Beschäftigung zu Hause. Warum nicht mal ein Schaf filzen?

Wenn man mit Wolle arbeitet, dann bietet es sich an, immer mal die Tiere zu zeigen, die uns den wertvollen Rohstoff geben. Wir werden ein Schaf filzen.

Nadelfilzen: ein Schaf entsteht

Kindern gefällt es sehr, wenn sie aus kuschliger Schafwolle ein Schaf filzen können. Je älter die „Filzwilligen“ sind, um so detailreicher kann man arbeiten. Der Anspruch an das Filzwerk steigt im Laufe des Arbeitens mit dem Rohstoff Schurwolle.
Auch wenn das Wetter draußen nicht besonders toll ist, Langeweile kommt beim Nadelfilzen nicht auf.

Ein Schaf filzen mit der Nadel – eine Anleitung

Die Utensilien

  • eine Filzunterlage
  • Filznadeln (grob zum schnellen Verdichten, fein zur Bearbeitung der Oberfläche)
  • Wolle in den gewünschten Farben

In meiner Nadelkiste liegt noch ein Backförmchen. Kleinere Kinder können es auf der Unterlage auglegen, mit Wolle befüllen und losnadeln. (dazu schreibe ich noch eine gesonderte Anleitung) Wenn die Wolle entsprechend verdichtet ist, können kleinere, ungeduldigere Kinder auch ein Schaf filzen. Beim Rand arbeiten ist bestimmt ein ganz kleines Bisschen Hilfe nötig.

Kopf und Körper

Die Grundformen

1 Den Kopf (rechts) habe ich mehr verdichtet als den Körper (links).
Mit der Filznadel zerstört man die Wollstruktur. Die Fasern werden durch die Filznadel zerrissen und verbinden sich wieder mit anderen Fasern. Je ausdauernder ich nadele, um so fester wird das Filzstück.

2 Filzt man mit kleinen Kindern und will man schneller zu einem Ergebnis kommen, dann kann man den Körper lockerer arbeiten. Man muss aber immer beachten, dass das Filzstück seine Form verliert, die Fasern sich wieder lockern, wenn man es zuwenig bearbeitet.

Nadelfilzen: Wolle rollen
Die Grundform vorbereiten – Wolle „kneten“.

3 Für die Grundformen (hier Kopf und Körper) nehmen wir uns eine entsprechende Menge Wolle ab. Am Anfang ist es bestimmt schwer abzuschätzen, wieviel man braucht. Denkt bitte daran, dass die Wolle durch das Filzen ordentlich verdichtet wird. Sollten die Proportionen mal gar nicht stimmen, kann man immer Wolle nachlegen und das Filzstück korrigieren.

4 Einen Bausch Wolle rolle und reibe ich in den Händen um die Luft herauszudrücken und eine etwas verdichtete Oberfläche zu bekommen.

5 Jetzt ist Fleiß angesagt, d.h. nadeln, nadeln, nadeln. Auf alle Fälle trainiert es die Ausdauer.

Die Ohren

Das Schäfchen bekommt Ohren.

Ohren gehören an jedes Schaf. Sie fallen so auf, dass man nicht darauf verzichten und sie auch nicht unter einer Schicht Wolle auf dem Kopf verstecken kann.

6 Bei den Ohren nehme ich mir zwei etwa gleich große Mengen Wolle ab, lege sie auf die Filzunterlage und beginne eine ovale Form herauszuarbeiten.

7 Die lockeren Fasern an den Rändern werden nicht etwa abgeschnitten. Ich fahre mit der Nadel darunter, lege sie um auf das Filzstück und nadele sie fest..

Wenn ihr mehrere Teile einer Sacher braucht, besteht die Schwierigkeit darin, gleiche Teile herzustellen. In unserem Falle sind das zwei Ohren. Wolle zwar zurecht zu legen und dann doch noch nacharbeiten zu müssen, sind besonders am Anfang nötig. Mit zunehmender Erfahrung lernt man das bessere Abschätzen.

Farbgestaltungen; gleich geht es an das Zusammenfügen

8 Ich wollte eine Art Innenohr gestalten. Deshalb habe ich auf die Ohrform rosa Wolle aufgenadelt, nicht viel und in loser Ordnung. So kann man übrigens Farbschattierungen gestalten, indem man wenige Fasern locker aufträgt. Es ist Malen mit Wolle.

Und schon haben wir die Öhrchen fertig. Beim Annadeln an den Kopf nehme ich das Ohr unten zwischen Daumen und Zeigefinger und presse es einwenig zusammen. So erhalte ich eine Krümmung und das Schaf echte Lauscher.

Ein Schaf filzen: Kopf und Rumpf eines Schäfchens
So langsam sieht man, was es wird.

9 Wenn ihr ein liegendes Schaf haben wollt (manchmal ist die Zeit einfach zu knapp für Weiteres, dann filzt ihr Koopf und Körper einfach zusammen, ballanciert alles aus, begradigt die Fläche unter dem Bauch und das Schaf ist fertig.
Unser Schaf soll aber auf seinen Beinen stehen. Deshalb haben wir noch ein Bisschen zu tun.

Die Beine

Auf seinen vier Beinen soll es stehen.

Gleichlang müssen die Beine werden und gleich dick. Auf Klauen, Kniegelenk und anderes habe ich verzichtet.

10 Es besteht die Möglichkeit, in die Beine Blumendraht einzuarbeiten. Der Draht wird mit Wolle umwickelt und diese dann mit der Nadel verfestigt.

11 An einem Ende lasse ich die Fasern lose. Das hat den Vorteil, dass man das Bein an dieser Stelle besonders gut mit dem Körper verbinden kann. Die losen Fasern lassen sich gut einarbeiten. Ist es zuwenig zuviel Wolle an dieser Stelle, kann man die Fasern nutzen, um Schultergelenk oder Hüfte stärker zu formen.

Nadelfilzen: Rollen formen
Röhren filzen – Wolle fest umwickeln und festnadeln.

Hier habe ich versucht darzustellen, wie ich die Beine gefilzt habe. Eine entsprechende Menge Wolle habe ich fest umwickelt und alles ordentlich festgenadelt. Schließlich sollen die Beine ein Schaf tragen.

Alle Teile verbinden und ausformen

ein Schaf filzen - die Teile
Alle Teile müssen nur noch verbunden werden.

12 Alle Teile sind gefilzt. Jetzt müsst ihr sie nur noch verbinden. Da, wo lose Fasern vorhanden sind, ist es leicht. Da, wo keine sind, kann man an der Verbindungsstelle auf beiden Seiten kleine Mengen Wolle annadeln.

Das Schäfchen sieht vielleicht aus wie frisch geschoren. Wiewohl könnt ihr im Nachgang ganz locker weiße Wolle oder auch Schaflocken aufnadeln, damit es zum echten Kuschelschaf wird.

13 Zum Schluss könnt ihr einen Schwanz rollen und annadeln und Oberschenkel des Schafes verdicken, indem ihr kleine Mengen Wolle auflegt und annadelt, bis es gefällt. Ein Schaffilzen ist gar nicht so schwer.

Tataaaa! Ein Schaf filzen ist vollbracht.

22 Gedanken zu „Beschäftigung zu Hause. Warum nicht mal ein Schaf filzen?“

    1. Vielen Dank, liebe Elvira.
      Weißt du, es ist gerade eine blöde Zeit, in der man sich mit Vielem auseinandersetzen muss. Ich möchte nicht wie das Karnickel vor der Schlange sitzen. Meine nächste Anleitung wird etwas sein, mit dem Kinder der Oma oder dem Opa sagen können, dass sie sie lieb haben, auch wenn Besuche gerade nicht möglich sind.
      Passt schön auf euch auf in Berlin, aber ich weiß eigentlich dass ihr das tut.
      Liebe Grüße

  1. Ha, das wollte ich immer schon mal machen. Allerdings kein Schaf. Mir schwebte ein Drache vor. Dürfte aber für eine Anfängerin zu ambitioniert sein. Jedenfalls danke für die Anleitung. Alles Liebe

    1. Vielleicht mache ich auch mal einen Drachen. *lach
      Schafe haben den Vorteil, das es allen Ansprüchen gerecht wird. Kleine Kinder haben ein liegendes Fusselknäuel, größere arbeiten Details heraus und überlassen auch das Vlies nicht dem Zufall. Da werden feinste Schaflocken angenadelt.
      Wenn man die Beine hinbekommen hat, klappt das auch mit anderen Tieren. Und auch mit Drachen.
      Liebe Grüße an dich, Viktor und das Meer.

    1. Danke. Wenn ich es schaffen sollte, mein Buch fertig zu bekommen, dann überlege ich, es dir zur Prüfung schon mal zukommen zu lassen. Selber ist einem immer alles klar, jemand anders sieht mehr.
      Grüße in das Dorf im Süden.

  2. Ich liebe diese kleinen Figuren aus Märchenwolle und bewundere mal wieder die Menschen, die wie du, so viel Engelsgeduld haben, sie herzustellen.
    Und welch schöner Gedanke hinter dieser Anleitung steckt, liebe Gudrun. Das finde ich wunderbar. Gerade in dieser Zeit, wo sich viele nicht besuchen können oder mehr oder weniger an die Wohnung gebunden sind, wäre das doch eine wunderbare Idee, es selbst mal zu versuchen.
    Es gibt so viele schöne Dinge, die man ausprobieren könnte. Mir schwebt da auch so einiges vor, nur hat bisher leider die Zeit dafür nicht gereicht. Für alles bräuchte ich nämlich auch viel Geduld, um überhaupt damit umgehen zu können. Das müsste ich erstmal lernen. Auch beim Malen oder gar Musizieren. Aber es sollte Hand und Fuß haben, deshalb ist der Zeitpunkt bei mir noch nicht gekommen.
    Bis dahin erfreue ich mich gern an deinen schönen Arbeiten. Danke dafür, liebe Gudrun.

    Bleib gesund und hab weiterhin viel Freude an diesen Dingen,
    das wünscht mit lieben Grüßen
    Andrea

    1. Geduld zu haben, das habe ich inzwischen gelernt. In meiner Jugend war ich ein arger Choleriker. Manchmal bremsen mich aber auch bestimmte Umstände aus. Dann habe ich keine Lust, keine Kraft. Eigentlich kann ich es gar nicht benennen. Liebe Andrea, ich danke dir für das Lob und auch für die guten Wünsche. Ich wünsche dir viel Kraft, die jetzige Situation gut zu überstehen.
      Herzliche Grüße an dich.

  3. Das Schaf ist wunderschön geworden, liebe Gudrun.
    Ich wusste nicht, wie filzen geht. Danke für die Anleitung, so kann ich es mir in etwa vorstellen.
    Ganz herzliche Grüße,
    Martina

    1. Danke, liebe Martina. Ich bin richtig stolz, wenn du das sagst, denn Schreiben ist ja deine Leidenschaft.
      Ich schicke dir liebe Grüße und streichele mal den Felix von mir.

  4. Eine schöne Anleitung hast du geschrieben. Für jeden verständlich.
    Muss auch mal wieder das Nadelfilzen probieren. Habe ich schon lange nicht gemacht.
    Meine Finger wollen das nicht so gerne
    Viel Spaß noch beim Werkeln.
    LG Marion

    1. Danke, liebe Marion. Das freut mich.
      Mit den Händen hatte ich jetzt auch immer mal Probleme. Geholfen haben mir die Gespräche mit einer Nachbarin, die in ihrer Jugend einen Unfall hatte und seit dem im Rollstuhl sitzt. Da sieht es eben nicht mehr elegant aus! Da muss man halt mit der ganzen Faust zufassen und manchmal mit beiden Händen. Na und? Das hat sich bei mir richtig eingebrannt.
      Ich schicke dir liebe Grüße in den Norden.
      Haltet durch, die nächsten vier Wochen, du und die Tochter.

  5. ich bin begeistert! Von der leicht verständlichen Anleitung bis hin zum Ergebnis. Das ist der Beweis, dass sich Geduld am Ende auch auszahlt. Das hast du wunderbar vermittelt. 🙂

    1. Ich bin wild entschlossen. Und das geht bestimmt wieder besser vorwärts, wenn ich jetzt wieder zur Ruhe komme. Umzug und Rheumaschübe haben mich etwas ausgebremst.
      Liebe Grüße auch zu dir.

  6. So schön finde ich die Schäfchen, liebe Gudrun, und ganz toll Deine Anleitung dazu. Ich glaube, das ist auch mal etwas, was man, so es wieder möglich ist, dass unsere Enkelkinder einen Teil ihrer Ferien bei uns verbringen, mit den Kindern zusammen machen kann. Bei solch hübschen Schäfchen leuchten bestimmt alle Kinderaugen. Na, und meine sowieso. Mit Deiner Anleitung kann ich vorher ordentlich üben.
    Einen lieben Gruß schickt Dir die Silberdistel

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