Ein ganz kleines bisschen Wehmut zum Jahreswechsel

Mein Sohn sitzt gerade wieder im Zug nach Hause. Wehmut scheint sich breit zu machen bei mir. Ich möchte allen jungen Eltern sagen, dass sie die Zeit mit ihren Kindern genießen sollen. Sie ist irgendwann vorbei, weil die Kinder ihr eigenes Leben leben.
Was hab ich anno dunnemals manchmal gewünscht, etwas Ruhe zu haben. Jetzt habe ich sie und manchmal tut sie weh.

Wie immer, wenn ich mich „sammeln“ muss, beschäftige ich mich. Gespräche mit dem Sohn haben mich dazu gebracht, mich wieder intensiver der Bildbearbeitung zuzuwenden. Und so habe ich mich in „Affinity“ mit HDR befasst. Manchmal hat man ein Foto, da ist ein Teil, der Himmel zum Beispiel, überbelichtet, Dinge im Vordergrund unterbelichtet. Nichts passt zusammen, kann aber beeinflusst werden.

Bildbearbeitung gegen Wehmut
Originalbild, einfach mal draufgehalten

Ich habe hier also einfach mal draufgehalten, wusste nicht, dass meine Kamera HRD aufnimmt, also eine Bildfolge, nach der man dann das Gesamtbild bearbeiten kann. Mein Sohn ist nicht mehr da, aber er hat mir wieder Anregungen gegeben und die dämpfen Wehmut ungemein.

Bildbearbeitung gegen Wehmut
die Bildfolge

Wahrscheinlich brauche ich solche Schubbser immer mal.
Wir sind in der Familie nicht immer einer Meinung, aber wir haben einen guten Draht zu einander. Das ist eine feine Sache, weil uns so etwas nicht ausbremst, sondern vorwärts bringt. Es waren sehr schöne Weihnachtstage in Familie und überhaupt eine schöne Zeit.

Ich verschwinde jetzt wieder hinter meinen Büchern und im Bildbearbeitungsprogramm. Mein Beispielbild ist scheußlich, aber ich kann die vielen Einstellungen ausprobieren (auch an der Kamera im Vorfeld). Und nun sieht man schon mal meinen unter das Fenster gewürgten Gästestuhl. 😀
Und was ist mit meinem Wehmut? Weg ist er nicht, aber aushaltbar. Ich freue mich schon wieder sehr auf zukünftige Treffen.

Bildbearbeitung gegen Wehmut
Bedienoberfläche in Affinity Photo

Wie eine kleine Schwanzmeise Glücksgefühle auslösen konnte.

Die Schwanzmeise gibt ein leises aber grelles Fiepen von sich. Schon einmal machte mich das aufmerksam. Und dann sah ich sie am Futterplatz. Die Vögel kommen immer im Verbund.

Schwanzmeise
ein schöner Rücken kann auch entzücken

Ich wollte schon einmal eine Schwanzmeise fotografieren, als ich aber aufstand, um die Kamera zu holen, waren sie alle weg. Ich hatte den Gesang gehört und musste natürlich nachsehen, wer mich besucht. Die Vögel sind sehr scheu, sehr flink, ständig in Bewegung, also schwer zu fotografieren.

Mein Sohn saß in Kameranähe. Ihn spitzte ich an, ganz schnell die Kamera zu schnappen und drauf zu halten. Wir hatten nur wenige Sekunden. Und dann war es vorbei.

Schwanzmeise
endlich hab‘ ich dich

Ich freue mich riesig, dass wir trotz aller Schwierigkeiten eine Schwanzmeise fotografieren konnten. (Hier ein Link zum Nabu und da kann man auch den Gesang hören.) Etwas einstellen und optimieren ging nicht, aber ich habe jetzt mein Federbällchen. Das brachte dann doch einige Glücksgefühle und die motivieren immer dazu, sich mal wieder an Dinge heran zu wagen, die ein bissel Aufwand und Ausdauer erfordern.

Vielleicht erwische ich sie nochmal, denn sie kommen nur wenn es kalt ist aus nördlichen Gefilden zu uns. Viel Zeit nicht mehr, denn bald bin ich wieder unterwegs. Gestern war übrigens auf 3Sat Thementag. Um die USA ging es, um Naturreservate und einzigartige Lebensräume, um Geschichte, Einwanderung und den „amerikanischen Traum“. Es war für mich gut, das zu sehen, weil ich dann weiß warum manches so ist wie es ist und dass wir Europäer anno Dunnemals nicht die edelste Rolle gespielt haben.

Nebel außerhalb der großen Stadt

Seit geraumer Zeit möchte ich Fotos vom Nebel machen. Auch wenn der Wetterbericht welchen ansagt, in der großen warmen Stadt ist es schwierig.
Meine Nordseetochter ist heute früh schon wieder abgefahren. Sie will ja mit ihrer Familien im Norden auch noch Weihnachten feiern.

Nebel, fotografiert aus dem Zugfenster
aus dem Zugfenster fotografiert

Weihnachten war sehr schön bei uns. Wir haben geschwatzt, zusammen gekocht und gegessen und ganz viel gelacht. Mit der anderen Tochter, die gerade bei der Familie ihres Mannes in den Anden ist, hatten wir Videokonferenzen.
Aber nun ist das erste Kind schon wieder abgereist. Ich bin da immer traurig, aber das Schöne unseres Treffens wirkt noch nach und mein Sohn ist ja noch da. „Kuck mal, ihr habt auch Nebel!“, schrieb mir die Tochter heute früh und schickte mir ein Foto, welches sie aus dem Zug heraus fotografiert hat. Mir gefällt die Stimmung sehr.

meine gestrickten und bestickten Armstulpen
Der Vogel wohnt jetzt im Norden.

Mein Geschenk an die Tochter kann ich nun mal zeigen. Ich wollte nicht, dass sie es vorher schon sieht. Ich glaube, sie hat sich gefreut und das freut mich nun wieder. Da hat sich doch alle Mühe gelohnt.
Vom Sohn habe ich Spitzen für den „Zeichengriffel“ meines Wacom-Tabletts bekommen. Die werden wir dann gleich noch ausprobieren. Ich muss das ausnutzen, einen Fachmann im Hause zu haben. In Affinity Foto waren wir schon, denn Serif hat zu Weihnachten Pixelpinsel verschenkt. Die sind nun installiert und können genutzt werden.

Raachermannl
Wenn es Raachermannl nabelt …

Wir werden jetzt die Ruhe der Feiertage genießen, das besondere Licht des Weihnachtsbaumes und die feinen Düfte dieser Tage. Eine gute Zeit wünsche ich allen, überall.

Weihnachten in Familie

Zwei meiner Kinder sind gekommen. Mit dem Dritten, am anderen Ende der Welt, werden wir nachher noch reden per Netz. Weihnachten in Familie hat bei uns Tradition. Ich freue mich immer sehr auf diese Tage. Wir bereiten uns auch darauf vor, weil wir uns eben gut kennen und wissen, womit man dem anderen eine Freude machen kann. Nein, keiner von uns war im Kaufrausch. Es sind kleine Dinge, die aber eine große Wirkung haben.

ein Mitbringsel zum Fest in Familie

Tolle Weihnachtsstimmung vermittelt das Bild ja nun nicht gerade, aber über dieses Mitbringsel miner Tochter zum Fest der Familiehabe ich mich riesig gefreut. Ich bin wirklich ein „Kraut“ und meine Tochter weiß das. Im nächsten Jahr werde ich selber wieder Sauerkraut machen, natürlich aus Kohl aus dem Dithmarschen. Sauerkraut gehört bei uns zum Essen an Weihnachten dazu.

Weihnachten ist bei uns Familienfest, auch wenn es draußen nicht weihnachtlich aussieht

Meine Familie ist gerade auf dem Weihnachtsmarkt. Jan wollte unbedingt Kräppelchen essen und die besten gibt es nun mal in Leipzig.

Ich bin zu Hause geblieben, denn für mich ist das nasskalte Wetter einfach nichts und das Sitzen im Rollstuhl ist keine Freude, in der jetzigen Situation besonders nicht. Schlimm ist es nicht, zu Hause zu bleiben. Ich kann mich gut mit Dingen beschäftigen, die mir Spaß machen.

Gleich ist wieder Trubel in der Bude, wenn meine Familie wieder einrückt. Es gibt so viel zu erzählen, auch Geschichten, die mit „Weißt du noch“ beginnen. Mit meinem Sohn habe ich in der vergangenen Nacht bis heute morgen um Sechse geschwatzt.

So, ich mache mich wieder vom Acker, aber nicht, ohne allen eine schöne, erholsame und stressfreie Zeit zu wünschen.

Nun erst recht! Und nun auch fix.

So dachte ich mir das jedenfalls, nachdem ein Rheumaschub den anderen jagte und ich mit so allerlei Problemen zu kämpfen hatte. Morgen habe ich nun noch einen Termin bei meinem Rheumatologen und hoffe, dass ich ohne weitere Torturen davon komme.
Nun erst recht, dachte ich mir. Wollarbeiten gehen eigentlich immer.

Wenn man merkt, dass anderes Garn her muss.

Bei der Arbeit an meinem Projekt merkte ich, dass das gekaufte Stickgarn nicht so gut geeignet war. Den Knötchenstich hatte ich mir vorgenommen, aber die Knötchen rutschten immer durch das Gestrick. In den Anleitungen wurde immer auf feinem Stoff gestickt; mein Gestrick ist aber ganz anders, lockerer und grober.
Gut, dann spinne ich mein Stickgarn eben selber. Nun erst recht.

Ich versuche es zu zeigen in Bildern: zwirnen aus dem Knäuel, kein Rest bleibt

Da es sich ein kleine Mengen Garn handelte, habe ich zwei Fäden aus dem Knäuel verzwirnt. Von der Spule habe ich das Garn auf den Wickeldorn gewickelt und die beiden Fäden, den inneren Faden und den äußeren, miteinander verzwirnt (verdreht). Mit Schmackes habe ich das getan, denn das Garn soll ja auf dem Gestrick bleiben und nicht gleich abfallen oder sich auflösen. Weich ist es trotzdem, denn das ist nun eine Frage der Spinntechnik. (Nimmt man jetzt beim Verarbeiten den inneren Faden, saust das Knäuel nicht unkontrolliert durch die Kante.)

Nun erst recht: mein Stickgarn ist fertig.
mein Stickgarn ist fertig und macht sich gut

Na bitte, mein Stickgarn ist fertig und hat sich auch schon bewährt. Die Knötchen sitzen, wo sie sitzen sollen. Mein Projekt wird fertig werden, trotz einiger Widrigkeiten. Nun eben erst recht!
(Ich werde es noch zeigen, denn ich arbeite eine Anregung ein, die ich durch eine Zeichnung einer Mitbloggerin bekommen habe. Klasse, wenn man so einen kleinen kreativen Schubs erhält. 😀 )

Ich kann nicht lange am Rechner sitzen, muss die Beine oft hochlegen. Deshalb wird es wohl weniger Internetaktivitäten geben. Ich bin aber ganz zuversichtlich: Alles wird gut.

Und sie webte ihre ganze Liebe mit ein.

Es klingt wie im Märchen, ist aber gar keins. Aber mit Liebe hat es schon zu tun: mit meiner Liebe zu Wolle, zur Arbeit mit diesem Rohstoff und damit, etwas verschenken zu wollen. „Sie“ webt ja auch nicht, will sticken.

Vorbereitungen sind ja schon ein bisschen nervig, weil sie ja immer nur Fragmente zeigen, nie etwas Fertiges. Es hat sich aber bewährt, alles zu überlegen oder auszuprobieren, was einem so eingefallen ist. Das erspart böse Überraschungen, Umsonstarbeiten im großm Stil und Neuanfänge.

Ich hatte mal wieder Lust, zu sticken. Da gibt es auch eine Menge Material dazu, Vorlagen und Anleitungen. Alles war auf speziellem Webstoff gefertigt, so dass man sich einfach an Zählmuster halten konnte. Ich habe aber als Untergrund mein Gestrick und das auch noch aus meiner handgesponnenen Schafwolle, die nie so gleichmäßig ist. Deshalb habe ich mir Probeläppchen gestrickt und probiert.

Eine Zeichnung in Originalgröße anfertigen
Eine Zeichnung in Originalgröße anfertigen

Als nächstes zeichnete ich die Armstulpen, die bestickt werden sollen, in Originalgröße auf. Es wäre nicht schön, wenn alles plötzlich nicht passen würde, zu klein oder zu groß wäre. Also passte ich meine Entwurfs-Zeichnung der Größe der Stulpe an.

Diese Vorbereitung ist für mich nicht unangenehm, denn meine Liebe gehört ja auch dem Zeichnen.
Diese Vorbereitung ist für mich nicht unangenehm, denn meine Liebe gehört ja auch dem Zeichnen.

Auf meinem Blatt ordnete ich Blätter an, Blattstiele und Beeren.
Probegestickt hatte ich es ja schon mal. Die Stiche musste ich erst lernen und habe auch gleichmal geflucht wie ein Rohrspatz. Aber dann hatte ich es.
Das kann übrigens jeder; man muss nur ein bisschen Ausdauer haben und üben, üben, üben.

fertiger, farbiger Entwurf
fertiger farbiger Entwurf

Das Motiv soll sie tragen, die Stulpe für den rechten Arm.
Ich liebe meine Bundstifte sehr und so hat das Zeichnen sogar Spaß gemacht. Seit meiner Kindheit zeichne ich mit Stiften von KOH-I-Noor, den tscheschischen Stiften aus České Budějovice in Südböhmen. Mein Vater kaufte sie mir und oft bekam ich welche zu Weihnachten geschenkt. Billig waren die auch zu DDR-Zeiten nicht und sie wurden genutzt, bis ich das Stummelchen wirklich nicht mehr halten konnte.

farbiges Stickgarn nach der Farbe des Untergrundes auswählen
farbiges Stickgarn nach der Farbe des Untergrundes auswählen

Es ist immer ratsam, das farbige Stickgarn mal auf den Untergrund zu legen. Ich hatte mir zuerst ein „Grün“ gewählt, welches fast mit dem Untergrund verschmolz. So geht es besser.
Tja, und nun muss ich ran an die Nadel! Lange Zeit ist ja nun nicht mehr bis Weihnachten. Und da will ich sie verschenken, meine gestrickten und bestickten Armstulpen. Di Person, die sie bekommen wird, mag ich sehr und so sticke ich meine Liebe mit ein.

Ehe ich aber mit der Stickerei beginne, muss ich noch von einem ganz besonderen Besuch erzählen.
Ich hatte nämlich heute ein Rotkehlchen am Futterplatz auf dem Fensterbrett. Hach, wie habe ich mich gefreut, denn ich sah lange keines. Und aus dieser Freude heraus, hatte ich gleich noch eine Idee. Aber dazu ein andermal.

Winter, Schnee, Weihnachtsstimmung.

Da ist er nun schon da, der dritte Advent. So langsam kommt auch bei mir Weihnachtsstimmung auf. Nicht mehr lange hin und zwei meiner Kinder reisen an. Zusammen wird der Baum geschmückt, die eine oder andere Heimlichkeit gehütet, gekocht, geschwatzt und gelacht. Das schönste Geschenk ist Zeit füreinander.

Nein, große Sachen sind es nicht, die wir uns schenken. Darum geht es nicht. Es geht uns darum, den anderen eine Freude zu machen, zu zeigen, dass man sie kennt und entsprechend beschenkt. Das meiste wird selbstgemacht.
Meine Tochter und der Schwiegersohn haben sich mal an die Pralinenherstellung gewagt und damit alle überrascht. Die schmeckten natürlich tausend Mal besser als manch gekaufter Kram. Ach, wie ich mich freue auf Weihnachten in Familie. (Achtung: Link geht zu Y**tube)

Ich muss noch die Armstulpen besticken. Lange habe ich das vor mir her geschoben, weil ich Angst hatte, es zu versemmeln. Nun wird es aber Zeit und jetzt muss es werden.

Ohne Schafe geht es bei mir nicht.

Das rechte Schaf habe ich mal geschenkt bekommen. Es hat ja immer seinen Ehrenplatz bei mir und ich behüte es gut, weil es mir wichtig ist. Nun hat es noch ein „Fellknäuel“ dazubekommen. Das ist gut so, Schafe sind ja Herdentiere und dürfen nicht alleine sein.
Zur Weihnachtsstimmung gehören bei mir eben auch Schafe mit dazu. 🙂

Mit einigen Winterimpressionen verabschiede ich mich und mache mich an meine Stickerei. Es ist kalt geworden und es hat mal wieder etwas geschneit, sehr zur Freude der Kinder.

Ich wünsche euch allen einen schönen, friedlichen Adventsabend voller Wärme und Gemütlichkeit.

Willkommen, Gelassenheit!

Die ruhigen Tage, jetzt am Ende des Jahres, sind gar nicht so schlecht. Ich habe mir die Zeit genommen, mich mit mir und meiner Krankheit auseinander zu setzen. Es wurde höchste Zeit und mir Zeit nehmen, diesen Luxus kann ich mir erlauben. Das Ergebnis: Willkommen, Gelassenheit.

Jahrelang habe ich meine Ärzte genervt: „Nun macht mal was! Gebt mir ein Medikament, damit alles wieder heile wird.“ Geholfen hat man mir, ja, aber heile wurde nichts mehr. Ich war aber nicht bereit, meine Krankheit anzunehmen, mit ihr zu leben und nicht gegen sie.

Als ich die Diagnose bekam, nahm ich Schmerzmittel und machte weiter wie bisher, das heißt körperlich schwere Arbei (die noch nicht mal meiner Ausbildung entsprach), langes Stehen, Heben, Bücken waren an der Tagesordnung, bis es eben zusammenbrach. Ich ließ mich auch dann noch drängen von Ämtern und mich behandeln wie … Auch lassen wir das! Das und falsche Werteauffassungen sorgten dafür, dass ich mir zunehmend unnütz vor kam, überflüssig, unwert, nicht leistungsfähig. Ich konnte mich selber nicht mehr leiden. Als ich mich endlich durchgerungen hatte, wenigstens eine Gehhilfe anzunehmen, war es dafür schon zu spät. Mehr Gelassenheit brauchte ich, das wurde mir schmerzlich klar (im wahsten Sinne des Wortes).

Ich denke jetzt nicht mehr nach darüber, was alles war in den letzten Jahrzehnten. Meine Lehren kann ich ziehen, darüber reden auch, ändern kann ich es nicht. Was die Zukunft bringt, weiß ich auch nicht. Aber mein Leben jetzt und heute kann ich bestimmen, mit Ruhe und Gelassenheit. Oh nein, ich werde mich nicht in Watte packen, aber unnötige Auslöser für Schmerzen kann ich einschränken. Wunden an der Seele auch.

Wie will ich zu mehr Gelassenheit kommen?
nach einer Anregung des Magazins „Mobil“ der Rheumaliga erstellt

Ich bin Mitglied der Rheumaliga und bekomme auch regelmäßig das Magazin. Die letzte Ausgabe hat mir sehr gefallen. Ganz deutlich wurde mir bewusst, dass ich nicht alleine bin mit den Problemen, die meine Krankheit mit sich bringt. Nein, nicht ich bin Schuld, dass ich nicht „Hansdampf in allen Gassen“ sein kann. Schuld ist die Krankheit.

Gelassenheit, trotz Rheuma

Einiges tue ich schon für mich, meinen „Wollkram“ z.B. oder auch einfach nur für andere da sein. Ich bekam durch das Magazin viele Hinweise, wie ich zur „alten“ Selbstachtung zurückfinden kann, selbstbewusst und mit Gelassenheit. Auf mehr Distanz muss ich achten und auch öfter einfach mal „Nein“ sagen.
In den Beiträgen gab es keinen erhobenen Zeigefinger, sondern Berichte und Erfahrungen von Betroffenen, die mit beiden Beinen im Leben stehen oder eben auch sitzen.
Das hat mir gut getan.

Na dann mal los!
(Und nun ist es aber gut mit dem persönlichen Geprappel über Krankheiten. 🙂 )

Die Druckerahle im Spinnstübchen

Geschichten erzähle ich ja gerne: Märchen den kleinen und anderes den Großen.
Lasst mich eine kleine Geschichte erzählen; zur Druckerahle komme ich gleich.

Im Unterricht, bei den Mediengestaltern habe ich immer dann erzählt, wenn wir einen langen Tag hatten und müde waren. Ich erzählte zum Beispiel von Alois Senefelder, der einst vergeblich nach einem Verlag für seine Texte suchte und schließlich die Druckverfahren revolutionierte. Not macht erfinderisch.

Senefelder nannte man den „Steinschreiber“, weil er auf Kalkschieferplatten schrieb, zeichnete oder malte, allerdings in Spiegelschrift und mit sehr fetthaltiger Tusche oder Kreide. Der Stein muss dann immer wieder mit Wasser befeuchtet und danach die ebenfalls sehr fettreiche Druckfarbe aufgetragen werden. Wo man gezeichnet hat, ist sehr viel Fett, das Wasser perlt ab, und die Druckfarbe bleibt hängen.

Man erzählte sich, dass Senefelder die ersten Versuche auf der Suche nach wiederverwendbaren Druckformen mit den Zinntellern seiner Mutter machte. Weil die immer dünner wurden und irgendwann die Suppe durchgetropft wäre, gab es Ärger im Hause Senefelder.

Wie kommt eine Druckerahle in das Spinnstübchen?

Es fing alles an mit den gerade gestrickten Hüttenschuhen, die Ihre Sohle bekommen sollten. Die Sohle wird angenäht, hat dafür extra vorgestanzte Löcher. Die aber passten hinten und vorne nicht. Was ich auch versuchte, neue Löcher in das Leder zu bekommen, es gelang mir nicht.
Da sagte mir Herr E., dass er ein Werkzeug für mich hätte: eine Druckerahle.

Wozu brauchen Drucker eine Druckerahle?

mein altes Bild: Bleilettern für die Gutenberg-Druckerpresse in Heide

Schriftsetzer brauchten so ein Ding, um einzelne Buchstaben aus dem Satz zu heben und zu ersetzen und zum Ausbinden des Satzes. Das leuchtete mir auch immer ein. Aber wozu brauchen Drucker eine Druckerahle?

links ist die Druckerahle/ rechts eine Schusterahle

Nach dem Andruck im Hochdruckverfahren sah der Drucker, ob alle Lettern und Zeichen ein gleichmäßiges Bild ergaben. Manchmal mussten einzelne Buchstaben „unterfüttert“ werden. Mit der Druckerahle wurde ganz vorsichtig diese Zeichen angehoben, um Seidenpapier unterlegen zu können, bis das Druckergebnis zufriedenstellend war.

Nachsatz

Ich mag solches Wissen und auch solche alten Geräte. Beides sollte erhalten bleiben.
Herr E. hat seine Druckerahle nicht herausgerückt, denn die hatte er überreicht bekommen nach Abschluss seiner Druckerlehre. Für die nächsten Hüttenschuhe habe ich jetzt eine Schusterahle. Die hatte Herr E. nämlich auch noch und die ist jetzt meine.

Mir der „Druckerey“ habe ich nichts mehr zu tun, aber ich freue mich, dass ich die Geschichten mit ins Spinnstübchen nehmen konnte.

Und in der Nacht hat es geschneit.

Schnee habe ich als Kind geliebt; jetzt sehe ich ihn mit gemischten Gefühlen.
Als ich heute früh den Rollladen hoch gezogen hatte, war ich allerdings begeistert. Es hatte in der Nacht geschneit, und zwar kräftig. An grauen Tagen sieht es draußen gleich viel heller aus. Und das tut der Seele gut, jedenfalls meiner.

Es hatte in der Nacht geschneit.
Es hatte geschneit in der Nacht.

Den Kindern gefällt es natürlich sehr, dass es geschneit hat. Zwei Jungs haben auf dem Weg zur Schule erstmal die Kugeln für den Schneemann vorbereitet. Mein Sohn und sein Freund hatten da auch immer mal Ärger, weil sie aus natürlich sehr gewichtigen Gründen zu spät in die Schule kamen.

Es hat geschneit
vor der Schule noch schnell die Kugeln schieben

Ein Baum im Innenhof trägt noch tapfer seine gelben Blätter. Im Sommer hat alles da draußen sehr gelitten und jetzt scheint es so, als will mancher Baum oder Busch nicht in die Winterruhe gehen. Ich dachte zuerst, dass die Blätter angefroren waren, aber nein, mancheiner hält eben fein fest, was er hat.

Der Baum möchte im Herbst bleiben.

Ich bin froh, dass ich so gute Aussichten habe von meiner Wohnung aus. Hier ist immer etwas los und manchmal besucht mich auch die Gastkatze. Meine Katzen fehlen mir sehr und ich würde auch gerne wieder eine haben wollen. Es geht aber nicht, aus mehreren Gründen. Und so lasse ich eben „Findus“ rein, wenn er vor meiner Balkontür sitzt. Er marschiert dann schnurstracks zur Wohnungstür und und dann vier Trppen hoch in sein Zuhause. Ob er den Schnee in seinem Revier toll findet?