Hitzefrei für alle, wenn auch nur für einen Tag.

hitzefrei auch für meine zierliche Feldwespe

Yeah, hitzefrei!

meine Güte, waren das Hundstage, an denen man schon schwitzt, wenn man sich morgens nur wäscht. Gestern Nachmittag dachte ich schon, ich überstehe das nicht. So eine leichte Panik kroch in mir hoch. Dann habe ich gesehen, wie die Katze Penny damit umgeht und habe es genau so gemacht: Ausruhen, Nichtstun, Abschalten.
Ich war im Garten gewesen zum Gießen und konnte mich zu Hause gar nicht mehr einholen.

im Garten

Heute Morgen habe ich erstmal auf die Wetter-App geschielt. Es ist ein Kreuz: Alle Wölkchen machen einen exakten Bogen um die Leipziger Tieflandsbucht. Da sehe ich sie gezogen kommen und zack, schrammen sie vorbei.

Dann aber! Die allerletzte und die kleinste Wolke meinte es gut mit mir. Es regnete. Hach, was sind das für liebliche Klänge. Für die Vögel in meinem Innenhof wahrscheinlich auch, denn es gab ein Konzert der Extraklasse. Ich beschloss, mal nicht in den Garten zu humpeln. Mit dem Regen kam auch Kühle.
Hitzefrei für alle.

zierliche Feldwespe

Meine zierliche Feldwespe musste heute auch nicht unentwegt Wasser schleppen. Sie konnte mal meine Katzenminze kosten und genießen. Und ich habe mich gefreut, dass ich ihr dabei zusehen kann. Sie wird mir sehr fehlen am Ende des Sommers. Jeden Morgen sitze ich mit dem Kaffeepott an der Balkontür und schaue nach meiner „Zarten“. Wenn dann meine beiden Hummeln angebrummt kommen, verkriecht sich die Wespe in der Katzenminze und fliegt ihnen auch so aus dem Weg.

Ich weiß nicht, ob die Hummeln der Wespe gefährlich werden könnten, gefährlich klingen sie jedenfalls, wenn sie so angedröhnt kommen. Nur, wenn sie ihren dicken Kopf in ganz kleine Blüten stecken, dann klingen sie schon ein bisschen albern. Stellt euch mal vor, wie sich der Ton ändert von einem dumpfen, tiefen Brummen in ein aufgeregtes, schrilles „Sssssssszzzzssss“. Das entlockt mir jedes Mal wieder ein Lachen, denn ich finde das lustig.

Wollarbeiten

Hitzefrei war nur „frei von Hitze“. Ich konnte mich endlich mal wieder mit meinem Wollkram beschäftigen und aus der Dreckspatzwolle schöne, blütenweise Leineschafwolle werden lassen. Auch am Spinnrad lief mir dann nicht mehr der Schweiß in Strömen. Ganz ehrlich, so krass habe ich die Hundstage noch nie erlebt.
Ab morgen kraxeln die Temperaturen nochmal stark nach oben, aber dann, ab Mitte der Woche soll es erträglich werden und bleiben.

Ach ja, die Denke wollte ob der kühleren Temperaturen auch wieder funktionieren. Beim Wollezupfen fiel mir ein, was ich das nächste Mal, wenn ich in Wyhra bin, mit den Kindern veranstalten kann. Die Holzpantinen spielen dabei die entscheidende Rolle. Meine nehme ich morgen mit in den Garten, denn ich muss etwas probieren und üben. Mache ich das auf meinem Balkon in Grünau, löse ich wahrscheinlich einen Polizeieinsatz aus.

Read More

Im Gasthaus „Zur Wespe“ herrscht Hochbetrieb.

Wolle und Tomaten für mich und Wasser für die Insekten im Gasthaus "Zur Wespe"

Zuerst war es ja nur eine Wespe, aber jetzt sind es mehrere, die die Muschel zwischen meinen Balkonpflanzen anfliegen und Wasser holen. Ich habe gut zu tun, die kleine Muschel mit kühlem Wasser nach zu füllen. Vorsichtshalber und damit es keinen Engpass gibt, habe ich noch einige Tränken eingerichtet. Im Gasthaus „Zur Wespe“ herrscht Hochbetrieb.

Ich weiß, dass die zierlichen Tierchen mit dem Wasser ihre Brut kühlen, in dem sie sie bespritzen. Bei den Temperaturen da draußen auf dem Balkon und an der Hauswand haben sie wahrlich gut zu tun. Zu gerne würde ich mal mitfliegen und kucken, was da passiert. Wer weiß, vielleicht ziehen sie im nächsten Jahr gleich ganz bei mir ein. Ich würde mich freuen.

Während die zierlichen Feldwespen da draußen fliegen und fliegen, ist mir jede Bewegung zu viel. Meine Wege und Außenarbeiten erledige ich ganz zeitig, um der Hitze wenigstens ein bisschen zu entgehen. Aus dem Garten kann ich jetzt täglich frische Tomaten mit nach Hause nehmen. Der Gartennachbar schenkte mir noch zwei Gurken, eine bekam ich von meiner eigenen Pflanze. Das wird ein Schlemmen! Ich esse das doch so gerne. Schon als Kind habe ich mich im Sommer davon ernährt. Der Figur wird es gut tun.

Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass ich am Spinnrad ins Schwitzen komme. Egal, ich habe wieder Wolle fertig und wenn die Temperaturen mal wieder gudrunfreundlicher werden, dann kann ich mit den Blättern des Essigbaumes färben. Im Moment habe ich gar keine Lust, neben einem heißen Topf zu stehen.

Oha, ich muss aufhören. Frau Wirtin muss ihren Gästen auf dem Balkon nachschenken, denn im Gasthaus „Zur Wespe“ ist immer noch viel los. Und danach werde ich wieder spinnen.

Wolle und Tomaten

Read More

Hitzewelle. Schlüsselstress. Freundlichkeit und Gleichgültigkeit.

Verschneufen vor der nächsten Hitzewelle

Garten wässern, Vögeln Wasser und Futter bringen, Bäume gießen. Nein Letzteres geht gerade nicht. Ich bekomme die Wassereimer nicht die Treppe hinunter. Die nächste Hitzewelle ist im Anmarsch, schlimmer als das, was bis eben war. Auf dem Balkon glüht die Luft, in der Wohnung genauso. Heute zählte Leipzig zu den wärmsten Städten. Ein Ende der Hitze und der Trockenheit ist nicht in Sicht. Von meiner Herumrennerei heute Morgen habe ich mich den ganzen Tag nicht erholt.

Als ich heute Morgen meinen Müll wegbrachte, saß neben dem Müllplatz eine Amsel, ganz still, und sah mich an. Der Zufall wollte es, dass vor der Mülltonne eine schöne Keramikobstschale stand. Mir kam eine Idee. Warte Amsel, du bekommst das Wasser, was ich immer bei mir habe. Ich stellte die Schüssel neben den Müllplatz, füllte das Wasser in die Schale und ging los, um im Garten zu gießen.

Im Garten merkte ich, dass ich meinen Schlüssel nicht hatte. Ich hatte ihn im Schloß am Müllplatz vergessen. Im Dauerlauf hastete ich zur Straßenbahn und dann zum Müllplatz. Kein Schlüssel. Ich hatte gehofft, dass er noch steckte. Einige Meter vom Müllplatz weg ist ein Vermietungsbüro meiner Genossenschaft. Dorthin hätte ich einen Schlüssel auch getragen, wenn ich ihn gefunden hätte. Also wieder los gerannt.

„Ach,“ sagte die freundliche Empfangsdame, „da war gerade ein junger Mann da. Der hat einen Schlüssel gefunden. Ich gehe mal fragen.“
Als sie wieder kam, war sie wie ausgewechselt.
„Einen Schlüssel haben wir nicht. Schließlich sind wir kein Fundbüro!“
„Vielleicht haben sie ja den Namen des Mannes notiert?“
„Nein. Hängen Sie doch einen Zettel an den Müllplatz.“
„Das kann ich nicht, denn Zettel und Stift liegen in meiner Wohnung. Und ich habe keinen Schlüssel.“
Sie zuckt mit den Schultern, dreht sich um und geht.

Ich habe noch einen Zettel organisiert und aufgehängt. Der Schlüsselfinder hat mich angerufen und ich bekam zum Glück meinen Schlüssel wieder.
Die Begegnung in dem Vermietungsbüro geht mir aber nicht so schnell wieder aus dem Sinn. Es ist eine Genossenschaft, die Radiowerbung macht und mit ihrem kostenlosen Schlüsseldienst wirbt: Wir lassen Sie nicht draußen stehen. Ach!
Nein, ein Fundbüro sind sie nicht, aber ein bisschen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft wäre schon nicht schlecht. Ich dachte immer, dass das eine genossenschaft ausmacht.

Ach Schluss jetzt. Ich will mich nicht mehr ärgern, sonst leide ich in dieser elenden Hitzewelle noch mehr.
Ich kaufe morgen eine Flasche Sekt für den Schlüsselfinder. Ihm war nämlich klar, dass der Schlüssel nur jemandem aus der Genossenschaft gehören konnte und wollte in alle Hauseingänge Zettel hängen. Neue Schlösser überall einbauen ist verdammt teuer und muss nicht sein, wenn wir uns gegenseitig helfen. Das tröstete mich dann schon wieder und ich musste den fremden Mann erstmal drücken.

Es ist immer noch höllisch warm draußen. Die Mauern des Hauses haben sich aufgeheizt, aber ich setze mich jetzt trotz elender Hitzewelle ein bisschen auf meinen Balkon. Deshalb:

Read More

Zerbrechlichkeit. Regen. Blutmond. Meine kleine empfindliche Welt.

viel selber machen gegen die Zerbrechlichkeit unserer Welt

Da regnet es doch tatsächlich. Nein, nicht viel und schon gar nicht ausreichend. Um die Defizite auszugleichen müsste es eine ganze Woche regnen.
Die Hitze und Dürre habe ich so richtig satt. Manchmal laufe ich durch die Gegend mit gesenkten Kopf. Ich mag den „Herbst“ in meiner Lindenallee nicht sehen, die verbrannten Wiesen, zerstrubbelte Vögel. Und dann sehe ich, dass zudem die Blüte eines Löwenzahn umgesunken ist. Diese Zerbrechlichkeit!

Mittlerweile spricht man ganz offen von Klimaveränderung, davon, dass der Jetstream schwächer wird und dadurch instabil. Extremwetter entsteht, weil die Hoch- und Tiefdruckgebiete wochenlang an einem Ort verharren.
Mich macht das wütend, weil wir trotz besseren Wissens einfach immer weiter wirtschaften als geht uns das nichts an. Nur weil einige wenige den Hals nicht vollbekommen können? Warum jagen wir sie nicht zum Teufel?

Während ich schreibe, sehe ich ab und an auf zur Mondfinsternis. Ich sehe auch den Mars, groß und rötlich. Faszinierend. Wir sollten auf unsere kleine Erde besser aufpassen, mehr Schutz einfordern, denn die Welt kann sich auch ohne uns weiter drehen. Die Zerbrechlichkeit der Mutter Erde kann ich spüren.

Manchmal fühle ich mich so hilflos. Und dann trage ich doch wieder den Vögeln Wasser und Futter hinunter, fülle meine Insektentränke auf und gebe, wenn ich laufen kann, meinen drei Straßenbäumen Wasser. Ich weiß, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist.

Gestern hatte ich eine ehemalige Kollegin und jetzt liebe Freundin zu Besuch. Sie brachte mir Birkenblätter zum Wolle färben mit. Sogleich ging mir durch den Kopf: „Hebe das gut auf, Gudrun, es ist ein Schatz. Wer weiß, wie lange die Birken hier noch Blätter haben können.“ Über die Besuche freue ich mich immer sehr, weil wir gemeinsam überlegen, wie wir Lebensmittel konservieren können ohne Tiefkühlschrank und überhaupt großen Energieaufwand. Ein Dörrgerät wollen wir bauen und nur die Sonnenenergie nutzen. Davon hab ich gerade genug auf meinem Balkon.
Überhaupt ist es erstaunlich, was alles ohne Strom zu bewältigen ist. Für jeden Kokolores brauche ich nicht eine Extra-Elektrogerät und Bewegung ist gut auch gegen mein Zipperlein.

Ich möchte viel mehr selber machen.

Balkontag, Ruhe und leider wieder kein Regen.

Balkontag

Gestern war Balkontag, das heißt alles, was zu tun war spielte sich da draußen ab. Ich war ganz froh, dass ich mal mit mir alleine sein durfte. Es gibt so vieles, was mich beschäftigt und worüber ich mich gerne austauschen möchte, aber es ist schwierig geworden.
Ein bisschen stiller bin ich eh geworden, denn mit Schmerzen schreibt es sich nicht locker und ausgewogen.

Ich hätte mich gefreut, wenn es gestern auch hier mal ordentlich Regen gegeben hätte. Mehr als dreieinhalb Tropfen gab es aber nicht. Meine Pfütze vor dem Haus, in der die Vögel nach Regen so gerne baden, blieb weg. Die einzige bin ich nicht, die den Vögeln Wasser hinstellt, aber zum Baden reicht es nicht. Und genau das müssten sie öfter tun können, damit die Milben sie nicht auffressen.

Nie wieder werde ich über Regen jammern, denn das was hier in der monatelangen Trockenheit abgeht, ist einfach nicht schön. Ich hoffe sehr, dass das ewige Gescharre nach Kohle und das Betreiben der Kohlekraftwerke bald der Geschichte angehören. Anzeichen einer Klimaerwärmung sind nicht mehr weg zu reden oder zu ignorieren. Ich wäre heute gerne in den Lene-Voigt-Park gegangen. Robert Habeck kommt. Laufen oder Stehen geht aber gerade nicht so gut. Also werde ich das aus der Ferne verfolgen.

grüne Tomaten am Strauch

Es scheint, meine Tomatenernte auf Balkonien wird gut. Drei Pflanzen waren nach der Anzucht auf dem Küchenfenster übrig geblieben. Ich konnte sie einfach nicht wegwerfen. Diesen Tomaten, die ursprünglich aus Südspanien stammten, scheint es gut zu gehen, obwohl sie mit arger Hitze und einem relativ kleinen Topf klarkommen müssen. Ich hätschele sie aber auch. Sie werden öfter mit der Brühe gegossen, die nach dem Einweichen der Schafwolle übrig bleibt. Ein hervorragender Dünger ist das. Die drei Sträucher danken es mir, in dem sie immer noch reichlich blühen.

nach der Wollwäsche

Schade, dass meine Wollwaschkinder aus Wyhra nicht sehen können, was aus ihrer Wolle geworden ist. Ja, sie flatterte dort auf der Leine, aber so richtig sieht man es erst jetzt wie schön sie geworden ist. Ich kenne es ja nun schon, bin aber auch immer wieder begeistert. Die meiste Wolle wird eingelagert. Im Winter habe ich genug Zeit, sie zu verarbeiten. Nur einen Teil muss ich jetzt verspinnen, weil ich noch einmal mit den Blättern vom Essigbaum färben will. Eine Strickjacke will ich mir stricken und dafür brauche ich schon eine ordentliche Menge von der gelben Wolle.
Ich muss mich beeilen, denn der Baum sieht auch schon aus, als würde er gleich alle seine Blätter von sich werfen wollen.

damit ist geklärt, wer strickt

So sieht das aus, wenn bei Gudrun gestrickt wird! Es wird wohl dauern mit meiner Jacke.Das ist so, wenn der Balkontag zu gut ist.

Read More

Ein durch und durch schöner Tag.

Gestern war ich mal wieder unterwegs. Es war ein durch und durch schöner Tag, der morgens in der S-Bahn nach Neukirchen-Wyhra gleich so anfing. Mit der Schaffnerin hatte ich ein Schwätzchen gemacht. Wohin ich denn mit meinem Krempel will, hat sie gefragt. Und weil die Haltestelle in Neukirchen-Wyhra ein Bedarfshalt ist, kam sie extra nochmal durch den Zug geflitzt um zu schauen, ob ich auch die Haltetaste gedrückt hatte. Nicht dass die Ferienkinder zum Oma-und-Opa-Tag im Volkskundemuseum etwas verpassen.

Ein Hof mit lebendiger Geschichte

ein durch und durch schöner Tag im Volkskundemuseum Wyhra

Hier bin ich so gerne, im Volkskundemuseum Wyhra.

Es gibt so viel zu sehen und zu entdecken. Altes bäuerliches Leben wird lebendig. Nicht nur Kinder staunen, wie viel Mühe es machte, aber auch, wie sich die Menschen damals immer wieder zu helfen wussten. Im Gespräch mit den Omas und Opas erfuhr ich, dass es auch öfter schon Dürren gab, eine ganz schlimme 1947. Das war in einer Zeit, wo es eh schon wenig zu Essen gab, in der viele Männer aus dem Krieg nicht wieder nach Hause kamen oder in Gefangenschaft waren.
Nein, damit will ich nicht sagen, dass wir keine Umweltprobleme haben. Die haben wir und wenn wir nicht aufpassen, geht so vieles verloren.

Viel Zeit hatte ich im Museum nicht zum Verschnaufen. Die ersten Gäste kamen früh und der Andrang blieb bis zum Schließen des Museums.
Am frühen Nachmittag klebte mir die Zunge am Gaumen vom vielen Reden. Wir haben Wolle gewaschen, sie gekämmt und auch mit den Handspindeln gesponnen.

Vor allem die Wollwäsche war der Renner bei den Kindern. Nun, das riecht ja ein bisschen, aber die Kinder störte das nicht. Sie fanden es schön, wenn aus dem grauen Etwas schöne weiße Wolle wurde. Da wir nur Wasser verwendeten, brachten wir das Waschwasser in den Bauerngarten. Die Pflanzen haben sich sicher gefreut.

Der alte Bauernofen und leckerer Kartoffelkuchen

Damit es wirklich ein durch und durch schöner Tag wird, heizt man auch den alten Backofen in der Bauernküche an. Das Holz duftet beim Verbrennen und im Ofen bäckt Kartoffelkuchen. Ich bekam am Ende des Tages ein großes Stücke mit und habe zu Hause mit großem Vergnügen und Genuss gegessen. Wie lecker der Kuchen war!
Vielen Dank, ihr lieben Menschen im Volkskundemuseum.

Ein durch und durch schöner Tag.

Am Ende des Tages war ich wirklich müde, fix und fertig eben. Ich hatte die ganze Zeit gut zu tun. So etwas würde ich gern jeden Tag tun, immer das, was gerade zur Jahreszeit passt und was gerade anstand auf einem Bauernhof. Alte Handarbeitstechniken zeige ich ja eh gerne.

Manchmal wurde ich gefragt, woher ich komme. Hätte ich gesagt: „aus dem Nachbardorf“, hätte man genickt und gut. Bei „aus Leipzig“ war man dann doch etwas erstaunt. Ich würde mich ja auch gerne in meiner Stadt einrichten, aber „cool“ ist hier anderes und mir persönlich fehlen die dazu nötigen finanziellen Mittel. Fahr ich eben. Das ist es mir Wert.

Es war ein durch und durch schöner Tag, von dem ich lange zehren kann und der mir auch schon wieder neue Ideen brachte. Die Begegnung mit netten Menschen brauche ich sehr.
Die LVZ berichtete übrigens auch von diesem Tag. Wenn man sucht nach „Waschen wie vor hundert Hahren in Wyhra“, dann findet man den wirklich schönen Beitrag.

Alle Fotos heute auf dem Blog stammen von dem Leipziger Fotografen Gerd Eiltzer. Vielen, herzlichen Dank, dass ich sie verwenden durfte. 

Read More

Leben helfen und behüten. Besuch auf dem Balkon.

Leben helfen und behüten

Leben helfen, auch ja, das ist bei mir gerade viel mehr als eine Überschrift.

Morgen fahre ich zum Oma-und-Opa-Tag in das Volkskundemuseum Wyhra. Und heute hocke ich auf meinem Balkon und sortiere alles, was ich in meiner Karre mitnehmen möchte. Das Spinnrad muss diesmal zu Hause bleiben. Mit der S-Bahn bekomme ich es nicht weg und schon der Weg dahin würde sich schwierig gestalten. In Neukirchen werde ich abgeholt. Ich freue mich auf die Mitarbeiter im Museum, denn sie sind so lieb und aufmerksam. Das tut gut.

Ich zeige ja gern, wie vom Schaf ein Faden kommt. Nun macht man das nicht mehr wie anno Dunnemals, aber langwierig ist es auch trotz Maschinen. Das fängt schon damit an, dass die Wolle sauber werden muss, dass alles heraus muss, was nicht hineingehört, was aber das Schäfchen so eingesammelt hat. Kletten zum Beispiel. Eine Schere zum Entfernen wäre nicht gut, denn jede Schnittkante macht sie Wolle kratziger. (Chemie mag ich nicht.)

Ich habe das Glück, diesmal Rohwolle mitnehmen zu können, so wie sie vom Schaf kommt. Gestern durfte ich beim Nabu in Kulkwitz nochmal in den Wollsack greifen. Und so kann morgen unsere Veranstaltung anfangen mit dem Auslesen und der Wäsche der Wolle. Kinder sind immer sehr begeistert, wie plötzlich aus einem grauen, schmutzigen Etwas kuschlige weiße Wolle wird.

Leben helfenWie ich so auf meinem Balkon sitze und mein Zeuchs zusammen packe, merke ich, dass ich Besuch habe.
Im zeitigen Frühjahr, als es hieß, die entkräfteten Bienenköniginnen brauchen Unterstützung, hatte ich eine Muschel zwischen meine Pflanzen gelegt. Damals war da Zuckerwasser drin und jetzt fülle ich sie beim Blumengießen immer mit Wasser auf. Seit Monaten ist es hier furztrocken. Irgendwer wird es schon gebrauchen können.

Und tatsächlich, sie kam, die Wespenartige mit den langen Beinen und den hohen Flügeln. Sie tankt Wasser, schleppt es weg und kommt wenige Minuten später wieder, um Wasser zu holen. Ich hatte auch ein Deckelchen mit Zuckerwasser hingestellt. Das will sie nicht. Ich denke, sie muss die Brut versorgen. Und ich freue mich sehr, dass ich ihr ein wenig dabei helfen kann. Sie dürfte auch auf meinem Balkon wohnen. Na, vielleicht im nächsten Jahr.
Interessant ist, dass mein Besuch sich so weit in das Schälchen beugen kann, dass man meinen könnte, sie hat sich von ihrem Unterkörper getrennt.

Die ganze Zeit überlege ich, wie ich Leben helfen kann, bei uns und anderswo. Ich denke nämlich, dass das gerade wichtig ist in Zeiten, wo demokratische Errungenschaften arg in Gefahr sind. Bei uns und anderswo. Aber das wird sicher mal ein Extrabeitrag.

Read More

Über Land. Wolle aus dem Landkreis.

über Land

Meiner Freundin bin ich sehr dankbar, denn wir beide sind heute über Land gegurkt. Ich durfte bei beim Nabu nochmal Wolle holen von den Leineschafen und nach Färbepflanzen wollte ich auch nochmal Ausschau halten, besonders nach solchen, die ich trocknen kann. Der nächste Winter kommt bestimmt und da will ich auch noch etwas zu werkeln haben. Wenn ich irgendetwas tun kann für den Nabu, dann werde ich das tun. Gerne.

über land

Meine Gegenlichtaufnahme hat mein Handy nicht geschafft. Das rechnet kühn alle gewollten Blendflecke raus. Die Trockenheit aber ist sichtbar. Ein bisschen sieht es schon aus wie Herbst. Wir hörten, dass die Leineschafe schon jetzt „zugefüttert“ bekommen müssen. Die Wiesen, die sie sonst immer kurz fressen, sind vertrocknet. Und eigentlich sind das Feuchtwiesen, Lachen.

große Trockenheit in der Leipziger Tieflandsbucht

Heute habe ich keine Schafe gesehen. Sie waren weit weg und die Lämmer, die beim letzten Mal gerade geboren worden waren und noch besondere Pflege bekamen, sind jetzt allerdings mit der Herde unterwegs. Wie schnell doch die Zeit vergeht! Manchmal erschreckt mich das, weil mir dann der Zeitlauf so sehr bewusst wird und auch die Tatsache, dass alles endlich ist, mein Leben auch.

die alte Mühle in Göhrenz

Es hat gut getan, raus aus der Stadt zu fahren, über Land. Einmal, weil man Hitze und Stadtlärm hinter sich lassen konnte und zum anderen, weil es mir unglaublich gut tut, einfach nur hier zu sitzen und zu schauen, zu riechen, zu hören. Diese Ruhe und Gelassenheit, die mich an solchen Orten überkommt, brauche ich dringend. Es gibt gerade viele Dinge, die mich aufregen und die ich nicht hinnehmen möchte. Ich würde gerne das Buch von Steven Levitsky und Daniel Ziblatt „Wie Demokratien sterben“ lesen. Die beiden sind Professoren für Regierungslehre an der Universität Harvard und ich erwarte hier Antworten, die ich so dringend suche. Das Buch kann ich mir allerdings gerade nicht leisten. Ich muss mal sehen, ob ich es in einer Bibliothek finde.

Rainfarn - eine meiner Färbepflanzen

Rainfarn. Davon habe ich mir heute welchen mitgenommen. Er trocknet neben der ersten Leineschaf-Wolle auf meinem Balkon, wird dann geschnitten und eingelagert, bis ich ihn für weitere Färbeversuche wieder hervor hole. Für die Wiese auf dem Bild wünsche ich mir so sehr Regen.

Morgen werde ich meine Veranstaltung zum Oma-und-Opa-Tag im Volkskundemuseum Wyhra vorbereiten. Am Mittwoch werde ich also schon wieder über Land fahren. Ich glaube, diesmal werde ich mit den Kindern zuerst einmal Wolle waschen, denn so fängt alles immer an.

Read More

Kordeln knüpfen. Freundschaftsbänder. Freundschaft.

Kordeln knüpfen zum Oma-und-Opa-Tag

Ist schon wieder ein Jahr um? Dabei war ich doch erst zum Oma-und-Opa-Tag im Volkskundemuseum Wyhra!
Und nun sitze ich schon wieder und bereite diesen Tag vor. Jedes Jahr möchte ich etwas anders machen mit den Kindern und natürlich auch mit den Omas und Opas. Klar, dass ich wieder Wolle verarbeite, als Spinnfrau. Nach langem Überlegen und Probieren steht fest: Ich werde Kordeln knüpfen, als Armband, Kette, Deko. So, wie es gerade gewünscht ist.


Kordeln knüpfen
Ich suche immer etwas, wobei sich niemand verletzten kann und jeder mitmachen kann, egal, welchen Alters. Fertigstellen und mitnehmen muss man es können.
Zuerst wollte ich mit einem Stücke Pappe als Hilfsmittel weben, aber dann entschied ich mich doch für die Kordeln. Freundschaftsbändchen zu verschenken finde ich gar nicht so schlecht.

Freundschaft: Auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander. Ich habe den Eindruck, dass die Begrifflichkeit immer mehr verkommt.
Einem Freund sage ich auch mal etwas, was ich denke, was er aber vielleicht so nicht hören will. Kritik kann für beide Seiten konstruktiv sein und sie fördert eine Auseinandersetzung mit bestimmten Sachverhalten. Zu kritisieren, Kritik auszuhalten und über kritische Fragen zu diskutieren, ist anstrengend, fordert einen. Manch einem scheint das zu viel zu sein. Der sagt entweder gar nichts mehr oder aber er schließt sich einer Gruppe an, die laut genug auftritt, einfache Floskeln und Parolen durch die Kante brüllt und endlich mal zeigt, was Phase ist. Manchmal hat das kaum Inhalt und viel „eigenes“ hat es auch nicht, aber trotzdem erfährt es großen Zuspruch. Man will dazu gehören. Und dann geht es auch mal so aus, dass wieder gesagt wird: Das habe ich nicht gewollt.

Ach, herrje, wenn ich hier vor mich hin wusele, habe ich auch viel Zeit zum Nachdenken. Auch darüber, wie ich persönlich mit bestimmten Erscheinungen oder Sachverhalten umgehe. Und dabei wollte ich doch nur ausprobieren, wie man mit wenig Mitteln Freundschaftsbänder, Kordeln knüpfen kann.

Freunschaftsbänder knüpfen aus Garn
Read More

Noch nie habe ich mich so sehr über Regen gefreut.

Warten auf Regen

auch die Birke vor dem Haus braucht RegenImmer, so Ende August, wenn andere noch fleißig Baden gehen, plagt mich mein Rheuma. Herbstschub nenne ich das. Ach, ich beschreibe jetzt nicht, was das mit mir macht. Kurze Zeit später stellt sich immer das Wetter um. Meine Freundin meint, ich solle mich doch mal als Wetterprophet versuchen.
Jetzt hatte ich so einen Schub auch. Jetzt schon?
Im ganz Geheimen fing ich an auf Regen zu hoffen. Und der kam auch heute Nacht.

Ständig bekomme ich jetzt Post von allerlei Umweltverbänden. Und eigentlich läuft es auf eine Spende hinaus. „Liebe Frau Dingens,“ stand in einem Schreiben, „geben Sie sich einen Ruck“. Ach Leute, ich brauche keinen „Ruck“ um Bankgeschäfte zu tätigen, bin weder zu doof dazu noch zu faul. Es ist nur so, dass ich es mir nicht leisten kann, zu spenden. Es geht nicht.

Bäume will man kaufen und setzen. Das finde ich gut, denn jeder Baum in der staubigen, lauten, heißen Stadt sorgt für ein besseres Klima. Bäume setzen, und dann?
Das Grün um mich herum bot ob der wochenlangen Trockenheit und Hitze einen traurigen Anblick. In meiner Lindenallee färben sich die Blätter gelb oder braun und fallen zu Boden. Wie im Herbst. Verzweifelt suchen Vögel in dem trockenem Laub nach Essbarem. Die Büsche lassen die Blätter hängen oder rollen sie ein. Das Grün ist eher zum Grau geworden. Regen fehlt.

Ich habe alle Briefe in den Papierkorb geworfen. Mit zwei Wassereimern bin ich mehrmals meine Treppe aus dem Vierten herunter geschlichen und habe drei im vergangenem Jahr gesetzten Bäumen an der Straße Wasser gebracht. Sie konnten noch gar nicht lange Pfahlwurzeln bilden. Leicht fällt mir das Geschleppe nicht, aber bewegen muss ich mich immer.
Gespendet habe ich also auf meine Weise. Ich hoffe, dass ich die drei Bäume durch die Dürre bringe, weiß aber ganz sicher, dass meine Spende dort ankommt, wo ich sie haben will.

Und heute Nacht hat es tatsächlich geregnet. Noch nie habe ich mich über Regen so gefreut.