Gestrickte Kissenhüllen aus Milchschafwolle. Es wird aufgepolstert auf Balkonien.

Jawohl. Ich habe meine Kissen fertig.
Im Moment bin ich so mit meinen Wollprojekten beschäftigt, dass ich bitte vier Hände haben möchte und einen etwas längeren Tag. Es ist schön, wenn ich mich zum Wolle machen nach draußen setzen kann. (Nur werde ich morgen Sonnenschutz im Gesicht auflegen.)

Ich mach dann mal noch ein bissel weiter, denn wie steht steht’s geschrieben im Landwirtschaftlichen Wochenblatt für das Großherzhogtum Baden, Nr.39 vom 29. September 1837, herausgegeben von der Zentralstelle des landwirtschaftlichen Vereins?

„Wer ein gutes Garn spinnen will, darf nicht zu oft die Arbeit verlassen, denn sonst entstehen, wie beim schlecht gehechelten Flachse, Unebenheiten in den Fäden.“

 Dabei will ich doch genau diese Unebenheiten drinhaben im Garn. :D

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In den Schönauer Lachen. Oder, wenn eine Kräuterhexe mal nur für sich selbst sammelt.

auf dem Weg zu den Schönauer Lachen

“Sagen Sie mal”, meinte mein Hausarzt, “sammeln Sie auch mal Kräuter für sich selber? Etwas, was Ihnen gut tut? Sie sind doch die Kräuterhexe und Sie kennst sich doch selbst am besten.”
Recht hatte er. Das Wetter war so, wie Sonntagswetter zu sein hatte. Also schnappte ich mir meinen Korb und zog auf meine Kräuterwiese.
Ich genieße schon den Weg dahin. Die Büsche und Bäume schlucken den Lärm der großen Straße. Ich weiß nicht, wie oft ich den Weg schon gegangen bin, aber jedesmal entdecke ich Neues. Vergangenes und zartes Neues liegen nirgendwo so dicht bei einander wie an diesen Waldwegen. Es ist, als ob die Hektik und Quirligkeit der großen Stadt ausgesperrt sind. Die Ruhe tut gut. Ich laufe langsam, genieße jeden Schritt, das Singen der Vögel, den Geruch nach frischer Erde, Laub und Frühling.
Es war ganz ordentlich Begängnis auf der Wiese, so ganz mitten in der Großstadt. Kein Wunder, denn hier es ist zu jeder Jahreszeit schön. Im Frühling natürlich ganz besonders.

auf der Wiese in den Schönauer Lachen

Nach kürzester Zeit sah ich wieder etwas seltsam aus, mit den Händen voller Erde und gelben Blütenpollen an der Hose. Meinen Vorrat an Löwenzahn habe ich geholt. Ich nutze die ganze Pflanze, auch die Wurzeln.
Mitten auf der Wiese wachsen Brombeeren. Eigentlich ist es ein richtiges Dickicht, welches so allerlei Kleingetier Unterschlupf und Schutz gibt. Vor einem Jahr hatte ich mit meinem Sohn ein Rehkietz mit seiner Mutter überrascht. Ich habe mich ganz leise mit der Kamera angeschlichen, aber diesmal war niemand hier. Ich hatte also alle Zeit der Welt, um Brombeerblätter zu sammeln. Zu schmutzigen Händen und Flecken an der Hose kam nun auch noch der eine oder andere Kratzer. Egal, ein guter und schmackhafter Bestandteil meines Wintertees ist gesichert. Und meinem Hausarzt kann ich berichten, dass ich zu allem, was er vielleicht verordnen muss, wunderbare Ergänzungen haben werde.

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Früher konnte man seine Steuern mit Schafskäse bezahlen.

Im 12. - 17. JH konnte man mancherorts seine Steuern und Abgaben mit Schafskäse bezahlen.

Das waren noch Zeiten!
Vom 12. bis 17. Jahrhundert konnte man seine Steuern und Abgaben mit Schafskäse oder Schafsbutter bezahlen.
(Gefunden in einer Infobroschüre des Berufsverbandes Agrar, Ernährung, Umwelt, “Das Ostfriesischen Milchschaf” und soeben mal schnell gezeichnet.)

Bei mir hätte das Leipzscher Amt nix zu befürchten. Es könnte aber schon irgendwo über einen Beamtenflur brüllen: “Türen zu! Da hinten kommt der Uli.”

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Ein Schelm und der feine Glanz seiner Wolle. Ostfriesische Milchschafe in Sachsen.

Milchschaf der Großstadtschäferin

Bildrechte: Kartharina Oeppert, MDR

Hehe, ist das nicht ein Schelm? :D Streckt einfach die Zunge heraus!
Das ist eines der Milchschafe der Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein, eines von denen, deren Wolle ich verarbeiten durfte.

“Man kann alles spinnen, was einigermaßen biegsam ist”, las ich neulich bei einer erfahrenen Spinnerin. Das will ich genau wissen und probiere gerade, Materialien zu verspinnen, die eigentlich auf den Abfall landen sollten. Unser “Einpack-und-Wegwerf-Wahn” geht mir schon lange auf den Geist. Wenn es geht, verzichte ich auf Verpackung. Das, was dennoch bleibt, versuche ich zu verarbeiten. Wenn ich einige Muster habe, werde ich sie zeigen und ebenso die Möglichkeit, Geschenke umweltfreundlich zu verpacken.

Meine ganz große Liebe wird aber immer die Schafwolle bleiben.
In letzter Zeit habe ich Wolle von verschiedenen Schafrassen probiert. Es gibt es keine ungeeignete oder schlechte Wolle. Manche selbstgeponnene und verarbeitete Schafwolle ist sehr angenehm körpernah zu tragen, bei anderer zieht man eben etwas darunter, mischt mit anderen Materialien oder verarbeitet die Wolle gleich zu Teppichen und Matten. Wegwerfen ist in jedem Fall die falsche Entscheidung.

Die eigentliche Heimat der Milchschafe ist Ostfriesland. Wenn man in alten Ortschroniken stöbert, findet man so manches Loblied auf diese Schafe. Sie sind genügsam, frohwüchsig (das heißt tatsächlich so) und fruchtbar. Mich interessiert natürlich der Wollertrag, und der liegt zwischen 5 – 7 kg, abhängig vom Alter und Geschlecht des Schafes. Die Wolle zu verspinnen ist eine Freude, denn sie ist fest und weich gleichermaßen. Sie hat einen hohen Lanolingehalt und verfilzt schlecht. Für Socken und andere Kleidungsstücke ist das ideal, aber auch für Heimtextilien, Bettwaren oder Teppiche.
Was sofort auffällt, wenn man die Milchschafwolle sieht, ist ihr ganz feiner Glanz. Ich kann es auf dem Bild unten gar nicht richtig zeigen. Wie mit Silberfäden durchzogen sieht die Wolle aus. Ich gerate schon wieder ins Schwärmen, stimmt’s?

Ach ja, am Sonntag, den 13.4.2014, um 17:30 Uhr kommt ein neuer Film über die Großstadtschäferin Kerstin Doppelstein auf der ARD und am 18.4. (Karfreitag) um 15 Uhr im MDR.
Ich freue mich darauf, weil die Kerstin Doppelstein zu den Menschen gehört, die ihren Traum leben, auch wenn es alles andere als leicht ist. Und bestimmt sehe ich auch den Schelm von oben wieder.

der feine Glanz der weißen Milchschafwolle Weiterlesen

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Schafskötel, ein blaues Schaf, Holzpantinen. Es gibt Tage, da … , da gibt es halt ganz besondere Anstupser.

viel Anregendes als Geschenk

Wieder ein Jahr vorbei. Eigentlich gefällt mir so etwas gar nicht, aber da ich hundertzehn werden möchte, mindestens, stört es auch nicht besonders. Anhalten kann man die Zeit nicht. Es ist aber auch nicht nötig. Witzig war, dass alles, was an diesem Tag so bei mir eintrudelte, irgendetwas mit dem Spinnstübchen zu tun hatte. Ich bin aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Und aus dem Freuen auch nicht.

Meine Tochter war ganz im Norden Deutschlands extra für mich auf Suche gegangen nach den “Frischen Schafsköteln – direkt vom Deich”, die ich mir gewünscht hatte. Mein Sohn besorgte ein blaues Schaf, damit ich es mitnehmen kann, wenn ich die Geschichte vom Selbigen erzähle, und sauste bei strahlendem Sonnenschein mit einem Käthe-Wohlfahrt-Beutel mit aufgedrucktem geschmückten Tannenbaum durch Berlin. Ein Freund bugsierte mein uraltes Spinnrad in sein Auto und fuhr zur Tischlerei und ein anderer schenkte mir Holzpantinen, denn Schuhwerk fehlte mir noch zur Spinnerin-Klamotte.

In der Zwischenzeit sitze ich schon wieder am Spinnrad und probiere aus ganz verschiedenen Materialien ein Garn zu spinnen. Das sind alles Stoffe, die nicht mehr benötigt werden und die ich fast in den Abfall geworfen hätte.
Morgen holen wir das alte Spinnrad ab und für ein besonderes Gespräch brauche ich ganz viel Mut. Den werde ich haben, aber vorsichtshalber stecke ich Schafskötel ein. Man weiß ja nie, wen man bestechen muss. :D

Schafskötel, direkt vom Deich, von den Eiderschafen Weiterlesen

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(M)Ein ganz altes Spinnrad wird auf Vordermann gebracht.

Ach ja, das Spinnrad ist sehr alt, das Holz ist etwas vertrocknet und es wackelte wie ein Entenpoppes. Dadurch, dass ständig alles etwas schief rutschte, in Schräglage geriet, hüpfte die Antriebsschnur vom Schwungrad. Immer und immer wieder. So war es nicht zu gebrauchen. Der Freund von meinem Sohn, den ich schon seit der Kindergartenzeit der beiden kenne,  packte das Spinnrad ins Auto und mich gleich mit. Wir fuhren zu einem Schreiner, hierhin, zur “Feinkost” in die Karli, die Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig.

Feinkost, die Löffelfamilie

Im Hof der Genossenschaft hinter der Löffelfamilie steht man nicht in einem Empfang mit Chefsekretärin und Auftragsannahme. Man steht mitten in der gesuchten Werkstatt neben einer gerade zu fertigenden Arbeit. Es wird gehobelt und gesägt. Ein feiner Geruch nach Holz liegt in der Luft. Eigentlich könnte man meinen, dass gegrummelt wird, weil man ja plötzlich und unerwartet hereinplatzt und erst einmal alle von der Arbeit abhält. So ist es aber nicht gekommen.
“Wo habt ihr denn das (Spinnrad) aufgetrieben?”, fragte der Schreiner. Oder war es ein Tischler?
Er hörte sich geduldig an, was es mit dem Spinnrad auf sich hat. Wo dessen Wehwehchen sind, hatte er schon herausgefunden, ehe ich davon erzählen konnte.
“Das bekommen wir wieder hin”, meinte der freundliche Handwerker schließlich und ich freue mich ungemein, dass ich das ganz alte Spinnrad bald mitnehmen kann, wenn ich zur Lesenacht in meine Bibliothek gehe,  zu den Grundschülern in das Schloss Altranstädt oder wir beide mit mir S-Bahn fahren werden, weil wir in das Völkerkundemuseum nach Wyhra müssen. Das alte Spinnrad erinnert so sehr an Dornröschen, Frau Holle oder die Müllerstochter, die Stroh zu Gold spinnen sollte.
“Du brauchst ein richtiges Spinnstübchen”, sagte mein Begleiter.
Ja, das wünsche ich mir auch. Aber vorher fahren wir noch ein wenig S-Bahn.

Ich hätte gern noch mehr fotografiert, aber ich wollte nicht als neugieriger Eindringling erscheinen.

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Ein Geschenk der Natur. Des Schwarzdorns weiße Blüten. Wie schmeckt ein Tee aus Schlehenblüten?

Die Blüten des Schwarzdornes

Die Blüten des Schwarzdornes

Es wurde Zeit zum Sammeln. Der Schwarzdorn steht in voller Blüte. In diesem Jahr wollte ich es nicht verpassen, Schlehenblüten zu sammeln. Ein Freund meines Sohnes, den ich schon ganz lange kenne, eigentlich seit der Kindergartenzeit der beiden Jungs, wollte seine Fotoanlage draußen testen und so sind wir eben beide losgezogen. Er hat getestet und ich habe Schlehenblüten gepflückt. Gut ist es, wenn man einen schönen sonnigen Tag erwischt.

Fräulein Neugierde

Fräulein Neugierde

Wieder zu Hause, wollte ich zeigen und fotografieren, wie man Schlehenblüten-Elixier herstellt. Zuerst muste ich aber Fräulein Neugierig vertreiben. Zu naschen gab es für sie nichts, aber vielleicht erinnert sie sich noch daran wie es draußen roch in der großen Freiheit. Schlehenblüten duften angenehm, leicht nach Mandeln.

Für das Elixier gibt man Schlehenblüten in ein Schraubglas, tut zwei Eßlöffel Honig (möglichst flüssigen) dazu, füllt alles mit herben Weißwein auf und stellt das Glas mindestens eine Woche an einen hellen, warmen Standort. Das Gemisch sollte man ab und zu vorsichtig umrühren. Wenn es seine Zeit zum Ziehen hatte und sich der Honig vollständig aufgelöst hat, kann abgefiltert werden. Jeden Tag ein Likörgläschen voll soll gegen Frühjahrsmüdigkeit helfen. Es regt den Stoffwechsel an, stärkt den Magen und soll jeden, der mit Erkältungen zu kämpfen hatte, wieder auf die Beine bringen. Ein Muntermacher im Frühling. Nicht schlecht!

Tee aus Schlehenblüten

Tee aus Schlehenblüten

Ganz besonders interessiert war ich aber an einem Tee aus frischen Schlehenblüten. Kompressen, in Schlehenblüten-Aufguss getänkt, helfen bei Hauterkrankungen. Eine innerliche Anwendung soll gut sein gegen Rheuma und Verdauungsbeschwerden.
Für den Tee gab ich zwei Teelöffel Schlehenblüten in ein Glas und übergoss sie mit ca 70°C-warmen Wasser. Heiß sollte das Wasser nicht mehr sein, weil es die Wirkstoffe zerstören würde. Auf den Aufguss gehört auf alle Fälle ein Deckel, damit sich nichts von den kostbaren Inhaltsstoffen verflüchtigen kann. Den Tee aus Blüten sollte man vorsichtshalber nicht überdosieren, da sie Spuren eines Blausäureglycoids enthalten. Viel hilft eh nicht viel.

Gut sieht es aus, wenn die Blüten im Aufguss schwimmen. Man muss nichts abgießen. Ich wollte aber vor allem wissen, wie der Tee schmeckt. Ihr auch?
Der Tee duftet und schmeckt nach Mandelmasse. Ein wenig erinnerte mich der Geschmack an meine Kindheit, wenn ich beim Backen in der Küche meiner Mutter die Schüssel “auskratzen” durfte. Tee trinke ich ohne irgendwelche Süße und empfand den Geschmack dieses Aufgusses als sehr angenehm.
Wer möchte, den nehme ich gerne mal mit auf meine Kräuterwanderung. Sehr weit weg von meiner Lieblings-Großstadt ist das gar nicht.

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Ist die Schlehe weiß wie Schnee, ist’s Zeit, daß man die Gerste säe.

Schlehenbluete

Heute morgen war der Nebel noch dichter als gestern. Waschküche könnte man sagen. Ich war noch am Hadern über die geklaute Stunde bei der Zeitumstellung auf Sommerzeit als es plötzlich aufklarte. Mein Sohn meinte, dass wir heute einen Spaziergang nicht verpassen dürfen. Ich wollte sowieso mal nach meinen Schlehen sehen und so sind wir los, bei herrlichsten Sonnenschein. Wenn die Blüten des Schlehdorns zahlreich sind, so soll es eine reiche Ernte geben, sagen die Bauern.

Die Schlehen blühen März bis April, noch ehe die Blätter des Strauches treiben. Dadurch sind sie gut vom Weißdorn zu unterscheiden. Herrlich sieht es aus, wenn die Hecken in voller Blüte stehen. Und wie das duftet! Für die Insekten ist die Schlehenblüte ein Fest. Und für mich gleichermaßen, denn ich liebe die Schlehen sehr, die Blüten, die Früchte, die Rinde, aus der man mit Kindern eine Tinte herstellen kann.
Die Volksmedizin sagt, dass man das ganze Jahr von Fieber gefeit ist, wenn man im Frühjahr drei Blüten der Schlehe ißt. Ob das so ist, weiß ich nicht, aber ich wollte einfach wissen, wie sie schmecken. Die Blüten, aber auch die Rinde und die Früchte der Schlehe wirken zusammenziehend, harntreibend, schwach abführend, fiebersenkend, magenstärkend und entzündungshemmend. Morgen werde ich Blüten sammeln, einen Tee aus frischen Blüten probieren und kraftspendendes Schlehenelixier ansetzen.

Schlehenhecke in den Schönauer Lachen Weiterlesen

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Mahatma – große Seele. Der Politiker mit dem Spinnrad. Eine Spinnradgeschichte.

SpinnradZur Zeit der englischen Kolonialherrschaft und zu Lebzeiten Gandhis lebte ein großer Teil der Bevölkerung als Bauern in Armut. Es mutet auf den ersten Blick schon seltsam an, wenn ein Bauer nicht einmal sich und seine Familie ernähren kann, geschweige denn andere. Die Kolonialmacht England verhinderte konsequent den Anbau von Nahrungsmitteln, war nur an Baumwolle und Indego (Grundlage für Blau-Färbung) interessiert. In England nun wurden aus indischer Baumwolle Stoffe gefertigt, die die Inder teuer erwerben mussten.

Im Jahr 1924 regte Gandhi die Spinnradkampagne an. Große Teile der Bevölkerung beteiligten sich und fertigten Garne und Kleidungsstücke selbst. Der Weg über England sollte nicht nötig sein. Auch Ghandi setzte sich ans Spinnrad. Er entwickelte sogar eines, das Charkha. Es war einfach, flach, leicht zu transportieren, mechanisch, nicht vom Stromnetz abhängig.
Mir gefällt das gut, nicht einfach laut gegen etwas zu sein, sondern für etwas zu handeln.

1947 erlangte Indien seine Unabhängigkeit von England und hat seitdem ein Spinnrad in der Mitte seiner Landesflagge. Weniger geworden sind die Probleme nicht. Das Geschäft mit dem Hunger blüht, nicht nur in Indien. Es muss uns schon klar sein, dass Hilfe nicht in aufgearbeiteten Altkleidern und ein paar Säcken Mais bestehen kann. Hilfe muss eben nachhaltig sein.

sehens- und nachdenkenswert bei ARTE

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Besuch beim Geheimen Kommerzienrat Leopold Offermann in Leipzig

Voelkerschlachtsdenkmal in Leipzig, vom Südfriedhof aus gesehenIm Moment lese ich sehr viel, darüber, wie die ersten Merinoschafe in Sachsen ankamen und die Grundlage bildeten für die Wolle, die gern in England aufgekauft wurde, um feine Tuche daraus zu fertigen. Bei meiner Herumsucherei nach Geschichten um Wolle und ihre Verarbeitung, bin ich auf Leopold Offermann gestoßen, der 1876 Direktor der Leipziger Wollkämmerei wurde. Offermann war Maschinenbauingenieur. Viele Neuerungen auf dem Gebiet der Wollverarbeitung gehen auf ihn zurück. Er hatte das große Ziel, unabhängig von der englischen Produktion zu sein. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er zum Königlich-Sächsischen Geheimen Kommerzienrat ernannt. Die Technische Hochschule Dresden verlieh ihm ehrenhalber die Doktorwürde.

Offermann gründete Zweigwerke (auch in Hamburg, Antwerpen und Thüringen) und trieb die Gründung der Kammgarn- und der Baumwollspinnerei in Leipzig voran. Noch zu Lebzeiten, ließ er eine Familiengrabstätte bauen. Die Stadt Leipzig erhielt von ihm Geld mit der Auflage, die Grabanlage nach seinem Tod in Ordnung zu halten.

Grabmal des Geheimen Kommerzienrates  Leopold Offermann in LeipzigUrnen am Grabmal von Leopold Offermann, Leipzig Bis zur Wende arbeiteten die Wollkämmereien und Spinnereien. Dann verschwanden sie als Produktionsstätten. Aber das Grab des Kommerzienrates Offermann gab es, gleich neben dem Völkerschlachtsdenkmal. Ich machte mich auf den Weg nach Leipzig-Probstheida.

Gern hätte ich mich einen Moment hingesetzt, aber dazu war es viel zu kalt.

Engel am Grabmal von  Leopold Offermann, Leipzig

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