Meisen-Airport. Und was noch so los ist.

Es wird mal wieder Zeit! Ich nehme mich jetzt mal wieder am Kragen und suche mir ein angenehmes Thema. Fast zumindest.

Meisen-airport vor meinem Fenster

Was es mit dem Meisen-Airport auf sich hat, erzähle ich gleich. Zuerst muss ich Bauchgrimmen loswerden.
In meinem Ökonomiestudium hatte man uns mal gesagt, dass die benötigten Rohstoffe für die Weltwirtschaft bis ungefähr 2060 reichen würden. Himmel, ich war jung und das war weit weg. Man sagte uns auch, dass es dann verstärkt zu Gerangel und auch zu handfesten Kriegen führen würde. Ja, das glaubte ich unbesehen. Der Vietnam-Krieg war allgegenwärtig. (Weiß noch jemand, was der Anlass war?)
Und jetzt lese ich das Buch „Überleben“ von Dirk Steffens und mich packt das kalte Entsetzen.

Nein, wir haben keine Zeit mehr. Gar keine. In vielen Millionen Jahren ist Leben auf der Erde entstanden und hat sich entwickelt. Die Menschheit ist erst einen Fliegenfurz lang auf der Erde und schafft es innerhalb weniger Jahrhunderte, alles wieder zu vernichten. Ach, irgendwie wird es weiter gehen, zur Not (oder besser?) ohne uns.
Das Gerangel um die letzten „Quellen“ ist auch wieder im vollen Gange. 

Ich habe wieder arg zu kämpfen mit meiner Gesundheit und den Medikamenten. Über alles, was ich in der Natur beobachten kann, freue ich mich wie ein König. Wenn ich zum Beispiel die Vogelschar vor meinem Fenster sehe, vergesse ich ganz schnell, dass einiges so verdammt wehtut. 

ein Bad tut gut

Vor jedem Fotografieren muss ich die Scheibe putzen, obgleich sie nicht dreckig sind. Wegen dem hier! Naja, die Schale habe ich ja zum Baden für die Vögel hingestellt. Es gab ewig keinen Regen, alles ist furztrocken und die kleinen fliegenden Gesellen brauchen ihr Bad zur Federpflege.

gibt es was bei Gudrun?

Die Zweige vor dem Fenster hüte ich wie meinen Augapfel. Eigentlich heißen die Meisen-Airport bei mir, weil es die Landebahn meiner Meisen war. Neuerdings findet sich auch eine lärmende Spatzenbande ein. Futterferkel sind sie auch noch. Ich vertreibe sie nicht, denn alles was herunterfällt, holen sich die Tauben und Elstern. Auch ein Mäuschen sehe ich immer mal huschen.

Der Meisen-Airport.

„Oooooch, nee, die schon wieder!“, scheint meine Meise zu denken. Die Spatzenbande drängt sich im Verbund in das Vogelhaus und denkt nicht daran, es auch mal gut sein zu lassen. Meisi holt sich immer ein Körnchen und fliegt damit auf den Kirschbaum. Wenn er denn rankommen würde an das Futter.

Alle weg! Hier wohne ich.

„Was willst du? Ich wohne hier, damit das mal klar ist!“
Ich muss dazu sagen, dass sehr wohl noch mehr Spatzen in dem Futterhaus hocken. Hoffentlich fliegt es mal nicht davon bei dem Gerangel.
Meisi passt das alles gar nicht. Die haben eben kein Benehmen, die Spatzen.

auf's Dach gestiegen

„Jetzt reicht es mir. Die geduldige Warterei hängt mir zum Halse heraus!“
Meisi steigt der Bande aufs Dach. Sie scheinen das auch zu bemerken, denn ab und zu steckt einer den Kopf heraus und zetert lautstark. Ich weiß nicht, ob das Meisi noch mehr aufregt. Er hoppst förmlich auf dem Dach.
Die anderen Meisen sitzen auf dem Meisen-Airport und schauen dem Treiben im und auf dem Futterhaus zu.

auf der Esse

„Vielleicht sollte ich denen mal in den Schornstein brüllen?“
Nein, es kam dann doch ganz anders. Meisi flog das Haus von hinten an und klaute den Spatzen ein Körnchen unter dem Arsche weg.
Dann ging es Schlag auf Schlag: Die anderen Meisen machten es ihm gleich: zuerst Anflug am Meisen-Airport, dann hinten herum ans Haus, Körnchen fassen und letztendlich Abflug.

Na bitte, geht doch: Futter für alle. Nur meinen Meisen-Airport werde ich wohl umbenennen müssen. Da herrscht reger Flugverkehr. Und das nicht nur für die Meisen.
Ich möchte so etwas noch sehr lange sehen können.

26 Gedanken zu „Meisen-Airport. Und was noch so los ist.“

  1. Die Meisen:
    Einfach Klasse und schön erzählt die Geschichte.’Danke für das Schmunzeln auf Meinem Gesicht 🙂

    Das Eröffnungsthema…. Artensterben ….ein schwieriges Thema – wobei ich da Buch nicht kenne und insofern zu dessen Asusagen wenig sagen kann….

    1. Das Buch wurde bei ttt vorgestellt. Der Autor ist Redakteur von Terra X.
      Der Vogelbande vor dem Fenster könnte ich stundenlang zuschauen. Voll das Leben ist das. Hoffentlich bleibt das so. Ich habe ihnen einen großen Sack Vogelfutter gekauft. Mal sehen, wie lange das reicht.

  2. Das mit den Vögeln geht mir ja auch so…
    Weshalb ich ja extra eine „Meisen-Cam“ installiert habe, weil ich keinen direkten Zugriff auf das Fenster habe, vor dem sich unser Meisen-Spass-Bereich befindet.
    Leider ohne Spatzen – die haben den Weg noch nicht her gefunden

  3. Seit vor unserem Balkon der große Hartriegel gefällt wurde, dessen Zweige bis zu uns in den ersten Stock reichten, haben wir keine Meisen her. Im letzten Winter hatten wir Hoffnung, aber die zwei Kohl- und die eine Blaumeise waren nur ein einziges Mal an der Futterstelle auf unserem Balkon. Dafür kam später „unser“ Ringeltaubenpärchen täglich mehrere Male. Danke für die schönen Fotos und die Geschichte!
    Liebe Grüße,
    Elvira

    1. Das ist das Schöne an der neuen Wohnung. Vor den Fenstern ist ein einiges Vogelparadies und im Innenhof hüpfen Hasen. Die Büsche vor dem Balkon habe ich immer gegossen. Jetzt blühen sie nochmal. Ich genieße das alles sehr.
      Liebe Grüße nach Berlin.

  4. So schön, deine Vögelchen! Ich mußte mein Futterhäuschen auf dem Balkon damals ja leider wegtun, wegen der Nachbarn. Heul. Sonst habe ich hier keine Chance mehr, Vögel so schön zu beobachten. Die Erde .. stimmt, die Menschen machen sie in Null Komma Nix kaputt. Nach mir die Sintflut, so denken viele Menschen … Liebe Grüße zu dir! Ellen

    1. Eine schöne Woche wünsche ich dir auch. Ich warte auf das Buch. Damit kann ich mich noch ein bisschen in die Sonne setzen. Wir haben die Büsche vor dem Balkon immer gegossen. Jetzt blühen sie nochmal.

  5. Bei uns ist auch mächtig was los… Blau-und Kohlmeisen geben sich quasi die Klinke in die Hand.
    Wir sind ja leider kaum bereit, etwas von unserem Wohlstand, der auf Kosten der Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika geht, etwas aufzugeben. Solange wir davon gut leben, dass andere Menschen unsere Konsumgüter produzieren und selber nicht davon leben können, so lange wird es Flüchtlingsströme geben und Krieg um Wasser und Land wird es auch angesichts des Klimawandels geben.

    1. Genau so ist es, liebe Frau Momo. Jeder kann lesen und sich informieten. Warum geht genau das Gewurschtel immer weiter? Wenn man mir damals im Studium schon so etwas zur Kenntnis gebracht hat, warum habe ich mich nicht mehr für Umwelt und Menschenrechte eingestzt? Was hatte ich denn zu verlieren?

      1. Wir haben uns damals massiv für die Umwelt eingesetzt, gegen Waldsterben, für biologische Lebenmittel… ich will nicht sagen, dass es nix gebracht hat, aber verhindert hat es auch nicht, was heute ist

  6. Meisen habe ich über den Sommer nicht mehr auf dem Balkon beobachten können. Erst jetzt lassen sie sich wieder sehen. Wir dürfen ja nicht füttern, wegen der Ratten. Dein Meisen-Airport ist ja witzig. Solche Beobachtungen machen richtig Spaß. Dann pass mal schön auf, dass die Landschaftsgärtner den Airport nicht aus versehen absäbeln 🙂

    1. Auf der einen Seite, am Balkon, lassen sie die Büsche schon höher und meinen Sommerflieder durfte ich auch hinpflanzen. Am Meisen-Airport muss ich noch ein bisschen reden.
      Du glaubst ja nicht, was es mir für Freude macht, die Vögel zu beobachten, liebe Isa.

  7. Spatzen gibt es beim Nachbarn in Massen. Da stehen ein paar Bäume.
    Leider ist es hier, im neuen Zuhause noch etwas karg im Garten.
    Werde mir noch ein neues Vogelhäuschen zulegen. Mal sehen wer mich im Winter besuchen kommt.

    1. Zum erstem Mal hatte ich heute Rotkehlchen zu Gast. Hach, wie habe ich mich gefreut. Mal sehen, ob sie nun öfter kommen.
      Darfst du im neuen Garten werkeln? Das wäre ja genial.
      Liebe Grüße an euch.

  8. Na, da ist ja mächtig was los, liebe Gudrun. Aber ich kann Dich gut verstehen. Ich kann da auch immer stundenlang zuschauen und mich kaum trennen – egal, ob eine Spatzenbande da ist oder die Meisen immer mal kurz etwas mitnehmen und sich dann mit ihrem Fang in Baum oder Strauch niederlassen, um alles in Ruhe und ungestört zu verputzen.
    Einen lieben Gruß von der Silberdistel

  9. Das ist eine feine Vogelgeschichte mit schönen Bildern. Leider sehe ich hier in der Münchner Stadtmitte „nur“ Tauben und Krähen. Aber die nächste grüne Oase – der Alte Nördliche Friedhof – mit vielen kleinen, bunten Piepsern ist ja zum Glück nur wenige Gehminuten entfernt. 😉

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