Die L.A. Union Station, einer der schönsten Bahnhöfe der Welt.

Gegenüber der Olvera Street und in der Nähe des Los Angeles Plaza befindet sich die L.A. Union Station, der größte Bahnhof von Los Angeles. Die Archtitektur lässt die traditionellen spanischen Einflüsse erkennen. Die Union Station ist einer der letzt eröffneten Bahnhöfe in den USA und wurde jetzt erst zu einem der schönsten gewählt. Und schön ist er auch wirklich.

die Union Station von Los Angeles
L.A. Union Station

Wir wollten nicht mit dem Zug fahren, aber unser Auto stand auf einem der angrenzenden Parkplätze. Wir „Mädels“ mussten einfach mal auf Toilette.
Im Bahnhof machte ich einige interessante Entdeckungen.

Da war einmal der wunderschöne Wartesaal, der nur noch zu besonderen Anlässen zugänglich ist. Die Haupthalle des Bahnhofs mit ihrer Kassettendecke, dem Marmorfussboden und seinen hohen Bogenfenstern strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Läden sind stilvoll in den Bahnhof integriert und es gibt auch noch gemütliche Ruhebereiche.
Was mir angenehm auffiel, war die Sauberkeit. Der Bahnhof strahlte förmlich in seinem Glanz. Und so habe ich auch niemand gesehen, der achtlos seinen Müll hinwarf.

Toiletten sind kostenfrei (wie überall) und genauso blitzesauber wie alles andere in der Union Station. In Leipzig hab ich mir manchmal fast einen Knoten sonstwohin gemacht, weil ich das Kleingeld für’s Klo gerade nichtbei mir hatte. Wie immer halt, wenn man es eilig hat. (Und so klein ist der Betrag gar nicht.) Ja, jetzt wird auch gewechselt, aber ehrlich: Gehört eine Toilette nicht zu den Grundbedürfnissen?

Polizei war auf dem Bahnhof immer präsent und war auch ganz schnell zur Stelle, als ein Mann, der offensichtlich seine Nase etwas zu viel gepudert hatte, die Leute „ansaftelte“. Eine Polizistin sah ich, nicht mehr jung, die Bluse in die Hose gestopft, einen derben Koppelgürtel um, an der die Pistole hing. Ungewöhnlich ist das ja nun nicht; ungewöhnlich war ihr Hinterteil. Ich glaube, hier im Lande hätte sie keine Chance in dem Job gehabt.

Das ist mir verschiedentlich erzählt worden, dass es in Kalifornien etwas anders läuft, wenn man sich um Arbeit bemüht. Es geht nicht darum, wie man aussieht, ob man jung ist oder gertenschlankt; mit den Arbeitsinhalten muss man klar kommen. Deshalb gibt man bei Bewerbungen kein Alter an und kein Passbild mit. Das gefällt mir gut.

Alles war hier barrierefrei. Es ist ein altes historisches Gebäude und man hat es verstanden, den Stil zu wahren und dennoch allen Komfort zu bieten. Wege, besonders an Straßen und Gefahren-Ecken, waren mit einer Art Stoppbelag versehen. Man kann gut darauf fahren, aber nicht aus Versehen losrollen. Hilfsbereitschaft habe ich viel erlebt. Das hat mir gut getan und ich habe mich wohl gefühlt.

Auch der schönste Tag geht mal zu Ende und wir machten uns dann auf den Heimweg. Es war ein anstrenender Tag, aber auch einer mit ganz vielen Eindrücken und Begegnungen.
Wenn ich im Garten meiner Tochter saß, hörte ich immer eine Lok pfeifen. Ehrlich, sie scheint mich zu rufen. Von der Union Station fahren Züge bis nach Seattle, aber auch nach Santa Barbara und irgendwann fahre ich mal mit.

Santa Monica Mountains
hier flimmerte die Luft

Felipe de Neve. Wie ein schöner, junger Mann mich fazinierte.

Ab und an braucht jeder mal einen Pause. Wir suchten uns eine Bank am Los Angeles Plaza, um auszuruhen, etwas zu essen und zu trinken. Letzteres muss man in Los Angeles ständig dabei haben und auch ständig machen. Und wie wir da so saßen, bemerkte ich eine Statue eines jungen Mannes auf einem Granitstein stehen. Ich betrachtete ihn mir lange, denn er gefiel mir schon sehr. Wir hatten ja nur so einen „Schiebe-Rollstuhl“mit. Ich war aber so fasziniert von der Statue, dass ich in die Rader griff und mich auf den Weg zu ihr machte.

Felipe de Neve
Felipe de Neve

Der Mann auf dem Sockel war Felipe de Neve, 1724 oder 1728 in Andalusien geboren. 1744 wurde er Kadett der Spanischen Streitkräfte, diente zunächst in Kantabrien, Flandern, Mailand und Portugal und kam schließlich 1764 in die spanischen Kolonien in Mittelamerika. 1774 hatte er sich in den Rang eines Oberstleutnants hochgedient, wurde ein Jahr später Gouverneur von Niederkalifornien. 1777 und 1782 war er dann auch Gouverneur von Oberkalifornien.

In seiner Zeit als Gouverneur wurden in Oberkalifornien einige neue Missionen und Städte gegründet. Die bedeutendste unter ihnen war Los Angeles. Zunächst war dort eine Mission entstanden. Dann schickte Gouverneur Felipe de Neve elf Familien, um das Land zu bebauen. Am 4. September 1781 wurde die Gemeinde Los Angeles mit 44 Siedlern auf dem Gebiet der Tongva-Ureinwohner gegründet. (Das alles kann man nachlesen bei Wikipedia)

Ach so. Deshalb steht er auf dem LA Plaza, dem Ort, an dem das Leben der Stadt Los Angeles begann. Carlos III von Spanien durfte natürlich auch nicht fehlen, denn er hatte die Gründung der Stadt befohlen und Felipe de Neve führte den Befehl aus. Und so entstand „El Pueblo de la Reina de Los Ángeles („Das Dorf der Königin der Engel“), das „Hinterwäldnernest“, wie es die Hauptfigur in der „Kalifornischen Synfonie“ nannte.

Carlos III von Spanien

Ach, gefallen hatte mir der Felipe de Neve schon, wie er so stand auf seinem Sockel, groß, schlank und stolz. Ob ich ihn allerdings in echt gern begegnet wäre, glaube ich eher nicht. In Bewegung gebracht hat er mich an dem Tag allerdings schon und das war doch gar nicht so schlecht.

Ich schaute mich noch ein bisschen weiter um, wenn es nun schon mal rollte. Die umstehenden Gebäude waren aufwändig restauriert worden. Wollt ihr mal mitkommen? Ich rollere mal schon voran, bin ja nun mal nicht die Schnellste.
Wir sehen uns im nächsten Beitrag.

El Pueblo de Los Angeles und eine Lektion in Lebensfreude.

Plaza heißt Quadrat, wenn man es aus dem Spanischen übersetzt. Als Los Angeles 1781 gegründet wurde, bestand die erste Amtshandlung darin, ein Zentrum zu schaffen, von dem aus sich die Stadt entwickeln konnte. Die Plaza, El Pueblo de Los Angeles, wurde ein Rechteck und alle Ecken zeigten auf eine Himmelsrichtung.

Ich habe den Ort mal versucht, zu zeichnen. Ich musste sowieso mal wieder üben und habe festgestellt, dass es mir wiewohl nicht mehr so locker von der Hand ging.
Alles, was ich gerade mal nicht für so wichtig hielt, habe ich weggelassen. Ich nutze die Zeichnung trotzdem, weil ich nunmal nicht gerne fremde Arbeiten nehmen möchte.

Die Stadtpläne gehen mitr nicht mehr so locker von der Hand beim Zeichhnen.

Nach dem Besuch in der Adobe Avila schlenderten wir über die Olvera Street einer historischen Straße in der Innenstadt von Los Angeles. Sowohl zahlreiche Restaurants gibt es hier , als auch viele Marktstände an der Straße und in den Häusern daneben. Die mexikanischen Traditionen sieht und fühlt man hier ganz deutlich. An manchen, farbenfrohen Sachen konnte ich mich zum Beispiel nicht satt sehen. Ein Paar Schuhe hatte es mir besonders angetan, aber als ich mich endlich zum Kauf entschlossen hatte, war der Marktstand indessen verschwunden. Tja!

„Kommt wir gehen jetzt dahin, wo Ramba-Zamba ist“, sagte meine Tochter dann. Und tatsächlich war Musik zu hören, mexikanische Klänge, solche bei denen man immer „mitwippen“ muss.
Hier auf dem alten Platz erlebte ich zwei Dinge. Die erste war, dass hier wirklich multikulturelles Leben zu spüren war und das zweite , dass diese Menschen eine unglaubliche Lebensfreude ausstrahlten, eine die zudem noch ansteckend war.

Hier wurde getanzt und niemand hat es interessiert, was man anhatte, wie man aussah, wie alt man war und wie gut zu Fuß.

Zweimal in der Woche ist das so. Alte und Junge sah ich, Herausgeputzte und welche, die gerade von der Arbeit kamen. Wer nicht tanzen wollte oder konnte stand am Rand des Platzes. Viele hatten sich einen Klappstuhl mitgebracht. Sie schwatzten und lachten.
Alte und Junge tanzten; ich sah auch jemand mit Krücke. Eines aber hatten alle gemeinsam: eben diese Lebensfreude.

Das Fotografieren fiel mir an diesem Tag schwer. Ich saß im Rollstuhl, in einem, mit dem ich geschooben werden musste. Herumkommandieren, wo ich gerade mal hin musste, wollte ich nicht. Ich hatte nie den richtigen Standort, aber ich will die Bilder dennoch zeigen, die Lebensfreude der Menschen auf dem El Pueblo de Los Angeles. Wenn man sie am Abend fragen würde, ob sie sich einsam fühlen, dann bekäme man sicher zur Antwort: „Was ist das?“

Mein Enkel hatte ganz besondere Freude am Tanz der Menschen. Ganz konzentriert sah er einer jüngeren Frau zu, wie sie sich bewegte und zack!, war der Mann seine Tänzerin los. Mein Enkel sorgte an dem Tag für viel Spaß auf dem Platz.

Ich habe da mal einpaar „Schnipsel“. Den Tag werde ich so schnell nict wieder vergessen. Es war für mich eine Lektion! Die Stadt mit ihren Menschen begann ich zu lieben.

Im Getty Center. Fasziniert von der Architektur.

Die Gründer wollten ein Center schaffen, welches „ein wichtiger Teil des intellektuellen, kulturellen und pädagogischen Lebens von Los Angeles“ sein sollte (Herold M. Williams, neun Jahre vor der Eröffnung des Getty Centers). Das ist ihnen gelungen.

Viele Stunden waren wir im Getty Center. Das Center ist sehr groß und man hat gut zu tun, alle Ebenen und Bereiche zu sehen. An dem Tag habe ich mich erstmal auf die faszinierende Architektur k0nzentriert. Das Museum, die Kunstsammlung, die Fotoaustellung und anderes in den Gebäuden haben wir beim besten Willen nicht geschafft. Ich wollte allerdings auch nicht durchhetzen, sondern alles in Ruhe auf mich wirken lassen. Womit ich aber anfangen soll mit der Beschreibung meiner Eindrücke, weiß ich nicht.
Ich mach jetzt einfach mal.

Der Architekt Richard Meiers wählte Travertin, einen italienischen Kalkstein, nicht nur für die Fassade des Museums, sondern auch für die Grundflächen anderer Gebäude, für Bodenplatten und Bänke. Diese grob strukturierte Oberfläche passt sich besonders gut in die Landschaft ein.
Ich kann immer nicht anders: Ich muss die Mauern anfassen, muss die Oberfläche fühlen. Wahrscheinlich war das auch so gewünscht. Das Getty Center ist ein Objekt, was man mit allen Sinnen wahrnehmen soll.

Es gab so viel zu entdecken, dass ich kaum alles aufnehmen konnte. Würde ich hier wohnen, wäre ich wahrscheinlich sehr oft Gast im Getty Center. Einen Meter weiter gelaufen auf dem Weg und schon sieht alles anders aus. Das Bild verändert sich. Das Licht fällt durch die Lücken in den Mauern und erzeugt jedes Mal ein anderes Bild oder gibt Ausblicke frei. Das wollte Meiers auch so. Er spielte mit dem Licht, dem Stein, mit Wasser.

Meier nutzte fließende kurvenförmige Elemente bei der Gestaltung des Getty Centers. Es verbindet die Moderne mit seinem feinen Gefühl für Struktur und Ordnung. Und unwillkührlich erinnert es an das Gelände, in dem sich das Center befindet.

Rundungen und Wellen
Rundungen und Wellen wie bei der Umgebung des Getty Centers
wie beim Territorium, auf dem das Getty Center steht

In dem Kalkstein sind verschiedene Gestaltungselemente zu sehen: Federn, Blätter und Zweige. Die konnte ich gar nicht fotografieren, weil ich sie im Vorbeifahren manchmal zu spät sah. Auch habe ich vergessen, nach oben zu fotografieren. Jede Schattenabdeckung war anders, jede Ecke zum Beispiel oder jede Treppe, jede einzelne Säule und jedes Stück Mauer. Und alles fügte sich dann noch in einen großartigen Gesamtkomplex ein.

Ausblicke vom Getty Center
Ausblicke von überall

Ausblicke gab es zudem von den vielen Terrassen, auf die Stadt Los Angeles, auf die Santa Monika und Santa Gabriel Mountains, auf den Pazifischen Ozean. Da zeige ich ein andermal mehr.
Die Sonne schien die ganze Zeit unbarmherzig. Gut, dass meine Tochter uns sehr gut beraten hatte, wie wir uns schützen konnten. Man merkt nämlich nicht, wie heiß es ist, denn oben auf dem Getty Center geht immer Wind. Man muss seinen Hut schon festhalten oder auch fest binden. 😀

Auf dem Highway 405 zum Getty Center in Los Angeles

Heute möchte ich beginnen, von einem wunderschönen Tag zu berichten, der mir immer in Erinnerung bleiben wird. Mich packt Wehmut, wenn ich daran denke, denn ich möchte da gerne wieder sein.
Zuerst aber müssen wir mal auf den Highway 405, um zum Getty Center zu gelangen. Dahin möchte ich euch mitnehmen.

auf dem Highway 405 zum Getty Center
Meine Tochter ist eine excellente Autofahrerin

„Leute, heute fahren wir zum Getty Center“, meinte meine Tochter nach dem Frühstück. Gesehen hatte ich den Komplex schon, von unten her, also vom Highway aus. Auf dem Wege nach Santa Monica sind wir daran vorbei gefahren.

Highway 405

Der Highway übrigens ist eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen in Südkalifornien und ist die meistbefahrenste Straße der Vereinigten Staaten. Nachmittags ist dann auch mal die Bude dicht. Man will die Verkehrssituation nicht entkrampfen dadurch, dass man weitere Spuren schafft, sondern, dass der Öffentliche Nahverkehr ausgebaut wird. Das finde ich gut.

Als wir unterwegs waren, ging es entspannt zu. Es gibt Geschwindigkeits-Begrenzungen, keiner drängelt oder brettert.
Später, am allerletzten Tag unserer Reise, fuhren wir mit einem Uber-Taxi genau diesen Highway entlang zum LAX, dem Los Angeles International Airport. Am liebsten hätte ich dem Taxifahrer gesagt, dass er abbiegen soll, zum Getty Center oder sonstwohin. Ich wäre so gerne geblieben.

eigene Ausfahrt zum Getty Center vom Highway 405

Das Getty Center in Brentwood, einem Stadtteil im Westen von Los Angeles, ist der Sitz des J. Paul Getty Trusts. Es beherbergt seit 1997 den größten Teil der Sammlung des J. Paul Getty Museums und auch wissenschaftliche Einrichtungen, wie das Getty Research Institute und das Getty Conservation Institute, welches auf dem Gebiet der Restaurierung tätig ist. Das Getty Leadership Institute kümmert sich um die Aus- und Fortbildung von Führungspersonal für Museen.

Das Getty Center hat eine eigene Highway-Abfahrt. Ein Parkhaus ist gleich unten am Berg. Da der Eintritt frei ist, sind die Parkgebühren das Einzige, was man zahlen muss. Das Center ist aber auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

mit der Elektro-Tram den Berg zum Getty-Center rauf

Hoch auf den Berg fährt man mit einer elektrischen Tram. Auch sie ist kostenfrei. Die Fahrt von der unteren Haltestelle nach oben zum Center ist an sich schon ein Vergnügen. Während die Tram sich nach oben schlängelt durch eine sorgsam erhaltene Waldlandschaft, bekommt man wunderbare Ausblicke auf die Stadt Los Angeles.
„Warte es ab“, sagte die Tochter. „Es wird noch besser.“

In der Tram hatte jeder seine Maske auf und niemand drängelte. Ganz entspannt kam ich mit dem Rollstuhl oben im Getty Center an. Manchmal bin ich bei Ausfahrten nach Ankunft das erste Mal fertig mit mir und meinen Nerven. Hier war es anders. Ich habe sowieso das Gefühl, dass alles in Kalifornien ruhiger zugeht, ohne Hektik und Gehetze.

mit der Tram hinauf auf den Berg

Oben angekommen, war ich erstmal überwältigt von einem Bauwerk, bei dem jeder qm anders aussieht und anders gestaltet ist, wo man mit Licht und Schatten spielt und alles mit einer wunderschönen Bepflanzung zu einem Kunstobjekt vereint hat.

Ich fand es erstaunlich, dass ein Unternehmer, damals der reichste Mann der Welt, seiner Stadt große Teile seines Vermögens überlassen hat, mit der Auflage, dass das Center, die Villa in Pacific Palisades mit einer Antiksammlung und auch auch all die aneren gesammelten Kunstwerke, immer allen frei zugänglich sein müssen.

Darf ich euch mitnehmen in das Getty Center? Dann machen wir das, in einem nächsten Beitrag.

Auf einer Farm mitten in der Millionenstadt Los Angeles

Den Enkel hatten wir etwas eher aus dem Kindergarten abgeholt, denn wir wollten auf einen kleine Farm. Dort sollte es auch Ziegen und Schafe geben und das interessierte mich nun. Wie kommt ein junger Mann dazu, Ziegen und Schafe, Hühner und Enten zu halten, mitten in der Stadt Los Angeles., da wo jeder erstmal Beverly Hills, die Wall of fame oder Hollywood denkt? Das wollte ich herausfinden.

ein Farmer in Los Angeles (@pez-farm Los Angeles)

Der Schwiegersohn und Herr E. waren unterwegs nach Las Vegas. Mein Ding ist das nicht; zu laut, zu krell, zu bunt. Auch dem Enkel wollten wir das ersparen und so blieben meine Tochter, ich und der Enkel in Los Angelas. Und auch hier hatten wir etwas besonderes vor.

Wir hatten uns für einen Besuch der Farm angemeldet und wurden schon erwartet.
Der junge Mann erzählte mir dann, dass sein Vater außerhalb von Los Angeles eine Farm hatte und Tiere. Er war sehr, sehr gerne dort. Und als er später mit seiner Schwester das Haus mit Nebengelass in LA fand, gründete er seine eigene kleine Farm. Mit zwei Ziegen fing er an. Inzwischen leben viele Tiere da, auch Schafe, Hühner, Enten, Gänse.

Ich finde das bewundernswert, wenn jemand seinen Traum lebt und sich nicht beirren lässt. Der Farmer tut nicht das, was er soll und was erwartet wird, er macht das, was er möchte und was er dann auch gut kann. Reich wird er nicht werden mit der Farm, aber ich glaube, das will er auch nicht. Der junge Mann sah sehr zufrieden aus, als er uns herum führte.

Jeder kann ihn und seine Tiere besuchen und dann erzählt er von seinen Tieren, was sie fressen, wie sie leben. Man kann sie streicheln und das freut die Kindergruppen aus der großen Stadt sehr. Über Gemüse für die Tiere freut man sich hier immer oder über eine Spende über eine amazon Wunschliste (Tierbedarf).

Der Junge Mann gab mir eine Handvoll Wolle und fragte, ob ich auch die Wolle seiner Schafe verarbeiten könnte. Die Schafe muss man nicht scheren. Sie wechseln die Wolle im Laufe des Jahres. Im Mittelalter war das bei uns auch so: Man sammelte auf, was die Schafe ablegten.

Schafe gab es natürlich auch auf der kleinen Farm
die Schafe mit ihrer Wolle

Klar, kann man auch die Wolle verarbeiten. Kämmen müsste man sie, denn es sind Stichelhaare drin. Aber dann … Und wieder vermisste ich mein Spinnrad.
Der Mann erzählte mir noch, dass seine Mutter immer gestrickt hat. Meine Tochter will ihm beim nächsten Besuch den Schal zeigen, den ich ihr aus selbstgesponnener Garn gestrickt habe.

Mein Enkel war sehr glücklich bei den Tieren auf der Farm. Am Ende rochen wir alle etwas nach Ziege, aber es gibt ja Wasser und Seife.
Das war eine Geschichte von einem besonderen Menschen, den ich hier traf. Mir begegneten viele und genau das war es, was mir auf der Reise so gut getan hat.

Schlafenszeit für die Tiere der Farm
Abendbrot und Schlafenszeit

Homestead acre und Minnie Hill Palmer House

„The Homestead Acre“ ist der Name eines 1,3 Hektar großen Geländes im Chatsworth Park South, der einen alten Redwood-Bungalow enthält, der von Gärten, vielen Obstbäumen und duftenden Rosensträuchern umgeben ist.

Meine Tochter wohnt nicht im Zentrum von Los Angeles, sondern im Stadtteil Winnetka, im zentralwestlichen San Fernando Vallay. Wenn man noch ein gutes Stücke auf die Berge zu fährt, kommt man zu dem einzig verbliebenen Landhaus der ersten Siedler im San Fernando Vallay, dem Minnie Hill Palmer House, auch bekannt als „The Homestead Acre“.

1886 ließen sich James David und Rhonda Jane Hillnach dem Homestead Act auf 110 Acres (45 ha) Land nieder. Die Siedler kamen mit ihren schweren Wagen über die Berge. Die Räder der Wagen haben Furchen hinterlassen im steinigem Untergrund. Zuerst waren es wenige , die sich hier ansiedelten, dann wuchs die Zahl der Einwohner stark an.

Minnie Hill Palmer
(1886 -1981)

Minnie Hill Palmer (1886 – 1981) wurde 1886 als das siebente Kind der Hills hier geboren. 1908 heiratete sie Alfred Palmer. Minnie wohnte und arbeitete in dem Haus ihrer Eltern bis zum März 1976, baute ihr Obst und Gemüse selber an und kochte jedes Jahr 300 Gläser Obstgelee auf ihren alten mit Holz befeuertem Herd, die sie als Weihnachtsgeschenk weiter gab. Bis ins hohe Alter sah man sie mit einem Handpflug ihren Garten bearbeiten.

Jetzt ist das Gelände und das Minnie Hill Palmer Haus historisches Museum und wird von einem Verein bewirtschaftet. Die Mitglieder halten das Haus in Ordnung und veranstalten Führungen durch das Haus und ein angrenzendes Museum. Elvira hätte ihre Freude gehabt. Die Vereinsfrauen haben mit einer Quiltmeisterin einen Wandteppich genäht, alles mit Nadel und Faden, mit der Hand.

Uns führte eine Frau in historischem Gewand durch das Minnie Hill Palmer House. Natürlich wurden wir gefragt, wo wir herkommen. Sie und die anwesenden Museumspfleger freuten sich sehr, dass wir den Weg zu ihnen gefunden hatten und uns für die Geschichte interessierten. Touristen zieht es immer zuerst nach Hollywood oder Beverly Hills. Unsere Führerin erzählte uns dann noch, dass sie aus Norditalien stammt, aber schon seit vielen Jahren in Kalifornien lebt.

unsere Gastgeberin im Minnie Palmer House

Los Angeles ist schon eine interessante Stadt, weil sich hier viele Kulturen treffen und miteinander wohnen. Mir gefällt das, weil es das Leben in dieser Stadt reicher macht. Den Weg auf den Spuren der Geschichte in das Minnie Hill Palmer House fand ich höchst interessant. Er passte auch prima zu dem Buch, welches ich gerade lese, „Kalifornische Synphonie“ von Gwen Bristow.
Eines muss ich noch sagen: Es hat mich in den Fingern gejuckt, mich an das Spinnrad zu setzen und ein bisschen zu arbeiten.

Die Santa Monica Mountains – ein bisschen bin ich noch dort

Alle Bilder habe ich inzwischen gesichtet und gesichert, damit sie mir nie verloren gehen. Die Speicherkarten sind nun mehr wieder leer. Ich könnte also glatt und sofort wieder auf Reisen gehen.
Es ist eine ordentliche Menge an Bild und Videomaterial zusammengekommen. Die Santa Monica Mountains habe ich oft und immer wieder von verschiedenen Standpunkten fotografiert. Verwunderlich ist es nicht, denn schließlich sind sie allgegenwärtig in der Gegend.

Die Bergkette befindet sich nördlich von Santa Monica. 64 km in west-östlicher Richtung im Ventura County bis hin zu den Hollywood Hills in Los Angeles. Es ist wiewohl eine Bergkette, die eher vom Osten nach Westen als vom Norden nach Süden verläuft. In Los Angeles befindet sich der am meisten fotografierte Berg, der Mount Lee, der das Hollywood-Zeichen trägt.

der Mount Lee, der wohl berühmteste Berg der Mountains

Die Santa Monica Mountains waren das Erste, was ich beim Landeanflug gesehen habe. Mit Getöse ging das Flugzeug rasch unter. Ein kleiner Seitenblick aus dem Seitenfenster zeigte mir, dass wir inmitten der Berge landeten. Nur zum Ozean hin war alles offen. Das ist quasi die Forte für ankommende und abfliegende Flugzeuge.

Santa Monica Mountens bei Chatsworth

Ich stellte mir immer mal vor, wie die Siedler anno Dunnemals in ihren Planwagen durch die Dürre fuhren, verstaubt, ungewaschen, denn Wasser ist knapp und suchend nach einem Weg hinunter in das Tal. Sehr hoch sind die Bergzüge nicht, tückisch obzwar schon. Ich glaubte die Wagen knarren zu hören und am Gestein schleifen (Spuren kann man auf dem traditionellen Siedlerweg noch heute sehen), das Geschrei der Männer, die die Ochsen antrieben und das Gebrüll der hungrigen und durstenden Tiere. Welche Zukunft sie erwartete, wusste keiner.

Dann wohltuende Stille. Das Flugzeug war gelandet, mitten im Kessel der Santa Monica Mountains. Und was erwartete mich? Ich hatte schon ein bissel Bammel.

San Fernando Vallay/Topanga Overlook

Innerhalb des „Los-Angeles-Beckens“ liegen mehr als 150.000 Morgen meist unerschlossenes Land aus staatlichen, lokalen und bundesstaatlichen Naturschutzgebieten. Um den Schutz ist man in Kalifornien sehr bemüht. Mich hat das sehr beeindruckt. Ich habe dann solche Gebiete besucht oder bin durchgefahren und ich werde beim nächsten Besuch länger verweilen. Diesmal zog es mich vorwiegend an die Küste, dahin, wo die Hügelkette sich sanft abfallend öffnet.

im Hintergrund die Santa Monica Mountains
am Strand von Pacific Palisades,

In eine interessante Landschaft war ich da geraten. Es faszinierte mich, die Berge sowohl von unten aus dem Talkessel zu sehen als auch von oben ins Tal zu schauen. Manchmal konnte ich mich nicht losreißen von den beeindruckenden Ausblicken und an einige Orte werde ich euch später noch mitnehmen.

Zurück aus der bunten, lauten, schönen Stadt Los Angeles

… und ich habe Heimweh, nach meiner Familie, den neuen Freunden, der Stadt, dem Ozean

Ich bin wieder zu Hause.
Drei tolle Wochen habe ich verlebt in Los Angeles. Meine Familie hat es mir möglich gemacht. Diese drei Wochen haben meine Lebenshaltung und mein Weltbild nachhaltig verändert. Ich habe Tagebuch geschrieben, damit ich nichts vergesse. Vielleicht werde ich einiges hier ausplaudern.

Auf Wiedersehen, du schöne Stadt Los Angeles. Dich werde ich nicht wieder vergessen können.

Viele Fotos aus Los Angeles und Umgebung muss ich jetzt sichten und verarbeiten. Ich möchte für mich ein e-book erstellen, eines wo ich auch Videos und anderen „Kram“ einbinden kann. Meine Gefühle, Begegnungen und Erlebnisse möchte ich bewahren.

Ich habe mich noch nie so frei gefühlt wie in Californien. Als das Flugzeug bei der Heimreise einen „Schlenker“ über den Pazific machte, kamen mir die Tränen. Und ja, ich war auch drinnen im Ozean, zumindest mit den Füßen.

Ich bin nicht überall herumgesaust, aber da wo ich war, war ich lange und richtig. Über die Geschichte von Los Angeles habe ich eine Menge gelernt und hatte viele wertvolle Begegnungen. Ich möchte von den Menschen erzählen, die hier leben und arbeiten. Gefragt wurde ich, was ich über Land und Leute gedacht habe, bevor ich hier war. Ich war ehrlich. Und ja, ich sehe jetzt vieles anders.

Ehe ich anfange mit den Bildern und dem Buch, muss ich erstmal wieder zur Ruhe kommen. Die Rückreise war anstrengend und dauerte 25 Stunden.

California, ich komme wieder. Versprochen. Und bis dahin lerne ich Englisch. Und ein bisschen Spanisch, damit ich mir auch mal ein Brötchen kaufen kann.