so manche wilde Deponie, Plastiksäcke voller Abfall, der über die gelbe Tonne fast kostenfrei entsorgt werden könnte z.B.)
      Ich weiß nicht, wieso das so schwer ist, den Müll an den Orten zu entsorgen, die dafür vorgesehen sind.
      Die Amsel hat ihr Nest nicht zustande gebracht und ist weg.
      Liebe Grüße von einer Großstadt zur anderen.

  3. Diese Plastiktüten sind nur die Spitze des Eisberges. Unglaublich viel Folie wird von den riesigen Spargelfeldern weggeweht. Störche benutzen die gerne für ihre Nester, was fatale Folgen haben kann. In dem Jahr, als es schier endlos regnete, sind etliche geschlüpften Störche ertrunken, weil das Regenwasser nicht ablaufen konnte. Die Kaffeebecher, die GsD langsam weniger werden, haben manchem Igel den Tod gebracht. Sie konnten nicht mehr rückwärts dieser Falle entkommen. Ich hoffe sehr, dass die Hundertschaften in der Landschaft entsorgten Masken, keinem Tier zum Verhängnis wird. Manchmal kann ich meine Spezies gar nicht mehr leiden!
    Dir schicke ich aber liebe Grüße,
    Elvira

    1. Da bin ich richtig froh, dass die Amsel ihren Nestbau aufgegeben hat. Dass das Wasser nicht ablaufen kann, daran habe ich gar nicht gedacht. Oh ja, wir Menschen richten jede Menge Schaden an. Ich habe aber auch gemerkt, dass es bei Vielen ein Umdenken gibt.
      Im Herbst werde ich Verschnitt aus dem Garten aufheben und im Frühling hinter das Vogelhaus klemmen. Vielleicht brauchen es meine Vögel zum Nestbau.
      Liebe Grüße an dich.

  4. Also dafür, seinen Müll einfach in die Landschaft zu werfen, habe ich absolut kein Verständnis. Leider ist es keine Seltenheit, dass Vögel oder auch andere Tiere solchen Plastikmüll dann auch für ihr Nest, ihren Bau oder ihre Höhle verwenden. Menschen, die ihren Müll auf diese Weise entsorgen, müsste man dazu verpflichten, mal den Müll anderer wieder wegzuräumen. Vielleicht würden sie dann alles doch mit anderen Augen sehen und sich in Zukunft anständiger benehmen.
    Die rosa Blüten sehen wie die einer Zierkirsche aus. Vor unserem Haus steht auch ein solcher Baum. Ich bin jedes Jahr wieder neu begeistert von diesem herrlichen Blütentraum.
    Einen lieben Maigruß schickt Dir, liebe Gudrun, die Silberdistel

    1. Oh, danke für den Tipp mit der Zierkirsche. Ich weiß nämlich nicht, was das für ein Baum ist. Mit ihnen kommen die Insekten erstmal ein Stück weiter, bis anderes blüht.
      Es gibt keinen Grund, den Müll hierher zu werfen. In der Stadt gibt es genug gelbe Tonnen. Mal abgesehen von den Schäden, es ist ja auch noch grottenhäßlich.
      Liebe Grüße in den Norden.

  5. Häufig, wenn ich von solchen Plastetütenereignissen lese, bin ich doch sehr froh, anders aufgewachsen zu sein. Und so finden sich in meinem Rucksack oder in meiner Tasche immer mindestens zwei Stoffbeutel unterscheidlicher Größen (ja, manchmal auch noch ein nostalgischer Dederonbeutel, und eines von diesen superdehnbaren Netzen habe ich auch noch). Ich brauche in der Regel keine Plastetüten und warte nur darauf, daß neben Obst und Gemüse wieder Papiertüten, dreieckige und viereckige, zu finden sind – vielleicht wie bei den Discounter-Backwaren … (Und ich bin auch mit einem als Taschenaschenbecher genutzten Metalldöschen unterwegs.)

    1. Ich kenne es auch noch anders und da wurde mir mal gesagt, das sei nur wegen der Mangelwirtschaft so gewesen. Stoffbeutel habe ich auch und meine Freundin häkelt solche Netze. Sie kann das richtig gut.
      Ich fühle mich oft so hilflos, weil ich sebst nicht viel tun kann. Das ertrage ich nicht gut.

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