Wiedermal: Besuch in der Elsteraue.

Ich musste mal raus aus der Stadt. Einfach mal weg! Eine Freundin hat mich abgeholt und wir sind zu der Freundin gefahren, die in der Elsteraue wohnt.

Elsteraue

Es war schön. Die Freundin hatte Kuchen gebacken und wir haben in ihren Hof gesessen und es uns gut gehen lassen. Von der Terrasse ihres Hauses aus kann man über die ganze Elsteraue schauen. Ehrlich, ich könnte da nicht wohnen, weil ich ständig schauen müsste, was sich da unten tut.

Im Hof hat die Freundin ein großes Vogelhaus stehen. Die Spatzenschar fand das gar nicht prickelnd, dass wir schwatzenderweise auch im Hof herum saßen. Sie flogen das Vogelhaus öfter an, kehrten aber dann immer wieder um. Als wir wegfuhren, schauten wir noch mal zurück und mussten lachen. Die Spatzen überfielen den Hof mit dem leckeren Futter förmlich. Wahrscheinlich waren sie froh, dass die schnatternden Weiber endlich das Feld, den Hof, räumten.

Elsteraue

Die Elster-Freundin hat mir Kürbisse mitgegeben. Ihre Pflanzen waren den Hang hinunter gewachsen auf die Elsteraue. Zur Erntezeit ist meine Freundin auf der Aue herumgeschlichen und hat ihre Kübisse gesucht. Jetzt ist gemäht, aber im hohem Gras war das bestimmt nicht so einfach, alle zu finden und wahrscheinlich hat sich das halbe Dorf gewundert, was sie im ZickZack auf der Wiese herum schleicht.
Ab Februar werde ich ihr wieder Tomatenpflänzchen ziehen. Bei ihr im Hof tragen immer noch welche und im nächsten Jahr dürfen die Neuen das auch wieder fein reichlich tun.

Es war gut, dass ich unterwegs war. Die Sonne schien und es war noch ordentlich warm. Das alleine war schon gut, aber noch besser war es, dass ich mal alles vergessen konnte, was mich in Nachrichtensendungen so quält. (Mit Ignorieren hat das nichts zu tun.) Jetzt fühle ich mich wieder stärker und heute habe ich auch die Gewissheit, dass ich nicht alleine bin mit meinen Gedanken, Wünschen, Zielen und Vorhaben.

Kein gewöhnlicher Tag oder was wäre wenn?

Es hatte einer sein können, ein gewöhnlicher Tag. Er ist es aber nicht, ganau wie die Tage davor. Ich kann meine Ruhe nicht mehr finden.
Die Abende sind wieder länger und ich habe meine Wollkiste aufgemacht. Solche Arbeiten zu Hause haben mir immer geholfen, mich zu beruhigen und klarer zu denken. Nein, diesmal klappte das nur bedingt.

die Spule ist voll
Wolle vom Gotland-Pelzschaf – die Spule ist voll

Ich kann mich noch erinnern, wie es war als junge Mutter, als mein erstes Kindchen zum ersten Mal krank wurde. Es hatte Fieber, glühte förmlich. Voller Panik packte ich es in den Kinderwagen und rannte im Dauerlauf durch den Leipziger Osten in die Kinderklinik der Uni. Ich glaube, ich kam in einem erbarmungswürdigen Zustand da an. Meinem Kindchen wurde sofort geholfen und mir damit natürlich auch.

Wie wäre es aber gewesen, wenn man mir gesagt hätte, dass man meinem Kind nicht helfen kann, weil es keine Medikamente gibt?

Wollarbeiten. Es ist kein gewöhnlicher Tag mehr
Die weiße Wolle hab ich geschenkt bekommen, gesponnen und verzwirne die beiden jetzt.

Wenn eines meiner Kinder mal keinen Appetit hatte, begann ich mir Sorgen zu machen. Was aber, wenn sie vor Hunger geweint und geschrien hätten, weil ich ihnen nichts hätte geben können? Was wäre, wenn ich nicht mal Wasser gehabt hätte für den größten Durst und um sie zu säubern?

Weiches selbstgesponnenes Garn. Ich werde mit Weben anfangen.

Vor einigen Tagen gab es in Afghanistan wieder ein schweres Erdbeben. Mehr als 90 Prozent der Todesopfer waren Frauen und Kinder, wie das UN-Kinderhilfswerk UNICEF mitteilte. Nach UN-Angaben waren insgesamt mehr als 12.000 Menschen von den Beben betroffen. Nehmen wir das bei aller Kriegsberichterstattung überhaupt noch zur Kenntnis? Und hätten wir nicht dort genug zu tun, um auch den Menschen zu helfen? Ein Stücke weiter wird eine ganze Region zusammengebombt.

Versteht mich bitte richtig: Jeder hat das Recht, sich zu verteidigen, aber keiner hat das Recht, unschuldige Menschen zu töten. Und es soll mir bloß keiner kommen mit den Sprüchen, dass man die Zivilbevölkerung verschonen will. Für dieses Ansinnen ist es in jedem Krieg zu spät.

Diese Tätigkeit sprach bisher immer für einen ganz gewöhnlichen Tag.
Diese Tätigkeit sprach bisher immer für einen ganz gewöhnlichen Tag.

Meine Gefühle im Moment kann ich kaum beschreiben. Ich bin traurig, weine. Und manchmal verliere ich den Glauben an das Gute.
Und dann wieder rede ich mit meinen Nachbarn, mache das Körbchen vom Gastkater winterfest, erzähle Geschichten und höre zu, verschenke Kräuter, … Die kleine Welt, um mich herum, möchte ich bewahren.

Aber ganz ehrlich: Ein ganz gewöhnlicher Tag wird es einfach nicht.

Nachtrag:

Ich habe drei Kommentare von einem Menschen gerade gelöscht. Wir sind viele Menschen auf der Erde und so gibt s auch viele Meinungen. Manche kann ich mir nicht annehmen. Dann ist es eben so. Man kann sich trotzdem respektieren, denn es gibt ja noch viele andere Dinge, die man durchaus gemeinsam hat.
Beschimpfen und beleidigen lasse ich mich aber nicht. Und schon gar nicht, wenn ich gegen Gewalt, Waffen und Kriege bin, sondern für Frieden, Abrüstung und Diplomatie.

Wärme schaffen und Reformationsbrötchen backen

Wenn meine Freundin kommt und meint sie muss mir was Gutes tun und mich zum Essen einladen, dann lehne ich das meist ab. Ich bin nicht die, die auf gepflegte Gastronomie großen Wert legt und sich dort besonders wohl fühlt. Das war schon immer so. Zu Hause freue ich mich über meine Linsensuppe, die Gemüsetöpfe aller Art und auch mal über Quarkkeulchen. Joghurt mache ich selber und auch das Brot. Gestern war es uns nun danach, Reformationsbrötchen zu backen. Wir hatten viel Spaß dabei und das Gebackene schmeckte dann zum Kaffee besonders gut.

wir backen Reformationsbrötchen

Immer um diese Zeit gibt es hier in der Gegend dieses besonderes Gebäck, die Reformationsbrötchen. Beim Bäcker war mir aber der Appetit vergangen als ich den Preis dafür sah. Alle Zutaten hatte ich zu Hause, also beschloss ich, ab jetzt selber Hand anzulegen.

Ehe jetzt wieder irgendein Zeigefinger hochgeht: Ich weiß, dass die Reformationsbrötchen der Lutherrose nachempfunden sind, dem Siegel Luthers. Sie hat fünf Blütenblätter. Wir haben nur vier gemacht. Auch die beim Bäcker waren so, wahrscheinlich, weil es so einfacher ist mit der Herstellung.

das nächste Mal bekommt mein Reformationsbrötchen vielleicht auch seine fünf Blütenblätter
das nächste Mal bekommt mein Reformationsbrötchen vielleicht auch seine fünf Blütenblätter

Die Reformationsbrötchen bestehen aus leichten und fettarmen Teig, Stollenteig nicht unähnlich. Es ist also kein Hexenwerk, die Brötchen herzustellen. Kaufen werde ich nie wieder welche und zu dem momentanen Preisen gleich gar nicht. Irgendwie muss ich schon wichten, sonst komme ich nicht mehr zurecht.
Warm war es geworden durch unsere Backerei, Spaß hatten wir auch und schließlich etwas Gutes zum Kaffee. Mehr brauchte es nicht.

Mir geht es gut. Da gibt es nichts zu meckern. Ich denke auch, dass ich mein „Krisenmenagement“ annehmbar bewältige. Mir geht es nur nicht gut, wenn ich daran denke, dass es viele Menschen gibt, die ohne Strom, Wasser und Nahrung, notwendige Medikamente und ohne ein Zuhause leben müssen. Ich hoffe sehr, dass alle Entscheidungsträger einen klaren Kopf behalten und sich dafür einsetzen, dass Leben erhalten wird und nicht vernichtet. Ich glaube fest daran, dass es dann friedlicher werden kann.

Das sind die letzten Dahlien aus dem Garten. Wenn die Knollen der Pflanzen ausgebuddelt und eingelagert sind, dann ist bei uns die Gartensaison vorbei. Noch ein bisschen Winterfestmachung ist nötig und dann halt nur noch das Vögelfüttern. Herr E. wird wohl nun immer alleine in den Garten fahren für den Rest des Jahres.

die letzten Dahlien - jetzt ist wirklich Herbst

Der Sandsack auf den Schultern

„Stell dir vor, dass alle Menschen ihr Leben in Frieden leben. Du wirst sagen ich bin ein Träumer, aber ich bin nicht der Einzige. Ich hoffe, dass du dich uns eines Tages anschließt und die Welt wird Eins sein.“ 
(John Lennon)

So komme ich mir manchmal vor, mit einem Sandsack auf den Schultern, der sich schwer trägt.
Da, wo Hitze und Trockenheit nicht den Wald anzünden, sorgen Menschen für Brände. Wo nicht Erdbeben Häuser zerstören, bomben Menschen sie weg.
Es ist an so vielen Stellen der Erde Krieg und er ist verdammt nahe gekommen. Krieg, das ist nicht einfach eine Computersimulation, es ist Hunger, Elend, Siechtum, Tod. Und jeder, der einen Krieg anzettelt, schickt Menschen genau dahin, in den Tod. Da ist nichts mehr rückgängig zu machen.

Ich bin meinem Vater heute noch dankbar, dass er über seine Erlebnisse im zweiten Weltkrieg gesprochen hat. Viele konnten das nicht, haben geschwiegen. Mein Vater wollte am Anfang, gerade 18 Jahre alt geworden, ein Held sein und es endete so wenig heldenhaft. Alles Menschliche fällt weg im Krieg. Es fiel ihm schwer, darüber zu reden, aber auf mich hat das, was er zu erzählen hatte, letztendlich mehr Eindruck gemacht als jedes Geschichtsbuch. Ich habe ihm versprochen, dass ich meine Kinder nicht für Kriege hergebe, für keinen Grund der Welt. Es gibt keine gerechten Kriege. Und es gibt an keinem Ort der Welt eine Rechtfertigung, Kinder, ihre Mütter und Väter, Schulen, Krankenhäuser und anderes weg zu bomben.

Ich werde nicht schweigen. Ich träume davon, dass aus Schwertern wirklich Pflugscharen werden. Und ich weiß, dass Kriege durch Machtstreben und Gier entstehen. Nein, es ist nicht ein Ausrutscher eines „Nieselpriems“, wie immer er auch heißen mag. Es stehen knallharte Interessen ganzer Gruppe dahinter, denen es völlig egal ist, was mit den einzelnen Menschen geschieht. Hauptsache, es klingelt in ihrem Säckel. Das meiste Geld lässt sich in der Rüstung verdienen und am besten, wenn das Zeuchs auch noch verballert wird. Um Investoren muss man sich da gerade nicht sorgen. (Das kann man nachlesen in Börsenberichten.) Ein Spielwarenhersteller in Eisleben, der Stahlmöbel für Schulen herstellt, schließt. Ja, klar, wer braucht denn so was?

Noch mehr Waffen verhindern keine Kriege. Man sieht es ja.
Im Moment habe ich den Eindruck, dass alles völlig ungehemmt aus dem Ruder läuft. Vor morgen graut es mir.Ich habe Angst.

Vor einigen Tagen habe ich ein unveröffentliches Lied von 1981 von „Zupfgeigenhansel“ gefunden. Bei öffentlichen Auftritten bei Friedensveranstaltungen haben sie es gesungen. Als ich es hörte, kamen mir die Tränen. Manchmal fühle ich mich so schrecklich hilflos.
Ich wünsche mir solche Veranstaltungen wieder, nicht nur in meinem Land. Und ich wünsche mir, dass wir wieder mehr miteinander reden, unaufgeregt und ehrlich. Und das wir uns achten und akzeptieren, auch wenn wir nicht immer 100 %ig einer Meinung sind.

Den Sandsack auf den Schultern würde ich so gerne wieder los werden.

Hier kann man sich das Lied von Zupfgeigenhansel anhören.

Hüttenschuhe für ein bisschen Wärme.

Meine Stimmungslage kann ich gar nicht beschreiben im Moment. Da ist gerade alles dabei. Ich bin traurig, wütend, hilflos, ängstlich, aufmüpfig … Das was jetzt in der Welt passiert ist fast unfassbar und macht mich sprachlos. Aber genau das mochte ich nicht sein.
Ich musste mich heute erstmal sammeln. Und wie kann ich das am besten? Indem ich mich in meinern Wollkisten „vergrabe“. Ich habe die nächsten Hüttenschuhe geplant und vorbereitet, weil ich dabei am besten denken kann. Ich will nicht untätig zusehen, wenn im eigenem Land und auch anderswo in der Welt Ungutes passiert.

Meine Hüttenschuhe

Ich habe schon viele Hüttenschuhe gestrickt und nicht von allen habe ich noch Fotos. Die hier habe ich mir noch auf dem Rechner zusammengesucht. Das Garn für die Schuhe spinne ich selbst. Das heißt, ich habe immer ein bisschen Vorbereitungszeit nötig und Planung. Irgendwann will ich für ein Kind Schafschuhe stricken und überlege jetzt schon, wie ich meine „Fusselwolle“ für das Schaffell hinbekomme.

Es ist mir zu langweilig, immer die selben Hüttenschuhe zu fertigen. Also setze ich mich hin und zeichne verschiedene Möglichkeiten auf, so lange, bis mir eine gefällt.
Diesmal will ich zwei verschiedene Garne kombinieren, verschieden nach der Farbe und nach der Wolle zweier verschiedener Schafrassen. Und bei aller Spielerei sollen die Hüttenschuhe ja auch noch haltbar sein.

Strickprobe

Die Nadelstärke musste ich wählen und dann mal schauen, ob die beiden Garne aus reiner Schurwolle sich miteinander vertragen. Sie tun es. Bei der Gelegenheit habe ich gleich noch die Maschen ausgezählt und nun kann ich beginnen mit meinen Hüttenschuhen. (Ich werde sie zeigen, wenn ich sie fertig habe.)
Weihnachten werde ich sie verschenken, für ein bisschen mehr Wärme. Das kann, glaube ich, jetzt jeder vertragen.

Ich mache mal weiter, denn ich habe noch einige Projekte vor in der nächsten Zeit.

Die Vorhersagen stimmten.

Heute wollte ich eigentlich wieder in den Garten. Der Himmel sah aber schon früh budzsch (sächsisches Wort des Jahres) aus, so dass wir uns nur für einen kleinen Spaziergang durch unser Wohnviertel entschieden. Es war auch gut so, denn pünktlich kam der Regen und die Kühle, genau so, wie es die Wetterfrösche in ihren Vorhersagen beschrieben.

Wir wollten auch mal sehen, ob in unserem Viertel irgendwas los war, aber es war genauso still wie immer. Eigentlich war es noch stiller, denn keiner rannte zur S-Bahn oder schnell noch mal in den Supermarkt. Vom Feiertag spürte man wenig. Hier hatte ich Vorhersagen gemacht und sie stimmten auch.

Auf der Skaterbahn tummelten sich viele Leutchen mit Skatbrett, Roller oder Radl. Der neu angelegte Platz nebenan war leer. Die Räumlichkeiten von „Nebenan“, ein Nachbarschafftstreff, haben nur von Montag bis Donnerstag geöffnet. Schade. Wenigstens haben wir uns das Programm vom Theatrium angesehen und beschlossen, wiedermal ins Theater zu gehen.

Hier braucht es keine Vorhersagen: Es ist Herbst.

Das braucht nun wirklich keiner Vorhersage: Es wird mit Macht Herbst. Die kühlen Nächte sorgen dafür, dass die Vegetation sich für die Winterruhe zurückzieht. Ich werde heute die Sommerdecke im Bette verabschieden. „Siebenschläfer“ heißt meine Bettdecke für die kühlere Jahreszeit. Ich überlege schon, ob ich von September bis Mai unter meiner Decke verschwinde und nicht wieder auftauche. Ich glaube aber, das würde ich nicht schaffen, zappelig und neugierig wie ich immer bin.

Das ist übrigens die Rampe, über die ich mit dem Rolli sicher ins Haus komme. Gestern waren noch viele Markisen und Sonnenschirme am Haus zu sehen. Jetzt wird es stiller auf den Balkonen.
Ich finde es großartig, so mobil sein zu können, trotz alledem. Im Winter wird es kalt werden, wenn ich draußen unterwegs bin. Trotzdem will ich jeden Tag raus, auch wenn es nicht mehr so lange ist wie an warmen Tagen.

Über den Feiertag heute schreibe ich nichts. Da kann sich jeder selber seinen Reim drauf machen oder mal beim MDR ein Stimmungsbild bekommen. Versteht mich recht: Keiner von meinen Bekannten, mit denen ich über unsere Geschichte unterhalten habe, will alte Verhältnisse zurück, aber es ist noch viel zu tun. Es wird alles werden, davon bin ich überzeugt. Aber es braucht Zeit, Geduld, Mühe und vor allem Verständnis.
Zu Hause habe ich mich mit einer Beschäftigung befasst, die gut tut in der dunklen Jahreszeit. Ich bin sehr froh, dass ich das kann.

Ich habe angesponnen!

Herbst ist und ich habe angesponnen.

Wenn der Sommer noch bleiben möchte.

Wenn der Sommer noch bleiben möchte, dann ist mir das sehr Recht. Ich habe alles stehen und liegen gelassen und bin mit Fridolin in den Garten gedüst. Angenehm warm war es, die Sonne schien und alle Daddeldinger wie Phon und Tablett blieben zu Hause. Ich habe mir Nachrichtenzeiten verordnet und außerhalb dieser Zeiten will ich davon nichts hören und sehen. Das hat gut getan, denn nur so konnte ich die Ruhe im Garten wirklich genießen.

Es wird Herbst in der Kastanie

Die Bäume färben sich so langsam ein. Da zeigt es sich deutlich, dass der Sommer vorbei ist. Vieles im Garten ist verblüht, wie mein Ehrenpreis. Er darf aber so stehen bleiben, denn die Samen holen sich die Vögel immer.
Am Schilfgras waren die Libellen noch eifrig dabei, Eier abzulegen. Auch am Teich bleibt bis zum Frühling alle Pflanzen unberührt, wie auch das Mädesüß und der Wasserdost.
Die Obstbäume verlieren langsam Blätter. Der Laubhaufen kommt wie immer zwischen die Komposte und dienen unserem Garten-Igel als Winterquartier.

Für den Ehrenpreis ist der Sommer vorbei.

Manche Pflanzen wollen sich aber noch nicht verabschieden. Vielleicht sind die Temperaturen jetzt gerade angenehm, denn Phlox, Lungen- und Eisenkraut fangen noch einmal an zu blühen.

Kräuter habe ich nochmal geerntet und auch Kürbisse und Tomaten. Durch die Wärme der letzten Tage haben es die Tomaten geschafft, ihre rote Farbe der Reife zu bekommen. Sie schmecken gut und sehen aus wie im Bilderbuch. Sie hatten allerdings einen optimalen Platz. Nicht gut war, dass Herr E. an manchen Tagen im Sommer nur in den Garten gefahren ist, um meine Tomaten zu gießen. Ich glaube, im nächsten Jahr bleiben sie bei mir auf dem Balkon. Ich sehe immer mehr Balkone mit Gemüsepflanzen in meinem Wohngebiet.

Im Sommer in meinem Garten gereift.

Blumen im Garten sind schön. Der Geruch von frischer Erde auch. Was mir aber am besten gefällt, sind die Tiere. Ich habe meinen Platz so eingerichtet, dass ich freie Sicht auf den Futterplatz der Vögel habe. Ich habe viel Freude daran, die Vögel zu beobachten und werde auch im Winter füttern, zu Hause und im Garten. Die Vögel futtern erst ordentlich und dann geht es gemeinsam zum Baden und zur Federpflege an den Teich.
Gestern war zum ersten Mal ein Kleiber zu Gast. Hach, wie habe ich mich gefreut. Den ganzen Tag über war ordentlich was los an der Futtersäule. Wollt ihr mal sehen?

großes Kino an der Futtersäule

Der Türkranz mit den Schafen ist inzwischen bei mir ausgezogen. Er ist verschenkt. Der Nächste liegt bereit und wird schon bald seine Geschichte erzählen und auf die Reise gehen.
Jetzt muss ich zu Hause erstmal einiges erledigen. Ich muss mich zum Beispiel um meine Kräuter, Tinkturen und Salben kümmern. Wenn es am Montag sonnig und warm sein wird, dann bringt mich mein Fridolin wieder in den Garten. Jetzt wünsche ich aber erstmal ein schönes Wochenende.

Nadelfilzen – ein Türkranz mit Schafen.

Was macht man, wenn man den Kopf gerade nicht bewegen sollte? Man bleibt sitzen als hätte man einen Stock verschluckt und bewegt eben bloß die Filznadel. Nadelfilzen ist eine gute gute Therapie gegen Schmerzen.
Meine Nachbarin und Freundin hatte meinen Türkranz gesehen. Und weil ihre Tochter Schafe genau so liebt wie ich und weil sie am nächsten Wochenende heiratet, hat sich die Freundin einen Türkranz für die Tochter gewünscht.

Nadelfilzen: zuerst entsteht der Korpus aus weißer Wolle

Im Garten habe ich schon mit dem Nadelfilzen angefangen. Ich fühle mich immer gar nicht gut, dass mir das Buddeln in der Erde dort nicht mehr möglich ist. Also mache ich Dinge, die ich kann. Diesmal habe ich beizeiten angefangen mit dem Nadelfilzen, so dass ich nicht unter Druck geriet.
Die Körper aller Figuren mache ich immer aus weißer Wolle. Davon habe ich genug. Dann wird die Farbe aufgenadelt. Es ist wirklich wie Malen, eben nur mit Wolle. Ich glaube, man sieht hier schon, was es werden soll. Oder?

Nadelfilzen: liegendes Schaf

Zuhause habe ich dann weiter gefilzt und langsam ging es vorwärts. Die Schafe entstanden und der Ring bekam Farbe. Weil die Tochter der Freundin schwarze Schafe liebte, filzte ich auch ein „schwarzes Schaf“. Die Schafe bekamen Klauen, Ohren und Schwänze.

Nadelfilzen: ein schwarzezs Schaf darf nicht fehlen

Da ist es, das schwarze Schaf. Es durfte als Erstes auf den Kranz.
Es geht also vorwärts. Nur ich sitze immer noch da wie ein Stock, mit dickem Pullover an und Schal um den Hals. Wenn ich aber so eine Beschäftigung habe wie das Nadelfilzen, dann wird alles erträglich und ich freue mich über jeden kleinen Fortschritt.

Nadelfilzen: der Türkranz mit Schafen ist fertig

Nein, das schönste Bild ist es nicht. Es war schon recht duster. Ich will aber den Kranz trotzdem zeigen. Vielleicht mache ich noch ein Foto, draußen bei ordentlichem Licht, bevor die Schafe bei mir ausziehen. Vorraussetzung ist aber, dass das Rheuma wieder Ruhe gibt.

So, ich wünsche allen einen schönen Sonntagabend. Ich plane noch meine nächsten Projekte, denn bis Weihnachten ist es nicht mehr lange hin.

„Mama sagt, dumm ist der, der Dummes tut.“ (Forrest Gump)

Stupid is as stupid does.

Eigentlich wollte ich heute über meine Kräutertinkturen schreiben, aber „ist der Plan auch gut gelungen, verträgt er doch noch Änderungen“.
Mir war gestern Abend so, wie einen Film sehen zu wollen. Herr E. las auf dem Balkon und ich musste nicht verhandeln über einen Film. Ich hatte mich für „Forrest Gump“entschieden. Der Spruch von Gumps Mutter: „Dumm ist der, der Dummes tut.“ ging mir danach nicht wieder aus dem Sinn.

Ich weiß nicht, wie oft ich den Film schon gesehen hatte; mindestens aber drei Mal, mit jedem meiner Kinder. Das war mir wichtig.
Und nun also auch wieder gestern Abend. Der Film berührt mich jedesmal aufs Neue, weil er von so viel Liebe und Menschlichkeit erzählt und von einem Menschen, der in jeder Situation seines Lebens zurecht kommt und seinen Weg findet. Auf seine Weise. Und so ganz nebenbei bekommt man noch eine kleine Lektion in amerikanischer Geschichte. Forrest wird oft verlacht und als dumm bezeichnet. Und dann kontert er immer mit dem Spruch aus der Überschrift: Dumm ist der, der Dummes tut.

Forrest sagte auch: „Meine Mama erklärt mir immer alles so, dass auch ich es verstehe.“ Das versetzte mir einen Stich, weil ich mich vor Jahren viel damit beschäftigt hatte, wie man lernen und wie viel Freude das machen kann. (Dann wurde ich nicht mehr gebraucht.)
Im Schulhort war für mich nicht der Gehaltsscheck das Größte, sondern wenn mich ein Kind aufgeregt an der Hand nahm und sagte: „Mutti, Mutti, komm mal mit. Ich muss dir etwas zeigen.“

Ich mag das Wort „dumm“ nicht. Es ist so ohne Inhalt und eigentlich nur abwertend. Da ist vielleicht jemand langsamer im Denken oder hat durch seine persönliche Entwicklung eine andere Denkweise. Aber dumm? Nein. Manche Auseinandersetzung und manche Wortwahl tun mir weh. Poltergesellen betonen immer wieder, dass sie ja nur ehrlich seien. Das bin ich auch, aber meine Worte werde ich mir noch mehr überlegen als bisher. Und mit Friede-Freude-Eierkuchen hat das so gar nichts zu tun.

Unterwegs auf der Suche nach Schafgarbe.

Wunderbares Spätsommerwetter haben wir und ich habe mich nochmal aufgemacht zur Kräutertour. Kräuter wollte ich noch einmal pflücken, heute besonders Schafgarbe.

Bei der Beschäftigung mit meinen Kräutern bin ich auf das Räuchern gekommen. Und nach einem Telefonat mit meiner jüngsten Tochter, haben wir beschlossen, dass wir das Weihnachten machen werden. Eine Feuerschale habe ich schon, aber noch keinen Quarzsand, keine Kohle und noch keine Zange.

Aber Kräuter sind schon reichlich vorhanden. Meist bleibt beim Herstellen von Salben und Tinkturen etwas übrig, wie zum Beispiel Schafgarbe. Und die heute Gepflückte trocknet nun auch noch am Regal in meinem Zimmer.

Im Moment bin ich dabei „Sonnenkräuter“ zu sammeln: Johanniskraut, Ringelblume. Kamille, Rainfarn und eben auch Schafgarbe. Wermut und Holunderblüten habe ich schon getrocknet. Meine Königskerze wird mir leider erst im nächsten Jahr Blüten schenken.

Auf der Suche nach alten Bräuchen bin ich schon lange. Und ich betone es noch einmal: mit Neuheidentum, „ewig Gestrigem“, Schwurbeleien hat das nichts zu tun. Ich halte solche Rituale für wichtig. Sie kommen sogar im jüngsten Familienbericht der Bundes­regierung vor: „Für die Qualität des Familienlebens sind vorhersehbare Abläufe und Rituale wichtig.“ So ist es. Sie geben dem Leben Struktur: der erste Schultag und die Zuckertüte, die Abiturfeier, Familienfeste und vieles andere mehr.
Die Bräuche sind nicht immer religiös geprägt. Gemeinsame Malzeiten in der Familie oder Vorlesen vor dem Zubettgehen der Kinder gehören da auch dazu. Und wir werden halt mal räuchern, weil ich Bleigießen nicht mag.

Unterwegs fragte mich noch jemand, wo ich den Blumenstrauß gekauft habe. Ach, meine Schafgarbe wächst einfach so, auf den Wiesen in Leipzig-Grünau.
Und so ganz nebenbei hatten wir heute auch noch einen schönen Spaziergang in der wärmenden Sonne.