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Meinem Leipzig auf’s Dach gestiegen.

24. April 2014 at 11:15
Panorama-Tower Leipzig

das ehemalige Unihochhaus

Panorama-Tower nennt man das jetzt. Bei mir ist und bleibt es das Unihochhaus. Einige Jahre spielte es als solches eine wichtige Rolle in meinem Leben. Dort drinen, und fast ganz oben, saß meine Sektionsleitung und dort hatte ich auch immer meine Prüfungen. Am Fahrstuhl musste man immer etwas Geduld haben. Der hatte gut zu tun, um die vielen Menschen herauf und herunter zu bringen. Zum Glück habe ich verdammt gute Ohren und schmuggelte mich freundlich lächelnd an die Türe des Fahrstuhles, der gerade im “Anflug” war. Nur einmal klappte das nicht. Ich hatte Prüfung und die Fahrstühle waren ausgefallen. Alle. Ich machte mich auf den Weg nach oben. Bestimmt sah ich etwas aufgelöst aus bei meiner Ankunft ganz oben, denn die Sekretärin bot mir sofort einen Stuhl und ein Glas Wasser an. Warum ich denn so viele Treppen gestiegen sei, fragte sie mich. Komische Frage. Ich hatte doch Prüfung. “Und da denken Sie wohl, der Herr Professor kraxelt jetzt hier hoch?” Oh, der Abstieg war nicht ganz so anstrengend.

Mit dem Radel zur Uni

Mit dem Radel zur Uni

Am liebsten hätte ich mich hierher gesetzt und hätte einfach nur geschaut und gehört. Die jungen Leute zu beobachten tut gut. In solchen Momenten vergesse ich, wie alt ich inzwischen geworden bin. Und manchmal spüre ich noch etwas von der Aufbruchstimmung von damals.

Uni

Da will ich also jetzt hinauf, dorthin, wo der Sendemast fast in die Wolken pikst. Auf einer Aussichtsplattform war ich damals nie. Ich glaube, man kam gar nicht bis ganz hoch und draußen. Vielleicht war ich aber damals auch einfach nur zu hektisch und habe es nicht gemerkt. Das Panoramakaffee gab es auch schon zu meiner Unizeit. Es war nie meine Preisklasse.
Der Fahrstuhl wackelte ein wenig, als er uns nach oben zog. Wie immer. Nur so vollgestopft mit Menschen ist er nicht mehr. Ich hätte mich auch gern noch einmal an die Treppe gewagt. Ob ich das geschafft hätte?
Ein Drehkreuz, einige Stufen und dann stand ich oben, auf dem Dach über meiner Stadt. Es war recht diesig, aber ich konnte Leipzigs Neuseenland sehen und dass im Landkreis der Raps blüht. Und meine Stadt natürlich auch, die ich so sehr liebe. In die Gassen der Innenstadt konnte ich schauen, sehen, wie sich Straßenbahnen, Autos und Fußgänger durch die Straßen bewegten. Das Volkerschlachtdenkmal versank fast im Dunst. Oh, hier oben würde ich gerne wohnen, oder wenigstens Nachtwächter sein.

Als der Fahrstuhl mich wieder nach unten schaukelte, dachte ich mir, dass es eigentlich egal ist wie alt man ist. Der Moment ist immer schön.

Blick vom ehemaligen Unihochhaus

Blick vom ehemaligen Unihochhaus

Geben und Nehmen.

23. April 2014 at 8:29

 

Butterblume

die Blüte einer Butterblume

Der Freund meines Sohnes nimmt mich heute mit, wenn er Leipzig auf’s Dach steigt. Einfach so. Es gab einen kurzen Anruf und alles war geregelt. Ich gehe mit. Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich immer so vieles bekomme und zu wenig zurückgeben kann. Ist das aber wirklich so? Immer denken wir, dass nur materielle Werte geschätzt werden, oder Geldzuwendungen. Oh ja, wenn ich genug davon hätte, würde ich versuchen die Welt ein bissel besser zu machen.

Eigentlich sollte man davon etwas abgeben, was man gut kann. Andere teilhaben lassen, kann man es auch bezeichnen. Als ich meine Fototasche packte, kam mir der Gedanke, Geschichten davon zu erzählen, was wir gleich von oben sehen werden.
Von der “Zunftherrlichkeit” z.B., die noch zu erahnen ist, wenn man die Fleischergasse, die Böttchergasse  oder die Kupfergasse sieht. “Stadtluft macht frei” hieß es seit dem 12. Jahrhundert. Wem es gelang, ein Jahr und einen Tag von seinem Feudalherren unbehelligt innerhalb der Stadtmauern zu leben, der konnte als Leibeigener nicht zurückgefordert werden. (Karl Czok, Die Stadt, Urania, Verlag). Die Gerber mussten schon rauhe Burschen sein, denn sie mussten wegen ihres Gewerbes vor den Stadttoren bleiben. Oder ich erzähle von den Ausgrabungen am Brühl, als man ein ganzes Pferd in einer mittelalterlichen Latrine gefunden hat. Damals wurde alles mögliche so entsorgt und solche Funde sind wahrscheinlich Sternstunden für Archäologen.

Und was hat meine Zeichnung von den Butterblumen damit zu tun? Sie sind für eine Blogfreundin, die Butterblumen so sehr mochte. Ich gebe meine Zeichnung einfach weiter und damit eine ganze Wiese voller Butterblumen.

Zeichnung: Wiese mit Butterblumen

Zeichnung / eine ganze Wiese voller Butterblumen

Spät abends in meiner Lieblingsgroßstadt Leipzig. Die blaue Stunde und die Fotografie.

21. April 2014 at 13:45

 

Schwanenteich und Oper Leipzig  zur blauen Stunde

Schwanenteich und Oper Leipzig zur blauen Stunde

Die blaue Stunde.
Man sagt, dass die blaue Stunde die Zeit der Träumer und Romantiker sei. Manche Details verschwinden schon in der Dämmerung, andere treten überdeulich in den Vordergrund, da die Umgebung  noch sichtbar ist, nicht in völliger Dunkelheit  versunken. So entstandene Bilder können eine ganz besondere Stimmung vermitteln. Das wollte mir mein Sohn zeigen. Wir schnappten meine Kamera und ein Stativ und zogen los, in die Innenstadt von Leipzig. Ich muss noch dazu sagen, dass meine Kamera über zehn Jahre alt ist und auch nie ein besonderes technisches Wunderwerk war.

Wir hatten uns den Schanenteich hinter der Leipziger Oper für unseren Standort ausgesucht. Eigentlich hatten wir erwartet, dass die Oper noch mehr im Inneren erleuchtet wird, denn gerade der Farbkontrast der Straßenbeleuchtung und der Gebäudebeleuchtung zur Gebäudefassade bietet nur in der blauen Stunde einen ganz besonderen Reiz. Es ist aber eben die Rückseite eines Gebäudes mit sparsamer Beleuchtung. Und trotzdem finde ich, dass sich das Warten gelohnt hat. Und warten mussten wir noch ein ganzes Weilchen, nachdem wir die Kamera auf dem Stativ befestigt und eingestellt hatten.

Die blaue Stunde mitten in meiner liebsten Lieblingsgroßstadt. Es war ein ganz besonderes Fotoerlebnis mit meinem Sohn. Und wer uns ganz zufällig beim Warten auf den Moment noch so vor die Kamera flog oder huschte, das erzähle ich vielleicht ein anderes Mal.

 

Heute Schafe schmusen und Wolle tauschen im Martzschpark in Lützen. Morgen Schafe kucken im MDR.

17. April 2014 at 16:19

Oh, wie hat mir so ein Ausblick gefehlt! Noch vor zwei Jahren, mit dem Kaffeepott am Küchenfenster, hatte ich das jeden Tag. Jetzt muss ich mich ein bissel weg bewegen von meiner liebsten Lieblingsgroßstadt. Es wurde sowieso Zeit, dass ich mal wieder das Tiergehege im Martzschpark in Lützen besuchte. Und es gab tatsächlich jede Menge Neuigkeiten.

Rapsfelder vor den Toren Leipzigs

Rapsfeld bei Lützen

Ich wäre ja am liebsten gleich im Streichelgehege hocken geblieben. Stolz präsentierte eine Ziegenmutter ihre beiden Jungen. Sie waren erst wenige Tage alt, die Nabelschnur war noch nicht abgefallen. Als sie sich hinlegten überlegte der kleine Junge, der mit uns im Park war, ob er sich dazulegen soll. Er saß schon neben den Ziegenlämmern auf der Erde, und die hätten bestimmt nichts dagegen gehabt, wenn er ein Nickerchen mit ihnen gemacht hätte.

Nachwuchs gab es auch bei den Auerochsen. Der kleine, knuffige Kerl hinter dem starken Zaun wird mal eine stattliche Größe erreichen. Der Auerochse, auch Ur genannt, gilt als direkter Vorfahre unserer Hausrinder. Seit 500 Jahren gilt er als ausgestorben. Dass es wieder Rinder gibt, die den Auerochsen sehr ähnlich sind, ist gelungenen Rückzüchtungen zu verdanken. Die Tiere kommen hervorragend mit den klimatischen und vegetativen Gegebenheiten bei uns zurecht und sind ausgezeichnete Umweltpfleger.

Peng! Ach ja, den Hornträgern wird es zu wohl. Es ist eben Frühling. Mit den Kamerunschafen konnte ich schmusen. Die Zotteligen waren mir nicht so freundlich gesinnt. Sie ahnen wohl, dass ich ihnen an die Wolle will. In ungefähr einem Monat werden sie geschoren und ich darf ihre Wolle haben. Dafür zeige ich im Park mal, wie daraus ein Faden wird. Ich freue mich sehr, wenn man sich gegenseitig von Nutzen sein kann. Dann wird es auch eine richtige gute Sache.

Ach ja, ein Hinweis noch:
Morgen, am Karfreitag um 15.00 Uhr, kommt auf dem MDR  ein Film über Leipzigs Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein. Ich bin begeistert von der jungen Frau, die so einen Knochenjob macht, um sich ihren ganz eigenen Traum zu erfüllen. Gesehen habe ich den Film schon mal auf der ARD, aber ich sehe ihn mir nochmal an, weil er wirklich sehenswert ist.
Es ist gut zu wissen, wo die Wolle herkommt, die man in den Händen hat.

Gestrickte Kissenhüllen aus Milchschafwolle. Es wird aufgepolstert auf Balkonien.

16. April 2014 at 19:51

Jawohl. Ich habe meine Kissen fertig.
Im Moment bin ich so mit meinen Wollprojekten beschäftigt, dass ich bitte vier Hände haben möchte und einen etwas längeren Tag. Es ist schön, wenn ich mich zum Wolle machen nach draußen setzen kann. (Nur werde ich morgen Sonnenschutz im Gesicht auflegen.)

Ich mach dann mal noch ein bissel weiter, denn wie steht steht’s geschrieben im Landwirtschaftlichen Wochenblatt für das Großherzhogtum Baden, Nr.39 vom 29. September 1837, herausgegeben von der Zentralstelle des landwirtschaftlichen Vereins?

„Wer ein gutes Garn spinnen will, darf nicht zu oft die Arbeit verlassen, denn sonst entstehen, wie beim schlecht gehechelten Flachse, Unebenheiten in den Fäden.“

 Dabei will ich doch genau diese Unebenheiten drinhaben im Garn. :D

In den Schönauer Lachen. Oder, wenn eine Kräuterhexe mal nur für sich selbst sammelt.

14. April 2014 at 9:36
auf dem Weg zu den Schönauer Lachen

in den Schönauer Lachen

“Sagen Sie mal”, meinte mein Hausarzt, “sammeln Sie auch mal Kräuter für sich selber? Etwas, was Ihnen gut tut? Sie sind doch die Kräuterhexe und Sie kennst sich doch selbst am besten.”
Recht hatte er. Das Wetter war so, wie Sonntagswetter zu sein hatte. Also schnappte ich mir meinen Korb und zog auf meine Kräuterwiese.
Ich genieße schon den Weg dahin. Die Büsche und Bäume schlucken den Lärm der großen Straße. Ich weiß nicht, wie oft ich den Weg schon gegangen bin, aber jedesmal entdecke ich Neues. Vergangenes und zartes Neues liegen nirgendwo so dicht bei einander wie an diesen Waldwegen. Es ist, als ob die Hektik und Quirligkeit der großen Stadt ausgesperrt sind. Die Ruhe tut gut. Ich laufe langsam, genieße jeden Schritt, das Singen der Vögel, den Geruch nach frischer Erde, Laub und Frühling.
Es war ganz ordentlich Begängnis auf der Wiese, so ganz mitten in der Großstadt. Kein Wunder, denn hier es ist zu jeder Jahreszeit schön. Im Frühling natürlich ganz besonders.

auf der Wiese in den Schönauer Lachen

meine Kräuterwiese

Nach kürzester Zeit sah ich wieder etwas seltsam aus, mit den Händen voller Erde und gelben Blütenpollen an der Hose. Meinen Vorrat an Löwenzahn habe ich geholt. Ich nutze die ganze Pflanze, auch die Wurzeln.
Mitten auf der Wiese wachsen Brombeeren. Eigentlich ist es ein richtiges Dickicht, welches so allerlei Kleingetier Unterschlupf und Schutz gibt. Vor einem Jahr hatte ich mit meinem Sohn ein Rehkietz mit seiner Mutter überrascht. Ich habe mich ganz leise mit der Kamera angeschlichen, aber diesmal war niemand hier. Ich hatte also alle Zeit der Welt, um Brombeerblätter zu sammeln. Zu schmutzigen Händen und Flecken an der Hose kam nun auch noch der eine oder andere Kratzer. Egal, ein guter und schmackhafter Bestandteil meines Wintertees ist gesichert. Und meinem Hausarzt kann ich berichten, dass ich zu allem, was er vielleicht verordnen muss, wunderbare Ergänzungen haben werde.

Früher konnte man seine Steuern mit Schafskäse bezahlen.

11. April 2014 at 19:41
Finanzamt

Zeichnung “Zum Leipziger Finanzamt”

Das waren noch Zeiten!
Vom 12. bis 17. Jahrhundert konnte man seine Steuern und Abgaben mit Schafskäse oder Schafsbutter bezahlen.
(Gefunden in einer Infobroschüre des Berufsverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt, “Das Ostfriesischen Milchschaf” und soeben mal schnell gezeichnet.)

Bei mir hätte das Leipzscher Amt nix zu befürchten. Es könnte aber schon irgendwo über einen Beamtenflur brüllen: “Türen zu! Da hinten kommt der Uli.”

Ein Schelm und der feine Glanz seiner Wolle. Ostfriesische Milchschafe in Sachsen.

9. April 2014 at 14:26
Milchschaf der Großstadtschäferin

Bildrechte: Kartharina Oeppert, MDR

Hehe, ist das nicht ein Schelm? :D Streckt einfach die Zunge heraus!
Das ist eines der Milchschafe der Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein, eines von denen, deren Wolle ich verarbeiten durfte.

“Man kann alles spinnen, was einigermaßen biegsam ist”, las ich neulich bei einer erfahrenen Spinnerin. Das will ich genau wissen und probiere gerade, Materialien zu verspinnen, die eigentlich auf den Abfall landen sollten. Unser “Einpack-und-Wegwerf-Wahn” geht mir schon lange auf den Geist. Wenn es geht, verzichte ich auf Verpackung. Das, was dennoch bleibt, versuche ich zu verarbeiten. Wenn ich einige Muster habe, werde ich sie zeigen und ebenso die Möglichkeit, Geschenke umweltfreundlich zu verpacken.

Meine ganz große Liebe wird aber immer die Schafwolle bleiben.
In letzter Zeit habe ich Wolle von verschiedenen Schafrassen probiert. Es gibt es keine ungeeignete oder schlechte Wolle. Manche selbstgeponnene und verarbeitete Schafwolle ist sehr angenehm körpernah zu tragen, bei anderer zieht man eben etwas darunter, mischt mit anderen Materialien oder verarbeitet die Wolle gleich zu Teppichen und Matten. Wegwerfen ist in jedem Fall die falsche Entscheidung.

Die eigentliche Heimat der Milchschafe ist Ostfriesland. Wenn man in alten Ortschroniken stöbert, findet man so manches Loblied auf diese Schafe. Sie sind genügsam, frohwüchsig (das heißt tatsächlich so) und fruchtbar. Mich interessiert natürlich der Wollertrag, und der liegt zwischen 5 – 7 kg, abhängig vom Alter und Geschlecht des Schafes. Die Wolle zu verspinnen ist eine Freude, denn sie ist fest und weich gleichermaßen. Sie hat einen hohen Lanolingehalt und verfilzt schlecht. Für Socken und andere Kleidungsstücke ist das ideal, aber auch für Heimtextilien, Bettwaren oder Teppiche.
Was sofort auffällt, wenn man die Milchschafwolle sieht, ist ihr ganz feiner Glanz. Ich kann es auf dem Bild unten gar nicht richtig zeigen. Wie mit Silberfäden durchzogen sieht die Wolle aus. Ich gerate schon wieder ins Schwärmen, stimmt’s?

Ach ja, am Sonntag, den 13.4.2014, um 17:30 Uhr kommt ein neuer Film über die Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein auf der ARD und am 18.4. (Karfreitag) um 15 Uhr im MDR.
Ich freue mich darauf, weil die Kerstin Doppelstein zu den Menschen gehört, die ihren Traum leben, auch wenn es alles andere als leicht ist. Und bestimmt sehe ich auch den Schelm von oben wieder.

der feine Glanz der weißen Milchschafwolle

Schafskötel, ein blaues Schaf, Holzpantinen. Es gibt Tage, da … , da gibt es halt ganz besondere Anstupser.

7. April 2014 at 16:50

viel Anregendes als Geschenk

Wieder ein Jahr vorbei. Eigentlich gefällt mir so etwas gar nicht, aber da ich hundertzehn werden möchte, mindestens, stört es auch nicht besonders. Anhalten kann man die Zeit nicht. Es ist aber auch nicht nötig. Witzig war, dass alles, was an diesem Tag so bei mir eintrudelte, irgendetwas mit dem Spinnstübchen zu tun hatte. Ich bin aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Und aus dem Freuen auch nicht.

Meine Tochter war ganz im Norden Deutschlands extra für mich auf Suche gegangen nach den “Frischen Schafsköteln – direkt vom Deich”, die ich mir gewünscht hatte. Mein Sohn besorgte ein blaues Schaf, damit ich es mitnehmen kann, wenn ich die Geschichte vom Selbigen erzähle, und sauste bei strahlendem Sonnenschein mit einem Käthe-Wohlfahrt-Beutel mit aufgedrucktem geschmückten Tannenbaum durch Berlin. Ein Freund bugsierte mein uraltes Spinnrad in sein Auto und fuhr zur Tischlerei und ein anderer schenkte mir Holzpantinen, denn Schuhwerk fehlte mir noch zur Spinnerin-Klamotte.

In der Zwischenzeit sitze ich schon wieder am Spinnrad und probiere aus ganz verschiedenen Materialien ein Garn zu spinnen. Das sind alles Stoffe, die nicht mehr benötigt werden und die ich fast in den Abfall geworfen hätte.
Morgen holen wir das alte Spinnrad ab und für ein besonderes Gespräch brauche ich ganz viel Mut. Den werde ich haben, aber vorsichtshalber stecke ich Schafskötel ein. Man weiß ja nie, wen man bestechen muss. :D

Schafskötel, direkt vom Deich, von den Eiderschafen

(M)Ein ganz altes Spinnrad wird auf Vordermann gebracht.

4. April 2014 at 21:02

Ach ja, das Spinnrad ist sehr alt, das Holz ist etwas vertrocknet und es wackelte wie ein Entenpoppes. Dadurch, dass ständig alles etwas schief rutschte, in Schräglage geriet, hüpfte die Antriebsschnur vom Schwungrad. Immer und immer wieder. So war es nicht zu gebrauchen. Der Freund von meinem Sohn, den ich schon seit der Kindergartenzeit der beiden kenne,  packte das Spinnrad ins Auto und mich gleich mit. Wir fuhren zu einem Schreiner, hierhin, zur “Feinkost” in die Karli, die Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig.

Feinkost, die Löffelfamilie

Im Hof der Genossenschaft hinter der Löffelfamilie steht man nicht in einem Empfang mit Chefsekretärin und Auftragsannahme. Man steht mitten in der gesuchten Werkstatt neben einer gerade zu fertigenden Arbeit. Es wird gehobelt und gesägt. Ein feiner Geruch nach Holz liegt in der Luft. Eigentlich könnte man meinen, dass gegrummelt wird, weil man ja plötzlich und unerwartet hereinplatzt und erst einmal alle von der Arbeit abhält. So ist es aber nicht gekommen.
“Wo habt ihr denn das (Spinnrad) aufgetrieben?”, fragte der Schreiner. Oder war es ein Tischler?
Er hörte sich geduldig an, was es mit dem Spinnrad auf sich hat. Wo dessen Wehwehchen sind, hatte er schon herausgefunden, ehe ich davon erzählen konnte.
“Das bekommen wir wieder hin”, meinte der freundliche Handwerker schließlich und ich freue mich ungemein, dass ich das ganz alte Spinnrad bald mitnehmen kann, wenn ich zur Lesenacht in meine Bibliothek gehe,  zu den Grundschülern in das Schloss Altranstädt oder wir beide mit mir S-Bahn fahren werden, weil wir in das Völkerkundemuseum nach Wyhra müssen. Das alte Spinnrad erinnert so sehr an Dornröschen, Frau Holle oder die Müllerstochter, die Stroh zu Gold spinnen sollte.
“Du brauchst ein richtiges Spinnstübchen”, sagte mein Begleiter.
Ja, das wünsche ich mir auch. Aber vorher fahren wir noch ein wenig S-Bahn.

Ich hätte gern noch mehr fotografiert, aber ich wollte nicht als neugieriger Eindringling erscheinen.

Kraeuterhexe